Der Hauptmann - Blu-ray

Blu-ray Start: 07.09.2018
FSK: 16 - Laufzeit: 119 min

Der Hauptmann Blu-ray Cover -> zur Blu-ray Kritik

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Inhalt

In den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs findet der junge Gefreite Willi Herold auf der Flucht eine Hauptmannsuniform. Ohne zu überlegen streift er die ranghohe Verkleidung und die damit verbundene Rolle über. Schnell sammeln sich versprengte Soldaten um ihn – froh, wieder einen Befehlsgeber gefunden zu haben. Aus Angst enttarnt zu werden, steigert sich Herold nach und nach in die Rolle des skrupellosen Hauptmanns und verfällt dem Rausch der Macht.

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Blu-ray Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: Universum Film / Weltkino
Tonformate:
DTS-HD 5.1 Master Audio (Deutsch)
Untertitel:
Deutsch für Hörgeschädigte
Bildformat: 16:9 Widescreen (2.40:1) 1080p HD
Bonusmaterial:
Soundtrack-Video, Storyboard-Film-Vergleich, Hinter den Kulissen, Featurette, Unveröffentlichte Szene, Interviews

DVD und Blu-ray | Der Hauptmann

Blu-ray
Der Hauptmann Der Hauptmann
Blu-ray Start:
07.09.2018
FSK: 16 - Laufzeit: 119 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Der Hauptmann Der Hauptmann
DVD Start:
07.09.2018
FSK: 16 - Laufzeit: 115 min.

Blu-ray Kritik - Der Hauptmann

Blu-ray Wertung:
Film: | 8/10
Bild: | 9/10
Ton: | 9/10
Extras: | 6/10
Gesamt: | 8/10


Mit zahlreichen hochprofiligen Studiofilmen wie „R.E.D.“, „Die Frau des Zeitreisenden“, „R.I.P.D“ oder den „Divergent“-Fortsetzungen gehört Robert Schwentke sicherlich zu den erfolgreichsten deutschen Regie-Exporten der letzten zehn Jahre. Keiner dieser teuren, aber recht gesichtslosen Filme hätte jedoch auf „Der Hauptmann“ vorbereiten können: Schwentke gelang mit seinem deutschsprachigen Comeback eine außergewöhnliche, drastisch-unterkühlte und an die Nieren gehende Meditation über den Wahnsinn des Krieges, die man so sicher nicht erwartet hätte.

Schwentke, der zum ersten Mal seit „Eierdiebe“ und „Tattoo“ auch als Autor fungierte, nimmt sich hier der wahren Geschichte von Willi Herold an, der – wie der Film eindrucksvoll darstellt – nicht zu Unrecht als „Henker vom Emsland“ bekannt wurde. Herold war im Verlauf des Zweiten Weltkriegs in Italien zum Gefreiten aufgestiegen und wurde gegen Ende des Krieges nach Deutschland verlegt. Dort wurde er schließlich von seiner Einheit getrennt und – hier steigt der Film ein – als Deserteur verfolgt. Völlig entkräftet fand der verängstigte Herold mitten im emsländischen Niemandsland eine Offizierskiste mit der Uniform eines Hauptmanns. Herold legte dieses hochrangige Gewand an und nahm darauf hin – ganz im Stile von „Kleider machen Leute“ – eine neue, ihm gänzlich unbekannte Rolle an.

Der Hauptmann: Willi Herold (Max Hubacher) mit Freytag (Milan Peschel) und Kipinski (Frederick Lau)
Der Hauptmann: Willi Herold (Max Hubacher) mit Freytag (Milan Peschel) und Kipinski (Frederick Lau) © Julia M. Müller / Weltkino Filmverleih
„Der Hauptmann“ baut von Beginn an eine tief bedrückende und nahezu gespenstische Stimmung auf, die den Zuschauer sofort in das ländliche Deutschland des April 1945 versetzt. Hier hilft sicherlich auch ganz entscheidend Florian Ballhaus kontrastreiche Schwarz-Weiß-Kameraarbeit, die gepaart mit der kargen Landschaft für überaus wirkungsvolle Bilder sorgt. Der gerade mal 19-jährige Herold, brillant gespielt vom nicht viel älteren Max Hubacher, mag zwar ein wenig milchgesichtig aussehen, sein ehrfurchtgebietendes Kostüm gibt ihm mit dem schnell gewonnen Gefühl von Autorität jedoch echtes Machtgefühl. Der zunächst recht wortkarge Film will gar nicht beantworten, was Herold überhaupt erreichen will, er mag es vielleicht selbst nicht wissen. Mit dem schnellen Erscheinen des einfachen und ebenfalls versprengten Soldaten Freytag (Milan Peschel) am Fundort hat Herold gar keine andere Wahl als mitzuspielen und lässt sich fortan von dem gutgläubigen Mann chauffieren.

