Blackhat - Blu-ray

Blu-ray Start: 18.06.2015
FSK: 16 - Laufzeit: 133 min

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Inhalt

In einer Welt voller globaler Cyberkriminalität jagt in BLACKHAT ein Verurteilter auf Freigang zusammen mit amerikanischen und chinesischen Spezialisten ein hochgefährliches Hackernetzwerk quer über die Welt: Von Chicago über Los Angeles nach Hong Kong und Jakarta.

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Blu-ray Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: Universal Pictures
Tonformate:
DTS-HD Master Audio 5.1 (GB)
DTS Digital Surround 5.1 (D, F, I, E, HIN)
Untertitel:
D, GB, F, AR, E, DK, NL, FIN, F, HIN, IS, I, N, P, S
Bildformat: 16:9 Widescreen (2.40:1) 1080p HD
Bonusmaterial:
- Die Cyber-Gefahr
- Drehorte überall auf der Welt
- Realität erschaffen

Video on demand - Blackhat

DVD und Blu-ray | Blackhat

Blu-ray
Blackhat Blackhat
Blu-ray Start:
18.06.2015
FSK: 16 - Laufzeit: 133 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Blackhat Blackhat
DVD Start:
18.06.2015
FSK: 16 - Laufzeit: 127 min.

Blu-ray Kritik - Blackhat

Blu-ray Wertung:
Film: | 9/10
Bild: | 8/10
Ton: | 8/10
Extras: | 6/10
Gesamt: | 8/10


Sechs Jahre nach seinem letzten Spielfilm „Public Enemies“ kehrte Michael Mann, einer der stilistisch einzigartigsten Autorenfilmer Amerikas, mit dem Cyber-Thriller „Blackhat“ ins Kino zurück. Der einer breiten Masse vor allem durch stark charakterbezogene und enorm authentisch gezeichnete Actiondramen wie „Heat“, „Der letzte Mohikaner“ oder „Collateral“ bekannte Mann landete mit seinem zehnten Kinofilm eine finanzielle Bauchlandung, der Film spielte bei einem Budget von ca. 70 Millionen Dollar in Amerika nur knapp 8 Millionen Dollar ein und scheiterte auch bei einem Großteil der Kritik, die Manns eigenwillig inszenierten, weltumspannenden Hackerfilm als wenig packend erachteten. Doch auch wenn „Blackhat“ ganz sicher nicht ohne Schwächen ist, bietet Mann dem Zuschauer eine einzigartig originelle Vision, bei der ein oberflächlicher Blick, der sich nach herkömmlichen Konventionen des gängigen Blockbuster-Kinos richtet, bei weitem nicht ausreicht. So erscheint der Film letztlich als falsch positioniert, denn trotz großem Budget, einem Thema, wie es aktueller nicht sein könnte und mit „Thor“ Chris Hemsworth mit einem angesagten Posterstar besetzt, ist „Blackhat“ weit mehr als ein herkömmlicher, eskapistischer Thriller. Wie schon mit seiner polarisierenden „Miami Vice“-Verfilmung, unterwandert Mann das moderne Blockbuster-Actionkino und nutzt die große Leinwand nicht um die Erwartungen der Zuschauer zu erfüllen, sondern im Grunde einen abstrakt-expressionistischen 70 Millionen Dollar Avantgarde-Kunstfilm zu schaffen, der mit filmischer Sprache experimentiert. So fordert „Blackhat“ einiges vom Zuschauer, die am Besten ihre Erwartungen außen vor lassen und dem Film ganz offen begegnen.

Wie in allen Michael Mann Filmen ist die Handlung schnell erzählt und im Grunde sekundär zu tiefgehend recherchierten Charakteren, Existentialismus und atmosphärischer, visuell experimenteller Inszenierung. Zu Beginn von „Blackhat“ steht ein folgenschwerer Hacker-Angriff auf ein chinesisches Nuklearkraftwerk, das nach ferngesteuertem Ausschalten der Kühlsysteme eine Explosion des Reaktors zur Folge hat. Hinzu kommt ein koordinierter Angriff auf die Chicagoer Börse, bei der die Sojapreise massiv in die Höhe getrieben werden. Der Täter bleibt anonym, die Motive sind unklar. Eine internationale Taskforce, bestehend aus Chen Dawai (Wang Leehom) von der chinesischen Cyber-Behörde, seiner Schwester und Programmiererin Chen Lien (Tang Wei) und Carol Barrett (Viola Davis) vom FBI, wird zur Jagd auf die Täter zusammengestellt. Hierzu zieht Dawai seinen ehemaligen Studienkollegen und Hacker Nick Hathaway (Chris Hemworth) zur Hilfe herbei, der eine Haftstrafe wegen Computerkriminalität absitzt und nun für die Ermittlungen freigelassen wird. Die Beiden haben vor Jahren gemeinsam einen Fernsteuerungs-Code entwickelt, der nun in abgewandelter Form von den Terroristen für den Anschlag verwendet wurde. Es beginnt eine internationale Hetzjagd durch die USA, Hong Kong, Malaysia und Indonesien.

