Der dritte Mann (70th Anniversary Collector's Edition) - Blu-ray

Blu-ray Start: 28.11.2019
FSK: 12 - Laufzeit: 104 min

Der dritte Mann (70th Anniversary Collector's Edition) Blu-ray Cover -> zur Blu-ray Kritik

Preisvergleich

jpc Logo 25,99 € jetzt kaufen
alle Preise inkl. MWST

-> alle DVD, Blu-ray zum Film

Inhalt

Wien, 1948: Der amerikanische Schriftsteller Holly Martins will in der besetzten Stadt seinen alten Freund Harry Lime besuchen. Aber am Tag seiner Ankunft wird Lime beerdigt. Von einem britischen Offizier erfährt Martins, daß Lime ein skrupelloser Schwarzhändler gewesen sei. Martins glaubt es nicht und stellt eigene Nachforschungen an. Limes Geliebte Anna, die aus dem russischen Sektor geflohen ist, hilft ihm dabei. Seine Suche nach der Wahrheit zieht Martins immer tiefer in einen gefährlichen Teufelskreis aus Betrug, Korruption und Mord. Schließlich führt ihn die Jagd nach dem "dritten Mann" in das unterirdische Kanalisationsnetz der Stadt...

-> mehr Info zum Film mit Trailer, Cast & Crew

Blu-ray Details

Medienanzahl: 4
Regionalcode: 2
Vertrieb: Studiocanal Home Entertainment
Tonformate:
Deutsch, Englisch (Mono DTS-HD MA)
Untertitel:
Deutsch
Bildformat: 1,33:1 (1080/24p Full HD)
Bonusmaterial:
Original-Soundtrack, Dokumentation: „Der dritte Mann: Auf den Spuren des dritten Mannes“, „Gefährliches Spiel“ – Graham Greene Dokumentation, Audiokommentar von Guy Hamilton, Simon Callow & Angela Allen, Alternativer Anfang der US-Fassung, „Der dritte Mann“: Ein Einfluss auf Filmemacher, Die Restaurierung, GUARDIAN-NFT-Interview mit Joseph Cotten und Graham Greene, Interview und Zithermusik mit Cornelia Meyer, Interaktive Karte von Wien mit Kurzfilmen mit Brigitte Timmermann, „Der dritte Mann“ im Radio, Trailer, Booklet, Postkarten-Set, Stadtplan von Wien u.v.m.

Video on demand - Der dritte Mann

DVD und Blu-ray | Der dritte Mann (70th Anniversary Collector's Edition)

Blu-ray
Der dritte Mann (Special Edition - Digital Remastered) Der dritte Mann (Special Edition - Digital Remastered)
Blu-ray Start:
16.07.2015
FSK: 12 - Laufzeit: 105 min.

zur Blu-ray Kritik
Der dritte Mann (70th Anniversary Collector's Edition) Der dritte Mann (70th Anniversary Collector's Edition)
Blu-ray Start:
28.11.2019
FSK: 12 - Laufzeit: 104 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Der dritte Mann Der dritte Mann
DVD Start:
01.11.1999
FSK: 12 - Laufzeit: 104 min.
Der dritte Mann - Arthaus Collection Klassiker Der dritte Mann - Arthaus Collection Klassiker
DVD Start:
16.09.2010
FSK: 12 - Laufzeit: 104 min.
Der dritte Mann (Special Edition - Digital Remastered) Der dritte Mann (Special Edition - Digital Remastered)
DVD Start:
16.07.2015
FSK: 12 - Laufzeit: 101 min.

Blu-ray Kritik - Der dritte Mann (70th Anniversary Collector's Edition)

Blu-ray Wertung:
Film: | 10/10
Bild: | 9/10
Ton: | 8/10
Extras: | 10/10
Gesamt: | 9/10


