Der Bodyguard - Sein Letzter Auftrag - Blu-ray

Blu-ray Start: 28.07.2016
FSK: 16 - Laufzeit: 99 min

Der Bodyguard - Sein Letzter Auftrag Blu-ray Cover -> zur Blu-ray Kritik

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Inhalt

Blutige Kampfeinsätze in Afghanistan haben bei Kriegsveteran Vincent (Matthias Schoenaerts) unauslöschliche Spuren hinterlassen. Der Elitesoldat leidet unter post-traumatischem Stress: Angstzustände und Halluzinationen plagen ihn. Trotzdem tritt er einen Job als Bodyguard für einen reichen Libanesen und dessen Frau Jessie (Diane Kruger) an. Doch bald sieht sich Vincent hin- und hergerissen zwischen seinen Gefühlen für Jessie und der tödlichen Bedrohung für die Familie, die er als Einziger zu sehen scheint.

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Blu-ray Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: Koch Media
Tonformate:
DTS-HD 5.1 Master Audio (Deutsch, Französisch)
Untertitel:
Deutsch
Bildformat: 16:9 Widescreen (1,85:1) 1080p HD
Bonusmaterial:
Kinotrailer

DVD und Blu-ray | Der Bodyguard - Sein Letzter Auftrag

Blu-ray
Der Bodyguard - Sein Letzter Auftrag Der Bodyguard - Sein Letzter Auftrag
Blu-ray Start:
28.07.2016
FSK: 16 - Laufzeit: 99 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Der Bodyguard - Sein Letzter Auftrag Der Bodyguard - Sein Letzter Auftrag
DVD Start:
28.07.2016
FSK: 16 - Laufzeit: 95 min.

Blu-ray Kritik - Der Bodyguard - Sein Letzter Auftrag

Blu-ray Wertung:
Film: | 8/10
Bild: | 8/10
Ton: | 9/10
Extras: | 1/10
Gesamt: | 7/10


Die fiebrig intensiv dahinflirrende Charakterstudie „Der Bodyguard“ (oder viel schöner und interessanter im OT: „Maryland“) ist eine der weiteren filmischen Perlen, den dieses Jahr in Deutschland bedauerlicherweise eine Kinoauswertung verwehrt blieb. Das ist sehr schade, denn mittlerweile ist es fast schon an der Tagesordnung, dass die interessantesten und mutigsten Filmkunstwerke hierzulande nur noch eine Verwertung auf kleinen Bildschirmen erfahren. Der Bodyguard - Sein Letzter Auftrag SzenenbildAlice Winocours zweiter Spielfilm nach „Augustine“ (sie schrieb auch das Drehbuch zum Oscar-nominierten „Mustang“ mit) ist einer dieser ruhigen und doch so ausdrucksstarken Filme, die sich nicht selbst erklären, sondern gespürt werden wollen. Die Art von Kino, die man nur schwer in Worte fassen kann. „Der Bodyguard“ ist an seiner scheinbar geradlinigen und einfachen Oberfläche ein bemerkenswert einfühlsames Charakterportrait eines Afghanistan-Veteranen (Matthias Schoenaerts), der zurück in der Heimat von posttraumatischem Stress heimgesucht wird und für weitere Einsätze nicht fähig empfunden wird. Anstelle davon nimmt er einen Job als Personenschützer der Frau (Diane Kruger) eines wohlhabenden Industriellen an, der auf Geschäftsreise ist. „Der Bodyguard“ ist ein atmosphärisch ungeheuer dichtes Werk, das nur auf den ersten, ganz flüchtigen Blick herkömmliche Thrillerkost vermuten lässt, tatsächlich aber ein enorm filmischer und impressionistischer Blick in einen schmerzerfüllten Mann ist. Dieser wird mit wuchtiger, aber dennoch sensibler und unaufgeregter Präsenz vom großartigen Belgier Matthias Schoenaerts portraitiert, der zum ersten Mal seit einigen internationalen Ausflügen wieder auf Französisch gedreht hat.

