| Blu Ray Wertung: |
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| 8/10 |
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| 7/10 |
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| 6/10 |
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| 7/10 |
| Gesamt: |
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| 7/10 |
Früher war es immer New York. Die Stadt der Gangster. Okay, ganz früher vielleicht auch Chicago und die Straßen von San Francisco. Aber ins filmische Gedächtnis als kriminelle Hauptstadt hat sich New York durch Filme wie „Der Pate“, „Taxi Driver“ und „Goodfellas“ auf jeden Fall den ersten Rang erkämpft. Doch nun gleitet eine andere Stadt ins cineastische Bewusstsein, die man als europäischer Outsider noch gar nicht so auf dem Schirm hatte: Boston. Nach Mystic River,
The Departed und Gone Baby Gone, die alle veritable bis große Erfolge waren, kommt nun ein weiterer Film heraus, der Boston als sozial heruntergekommene Gangsterstadt ins Rampenlicht puscht.
Es geht um die autobiografische Geschichte zweier Freunde, Paulie und Brian (Ethan Hawke und
Mark Ruffalo), die sich bereits als Jungs als Laufburschen für ihren kriminellen Ziehvater Pat (Autor und Regisseur Brian Goodman) einspannen lassen. Sie werden zu Erwachsenen und zunehmend unzufriedener mit ihrer Situation: Denn sie sind immer noch Laufburschen und Prügelknaben und sehen keine Entwicklung zum Guten. Und so fangen sie an, ihre eigenen Dinger zu drehen und werden, wie überraschend, geschnappt und zu einer langen Gefängnisstrafe verurteilt. War Brian vorher der saufende, koksende und prügelnde Libertin, so war Paulie bislang zwar nicht weniger kriminell, aber dafür beherrschter und reifer. Doch im Knast erkennt Brian, dass er gerade dabei ist, seine Familie zu verlieren. Und so versucht er sich zu wandeln, die klassische Geschichte vom Saulus, der zum Paulus wird. Doch die wahren Herausforderungen warten nach dem Knast: Was macht man, wenn man nichts gelernt hat, nur kriminell war und gesoffen hat? Wie um alles in der Welt soll man da Geld verdienen und seine Familie ernähren? Die Verantwortung lastet schwer auf Brian…und dann kommt auch noch sein Kumpel Paulie aus dem Knast. Und der hat immer andere Wege, an Geld zu kommen. Doch diese Wege wollte Brian eigentlich nie wieder gehen. Schafft er es, dem zu widerstehen...?
Autor, Regisseur und Nebendarsteller
Brian Goodman ist nicht zu beneiden: Man kann sagen, er ist ungefähr drei Jahre zu spät dran. Nach dem frühen
Mystic River, aber speziell nach The Departed ist das Thema „Kriminalität in Boston“ doch recht verbraucht. Und so floppte Goodmans Werk denn auch brutalstmöglich auf ganzer Linie. Dies ist umso ungerechter als das Goodman wohl der einzige Filmemacher unter allen „Boston-Filmern“ ist, der wirklich weiß, wovon er spricht: Er kommt aus der Gegend, lebte auf der Straße und verbrachte viel Zeit im Knast. Tatsächlich begann er, dieses Drehbuch zu schreiben, nachdem er gerade 14 Tage aus dem Gefängnis raus war!
Wobei man sagen muss: In der ersten Hälfte versteht man das Fortbleiben des Publikums. Das dort Gezeigte hat man einfach schon besser inszeniert und unterhaltsamer in den benannten Filmen gesehen, allen voran natürlich in The Departed. Authentizität hin oder her, gegen die Kombination
Jack Nicholson, Ray Winstone, Leo diCaprio und
Matt Damon anzustinken ist wohl fast unmöglich. Und so trudelt der Film zunächst sowohl schauspielerisch wie auch inszenatorisch auf solidem Mittelmaß dahin, was, wie gesagt, nicht so schlimm wäre, wenn die Vorgänger nicht so überlebensgroß wären.
Die große Wende kommt, als Brian aus dem Knast entlassen wird. Während sich z.B. The Departed in packenden, aber letztlich wohl schlicht erfundene Maulwurf-Szenerien ergeht, setzt uns „What doesn’t kill you“ (so der Originaltitel) einfach an der Straßenecke ab. Und da steht man dann: Man hat nichts gelernt, keinen Job, die eigenen Kinder halten einen für einen Versager, und wenn man noch einmal straffällig wird, wandert man für den Rest seines Lebens ins Gefängnis. Dies ist kein falscher Gangster-Glamour mehr...dies ist das triste, harte Leben.