Während des 2. Weltkriegs stand das bis dahin sehr optimistische von Musicals und Komödien geprägte Hollywood vor einem Wendepunkt. Die Gräuel jener Zeit verlangten eine andere Art, eine düstere Art von Kino, die sich schließlich im Film Noir fand (auch wenn der Begriff erst später im Jahre 1946 durch den französischen Filmkritiker Nino Frank erfunden wurde). Weniger ein eigenes Genre, viel mehr eine Stilrichtung fand man schnell ein Publikum, obwohl die offensichtliche Amoralität und Härte der männlichen Protagonisten, meist abgehalfterte Privatdetektive, sowie die unterschwellige Brutalität, viele zunächst vor den Kopf stieß. So vereinte man verschiedene charakteristische Elemente unter dem Begriff des Film Noir, beispielsweise den geplagten Detektiv, der durch einen Routineauftrag in eine größere Verschwörung gezogen wird. Auf seiner Reise begegnet er schließlich einer Femme fatale, einer wunderschönen und doch gerade deshalb gefährlichen Frau, die stets für eine gewisse Portion Erotik sorgen würde. Doch auch Themen wie Einsamkeit, Verzweiflung, Zynismus, moralische Ambiguität bzw. Verwerflichkeit und Schmerz wurden behandelt. Eingefangen in zahlreichen Dutch Angels, durchtränkt von Schatten und Rauch eroberten diese Krimigeschichten schnell die Kinoleinwände. So ist es nur selbstverständlich, dass viele dieser Filme eher B-Movies waren, deren tatsächliche Qualität eher zweifelhaft ist, wobei auch heute noch zahlreiche Klassiker vorhanden sind. Vom vielleicht ersten wahren Film Noir „Die Spur des Falken“ (1941) bis zum letzten wirklichen Vertreter aus dem Jahr 1958 „Im Zeichen des Bösen“ (alle nachfolgenden Filme lassen sich eher unter dem Begriff Neo-Noir vereinen) finden sich auch heute noch wahre Meisterwerke. So auch der 1949 erschienene Kult-Film „Der dritte Mann“, der durch seine jetzige Veröffentlichung als Blu-ray nicht nur alteingesessene Filmliebhaber zu einem erneuten Schauen reizt, sondern auch die Chance erhält eine vollkommen neue Generation in seinen Bann zu ziehen.

Orson Wells in Der dritte Mann
Orson Wells in Der dritte Mann © Studiocanal Home Entertainment
Der erfolglose, amerikanische Schriftsteller Holly Martins (Joseph Cotton) kommt nach Ende des 2. Weltkriegs auf Einladung seines alten Freundes Harry Lime in dem in vier Sektoren aufgeteilten Wien an. Gerade aus dem Zug gestiegen, erwartet ihn ein Schock. Sein langjähriger Weggefährte ist vor wenigen Tagen vor seinem Haus angefahren worden, und noch vor Ort verstorben. Von Trauer überwältigt kommen ihn nach Gesprächen mit der britischen Polizei und verschiedenen Bekannten von Lime, schnell Zweifel an dessen Unfalltod. So begibt er sich nach der Wahrheit suchend auf eine Reise in die Abgründe der menschlichen Natur, in einer Stadt dessen vergangene Reinheit durch die Bomben des Krieges unwiederbringlich zerstört wurde…

So wird Wien im Laufe der Handlung zunehmend zu einem lebendigen, atmenden Monster, das es als solches zu besiegen gibt. Mit all den düsteren, von Schatten durchtränkten Gassen, der stinkenden Kloake, den vollkommen zerbombten Ruinen, seinem florierenden Schwarzmarkt, auf den die vollkommen in Armut verfallene Bevölkerung angewiesen ist, wird hier ein komplexes und detailliertes Bild der Nachkriegszeit gezeichnet. So sticht „Der dritte Mann“ als Film Noir hier deutlich aus der Masse heraus, da er wie alle anderen nicht nur als Reaktion auf die Grauen des Krieges entstand, sondern sich unmittelbar mit diesen auseinandersetzt. So ist auch der Antagonist des Films lediglich die logische Konsequenz der Unmenschlichkeit und Sinnlosigkeit der Gesamtsituation jener Zeit. Obwohl der Zuschauer die offensichtliche Amoralität seines Handelns ablehnt, versteht man durchaus woher diese kommt. Martins als Protagonist überfordert diese Weltsicht, er reagiert mit Wut, Unverständnis und Gewalt.

