Das Brandneue Testament - Blu-ray

Blu-ray Start: 07.04.2016
FSK: 12 - Laufzeit: 115 min

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Inhalt

Gott existiert, er lebt in Brüssel mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter Ea, der Schwester von J.C. Gott ist ein Familientyrann und erlässt ständig neue Gebote: “Gebot Nr. 2231: Ein Unglück kommt selten allein“. Bis Ea der Kragen platzt, sie Gottes alten Computer hackt und mit einer kurzen Botschaft eine Kettenreaktion auslöst … Du lieber Himmel, was tut man bloß, wenn man unverhofft den genauen Tag und die exakte Uhrzeit seines Ablebens erfährt? Einfach so weitermachen wie bisher? Oder die verbliebene Zeit sinnvoll nutzen?

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Blu-ray Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: Eurovideo / NFP
Tonformate:
DTS-HD 5.1 Master Audio (Deutsch, Französisch)
Untertitel:
Deutsch
Bildformat: 16:9 Widescreen (2.39:1) 1080p HD
Bonusmaterial:
Making-of; Special Effects; Interview mit Benoît Poelvoorde und Jaco Van Dormael; Kinotrailer und Teaser

DVD und Blu-ray | Das Brandneue Testament

Blu-ray
Das Brandneue Testament Das Brandneue Testament
Blu-ray Start:
07.04.2016
FSK: 12 - Laufzeit: 115 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Das Brandneue Testament Das Brandneue Testament
DVD Start:
07.04.2016
FSK: 12 - Laufzeit: 110 min.

Blu-ray Kritik - Das Brandneue Testament

Blu-ray Wertung:
Film: | 7/10
Bild: | 9/10
Ton: | 8/10
Extras: | 6/10
Gesamt: | 7/10


Gott existiert und er lebt in Brüssel. In Jaco Van Dormaels grotesker und surrealistischer Farce „Das brandneue Testament“, die herkömmliche religiöse Weltsichten und den Sinn des Lebens im Allgemeinen bissig und schwarzhumorig seziert, reicht das aber noch lange nicht als Prämisse aus: Gott ist in dieser galligen und provokanten Vision nämlich keine sanftmütige und liebende Allmachts-Figur, sondern ein ätzendes, unausstehliches und cholerisches Arschloch, dem es große Freude bereitet, seiner Familie und seinen Schäfchen das Leben zur elenden Hölle zu machen. Das Brandneue Testament SzenenbildEr (Benoît Poelvoorde) lebt mit seiner gutmütigen, aber ziemlich einfältigen Frau (Yolande Moreau) und seiner Tochter Ea (Pili Groyne) in einer schlichten und schäbigen Wohnung, trägt immer einen abgewrackten Bademantel, Adiletten und einen Dreitagebart, er säuft, randaliert und tyrannisiert. Von seiner Kontrollzentrale aus steuert er mittels altem Computer die weltweiten Schicksale, tippt mit schadenfreudiger Süffisanz Gebote alltäglicher Ärgernisse ein und erfreut sich am weltweiten Leid: Das Brot muss immer auf die Marmeladenseite fallen, das Geschirr geht immer erst nach dem Spülen zu Bruch und im Supermarkt geht es an der Schlage nebenan schneller. Doch seine zehnjährige Tochter Ea hat irgendwann genug, als sie einmal zu oft von ihrem Vater verprügelt wird und dann auch noch feststellt, dass er weltweite Katastrophen verursacht. Sie bringt das göttliche Gleichgewicht zum Wanken, als sie die Todesdaten der gesamten Weltbevölkerung per SMS verschickt und damit für ein gigantisches Chaos sorgt. Angespornt von ihrem Bruder Jesus (David Murgia), der sein Dasein als erstarrtes Figürchen auf der Kommode fristet, flüchtet sie dieser beklemmenden und repressiven Existenz und macht sich auf die Suche nach sechs Aposteln, um ihr eigenes, brandneues Testament zu schreiben.

