Die Sieger - Director's cut - Blu-ray

Blu-ray Start: 10.10.2019
FSK: 16 - Laufzeit: 147 min

Die Sieger - Director's cut Blu-ray Cover -> zur Blu-ray Kritik

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Inhalt

Karl Simon ist Ermittler eines SEKs. Bei einem misslungenen Einsatz gegen Geldfälscher glaubt er, in einem fliehenden Gangster seinen ehemaligen Kollegen und Freund Heinz Schaefer zu erkennen. Bloß ist Schaefer seit vier Jahren tot. Er ging in den Rhein, nachdem er seine neugeborene behinderte Tochter umgebracht hatte. Simon lässt die Begegnung nicht los, doch seine Vorgesetzten wollen von seiner Beobachtung nichts hören. Als Holger Dessaul, der als Staatssekretär mit einem Korruptionsskandal führender Politiker betraut war, entführt wird, erkennt Simon als Täter abermals Schaefer. Doch auch diesmal stößt er in seiner Dienststelle auf taube Ohren. Mehr noch: dass die Entführung nicht vereitelt wurde, wird ihm angelastet, weshalb er und sein Team suspendiert werden. Und nun bedroht Schaefer Simons Familie massiv …

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Blu-ray Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: Concorde Home Entertainment
Tonformate:
DTS-HD 5.1 Master Audio (Deutsch)
Bildformat: 16:9 Widescreen (1,85:1) 1080p HD
Bonusmaterial:
Kommentierte Szenen
Featurette
Making-of
12-seitiges Booklet mit Filmkommentar von Olaf Möller

Video on demand - Die Sieger

DVD und Blu-ray | Die Sieger - Director's cut

Blu-ray
Die Sieger - Director's cut Die Sieger - Director's cut
Blu-ray Start:
10.10.2019
FSK: 16 - Laufzeit: 147 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Die Sieger - Director's cut Die Sieger - Director's cut
DVD Start:
10.10.2019
FSK: 16 - Laufzeit: 141 min.

Blu-ray Kritik - Die Sieger - Director's cut

Blu-ray Wertung:
Film: | 7/10
Bild: | 8/10
Ton: | 7/10
Extras: | 5/10
Gesamt: | 7/10


1994 wagte der renommierte deutsche Filmemacher Domink Graf mit „Die Sieger“ ein nie dagewesenes und in dieser radikalen Form nie wiederholtes Genrekino-Experiment, das nun endlich in einem verlängerten Director’s Cut erscheint und neu rezipiert werden darf. Damals ein vernichtender finanzieller Flop, der bei der Kritik polarisierte und sogar von Graf als Fehlschlag eingestuft wurde, heute ein missverstandenes Meisterwerk? „Die Sieger“ ist tatsächlich oft nahe dran, diese Bezeichnung zu verdienen, so ambitioniert, kompromisslos und anders, so voller Persönlichkeit und Ideen ist dieser vielschichtige Film, der trotz gewisser Schwächen mindestens nachhaltig fasziniert.

Alleine mit seiner Laufzeit von nun 147 Minuten lässt „Die Sieger“ aufhorchen. Und tatsächlich, Grafs Polizei-Korruptions-Actionthriller erweist sich als hochkomplexe Angelegenheit, die höchste Aufmerksamkeit erfordert und eine erhöhte Auffassungsgabe seines Publikums voraussetzt. Wichtige Handlungsdetails in diesem Film über eine weitreichende und verworrene Politintrige werden teilweise nur in scheinbaren Nebensätzen erwähnt, sodass „Die Sieger“ durchaus etwas sperrig und undurchsichtig daherkommt. Dass viele dieser Sätze öfter mal etwas undeutlich genuschelt sind, macht das Verständnis nicht einfacher.

Herbert Knaup und Katja Flint in Die Sieger
Herbert Knaup und Katja Flint in Die Sieger © Concorde Home Entertainment
Im Mittelpunkt von „Die Sieger“ steht eine Düsseldorfer SEK-Einheit, die von Polizeihauptmeister Karl Simon (Herbert Knaup) angeführt wird. Der Film beginnt mit einer Rückblende vier Jahre vor der Filmgegenwart, die kaum schockierender und provokanter ausfallen könnte. Hier macht Graf direkt schon mal unmissverständlich klar, dass in seinem unerbittlichen Universum nichts und niemands sicher ist und man keinen betulichen deutschen Film von der Stange erhält. Dort fährt Simon seinen Kollegen Heinz Schaefer (Hannes Jaenicke) in scheinbarer sommerlicher Idylle zum Krankenhaus, wo seine Frau Angelika (Meret Becker) gerade ein schwerbehindertes Kind zur Welt gebracht hat. Schaefer geht schnurstracks zum Brutkasten, aus dem er das Baby entnimmt und eiskalt tötet. Graf versetzt dem Zuschauer mit diesem filmischen Tabubruch direkt einen brutalen Schlag in die Magengrube, der ernsthaft beunruhigt und verstört.

