Der Sommer mit Mamã - Blu-ray

Blu-ray Start: 26.02.2016
FSK: 0 - Laufzeit: 90 min

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Inhalt

Seit vielen Jahren lebt und arbeitet Val (Regina Casé) als Haushälterin bei einer wohlhabenden Familie in São Paulo. Pflichtbewusst und mit Hingabe kümmert sie sich um alles und erträgt so manches. Für den 17-jährigen Sohn Fabinho (Michel Joelsas) ist sie wie eine zweite Mutter. Eines Tages kommt ihre eigene Tochter Jéssica (Camila Márdila), die sie als kleines Mädchen bei einer Freundin zurückgelassen hat, zu ihr, um die Aufnahmeprüfung an der Universität zu machen. Und damit gerät nicht nur Vals Weltbild, sondern auch das strenge Machtgefüge im Haus ins Wanken. Denn Jéssica ist nicht bereit, sich den starren Standesregeln unterzuordnen und mischt den Haushalt auf.

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Blu-ray Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: Alive / Pandora Film
Tonformate:
DTS-HD 5.1 Master Audio (Deutsch)
Bildformat: 16:9 Widescreen (2.35:1) 1080p HD
Bonusmaterial:
Pandora Trailershow, Deleted Scenes (OmU)

DVD und Blu-ray | Der Sommer mit Mamã

Blu-ray
Der Sommer mit Mamã Der Sommer mit Mamã
Blu-ray Start:
26.02.2016
FSK: 0 - Laufzeit: 90 min.

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DVD
Der Sommer mit Mamã Der Sommer mit Mamã
DVD Start:
26.02.2016
FSK: 0 - Laufzeit: 90 min.

Blu-ray Kritik - Der Sommer mit Mamã

Blu-ray Wertung:
Film: | 8/10
Bild: | 9/10
Ton: | 8/10
Extras: | 3/10
Gesamt: | 8/10


Der brasilianische Oscar-Shortlist-Beitrag und Gewinner des letztjährigen Berlinale Panorama-Publikumspreises „Der Sommer mit Mamã“ ist eine der positiven Überraschungen des vergangenen Kinojahres. An der Oberfläche präsentiert sich hier ein sehr sympathischer und oft unwiderstehlicher Publikumsfilm, der richtig Spaß macht und viel geistreichen Humor bereithält. Unter dieser Oberfläche verarbeitet Regisseurin und Autorin Anna Muylaert aber das weit auseinanderklaffende Sozialgefüge im modernen Brasilien, indem sie den Mikrokosmos einer wohlhabenden Familie auseinandernimmt, der stellvertretend für die brasilianische Zwei-Klassen-Gesellschaft steht.

Der Sommer mit Mamã Szenenbild Im Mittelpunkt des Films steht Val (Regina Casé), die schon seit vielen Jahren den Haushalt des reichen Paares Bárbara (Karine Teles) und Carlos (Lourenço Mutarelli) in einem Nobelviertel von São Paolo führt. Val ist nicht nur Angestellte, sie lebt in einem Dienstmädchenzimmer in der luxuriösen Villa und ist im Grunde selbst schon ein Teil der Familie. Zu dieser Tatsache trägt entscheidend bei, dass Fabinho (Michel Joelsas), der Sohn der Familie, zu Val ein innigeres Verhältnis hat als zu seiner eigenen Mutter (der englische Titel lautet passenderweise „The Second Mother“). Val hat jedoch auch eine eigene Tochter, nämlich Jéssica (Camila Márdila), die sie allerdings vor zehn Jahren bei ihrem Vater zurückgelassen hat. Es kommt zum Wiedersehen, als sich Jéssica entscheidet in São Paolo ein Architekturstudium anzugehen, für das sie zunächst eine Aufnahmeprüfung absolvieren muss. Bis es soweit ist und sie eine eigene Wohnung gefunden hat, will sie bei ihrer Mutter unterkommen, ohne jedoch zu wissen, dass sie im Haus ihrer Arbeitgeber wohnt. In der Villa der reichen Familie angekommen ordnet sich Jéssica anders als ihre sich klein machende Mutter allerdings gar nicht unter und bringt mit ihrem Verhalten einiges durcheinander.