Ja, Jaco Van Dormaels fünfter Spielfilm nach seinen Kulterfolgen „Mr. Nobody“ und „Toto der Held“ ist schon etwas ganz Spezielles. „Das brandneue Testament“ stellte sich als einer der kleinen Überraschungserfolge des Kinojahres 2015 heraus und sollte vor allem Fans exzentrischer und surrealer Ideen ansprechen, die sich auch bei dem Kino eines Jean-Pierre Jeunet („Delicatessen“, „Die fabelhafte Welt der Amélie“) Zuhause fühlen. Oft hat man in dieser vor Einfallsreichtum berstenden Welt auch das Gefühl das Werk eines belgischen Charlie Kaufman („Anomalisa“, „Synechdoche New York“) zu bewundern, ohne jedoch letztlich dessen Klasse und tiefgründige Menschlichkeit zu erreichen. Die Prämisse des Films ist zugebenermaßen erfrischend originell und herrlich provokativ, überhaupt erweist sich der Anfang des Films, der die Genesis-Geschichte neu und mit wunderbar skurrilem Humor interpretiert, als schwungvoll und Lust auf mehr machend. Mit dem Zünden der Bombe in Form des Versendens der Kurznachrichten zeigt Van Dormael dann seine Version des Exodus.

Jaco Van Dormael inszeniert eine Quasi-Realität voller magisch-surrealer, traumartiger Momente und visueller Gags. Das Brandneue Testament SzenenbildKeine Frage, „Das brandneue Testament“ ist ein besonderer, sehr origineller Film, der eine sehr hintergründige Gedankenwelt und jede Menge Kreativität offenbart. Doch diese offen vorgetragene Exzentrik wirkt dann bisweilen auch etwas bemüht und auf Dauer ermüdend, die Figurenzeichnung und ihre Beziehungen zueinander wirken übertrieben symbolhaft und lassen eine echte emotionale Bindung zum Zuschauer so wohl nur bedingt zu. Hier steht Bedeutungsschwere und magischer, aber nicht echter Realismus im Vordergrund, was auf den einen oder anderen Zuschauer durchaus eine distanzierende Wirkung erzeugen kann. Die Figuren wirken, gerade die Apostel, einfach nicht glaubhaft, weder in ihrer Charakterisierung noch in ihrem Spiel. Van Dormael wirft zudem so viele Ideen auf die mit Einfallsreichtum überbordende Leinwand, dass ein echter erzählerischer Fokus im episodenhaft und auf Situationen aufgebauten und letztlich sehr artifiziell wirkenden Konstrukt verloren geht – ebenso wie die Spannung. Diese wird schon recht frühzeitig verloren, als Ea sich auf den Weg macht, um sechs Apostel für ihr brandneues Testament zu rekrutieren. Zunächst ist ihre Suche und die Vorstellung der unterschiedlichen Charaktere durchaus interessant und profitiert von van Dormaels fantasiereicher Inszenierung, doch nach und nach, mit jedem neuen Apostel, verliert der Film an Schwung und Energie und wirkt zunehmend redundant.

In Form von Kapiteln erzählt van Dormael hier ziemlich episodenhaft die Einzelschicksale der sechs von Ea auserwählten Apostel: Zuallererst benötigt sie jemanden, der das Testament schreibt, dafür nutzt sie den Obdachlosen Victor (Marco Lorenzini). Ihre Apostel sind dann allesamt vom Leben gezeichnete Menschen, die oft einen falschen Weg eingeschlagen haben und nun unzufrieden sind. Aurélie (Laura Verlinden) ist bildhübsch, hat als Kind einen Arm verloren und lebt nun zurückgezogen. Jean-Claude (Didier De Neck) ist in einem langweiligen und unzufrieden stellenden Job gefangen und reagiert auf seine Todesdaten befreit und schmeißt alles hin. Marc (Serge Larivière) ist ein sexuell frustrierter, ebenfalls zurückgezogener Mann, der immer noch von dem deutschen Mädchen schwärmt, das er einst als Junge beim Campingurlaub kennengelernt hat. François (François Damiens) ist besessen vom Tod und steht kurz davor mit seinem Scharfschützengewehr wahllos Menschen zu töten. Martine (Catherine Deneuve) lebt in einer lieblosen Ehe und Willy (Romain Gelin) ist ein totkranker Junge, der weiß, dass er nur noch wenige Tage zu leben hat und seinem inneren Impuls nachgeht, ein Mädchen zu sein. Das Brandneue Testament SzenenbildEa lernt all diese Menschen in kurzen Episoden kennen, erfährt von ihren Träumen und Zielen und bringt sie diesen schließlich näher. Im wohl grotesktesten Moment des Films bringt Ea etwa Martine mit einem Zirkusgorilla zusammen, eine ungewöhnliche Romanze, die an King Kong erinnert.