Man erfährt nicht viel über diesen Mann. Vincent kommt gerade aus Afghanistan zurück, eine erste ärztliche Untersuchung ergibt, dass er sich demnächst für keine Kriegseinsätze wegen psychischer und physischer Verfassung eignet – auch wenn er gerne sofort zurück würde. Wie Christian Bale in David Ayers „Harsh Times“ kommt Vincent in seiner normalen Lebensrealität nicht zurecht. Der Bodyguard - Sein Letzter Auftrag SzenenbildAnders als Bales Ex-Soldat ist Vincent aber eine völlig in sich geschlossene und ernsthafte Figur mit komplexem und fragilem, aber nicht nach außen getragenem Seelenleben. Er ist kein Soziopath, im Gegenteil, man spürt immer wieder, dass in ihm eine tief empfundene Menschlichkeit schlummert, ein Bedürfnis zu anderen Menschen eine Bindung aufzubauen, zu der er aber noch nicht in der Lage ist. Bei seinem ersten Auftrag in Frankreich arbeitet er für alte Kollegen als Personenschützer zunächst bei einer großen High-Society-Party auf dem „Maryland“ getauften Luxus-Anwesen seines libanesischen Auftraggebers. Er durchforstet mit eisernem und fokussiertem (aber dennoch fast schon merkwürdig abgelenkt wirkendem) Blick und kaum unterdrückbaren subtilen nervösen Tics das Areal, immer im Funkkontakt mit seinen Kollegen. Seine Augen und Ohren fallen immer wieder auf die schöne und geheimnisvolle Frau des Gastgebers, aber auch auf geheime Gespräche zwischen den einflussreichen und zwielichtigen Persönlichkeiten. Die treibende Elektro-Musik vor Ort mischt sich mit einem dissonanten Soundteppich, der sich nur in Vincents Kopf abspielt. Überall vermutet der Ex-Soldat eine Bedrohung, versinkt in ihn zu überkommen drohender Paranoia. Ganz viel wird in diesem ambivalenten und existenzialistischen Film über Blicke gelöst, erklärende Sprache oder simple Psychologisierung seiner Charaktere bleibt dankbarerweise aus. Auf große emotionale Momente verzichtet Winocour völlig, dennoch ist der intelligent gemachte Film mit großer Sogwirkung auf seine eigene unterkühlte Art und Weise fast schon bewegend – gerade auch im Nachgang.

Doch Winocour hält die Stimmung fiebrig und latent angespannt. Es kommt zu keinem Ausbruch, Vincent wirkt zumindest in gewisser Weise wie eine tickende Zeitbombe, man wird als Zuschauer verunsichert, weiß nie, was als nächstes geschieht und in welche Richtung sich dieser angenehm unvorhersehbare und unkonventionelle Film bewegen wird. Er will nicht ausrasten, er ist nur gezeichnet von den vielen Gefahrensituationen, die er erleben musste und ist deshalb in ständiger Alarmbereitschaft. Der Bodyguard - Sein Letzter Auftrag SzenenbildEr wartet nur auf seinen Einsatz, auf seine Existenzberechtigung. Matthias Schoenaerts gelingt es auf brillante Weise diese so maskuline und zugleich derart gebrochene Figur ohne viele Worte mit enormer Präsenz und expressiven Blicken durch seine traurigen Augen zu transportieren. Er trägt den Film problemlos mit seiner präzise modulierten und faszinierenden Performance, bei der jede noch so kleine Geste oder Mimik eine Wirkung hat und etwas über die Figur aussagt. Es ist bemerkenswert dem so natürlich begabten Mimen zuzusehen, der so wenig machen muss, um so viel auszustrahlen. Sein Vincent wirkt stark und kraftvoll, der geborene Beschützer, der im Notfall mit kampferprobter und wuchtiger Präsenz potentielle Angreifer effektiv ausschaltet und seine Umgebung unter größtem Einsatz beschützt. Es soll nicht zu viel verraten werden, doch Winocour gelingt es auf nahezu virtuose Weise subtil unterschwellige Spannung und beklemmende Unruhe spürbar zu machen, ohne dass es zu echten Ausbrüchen kommt. Wenn es jedoch schließlich soweit ist, gelingen ihr umso wuchtigere Momente, die scheinbar völlig aus dem Nichts kommen und mit kraftvoller inszenatorischer Klarheit den Atem stocken lassen. Besonders ein Überfall etwa zur Mitte des Films gehört vielleicht zu den intensiv brennendsten Filmmomenten des Jahres, auch wenn er noch so kurz ist.