Die Situation ist grotesk, wird aber im weiteren Verlauf nur noch absurder. „Der Hauptmann“ wirkt mit seiner provokanten und unbequeme Fragen aufwerfenden Erzählweise und Machart so ganz anders wie andere deutsche Historiendramen. Der Film fasziniert alleine schon damit, dass er aus der selten gewählten Täterperspektive erzählt wird. Mag Herold zunächst durch reinen Überlebenswillen zum Hochstapler gemacht worden sein, es dauert nicht lange, bis ihn die gewonnene Macht zu Gräueltaten führt. Hier macht Schwentke den Zuschauer auf raffinierte Weise zum Komplizen, denn er etabliert Herold natürlich als Identifikationsfigur, der man dank Hubachers sympathischer Ausstrahlung zunächst entsprechend gerne folgt.

Der Hauptmann: Willi Herold (Max Hubacher) findet eine Offiziersuniform
Der Hauptmann: Willi Herold (Max Hubacher) findet eine Offiziersuniform © Julia M. Müller / Weltkino Filmverleih
Herold entdeckt die Möglichkeiten seiner neuen Rolle und verstrickt sich darin. Er trifft auf weitere versprengte Soldaten und gründet schließlich eine Kampftruppe, die durch die Landen zieht. Ihr Weg führt schließlich zum Strafgefangenenlager Aschendorfermoor, wo er mit selten gesehener Dreistigkeit und Verschlagenheit alteingesessenen Offizieren eindrücklich vorgaukelt, dass der Führer ihm höchstpersönlich die Vollmacht erteilt hat, das Lager zu übernehmen. Hier spielt sich auch der bedrückende Hauptteil des Films ab.

Ein paar satirische Spitzen erlaubt sich Schwentke, denn um Herolds Legitimität zu überprüfen, müssen erst einige bürokratische Anrufe getätigt werden, bei denen entschieden wird, ob die dort gefangenen Deserteure tatsächlich ermordet werden dürfen. Was zunächst sowohl spannend als auch schwarzhumorig wirkt, entwickelt sich zu einem apokalyptisch-grausamen Theater der menschenverachtenden Scheußlichkeit. „Der Hauptmann“ wirft immer wieder die Frage auf, welche Folgen es haben kann, Macht zu missbrauchen und Autorität still und blind gehorsam zu folgen. Das wird gerade bei Junker (Alexander Fehling), Herolds psychopathischem Verfolger vom Anfang, deutlich. Auf diesen trifft er wieder bei besagtem Lager, woraufhin ein spannungsgeladenes Abschätzen folgt. Junker deutet an, Herold zu erkennen, ohne jedoch zu wissen, woher. Man hat hier das Gefühl, dass er es ist, der Herold vielleicht auffliegen lässt, doch weit gefehlt: Er spielt mit, da er selbst gewalttätige Gelüste hat, die er nun offiziell ausüben darf. Ebenso intensiv wie Fehling: Frederick Lau als unberechenbarer Triebtäter Kipinski.