Muylaert nimmt sich lange Zeit, um die Lebenssituation und Hierarchie von Val und der Familie zu etablieren. Im Grunde ist Val in den Haushalt integriert und scheint ein durchaus freundschaftliches Verhältnis zu Bárbara zu führen, doch ein Blick auf ihr lächerliches kleines Kämmerlein und gelegentliches Von-oben-herab-Verhalten des Ehepaares macht deutlich, dass Val eigentlich nur eine Außenstehende ist. Nur mit Fabinho ist Val letztlich auf Augenhöhe, ihre Beziehung wirkt überaus persönlich und liebevoll. Der Kontrast zwischen Reichtum und Arbeiterklasse und die Unterschiede in ihrer Mentalität wird durch das Eintreffen von Jéssica akzentuiert, die als Katalysator der Geschichte fungiert. Ihr ist das ergebene Verhalten ihrer Mutter ein Rätsel, der Pool darf unter keinen Umständen benutzt werden, das Eis von Fabinho darf um-Gottes-willen nicht verspeist werden und am Küchentisch der Familie essen – selbst wenn sie gerade nicht zugegen ist – geht gar nicht. Der Sommer mit Mamã SzenenbildSchnell wird klar, dass Jéssica der einzige Normale in diesem Irrenhaus ist – und letzten Endes symbolisch für ein moderneres, fortschrittliches Brasilien steht. Sie ist im Prinzip eine ganz einfache, aber starke, selbstbewusste, intelligente und freie junge Frau, die ihren Weg gehen und sich vor niemandem klein machen will.

Für Jéssica ist ihre Mutter letztlich ein Sklave, der sich ganz freizügig zum Menschen zweiter Klasse degradieren lässt. Mit ihrem eher unbewusst rebellischen Verhalten im Haushalt sorgt sie für Irritationen und ist Bárbara schnell ein Dorn im Auge. Muylaert inszeniert das alles sehr geschickt über Andeutungen, kleine Bemerkungen und Blicke. Sie erweist sich nach und nach als unglaublich hochnäsige, ätzende, egozentrische und schlicht unausstehliche Figur, die tief in ihrem Herzen eigentlich trotz prächtiger Fassade unglücklich ist. Ihr wird nämlich auch klar, dass sie für ihren Sohn keine große Rolle spielt, denn die Erziehung hat zu großen Teilen Val für den Workaholic übernommen. Auch als Ehefrau ist sie quasi für ihren Mann nicht existent, wie sich nach nicht allzu langer Zeit herauskristallisiert. Er lebt nämlich in seiner ganz eigenen Blase, denn er ruht sich lediglich auf dem immensen Erbe seines Vaters aus und hat seine Karriere als Maler einfach aufgegeben. Jéssica scheint für ihn frische Luft ins Haus zu bringen, denn er scheint ganz besonders angetan von der jungen Frau zu sein, die er mit seinen Lustmolch-artigen Blicken immer wieder auszuziehen scheint. In einer besonders markanten Szene wird das bemitleidenswerte Gefühlsleben dieser Figur auf zum Schreien komische Art entlarvt.

