Captain Fantastic - Einmal Wildnis und zurück - Blu-ray

Blu-ray Start: 27.12.2016
FSK: 12 - Laufzeit: 119 min

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Inhalt

Der hochgebildete Ben (Viggo Mortensen) lebt aus Überzeugung mit seinen sechs Kindern in der Einsamkeit der Berge im Nordwesten Amerikas. Er unterrichtet sie selbst und bringt ihnen nicht nur ein überdurchschnittliches Wissen bei, sondern auch wie man jagt und in der Wildnis überlebt. Als seine Frau stirbt, ist er gezwungen mitsamt der Sprösslinge seine selbst geschaffene Aussteigeridylle zu verlassen und der realen Welt entgegenzutreten. In ihrem alten, klapprigen Bus macht sich die Familie auf den Weg quer durch die USA zur Beerdigung, die bei den Großeltern stattfinden soll. Ihre Reise ist voller komischer wie dramatischer Momente, die Bens Freiheitsideale und seine Vorstellungen von Erziehung nachhaltig infrage stellen...

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Blu-ray Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: Universum Film
Tonformate:
DTS-HD 5.1 Master Audio (Deutsch, Englisch)
Untertitel:
Deutsch
Bildformat: 16:9 Widescreen (2.40:1) 1080p HD
Bonusmaterial:
Making of, Blick hinter die Kulissen, Trailershow

DVD und Blu-ray | Captain Fantastic - Einmal Wildnis und zurück

Blu-ray
Captain Fantastic - Einmal Wildnis und zurück Captain Fantastic - Einmal Wildnis und zurück
Blu-ray Start:
27.12.2016
FSK: 12 - Laufzeit: 119 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Captain Fantastic - Einmal Wildnis und zurück Captain Fantastic - Einmal Wildnis und zurück
DVD Start:
27.12.2016
FSK: 12 - Laufzeit: 115 min.

Blu-ray Kritik - Captain Fantastic - Einmal Wildnis und zurück

Blu-ray Wertung:
Film: | 9/10
Bild: | 9/10
Ton: | 9/10
Extras: | 3/10
Gesamt: | 8/10


Für die meisten Zuschauer ist Matt Ross vermutlich durch seine Auftritte in diversen TV-Serien wie „Big Love“, „Silicon Valley“ oder „American Horror Story“ und als Nebendarsteller in Filmen wie „American Psycho“ oder „Aviator“ bekannt. Das könnte sich nun hoffentlich bald ändern, denn mit dem bemerkenswerten tragikomischen Filmjuwel „Captain Fantastic“ präsentiert sich der 46-jährige Charaktermime nun als überaus vielversprechender Autor und Regisseur. Captain Fantastic - Einmal Wildnis und zurück SzenenbildWie schon Peter Weir mit „The Mosquito Coast“, Sean Penn mit „Into the Wild“ oder zuletzt Jordan Vogt-Roberts mit „The Kings of Summer“ beschäftigt sich „Captain Fantastic“ mit einem selbstgewählten Ausbruch aus den Klauen der Zivilisation, wobei Ross hier auch autobiografisch geprägt seine eigene Kindheit verarbeitet, als er selbst Teil von alternativen Gemeinschaften war. Zugleich ist der Film Ross Versuch sich der Frage zu nähern, was es bedeutet, ein Elternteil zu sein und welcher Weg der richtige ist, seine Kinder aufzuziehen. Heraus gekommen ist ein herausfordernder, stimulierender und enorm geistreicher Film, der zu den großen beglückenden Überraschungen des Kinojahres 2016 zählt und nun auf DVD und Blu-ray bewundert werden darf.

