Border (Mediabook) - Blu-ray

Blu-ray Start: 16.08.2019
Digital VoD: 16.08.2019
FSK: 16 - Laufzeit: 110 min

Border (Mediabook) Blu-ray Cover -> zur Blu-ray Kritik

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Inhalt

Die Grenzbeamtin Tina ist eine bemerkenswerte Erscheinung. Ihr seltsam geschwollenes Gesicht, ihr bohrender Blick und ihre körperliche Kraft verleihen der jungen Frau etwas Animalisches. Tina hat zudem eine besondere Fähigkeit: Sie kann Angst, Scham und Wut anderer Menschen wittern. Ihr Talent macht sich der schwedische Grenzschutz erfolgreich zunutze, um Kriminelle aufzuspüren. Dennoch fühlt sich Tina seltsam fremd unter ihren Mitmenschen und lebt einsam und naturverbunden als Außenseiterin in den Wäldern. Doch dann begegnet sie Vore, der ihr auffallend ähnlich sieht und bei dem ihre Begabung an ihre Grenzen stößt. Tina ahnt, dass Vore etwas zu verbergen hat. Und doch, unbefangen, wild und erstaunlich frei, wirkt Vore ungemein anziehend auf sie. Tina spürt bei ihm eine Vertrautheit, die ihr bisher fremd war. Als die beiden sich näherkommen, offenbart Vore ihre mystische Herkunft. Aber dieses Wissen bringt nicht nur neue Freiheiten, sondern auch unbequeme Herausforderungen mit sich, denen sich Tina stellen muss.

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Blu-ray Details

Medienanzahl: 2
Regionalcode: 2
Vertrieb: Alive / capelight pictures
Tonformate:
DTS-HD 5.1 Master Audio (Deutsch, Schwedisch)
Deutsch (Dolby Digital 5.1)
Schwedisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel:
Deutsch
Bildformat: 16:9 Widescreen (2.35:1) 1080p HD
16:9 / 2,35:1 Anamorph Widescreen
Bonusmaterial:
Trailer

DVD und Blu-ray | Border (Mediabook)

Blu-ray
Border Border
Blu-ray Start:
16.08.2019
FSK: 16 - Laufzeit: 110 min.
Border (Mediabook) Border (Mediabook)
Blu-ray Start:
16.08.2019
FSK: 16 - Laufzeit: 110 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Border Border
DVD Start:
16.08.2019
FSK: 16 - Laufzeit: 106 min.

Blu-ray Kritik - Border (Mediabook)

Blu-ray Wertung:
Film: | 8/10
Bild: | 8/10
Ton: | 9/10
Extras: | 2/10
Gesamt: | 8/10


Tina ist hässlich. Die Zollbeamtin mit den grimmig-verkrümmten Gesichtszügen, der speckigen Haut, den zotteligen Haaren und ungepflegten Zähnen und Fingernägeln leidet darunter. Sie ist eine stille und grobschlächtige Außenseiterin, die im Supermarkt angestarrt wird und an den Rand der Gesellschaft gedrängt wird. So etwas wie Liebe erfährt sie nicht. Der Mann, der in ihrem Haus am Waldrand lebt, führt eine gänzlich unkörperliche Beziehung mit ihr und nimmt eigentlich nur dankend das Dach überm Kopf an. Höchstens ihr leicht dementer Vater, den sie gelegentlich im Altersheim besucht, schenkt ihr zumindest Anflüge von Zuneigung. Tinas Realität irgendwo im grau-tristen Schweden ist so hässlich wie ihr Äußeres.

Miteinander: Tina (Eva Melander) fühlt sich von Vore (Eero Milonoff) verstanden.
Miteinander: Tina (Eva Melander) fühlt sich von Vore (Eero Milonoff) verstanden. © Meta Spark & Kärnfilm AB
Das klingt alles nach einem Elendsporno, einem finsteren Sozialdrama à la Ken Loach, was „Border“ auch sicherlich in Teilen ist. Doch Ali Abassi, der junge Regisseur, der hier seinen zweiten Langfilm abliefert, hat etwas ganz Besonderes geschaffen, das Genrekonventionen konsequent auf unerwartete Weise bricht. Als Vorlage fungierte die Kurzgeschichte „Gräns“ des schwedischen Autors John Ajvide Lindqvist, der zuvor bereits mit „So finster die Nacht“ für Furore sorgte. Wie auch Lindqvists unkonventionelle Vampirgeschichte, die so brillant von Tomas Alfredsson und später Matt Reeves filmisch adaptiert wurde, spielt auch „Border“ mit einem schmerzhaft alltäglichen Setting, das bedeutungsvoll durch uralte Mythologie kontrastiert und gefüttert wird.

Tina (Eva Melander) sieht zwar recht verunstaltet, aber dennoch menschlich aus. Doch schon früh spürt man hier, dass etwas nicht ganz richtig ist. Tina ist zum einen nicht eine x-beliebige Grenzbeamtin, denn sie hat eine besondere Gabe: Läuft jemand, der etwas zu verbergen hat, durch ihre Kontrolle, erschnuppert sie das. Sie muss den Betreffenden nicht mal ansehen, um festzustellen, dass etwas im Argen liegt. Sei es Alkohol bei Minderjährigen oder einer gut versteckten SD-Karte mit Kinderpornografie, Tina entgeht nichts, wodurch sie auch für die Kriminalbehörden interessant wird. Tina riecht Scham, Schuld oder Wut, wie sie es selbst formuliert. Dann ist da auch noch ihre große Naturverbundenheit, die der Film immer wieder beiläufig offenbart, etwa wenn ein Fuchs nachts vor ihrem Fenster steht. Warum Tina ist, wie sie ist, erweist sich als das Rätsel dieses schwermütigen, kompromisslosen und konstant überraschenden Films, der sicher zu den originellsten filmischen Werken der letzten paar Jahre gezählt werden darf.