Hier kommt das volle Schauspiel-Potential von Mark Ruffalo zum Vorschein: Ist er am Anfang noch wie ein Betrunkener, der mit einem Panzer durch’s Leben fährt und damit mehr kaputtmacht, als man sich vorstellen kann, sieht man ihm nun, mit den Füßen wieder nüchtern am Boden, seine unglaubliche Verletzlichkeit und Unsicherheit an. Er weiß, er darf nicht wieder scheitern. Sonst ist er seine Familie und damit sein Leben für immer los. Aber er weiß einfach nicht, wie er es anders machen soll. In diesem Zusammenhang entfalten sich unglaublich traurige, aber irgendwie auch unglaublich schöne, weil berührende Momente: Wenn Brian im Auto sitzt und dieser ehemals so harte und toughe Gangster anfängt zu weinen, weil er einfach nicht weiß, wie er das hinbekommen soll, dann sind das schon Szenen, die man sich manchmal auch in so einem „Hans Dampf in allen Gassen“-Film von Scorsese wünschen würde.
Doch auch die anderen Schauspieler machen ihre Sache gut: Ethan Hawke zeigt einmal mehr, dass er in Filmen, die eher in der zweiten Reihe spielen, wesentlich besser aufgehoben ist, weil er einfach viel mehr Potential zeigen kann als in irgendsoeinem glattgebügelten Hollywood-Actioner.
Amanda Peet liefert eine solide Darstellung der Frau eines Kriminellen ab, die selber eigentlich ein stetes Leben leben möchte, aber genauso wie ihr Mann nicht weiß, wie sie das machen soll. Brian Goodman transportiert den kriminellen Ziehvater mit einer richtigen Mischung aus Härte und Väterlichkeit. Und besonders Oscar Wahlberg als Brians ältester Sohn Mark spielt den durch die Situation zerriebenen Jungen mit Bravour.
Insgesamt ist bei Boston Streets ein Film herausgekommen, der ein bisschen Geduld abverlangt, den Zuschauer aber dann mit einer anderen Version als mit dem üblichen Gangster-Klischees belohnt; darüber hinaus fällt positiv auf, dass der Film wirklich eine moralische Botschaft transportiert, ohne schulmeisterlich daherzukommen...auch etwas, was man nicht so häufig sieht.
Das Bild der BluRay ist sehr gut. Teilweise leidet der Film und die Qualität darunter, dass man dem Film durch „Wackelkamera“ Authentizität geben wollte, aber dennoch nicht auf FullHD verzichten konnte. Das macht zwar statische Aufnahmen und Totalen zu einem Augenschmaus, bei bewegtem Material wird das Gewackele aber manchmal etwas nervig, weil es eben in Kontrast zu der doch sehr guten Bildqualität steht und somit sehr gewollt wirkt.
Die Tonqualität ist nicht unbedingt
BluRay geeignet. Wobei man sagen muss: Das muss sie bei einem solchen Film auch nicht. Der Ton ist okay. Aber nicht mehr. Manchmal merkt man, dass das Mikro wohl kurz in der Tür hängengeblieben ist oder der Kameramann wohl ein bisschen zu schnell nach vorne geprescht ist. Von Filmen wie dem „
Dark Knight“ ist man einen perfekten, durchkomponierten Filmsound gewöhnt…dies ist aber hier weder Sinn noch Zweck. So gesehen ist der Ton zwar nicht BluRay-Standard...soll er aber auch nicht sein.
Die Extras sind nicht ausufernd, aber die Qualität macht’s! Es gibt ein making of und einige
Interviews...und wie im Film punkten auch die Extras mit den beteiligten Personen: Ethan Hawke,
Mark Ruffalo und Brian Goodman scheinen auch im „richtigen“ Leben sehr bodenständige und
ehrliche Leute zu sein, was sich positiv niederschlägt. Es macht Spaß, sich die Entstehung des Filmes anzugucken und den Meinungen der Macher zu lauschen...insbesondere weil natürlich insbesondere Goodman, wie auch Co-Autor
Donnie Wahlberg (ja, DER Donnie Wahlberg!) wissen, wovon sie reden.
Alles in allem eine grundsolide, bisweilen tolle BluRay.
by Thomas Böhm