Problematisch ist sicher auch, dass van Dormael alles andere als subtil vorgeht und seine Inszenierung letztlich sehr moralisierend wirkt. Seine philosophischen und theologischen Erzählbotschaften, die in ihrem Weltbild natürlich überaus religionsverneinend und auch -veralbernd sind, wirken auf Dauer nahezu holzhammerartig und gelegentlich auch recht diffus und unklar. Natürlich geht es darum, sich selbst zu finden, sich anderen mehr zu öffnen und sein Leben im Hier und Jetzt zu genießen und auszukosten und nicht auf das illusorische Leben danach zu warten, doch diese Botschaft vermittelt van Dormael mit etwas viel symbolischem Nachdruck auf pseudo-philosophische Weise.

Es ist schwer, „Das brandneue Testament“ sachlich und objektiv zu bewerten. Es steht außer Frage, dass hier ein ausgesprochen ambitionierter Film vorliegt, der voller interessanter Ideen und Impulse steckt und auch dank seiner enorm einfallsreichen Machart auf keinen Fall zu ignorieren ist. Viele Zuschauer werden hier ganz viele tolle Dinge finden und die erzählerischen Schwächen ignorieren können, manche werden aber auch ganz sicher von van Dormaels exzentrischer Vision irritiert und außen vor gelassen werden. „Das brandneue Testament“ ist ein polarisierender Film, eben weil er nicht nach herkömmlichen Regeln und Konventionen spielt. Auch wenn hier nicht der ganz große Wurf gelungen ist und nicht alle Ideen perfekt umgesetzt wurden, ist dieser Film auf jeden Fall einen Blick wert.

Bild
Das auf digitalen Sony Filmkameras aufgezeichnete Bild der Blu-ray überzeugt konstant durch seinen hohen Schärfewerte und eine knackige und ansprechende Präsentation. Das Brandneue Testament SzenenbildKontraste und Schwarzwerte sind erstklassig, die eher zurückhaltende und erdige Farbpalette wird authentisch wiedergegeben. Bildfehler bleiben hier aus.

Ton
Akustisch präsentiert sich die Blu-ray sehr solide, wenn auch etwas unspektakulär. Räumlichkeit kommt gelegentlich vor allem bei den Musiksequenzen auf, Soundeffekte verteilen sich nur recht zurückhaltend auf den Kanälen. Die Klangwiedergabe und Verständlichkeit dieser recht frontlastigen Tonspur ist sehr gut.

Extras
Das kurzweilige Bonusmaterial der Blu-ray überzeugt. Hier gibt es ein Making of, das so skurril wie der Film selbst ist, ein Vorher-Nachher-Vergleichsvideo zur Visuellen-Effekte-Arbeit und jeweils ein Interview mit Gott-Darsteller Benoît Poelvoorde und Regisseur Jaco Van Dormael. Die Statements sind recht kurz, dafür aber einsichtsreich und unterhaltsam. Hinzu kommen die obligatorischen Trailer und Programmtipps. Solide.
Making of (20:09 Min.)
Special Effects (04:55 Min.)
Interview mit Benoît Poelvoorde (06:38 Min.)
Interview mit Jaco Van Dormael (10:03 Min.)
Kinoteaser (00:57 Min.)
Kinotrailer (02:03 Min.)
Programmtipps (7 Trailer)


Fazit:
„Das brandneue Testament“ ist ein sehr originelles und absurdes Theologie-Statement, das durch seinen großen Ideenreichtum und seinen grotesken und tiefgründigen Humor überzeugt. In diesem besonderen Film steckt sehr viel drin, doch Regisseur Jaco Van Dormael gelingt es nur bedingt erzählerisch zu überzeugen, wodurch der Film letztlich etwas distanziert wirkt. Dennoch ein Fest für alle Freunde des Surrealen.

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by Florian Hoffmann
Bilder © Eurovideo / NFP