Brother - Blu-ray

Blu-ray Start: 20.11.2015
FSK: 18 - Laufzeit: 114 min

Brother Blu-ray Cover -> zur Blu-ray Kritik

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Inhalt

Augen zuckend, einsilbig und anscheinend der englischen Sprache nicht mächtig, läuft Aniki Yamamoto durch die Straßen von Los Angeles. Der japanische Yakuza Gangster ist auf der Suche nach seinem jüngeren Halbbruder Ken. Dieser dealt inzwischen mit Drogen und es dauert nicht lange, bis Aniki in dessen Geschäfte eingreifen muss... Wortkarg und eiskalt baut er um sich herum eine erfolgreiche aber brutale Organisation auf, die das Drogengeschäft der Gegend übernimmt. „Probleme“ lösen sie auf ihre eigene Art. Als jedoch die italienische Mafia ins Spiel kommt, wendet sich das Blatt...

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Blu-ray Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: Alive / Capelight Pictures
Tonformate:
DTS-HD 5.1 Master Audio (Deutsch, Japanisch)
Untertitel:
Deutsch
Bildformat: 16:9 Widescreen (1,85:1) 1080p HD
Bonusmaterial:
Doku „Scenes by the Sea“
Interviews
Making of
Trailer

DVD und Blu-ray | Brother

Blu-ray
Brother (Limited Edition) Brother (Limited Edition)
Blu-ray Start:
23.11.2012
FSK: 18 - Laufzeit: 114 min.
Brother Brother
Blu-ray Start:
20.11.2015
FSK: 18 - Laufzeit: 114 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Brother Brother
DVD Start:
20.11.2015
FSK: 18 - Laufzeit: 109 min.

Blu-ray Kritik - Brother

Blu-ray Wertung:
Film: | 8/10
Bild: | 8/10
Ton: | 9/10
Extras: | 8/10
Gesamt: | 8/10


Im Zuge der aufwändigen Mediabook-Veröffentlichungen von „Hana-Bi“ und „Dolls“ legt Capelight nun eine weitere Takeshi Kitano-Produktion neu auf. „Brother“ wurde bereits 2012 ebenfalls als limitiertes Mediabook veröffentlicht, jetzt gibt es den brutalen und existenzialistischen Yakuza-Thriller aus dem Jahr 2000 auch als Single-Disc-Edition. Bild, Ton und Extras sind gleich geblieben, man muss nur auf die zusätzliche DVD und das Booklet verzichten. Die Disc präsentiert sich auf technisch hohem Niveau, auch die Extras sind gelungen. Der Film selbst ist Kitanos einzige Produktion, die zu großen Teilen außerhalb Japans spielt. Schauplatz ist primär Los Angeles, der Film wurde international co-finanziert, ist aber durch und durch ein Kitano-Film. Der exzentrische Stil und die bevorzugten Themen des japanischen Multitalents kommen hier voll zum Vorschein und lassen zu keiner Sekunde daran zweifeln, wessen Handschrift man hier sieht. Dieser ungewöhnliche und zutiefst persönliche Stil spricht natürlich am ehesten eine Arthouse-Sensibilität an, wer hier etwas Konventionelles und Angepasstes erwartet, ist im falschen Film.

Im Zentrum steht der Yakuza-Gangster Aniki (Takeshi Kitano), der sich wegen einer Fehde zwischen rivalisierenden Gangs aus seinem Heimatland zurückziehen muss. Sein Zielort sind die USA, genauer gesagt Los Angeles, wo er seinen Halbbruder und Klein-Drogendealer Ken (Claude Maki) ausfindig macht. Schnell mischt sich Aniki in die Geschäfte seines Bruders und seines Partners Denny (Omar Epps) ein und beginnt auch auf fremdem Gebiet umgehend einen Gang-Krieg mit Mexikanern. Schnell steigen Aniki und seine neue Gang empor und gründen ihr eigenes Syndikat, das in kurzer Zeit stark expandiert und machtvoll wird. Ebenso rasant verkomplizieren sich die Dinge, als sich Anikis Organisation mit der italienischen Mafia anlegt.