Doch Graf erklärt sich und den Film nie, viel mehr hinterlässt er nur Bruchstücke, die man nach und nach zusammensetzen muss. Welchen Job Simon und Schaefer ausüben, in welcher Beziehung sie zueinander stehen, die Tatsache, dass das Kind behindert war – all das erfährt man nur nach und nach im folgenden Verlauf. So springt „Die Sieger“ in die Gegenwart, wo er zunächst das Team abgebrühter und verschworener SEK-Leute vorstellt. Bei einem Einsatz in einem Düsseldorfer Hotel soll ein Zimmer gestürmt werden, in dem sich Mitglieder eines Verbrechersyndikats befinden. Der Zugriff geht schief, denn nur einer der drei Mafiosi kann gefasst werden, während einer erschossen wird und der andere flüchtet. In diesem glaubt Simon seinen alten Kollegen Schaefer gesehen zu haben, der sich jedoch nach seinem Kindsmord angeblich in den Rhein gestürzt hat. Doch damals fand man nur eine Leiche mit abgetrenntem Kopf, die nicht eindeutig zugewiesen werden konnte.

Herbert Knaup in Die Sieger
Herbert Knaup in Die Sieger © Concorde Home Entertainment
So beginnt „Die Sieger“ vielversprechend und legt ganz behutsam eine politische Intrige offen, bei er es zu korrupten Machenschaften zwischen dem LKA, dem Innenministerium und der Mafia gekommen ist. Das ist, wie eingangs erwähnt, komplex und anspruchsvoll erzählt, jedoch droht der Film immer wieder seinen Erzählfokus zu verlieren. Im Mittelpunkt steht Simon, der besessen von der Idee ist, dass sein alter Freund und Kollege gar nicht gestorben ist, sondern als V-Mann des LKA eingesetzt wird. So beleuchtet der Film Simons Familienleben mit Frau Claudia (Valerie Veil) und seinen zwei Söhnen, die durch seine Nachforschungen plötzlich in tödliche Gefahr geraten, dann aber auch seine Affäre mit Melba (Katja Flint), der Gattin des Staatssekretärs Holger Dessaul (Thomas Schücke), der die Ermittlungen gegen die Mafia leitet und möglicherweise selbst in einen Korruptionsskandal verwickelt ist.

Vor allem ist „Die Sieger“ aber ein ungemein atmosphärischer Film, der mit kraftvoll-stimmigen Bildern glänzt. Auch ist der Film angenehm frei von Klischees, er wirkt gerade im präzise beobachteten Zusammenspiel der SEK-Truppe enorm authentisch und glaubhaft. Auch ist Graf nicht daran interessiert, typische Sympathieträger und Identifikationsträger zu platzieren, was zur Folge hat, dass die Figuren allesamt eher kühl, unnahbar und distanziert wirken. Einen richtigen Zugang findet man so zwar nie, dennoch ist die konsequente und nicht falsch moralisierende Erzählweise und Inszenierung Grafs in ihrer Ehrlichkeit mutig und bewundernswert. Einige Dialoge überzeugen mit nahezu improvisiert wirkender Authentizität, andere erscheinen wieder schmerzhaft gesetzt und scheinen einem alten Film Noir oder Kriminal-Groschenroman entsprungen zu sein („Die Sehnsucht ist ein Hund. Sie läuft einem immer hinterher“). Man spürt dem Film eine latente Schwere an, seinen Anspruch, wichtig und außergewöhnlich zu sein. Auch kann man kaum bestreiten, dass er bisweilen behäbig und mäandernd daherkommt. Das ist immer faszinierend, aber dadurch auch oft schwer zugänglich und ohne den letzten Funken souveränes Selbstverständnis, der den Film abrunden könnte.