Der Hauptmann: Willi Herold (Max Hubacher) testet seine neue Rolle
Der Hauptmann: Willi Herold (Max Hubacher) testet seine neue Rolle © Julia M. Müller / Weltkino Filmverleih
„Der Hauptmann“ präsentiert eine anarchische Situation, bei der in meist nur andeutenden Bildern nach einem improvisierten „Standgericht“ systematisch gemordet wird. Hier entfaltet der Film eine nahezu unerträglich dicht-bedrückende Stimmung, die in die Knochen geht. Unterstützt werden diese die Banalität des Bösen schildernden albtraumhaften Bilder von Martin Todsharows außergewöhnlichem, dissonant-dröhnendem, unheimlich metallischem Soundtrack, der weit von konventioneller Filmmusik entfernt ist. Von den experimentellen Klängen eines Trent Reznor, Steven Price oder Christopher Young ist dieser herausragende Soundtrack sicher nicht entfernt.

Hier und in vielen anderen Bereichen erreicht „Der Hauptmann“ Sphären, die man so selten im deutschen Kino und speziell im oft biederen Historienfilmsektor findet. Schwentke provoziert mit unbequemen Fragen, die er nicht beantworten will. Er konfrontiert und provoziert mit Gewaltspiralen und zeigt auf schockierende und erschreckend nachvollziehbare Weise – ähnlich wie Oliver Hirschbiegels „Das Experiment“ damals – wozu Menschen fähig sind, wie schnell Hemmschwellen übertreten werden, wenn man die Freiheit dazu bekommt. Das hallt natürlich auch in unsere Gegenwart und sollte so ein weiterer, hoffentlich wirkungsvoller Warnschuss vor den stets lauernden Abgründen der Menschlichkeit sein.

Der Hauptmann: Der Gefreite Freytag (Milan Peschel)
Der Hauptmann: Der Gefreite Freytag (Milan Peschel) © Julia M. Müller / Weltkino Filmverleih
Bild
Das Bild der Blu-ray ist erfreulich knackig und kontrastreich ausgefallen. Das Schwarz-Weiß-Bild gefällt mit sehr guten Schwarzwerten, Schärfe- und Detaillevel sind durchgehend auf hohem Niveau. Zu Rauschen kommt es hier nur selten, ansonsten ist diese Bildumsetzung nahezu kristallklar gelungen.

Ton
Auch in akustischer Hinsicht liegt hier eine sehr überzeugende Umsetzung vor. Der Film ist primär dialoglastig, jedoch ist auch die Abmischung von Umgebungsgeräuschen von Beginn an ein Pluspunkt der Tonspur. Es wird auch regelmäßig druckvoll und dynamisch, etwa bei dem eindrucksvollen Soundtrack oder diversen Explosionen und Schüssen.

Extras
Das Bonusmaterial der Blu-ray gefällt mit erhellenden und interessanten Interviews, spannenden Einblicken in den Arbeitsalltag der Produktion und weiteren unkommentierten Kurzfeaturettes zu den Storyboards und der Gestaltung des Baums, unter dessen Wurzel sich Herold zu Beginn vor seinen Verfolgern versteckt. Hinzu kommen Trailer, ein Soundtrack-Video und eine unveröffentlichte Szene. Leider ist Autor-Regisseur Robert Schwentke nur eine Figur im Hintergrund, die leider nicht zu Wort kommt.
Interviews (Max Hubacher (11:13 Min.), Frederick Lau (03:30 Min.), Milan Peschel (04:53 Min.), Produzent Frieder Schlaich (06:15 Min.)) Hinter den Kulissen (Die Flucht (07:52 Min.), Das Versteck (08:59 Min.))
Unveröffentlichte Szene (02:42 Min.)
Storyboard-Film-Vergleich (03:45 Min.)
Die Entstehung der Wurzel (04:45 Min.)
Soundtrack-Video (03:13 Min.)
Trailer (01:57 Min.)
Trailershow


Fazit:
„Der Hauptmann“ erweist sich als starke und mutige Überraschung, die in starken Bildern und provokanter Erzählweise unbequeme Fragen zu blindem Gehorsam und Autoritätsmissbrauch in extremen Zeiten aufwirft. So ist der Film eine bittere, abgründige und unter die Haut gehende Erfahrung, die nachwirkt und mit seiner minimalistisch-expressiven Inszenierung weit vom herkömmlichen deutschen Kino entfernt ist.

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by Florian Hoffmann
Bilder © Universum Film / Weltkino




Der Hauptmann - Trailer