Joseph Cotten und Alida Valli in Der dritte Mann
Joseph Cotten und Alida Valli in Der dritte Mann © Studiocanal Home Entertainment
Dieser funktioniert zudem als Ankerfigur für das Publikum hervorragend. Wie für den Film Noir üblich wird dieser als abgehalfterter und mit Problemen behafteter Ausendstehender in eine größere Verschwörung gezogen. Im Gegensatz zu anderen Vertretern seiner Zeit wirkt diese aber zu keiner Sekunde konstruiert oder im Rückblick unsinnig. Intelligenterweise wird der Zuschauer von Anfang an durch die an vielen Stellen angesprochene Freundschaft zwischen Limes und Martins in den Film gezogen. Martins ist ein geplagter Mann, der lediglich das Mysterium um seinen alten Freund aufklären will, während anscheinend jeder andere versucht ist, ihn aufzuhalten. So eröffnet der Film bereits in den ersten Minuten ein Rätsel, das Martins ebenso fesselt wie das Publikum. So entwickelt der Film durch seine atemberaubend komponierten Bilder deren bestechende Schwarz-Weiß-Kontraste, in Kombination mit den ungemein stimmungsvollen Dutch Angles, sowie den behutsam und doch äußerst wirkungsvollen Einsatz von Rauch das Publikum ebenso in seinen Bann, wie die von Schmerz und innerer sowie äußerer Zerrissenheit geprägte Handlung. Untermalt von wunderschöner und so oft erschreckend tragisch anmutender Musik, entsteht so eine unvergleichliche Atmosphäre. So verliert der Film nie an Fahrt, auch dann nicht als das zugrunde liegende Mysterium vermeintlich aufgelöst wird, da genau in diesem Moment die Handlung einen interessanten Twist erhält, der den Rest des Films bestimmt.

Untermauert wird all dies von wahrlich großartigem Schauspiel. Der einzigartige Orson Welles kann hier in seiner vielleicht kürzesten Rolle, eine seiner besten Schauspielleistungen seiner Karriere aufweisen. Dagegen verblassen die anderen Darstellungen beinahe etwas. Während Joseph Cottons Darstellung ebenso überzeugt wie Alida Vallis als tragische Femme fatale, bleibt im Gesamtbild auf die Ära des Film Noir vor allem Welles im Kopf. Aber das ist Meckern auf höchstem Niveau und zugleich ein hohes Kompliment für letzteren.

Orson Wells in Der dritte Mann
Orson Wells in Der dritte Mann © Studiocanal Home Entertainment
Bild:
Obwohl die großartigen Bilder aus „Der dritte Mann“ bereits 70 Jahre alt sind, wurden sie hier überraschend detailliert ins Heimkino transportiert. So kommt auch das moderne Publikum in Genuss diese traumhaften Bilder in voller Schärfe zu genießen.

Ton:
Der äußerst atmosphärische Soundtrack wurde auch hier mehr als überzeugend mit den Dialogen abgemischt, wodurch die Akustik vollkommen frei von Überlappung ist. Anzumerken ist jedoch die Authentizität des O-Tons, da hier tatsächlich echtes Wienerisch zu hören ist. Aufgrund der Schwierigkeit der deutschen Synchronisation in einem solchen Fall, ist der Film vor allem im englischen Original zu empfehlen, da einige Stellen nicht übersetzt wurden, um nicht unfreiwillig komisch zu wirken, wenn Martins auf einige sprachliche Hürden mit den Bewohnern Wiens trifft. Prinzipiell ist die deutsche Synchronisation allerdings wie immer gelungen.

Extras:
Um diesen Klassiker wahrlich zu ehren, wird umfassendes und detailliertes Zusatzmaterial von mehreren Stunden zur Verfügung gestellt. So rechtfertigt sich auch der höhere Preis vollkommen. Für Interessierte höchst empfehlenswert.


Fazit:
„Der dritte Mann“ ist vieles. Eine komplexe Auseinandersetzung mit der Grausamkeit der Nachkriegszeit, ein grandioser Krimi... Man erinnert sich an die einzigartige, dichte Atmosphäre, an Welles Schauspiel, an die expressionistischen Einstellungen, deren Schönheit sie zu unübertrefflichen Gemälden macht, an die Tragik der Handlung. So ist „Der dritte Mann“ vor allem eines: ein Meisterwerk.


by Sebastian Stegbauer
Bilder © Studiocanal Home Entertainment