Der Plot an sich ist wie in allen Kitano Filmen eher nebensächlich. Viel wichtiger ist hier der minimalistische und schnörkellose Stil, den der wohl wichtigste japanische Autorenfilmer der letzten 25 Jahre an den Tag legt. Seine Figur ist gewohnt wortkarg und stoisch, sein Ausdruck in Gestik und Mimik auf ein absolutes Minimum reduziert. Seine Augen sind zudem meist von einer Sonnenbrille verdeckt, somit zählt jede kleine Gesichtsregung. Im Vergleich zu Kitanos anderen Filmen kommt bei „Brother“ natürlich hinzu, dass er kein Englisch spricht und somit nur schwierig kommunizieren kann. Um den Film vollends zu verstehen, muss man sich zudem in die japanische Mentalität und speziell in die der Yakuza hineinversetzen. Natürlich spielen hier solche Begriffe wie Loyalität und Ehre eine große Rolle, doch Kitano unterwandert das Bild der japanischen Mafia auch immer wieder mit subtil satirischem Humor und Ironie, stellt die Absurdität und Stumpfheit der Bräuche der Organisation bloß. Menschenleben spielen hier keine große Rolle (insgesamt sterben in „Brother“ 78 Menschen), Morde geschehen Kitano-typisch nahezu beiläufig, oft auf schockierend plötzliche Weise und mit extremer, teils sadistischer Gewalt. Diese inszeniert Kitano nüchtern und distanziert, lässt die Szenen meistens gar nicht erst grafisch werden, sieht in den entscheidenden Momenten weg. Neben unzähligen Schießereien gibt es in „Brother“ auch immer wieder Momente, in denen sich Yakuzas Finger abschneiden, um Scham und Respekt zu bekunden und ein Zeichen ihrer Schud zu geben. In einer fürchterlichen und erinnerungswürdigen Szene begeht ein Gangster den rituellen Akt des Seppuku, in dem er sich den Bauch aufschneidet.

Wie erwähnt, ist die Story von „Brother“ so reduziert wie möglich gehalten. Es geht insgesamt um die Reise, die Aniki macht, die Beweggründe seines Handelns sind bei genauerer Betrachtung und etwas Nachdenken recht eindeutig, doch ausgesprochen wird hier nie etwas konkret. Wie gewohnt inszeniert Kitano scheinbar beiläufige Momente, in denen einfach nur beobachtet wird, etwa ein Basketballspiel der Gangster. Natürlich steckt der Film voller Symbolik, wenn die Gangster auf einem Hochhaus-Dach stehen und scheinbar völlig aus jedem Zusammenhang gerissen wortlos einen Papierflieger herunterwerfen, dem die Kamera dann sekundenlang folgt, kann man hier natürlich eine Rückkehr zur Unschuld verlorener Kindheit hinein interpretieren. Was solche Momente ausdrücken, bleibt aber letztlich rein dem Zuschauer überlassen. Für westliche Zuschauer, die andere Sehgewohnheiten haben, mag „Brother“ und Kitanos Gesamtwerk natürlich nur wenig greifbar und zu abstrakt sein. Wer sich auf seine Filme einlässt, wird jedoch mit etwas enorm Unkonventionellem belohnt, das bei einem genaueren Blick sehr reichhaltig und tiefgründig ist. Auch Kitanos Humor ist sicher nicht jedermanns Sache, manchmal ist seine betont lakonische und trockene Art deutlich humoristisch angelehnt, manche Momente und Reaktionen von Figuren sind dann wieder auf eine viel abstraktere Art auf ironische Weise komisch.