Ben Cash (Viggo Mortensen) lebt mit seinen sechs Kindern in völliger Autarkie fernab der Zivilisation tief in den Wäldern Washingtons. Dort hingezogen ist Ben vor einigen Jahren mit seiner Frau Leslie (Trin Miller), doch diese liegt nun seit einigen Monaten im Krankenhaus, nachdem ihre bipolare Störung keine andere Möglichkeit mehr zuließ. Ben hat seine Kinder nicht nur darauf trainiert alleine in der Wildnis überleben zu können, er unterrichtet sie auch selbst und hat ihnen erfolgreich kritisches und hinterfragendes Denken beigebracht. Sie sind nicht nur in der Lage sechs Sprachen fließend zu reden, sondern sind auch überaus fit in Sachen Geschichte, Politik, Weltliteratur und Philosophie – alles natürlich in Kombination mit einer alternativen und hochgeistigen Weltsicht, die die amerikanische Konsumgesellschaft und das Establishment mit ihren falschen Werten durchschaut und hinterfragt. Kritische Analysen von Nabokovs „Lolita“ oder eine tiefgründige Auseinandersetzung mit der „Bill of Rights“ auf Expertenniveau sind selbst für Bens Jüngste kein Problem. Doch mit dem Schock, dass sich ihre geliebte Mutter das Leben genommen hat, müssen die jungen Cashs zum ersten Mal hinaus in die Zivilisation, wo das wahre Leben sie einem ernsthaften Kulturschock aussetzt. Denn trotz all ihrem tiefgründigen Wissen über Marxismus, die amerikanische Verfassung und athletisch geformten Körpern dank ihres Survivaltrainings haben sie vom Leben selbst eigentlich keine Ahnung… Captain Fantastic - Einmal Wildnis und zurück Szenenbild

„Captain Fantastic“ ist ein über weite Strecken großartiger humanistischer Film, der weit weniger bemüht verschroben daher kommt als man vorher vielleicht vermuten würde. Es gelingt Ross auf überaus einfühlsame Weise seine Figuren zu grundieren und sie zu keinem Zeitpunkt zu überzeichneten Karikaturen werden zu lassen. Von Beginn an glaubt man diesen exzentrischen Menschen und ihrer selbst erschaffenen Umgebung, die sie sich geschaffen haben und schaut fasziniert zu, wird gezwungen sich selbst und seinen eigenen Lebensstil zu hinterfragen. In Bens Aussagen stecken immer wieder erstaunlich viel Wahrheit und profunde Einsichten über das moderne Leben und all die geistigen Einschränkungen, die durch die Konsumgesellschaft und ihre organisierten Religionen entstehen. Das ist herrlich erfrischend und erzeugt einen ähnlich kathartischen, wenn auch nicht so kompromisslos bösartigen Effekt wie einst in „Fight Club“. Die nachdenklich machenden Thesen, die Ben und seine Kinder aufstellen, findet man so oder so ähnlich auch in Sean Penns großartigem Ausbruchs-Abenteuer „Into the Wild“ wieder, ebenso aber auch eine gewisse Ambivalenz und kritische Distanz bezüglich seines Subjekts.

Denn auch wenn „Captain Fantastic“ seine für manche Zuschauer sicherlich provokante und potentiell kontroverse Weltsicht gerade in der ersten Hälfte propagiert und überaus sinnvoll und konsequent erscheinen lässt, wird später immer deutlicher, dass Ross nicht auf eine bestimmte Ansicht pocht. Mit dem Erscheinen von Bens wohlhabenden und in der von ihm so heftig kritisierten Gesellschaft tief verankerten Schwiegervater Jack (Frank Langella) kommt eine konträre Weltsicht hinzu, die Ross nicht weniger vernünftig erscheinen lässt. Captain Fantastic - Einmal Wildnis und zurück SzenenbildAls Zuschauer muss man die eigenartigen Erziehungsmethoden von Ben in diesen Momenten genauso hinterfragen wie Jack, der nicht als reiner Antagonist positioniert wird, sondern als differenziert gezeichnete Persönlichkeit. Auf Schwarz-Weiß-Malerei verzichtet Ross somit dankbarerweise und überlässt dem Zuschauer die Entscheidung, welcher Weg der richtige ist.

Dennoch wirkt die erste Hälfte des Films insgesamt überzeugender, runder und lebendiger, da der Film hier seine eigentliche Prämisse und sein komödiantisches Potential voll und ganz auskostet. „Captain Fantastic“ spielt auf genüssliche Weise damit, dass viele aufgeschlossene Zuschauer insgeheim mit dem Gedanken liebäugeln, aus einer festgefahrenen und scheinbar verrückt gewordenen Gesellschaft auszubrechen, freiem Willen und unabhängigem Gedankengut nachzugehen, ohne von Medien oder einer wirtschaftlich orientierten Welt manipuliert zu werden. Hier ist „Captain Fantastic“ eine intellektuell und emotional herrlich stimulierende und herausfordernde Angelegenheit, die voller überraschender Situationen und Momente steckt, die zu den besten des Kinojahres 2016 gehören. Das ist oft zum Schreien komisch, aber auch gerade gegen Ende des Films auf aufrichtige Weise tief berührend.