Die Grenzbeamtin Tina (Eva Melander) hat ein herausragendes Talent: Sie kann Gefühle riechen.
Die Grenzbeamtin Tina (Eva Melander) hat ein herausragendes Talent: Sie kann Gefühle riechen. © Meta Spark & Kärnfilm AB
Zu viel darf man zu „Border“ nicht verraten. Dass Tina auf eine Person namens Vore trifft, die ihrem traurig-monotonen Leben einen neuen, alles verändernden Impuls gibt, der ihr so lang ersehnte Antworten liefert, ist jedenfalls der Kern des Films. Dass Vore ähnlich missgestaltet aussieht und Larven in einer Dose bei sich trägt, ist bei weitem nicht das einzig Sonderbare an dieser beängstigenden Gestalt. „Border“, der ein offensichtlicher Vertreter des magischen Realismus ist, handelt von Andersartigkeit, dem Gefühl nicht dazuzugehören. Er handelt von der Angst vor dem Fremden, das hier nähergebracht und entmystifiziert wird, aber dann schließlich doch nicht greifbar wird. Das ist tief melancholisch, schwermütig und schmerzhaft. Leicht zugänglich ist dieser Stoff nicht. Auch im Vergleich zu seinem spirituellen filmischen Gegenstück „So finster die Nacht“ ist „Border“ sicher nochmal ein gutes Stück schräger, eigenartiger, unbequemer und unzugänglicher. Gerade, wenn man meint, dass der Film gewisse Bahnen läuft, nachdem er sein größtes Rätsel gelöst hat, zieht Abassi dem Zuschauer den Boden unter den Füßen weg und offenbart neue erzählerische Abgründe.

Fasziniert: Tina (Eva Melander) spürt Vores (Eero Milonoff) Anziehungskraft.
Fasziniert: Tina (Eva Melander) spürt Vores (Eero Milonoff) Anziehungskraft. © Meta Spark & Kärnfilm AB
Abassi geht hier immer wieder auf vollen Konfrontationskurs, offenbart ekelerregende und abstoßende Bilder, die man kaum abschütteln kann. Doch in dieser Hässlichkeit liegt dann auch immer eine ganz merkwürdige Schönheit und Poesie. „Border“ erweist sich so als Film spannender Kontraste, der sich traut, dahin zu gehen, wo es weh tut und wirklich provokant zu sein. Das muss einem nicht gefallen, bewundern kann man es aber allemal. Nichts in diesem Film wirkt letztlich unmotiviert, alles entwickelt sich aus den Figuren und einem einfühlsamen Verständnis für sie heraus. So präsentiert Abassi hier eine unfassbar bizarre Sexszene, wie man sie sicher noch nie zuvor in dieser Form gesehen hat, die fürchterlich abstoßend, aber aus der Wahrnehmung der Figuren heraus kathartisch, transzendental und befreiend erscheint.

Die nicht erkennbare Eva Melander, die für ihre Rolle als Tina unter der herausragenden Oscar-nominierten Maske ihren Schmerz auf so subtile Weise greifbar macht, darf hierbei sicher nicht unerwähnt bleiben. Ebenso fasziniert ihr Drehpartner Eero Milonoff mit einer außerordentlichen Präsenz, die zu Melander für einen der großen Kontraste dieses Films sorgt. Wie gesagt, man muss Abassis Film nicht mögen, sehr originell, andersartig, tiefgründig und kompromisslos ist er aber allemal. Gerade angesichts des glattgebügelten Mainstreams ist so etwas dann schon ein echtes Kleinod, das in seinen Einzelteilen bewundernswert ist, am Ende aber dennoch merkwürdig distanziert lässt.

Unbeirrbar: Tina (Eva Melander) kann sich nicht nur bei Menschen auf ihr Witterungstalent verlassen.
Unbeirrbar: Tina (Eva Melander) kann sich nicht nur bei Menschen auf ihr Witterungstalent verlassen. © Meta Spark & Kärnfilm AB
Bild
„Border” erscheint auf Blu-ray in naturalistischen und eher dezenten Farben. Akzente erhalten hier gelegentlich erdigere Töne, insgesamt fällt die visuelle Umsetzung aber recht zurückhaltend aus. Das digital auf Red Kameras aufgezeichnete Bild verfügt über dezentes digitales Filmkorn und nicht nur in dunklen Bereichen über gelegentliches leichtes Rauschen. Die Kontraste und Schwarzwerte fallen solide aus, während der Schärfe- und Detailgrad relativ weich erscheint.

Ton
Akustisch fällt die Umsetzung weitestgehend frontlastig aus, dennoch findet sich immer Raum für differenziert platzierte Umgebungsgeräusche auf den Surroundkanälen. Vereinzelt wird es hier aber auch immer wieder enorm druckvoll. Stimmen und Dialoge ertönen in beiden Sprachfassungen klar und verständlich.

Extras
Leider kommt das Mediabook ohne Bonusmaterial aus. Hier liegen lediglich Trailer vor, ansonsten überzeugt das Mediabook aber mit für Capelight gewohnt hübscher Aufmachung und einem interessanten Interview mit Regisseur Ali Abassi im eingelegten Booklet.


Fazit:
„Border“ ist ein groteskes, eigenartiges und hochoriginelles Kleinod, das dem Zuschauer einiges zumutet. Regisseur Ali Abassi lässt in seinem zweiten Film Kontraste aufeinanderprallen, bricht konsequent Genrekonventionen und bleibt bis zum Ende unvorhersehbar.

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by Florian Hoffmann
Bilder © Alive / capelight pictures




Border (Mediabook) - Trailer