Szene aus Die Sieger
Szene aus Die Sieger © Concorde Home Entertainment
Garniert ist „Die Sieger“ (ein sehr ironischer Titel übrigens) mit diversen handwerklich starken Action-Momenten, die in ihrer kraftvoll-muskulösen und durchaus an das amerikanische Genrekino erinnernde Inszenierung nur durch leicht avantgardistische Anflüge wie gelegentlichen Stakkato-Schnitt getrübt werden. Aber auch setzt der Film seinen provokanten Stil in zahlreichen Nacktszenen (sowohl von Frauen als auch von Männern) und wild-ekstatisch-schwitzigen Sexszenen fort. Wahrlich spektakulär ist dieser harte Großstadtthriller also immer wieder bei seinen Geiselnahmen, Verfolgungsjagden und Straßen-Shoot-Outs, insbesondere aber bei seinem bemerkenswert aufwändigen Finale in den Alpen, bei dem eine Gondel zum Einsatz kommt.

Mit den stimmig klaren wie kühlen Bildern, seinem eklektischen, metallisch-sphärischen und gelegentlich melancholischen Score und seiner eigenwillig impressionistischen und gelegentlich avantgardistischen Inszenierung wirkt „Die Sieger“ bisweilen wie ein deutscher Michael Mann. Tatsächlich kommt dann auch Grafs authentische und klischeebefreite Schilderung von Gesetzeshütern, Verbrechern und Politiken mit all ihren spezifischen Codes und Prozedere zum Vorschein, die eine weitere Parallele zum Kino von Michael Mann aufweist. Desweiteren ist „Die Sieger“ auch ein Männerfilm, der jedoch wie etwa „Heat“ entschieden von starken und interessanten Frauenfiguren geprägt ist. So baut „Die Sieger“ präzise Männerbilder auf, um sie dann wie auch das Action- und Männerfilmgenre insgesamt zu dekonstruieren und variieren. Daraus ergibt sich ein Film, der hochambitioniert versucht zwischen den Genrekonventionen zu wandeln, Neues zu finden und dabei, auch wenn er stets fasziniert, manchmal etwas unentschlossen und ohne richtigen Rhythmus daherkommt. Dennoch, „Die Sieger“ wagt etwas, widersetzt sich gängigen Sehgewohnheiten mit wissender Konsequenz und ist trotz sicher vorhandener Schwächen ein Film, den man nicht ignorieren darf.

Natalia Wörner und Meret Becker in Die Sieger
Natalia Wörner und Meret Becker in Die Sieger © Concorde Home Entertainment
Bild
Die Bildqualität des restaurierten Films ist größtenteils bemerkenswert. Das Bild ist frei von Verschmutzungen und begeistert mit Klarheit und präziser Definition. Neben gelegentlichem digitalem Rauschen in dunklen Bereichen kommt manchmal ein feines Filmkorn zum Vorschein, das aber die Textur des Films schön betont. Ansonsten ist das Bild sehr kontrastreich, gesättigt und von einer intensiv warmen Farbpalette geprägt. Natürlich sind die neu eingefügten Szenen des Director’s Cut aufgrund ihrer Videobandherkunft in denkbar schwachem Zustand. Kurzum: „Die Sieger“ sieht auf Blu-ray top aus.

Ton
Akustisch bietet die Blu-ray sowohl eine 2.0- als auch eine neue 5.1 DTS-Abmischung. Erstere ist empfehlenswert, da der Sound hier klarer definiert ist und trotzdem nichts an hohem Dynamikumfang gegenüber der effektreicheren 5.1-Spur einbüßt. Diese hat den Nachteil, dass der Klang häufig sehr diffus aus dem Raum ertönt, darunter sogar die Stimmen, die auch aus den beiden hinteren Kanälen hervorkommen. Der Klang ist also räumlich, generell wirkt die Abmischung aber unpräzise. Stimmen sind hier teilweise besonders schwer verständlich geraten, da diese auch schon im 2.0-Mix teilweise etwas genuschelt sind. Dennoch, ansonsten klingt der Film toll und sauber.

Extras
Beim Bonusmaterial legt Concorde eine sehr interessante, wenn auch recht kurze zeitgenössische Featurette bei, die einen guten Blick hinter die Kulissen der schwierigen Produktion wirft. Dazu kommen die neu eingefügten Szenen, die von Dominik Graf und Herbert Knaup kommentiert werden. Ansonsten kann man sich noch an einem Booklet mit einem Vorwort von Bavaria-Geschäftsführer Markus Zimmer und einem Essay von Filmwissenschaftler Olaf Möller erfreuen.
• Featurette (11:34 Min.)
• Kommentierte Szenen (08:07 Min.)
• Trailershow


Fazit:
„Die Sieger“ ist ein außergewöhnliches und überaus faszinierendes wie eigenwilliges Filmmonster: schwer zu bändigen, wild und sprunghaft, provokant, abgründig und kompromisslos, aber trotz seiner Schwächen immer in seinen Bann ziehend.

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by Florian Hoffmann
Bilder © Concorde Home Entertainment