„Brother“ war der Versuch, Takeshi Kitanos außergewöhnliches Werk einem westlichen Publikum näher zu bringen. Das Element der aufeinanderprallende Kulturen war neu in Kitanos erster ausländischer Ko-Produktion, doch ansonsten blieb er sich stilistisch und thematisch treu. Das bedeutete natürlich auch, dass „Brother“ so weit vom Mainstream entfernt ist wie möglich und Kitano nie wieder außerhalb Japans produziert hat. „Brother“ ist ein faszinierender, langsam und ruhig inszenierter, wahrscheinlich sogar dahin plätschernder Film, der viel Aufmerksamkeit von einem abverlangt, der irritiert und oft kryptisch bleibt. Kitanos düsterer Nihilismus, die extreme Gewalt und sein eigenartiger Sinn für Humor verlangen zusätzlich einiges vom Zuschauer ab, ergeben jedoch etwas durchweg Außergewöhnliches und Belohnendes für Cineasten, die gerne weit abseits des Mainstream unterwegs sind.

Bild
Der Film macht optisch auf Blu-ray einen sehr guten Eindruck. HD-Puristen finden sicher Anlass für Kritik angesichts des nicht bereinigten Filmkorns, doch gerade diese Textur ist wichtiger Teil der Ästhetik. Der Farbeindruck ist natürlich, aber kräftig. Schärfe und Details sind größtenteils sehr gut, lediglich in dunklen Szenen wird manches Detail verschluckt und auch das Filmkorn ist sehr präsent. Kontraste sind überzeugend, Schwarzwerte tendieren oft dazu, ins Bläuliche zu gehen. Kein perfektes Bild, aber ein sehr gutes, das natürlich einen Quantensprung gegenüber der alten DVD darstellt.

Ton
Akustisch macht die Blu-ray gerade in der DTS-Original-Tonspur einen hervorragenden Eindruck. Von Beginn an verteilt sich die melancholische Filmmusik atmosphärisch auf alle Kanäle. Auch Soundeffekte, etwa einfache Straßenszenen, sind sehr räumlich und detailreich abgemischt. Die zahlreichen Schießereien sind nicht nur dynamisch und dementsprechend laut abgemischt, sie ertönen auch extrem räumlich und effektreich. Es schallt und knallt auf allen Kanälen. Auch der Subwoofer wird hier recht druckvoll eingesetzt. Dialoge könnten vielleicht eine kleine Spur lauter sein.

Extras
Die Sonderausstattung der Blu-ray überzeugt vor allem durch die sehr interessante Doku „Scenes by the Sea“. Angereichert wird das noch durch ein paar Interviews, eine kurze EPK-Featurette und zwei Trailer.

Scenes by the Sea: Takeshi Kitano (48:40 Min.): Sehr interessante britische Dokumentation in drei Teilen über Beat Takeshi, die im Zuge der Veröffentlichung von „Brother“ entstanden ist. Kitanos Werk und berufliche Laufbahn wird von Filmkritikern, Mitarbeitern und Weggefährten ausführlich und hintergründig beleuchtet. Kitanos besonderer Stil und seine unorthodoxe Arbeitsweise werden ebenfalls faszinierend analysiert. Unterhaltsame und interessant gemachte Doku.
Interviews (15:11 Min.): Takeshi Kitano, Produzent Masyuki Mori, Produzent Jeremy Thomas und Schauspieler Omar Epps kommen hier zu Wort.
Making of (02:17 Min.): Kurze EPK
Original Kinotrailer (dt. Version, 02:09 Min.)
Takeshi Kitanos Das Meer war ruhig – Trailer (01:06 Min.)
Vier Filmtipps von Capelight (Outrage, Der blutige Pfad Gottes, Assault – Anschlag bei Nacht, Romper Stomper)


Fazit:
Takeshi Kitanos einzige internationale Co-Produktion auf sehr guter Blu-ray. „Brother“ ist ein existenzialistischer und minimalistischer Film, der sich weit abseits des Mainstreams bewegt und nur für wenige Zuschauer greifbar wird.

by Florian Hoffmann
Bilder © Alive / Capelight Pictures