So entwickelt Muylaert langsam und auf naturalistische Weise dieses dynamische Gefüge, was letztlich seltsam stark in seinen Bann zieht. Man wird gefangen von diesem Film, der locker-leicht zu genießen ist, aber dennoch in seiner Thematik durchaus tiefgründig und clever ist. Hier gibt es viel gelungenen Humor, der aber immer menschlich scharf beobachtet ist und nicht plump oder zum reinen Selbstzweck daherkommt. Zentral für den Erfolg des Films sind neben Muylaert auch die beiden Hauptdarstellerinnen Regina Casé und Camila Márdila, die ein wunderbar dynamisches Zweigespann bilden. Der Sommer mit Mamã SzenenbildVor allem Casé, eine der bekanntesten Medienpersönlichkeiten Brasiliens, spielt herrlich natürlich diese liebenswerte und lebensfrohe Figur, bei der es einfach Spaß macht zuzusehen. Ihre feurige und sympathische Präsenz ist einfach unwiderstehlich und man würde sich freuen, sie als Freund zu haben. Subtiler und ohne die Wirbelwind-artige Ausstrahlung von Casé geht da Márdila vor, die sozusagen als das Yang zu Casés Yin fungiert. Sie baut auf ihr echtes Charisma und es ist leicht zu verstehen, dass sie nicht nur Carlos den Kopf verdreht. Hierfür gab es 2015 auch den Darstellerpreis der Jury in Sundance im Doppelpack.

„Der Sommer mit Mamã“ ist letzten Endes ein selten wahrhaftiger Film, der mit viel Feingefühl und akuter Beobachtungsgabe den Zuschauer subtil zu packen versteht. Hier wirkt nichts übertrieben, kitschig oder unglaubwürdig, die Inszenierung hält sich distanziert zurück, es gibt keine aufdringliche Musik, die einem diktieren will, was man zu fühlen oder zu denken hat. So kommt nie der Gedanke auf, hier eine bessere Seifenoper zu sehen, viel zu intelligent agiert Muylaert. An dieser Stelle darf auch noch die nicht uninteressante Bildgestaltung des Films erwähnt werden, die eigentlich ebenfalls sehr zurückhaltend ist und fast ohne Kamerabewegung auskommt. Muylaert setzt zahlreiche lange Tablea-artigen Kompositionen ein, die oft einfach und mal auch außergewöhnlich gestaltet sind. Hier hat einfach alles irgendwie Hand und Fuß und nach dem Film sitzt man schlicht zufrieden und bereichert da.

Bild
„Der Sommer mit Mamã“ wurde digital auf Arri Alexa aufgezeichnet und entspricht bildtechnisch den Anforderungen an eine auf Hochglanz getrimmte moderne Produktion. Der Sommer mit Mamã SzenenbildEs präsentiert sich ein sehr natürlicher Bildeindruck mit erstklassigen Kontrast- und Schwarzwerten, satten Farben und sehr guter Schärfe mit hohem Detailreichtum. Der Film sieht sehr gut aus, auch wenn man sich hier ästhetisch sicher nicht weit aus dem Fenster lehnt. Bildfehler gibt es keine.

Ton
Akustisch präsentiert sich der primär dialogorientierte Film sehr gut. Stimm- und Dialogwiedergabe ist ausgezeichnet und auch wenn sich der Großteil des Tons im Frontbereich abspielt, ist die akustische Umsetzung durchaus immer wieder räumlich abgemischt. Gerade Musikeinlagen ertönen differenziert im gesamten Raum, ebenso wie seltene Soundeffekte.

Extras
Die Sonderausstattung der Blu-ray enttäuscht leider. Hier gibt es ein paar entfernte Szenen und zwei sehr kurze Werbe-Featurettes, die man genauso auch ganz weglassen könnte. Hinzu kommt noch die obligatorische Trailershow.
Deleted Scenes (07:52 Min.)
Featurettes
- Anna Muylaert über den Film (02:51 Min.)
- Internationales Featurette (02:09 Min.)
Pandora Trailershow mit 17 Trailern (ca. 35 Min.)


Fazit:
„Der Sommer mit Mamã“ ist kleiner, aber feiner und weiser Film, der das brasilianische Sozialgefüge auf völlig unaufdringliche Weise clever und pointiert auseinander nimmt. Das ist locker-leicht, selbstbewusst und sehr zugänglich inszeniert und packt den Zuschauer auf subtile Weise.

by Florian Hoffmann
Bilder © Alive / Pandora Film