Viggo Mortensen, der in den letzten Jahren überaus wählerisch geworden ist und nur noch in wenigen Filmen auftritt, ist hier ideal besetzt. Mortensen ist selbst ein alternativer Denker und Naturmensch, wodurch er seine wunderbar verschrobene und schroffe Rolle mühelos verinnerlicht und keinen anderen Schauspieler als Ben Cash vorstellbar macht. So agiert er völlig glaubwürdig und verschwindet in seinem Part als progressiv-idealistischer Super-Vater und hinter einem (eventuell nicht zufällig gewählten) Charles Manson-Zottelbart – Durchaus trägt seine von alternativen Erziehungsmaßnahmen geprägte Kommune nämlich Charakterzüge einer Sekte. Ben muss sich früher oder später mit der Tatsache konfrontiert sehen, dass er seine Kinder von der Gesellschaft abgeschottet hat und ihnen damit möglicherweise auf lange Sicht schadet, auch wenn er sie noch so respektvoll auf Augenhöhe behandelt. Captain Fantastic - Einmal Wildnis und zurück Szenenbild

Doch der Film gelingt auch deshalb wundervoll, da sein komplettes Ensemble überzeugt. Gerade die überaus charismatischen jungen Darsteller agieren auf einer Ebene mit Mortensen und sind in ihren Parts auch voll und ganz glaubwürdig. Gerade der älteste Sohn Bodevan (George Mackay) steht hier im Zentrum, denn er ist derjenige, der am ehesten Ambitionen zeigt, seiner eingeschränkten Welt in Richtung Colleges auszubrechen. Aber auch Routinier Frank Langella leistet hier starke Arbeit, denn seine Rolle hätte leicht eindimensional geraten können. Ihm gelingt es, Franks Perspektive und Kritik an Ben nachvollziehbar zu machen. „Captain Fantastic“ wirft eine Vielzahl von herausfordernden Ideen in den Raum, die nachdenklich machen und lange nachwirken. Er liefert zahlreiche Argumente, die für Bens unkonventionelle und exzentrische Erziehungsmaßnahmen und insbesondere seine alternative Weltsicht sprechen, aber auch in der zweiten Hälfte einige Punkte, die unüberhörbar dagegen stehen. So erweist sich „Captain Fantastic“ als zutiefst persönlich empfundene, allgemeingültige Angelegenheit voller profunder Wahrheiten, die auch durchaus mal wehtun dürfen.

Bild
Das Bild der DVD bewegt sich insgesamt auf einem sehr ansprechenden Niveau. Hier präsentiert sich vor allem eine sehr natürliche Farbpalette, die an vielen Stellen (gerade bei seinen Naturaufnahmen zu Beginn) überaus kräftig daherkommt. Kombiniert wird diese Qualität mit einem sehr guten Kontrast und einem für DVD sehr zufriedenstellenden Schärfe- und Detaillevel.

Captain Fantastic - Einmal Wildnis und zurück Szenenbild Ton
Gerade im Tonbereich weiß die DVD zu glänzen. Hier präsentiert sich von Beginn an eine überaus aktive Surround-Beschallung, die für viel Atmosphäre sorgt. Stimmungsvolle Umgebungs-Geräusche prägen das gesamte Geschehen, aber auch die Filmmusik findet ihren Weg zu den umliegenden Lautsprechern. Ansonsten ist die akustische Umsetzung angenehm dynamisch geraten, Stimmen und Dialoge ertönen mit bester Klarheit.

Extras
Das Bonusmaterial fällt leider recht enttäuschend aus. Neben einem kurzen EPK-Making of gibt es hier lediglich einen unkommentierten Blick hinter die Kulissen in Form einer B-Roll. Dazu gibt es den deutschen Kinotrailer und eine Universum-Trailershow.
Making of (03:52 Min.)
B-Roll (08:32 Min.)
Kinotrailer (02:09 Min.)
Trailershow


Fazit:
„Captain Fantastic“ ist sowohl tief bewegend als auch sehr, sehr komisch. Hier präsentiert sich ein humanistisches und warmherziges Filmjuwel voller Wahrheiten und intellektuell stimulierender Ideen, das von einem herausragenden Oscar-würdigen Viggo Mortensen und einem starken Ensemble getragen wird.

by Florian Hoffmann
Bilder © Universum Film