Winocour gestaltet den Film mit außerordentlich selbstbewusster Klarheit und schnörkelloser, unaufgeregt stilvoller Bildsprache, die völlig in sich zu ruhen scheint. Sie baut eine intensive und für den Zuschauer durch die impressionistische Inszenierung spürbare Paranoia, bei der man sich nie sicher ist, ob sie begründet ist oder nicht. Der Bodyguard - Sein Letzter Auftrag SzenenbildUnterstrichen wird das ganz wesentlich von Gesaffelsteins (alias Mike Lévy) fulminantem elektronischem Soundtrack, der sich als oft dissonanter Klangteppich über den Film liegt und ihn zu einer mal beklemmenden, mal meditativen sensorischen Erfahrung macht. Der französische DJ und Elektrokünstler Levy hat hier sicher eines der hervorstechendsten und bemerkenswertesten Elemente dieses hochinteressanten Films erschaffen, das essentiell für die Wirkung von „Der Bodyguard“ ist. Die Musik und Klänge stehen repräsentativ für das zerrissene und angespannte Innenleben von Vincent, Levy packt zahlreiche Geräusche ein, die eigentlich nicht hingehören, so hört man etwa an einer Stelle verzerrte Züge. Die häufig unruhige Musik treibt den Film an, sie pulsiert, sie brodelt, sie ist unheimlich und auch stimulierend.

Winocours Film existiert im selben stilistischen und thematischen Bereich wie die Filme von Michael Mann (man beachte die an „Thief“ erinnernden Titel) oder auch aktuell von Nicolas Winding Refn, die in ihren impressionistisch gestalteten und atmosphärisch aufgeladenen Filmen nach außen hin besonders maskuline Männerfiguren sezieren und ihre schmerzerfüllten Neurosen und Traumata zum Vorschein bringen. Hierfür hat Winocour zahlreiche Afghanistan-Veteranen intensiv befragt und schließlich ein völlig glaubwürdiges psychologisches Profil eines gezeichneten Mannes ohne manipulative und billige Emotionalisierung entworfen, das zu den ganz besonderen Filmen dieses Jahres gehört. Für jedermann ist diese Art von sensiblem Film, bei dem ganz viel zwischen den Zeilen steht und als Sinneserfahrung konzipiert ist, natürlich nicht. Faszinierend auch sein ambivalentes Ende, über das man noch lange nach dem Film sinnieren kann.

Bild
Der präzise und stilistisch selbstbewusste Look von „Der Bodyguard“ gehört ohne Zweifel zu den vielen Stärken des Films. Aufgezeichnet wurde der Film auf digitalen Arri Alexa Studio, es präsentiert sich ein farblich natürliches Bild, das seine zahlreichen Kontraste nie zu dick aufträgt. In den häufigen dunklen Momenten wird weniger auf starke Kontraste und intensive Schwarzwerte gesetzt, sondern eher auf blasse Töne. Der Bodyguard - Sein Letzter Auftrag SzenenbildNicht so schön ist hier gelegentliches leichtes Rauschen. Gerade in hellen Nahaufnahmen zeigt sich das Bild extrem scharf und detailreich.

Ton
Akustisch steht immer wieder die enorm kreative Soundgestaltung im Vordergrund. Die elektronische Musik von Gesaffelstein wummert immer wieder entsprechend kraftvoll und setzt den Subwoofer wuchtig ein, verteilt sich aber auch differenziert auf allen Kanälen. Stimm- und Gesprächswiedergabe ist tadellos.

Extras
Leider kommt die Blu-ray neben Trailern ohne jedes Bonusmaterial aus.
Trailer deutsch (01:37 Min.)
Trailer französisch (01:41 Min.)
Trailershow („The Neon Demon“ (01:38 Min.), „Das Talent der Genesis Potini“ (01:59 Min.), „Der Nachtmahr“ (01:33 Min.))


Fazit:
„Der Bodyguard“ ist eine der sträflich unterschätzten Filmperlen des Jahres, die besonders Freunde von existenzialistischem Männerkino à la Mann, Refn oder Melville ansprechen sollte. Alice Winocours Film ist atmosphärisch ungeheuer dicht, baut eine fiebrig-latente Spannung auf und ist ruhig und selbstbewusst erzählt. Als psychologisch fundiertes Charakterportrait eines posttraumatisierten Soldaten erweist sich der Film zudem als überaus effektiv.

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by Florian Hoffmann
Bilder © Koch Media




Der Bodyguard - Sein Letzter Auftrag - Trailer