Mann beginnt den Film mit einer komplexen CGI-Sequenz, die den inneren Ablauf der Cyber-Attacke visualisiert und schließlich in dem Überhitzen und der Explosion des Reaktors resultiert. Während dieser Teil von „Blackhat“ noch konventionell aufregend und rasant ist, verlangsamt Mann den Film daraufhin deutlich. Er führt die Charaktere und ihr Lebensumfeld ein, ohne aber zu viel zu erklären. Wie bei Mann üblich, leben die Figuren im Moment, man erhält nur wenige Hintergrund-Informationen, ihre Charakterzüge und Motivationen werden nur nach und nach subtil über eingestreute Andeutungen verdeutlicht. Viel wird hier über Blicke vermittelt, wenig über die kargen Dialoge. Anders als etwa in seinem Meisterwerk „Heat“, in dem jede der vielen Figuren klar gezeichnet war und damit eine deutliche Identität und ein emotionales Fundament haben, sind die Charaktere in „Blackhat” deutlich minimalistischer, abstrakter und weniger greifbar. So wirkt der Film in dieser Hinsicht wie schon „Miami Vice“ und auch „Public Enemies“ recht kühl und distanziert. Hilfreich ist hierbei auch nicht, dass mancher Dialog recht hölzern daher kommt und die Inszenierung bitterernst ist.

Die erste Hälfte des Films ist betont der nahezu dokumentarisch realistischen Inszenierung einer akribischen Ermittlungsprozedur gewidmet, bei der Leute viel vor Computern sitzen und Codes analysieren, Telefonate führen, bürokratische Hürden überspringen müssen und von Ort zu Ort reisen, um dem nächsten Hinweis nachzugehen. Mann ist hier an kompromissloser, hyperrealer Authentizität interessiert und nicht gängiger filmischer Vereinfachung und künstlich erzeugter Spannung. Der Film wird zudem dominiert von komplexem Fachjargon, weshalb man als Zuschauer besonders aufmerksam sein muss, um nicht den Faden zu verlieren. So wirkt „Blackhat“ zunächst etwas trocken und wenig aufregend im herkömmlichen Sinn, Manns konsequente Portraitierung von minutiös recherchierten Verfahrensmethoden ist aber auch wieder für sich spannend. Nur selten baut Mann zu Beginn seine klassischen poetisch anmutenden, impressionistischen, rein filmischen Momente ein, ein Highlight ist jedoch ein Moment auf einem Flugplatz, kurz nachdem Hathaway das Gefängnis zum ersten Mal seit Jahren verlassen hat. In einem nachdenklichen, unter die Haut gehenden Moment blickt Hathaway hier wortlos und in Gedanken vertieft in die Ferne des Flugfelds. Etwas später folgt ein visuell aufgeladener Moment in einem Taxi, in dem Hathaways Blick zu Atticus Ross pulsierender Filmmusik über Chen Lien wandert. Spätestens hier spürt man, dass man einen Michael Mann Film sieht, denn er lädt diese dialogfreien Augenblicke mit großer Bedeutung und Poesie auf, in denen das Gefühlsleben der Figuren visualisiert wird. Die recht dialogreiche erste Hälfte von „Blackhat“ weist zudem eine Mann-typisch dichte, durchkomponierte, symbolisch aufgeladene Bildkomposition auf, bei der viele beiläufige Details beim ersten Ansehen kaum aufzunehmen sind. Nur selten wird der Film von Actionszenen unterbrochen, mit Ausnahme einer plötzlichen, dreckig-brutalen Kampfszene in einem koreanischen Restaurant.

Die zweite Hälfte von „Blackhat“ bietet dann weit mehr an Action und Rasanz: Mann inszeniert drei große Shootouts, die in ihrer unmittelbaren kinetischen Intensität und Authentizität vergleichbaren Momenten in „Heat“, „Collateral“, „Miami Vice“ oder „Public Enemies“ kaum nachstehen. Hier liefert Mann sein gewohntes virtuoses Können ab, für das er bei vielen Fans bekannt und beliebt ist. Die Schusswechsel hören sich brutal realistisch an, man fühlt sich mittendrin in der Gefahr, spürt jeden Schuss und jeden Treffer, ob gegen metallische Oberflächen oder in menschliches Fleisch. Zu diesen klassischen Mann-Momenten kommen Verfolgungsjagden zu Fuß und ein aufwändiges Finale, das mitten in einer riesigen traditionellen Parade im nächtlichen Jakarta stattfindet. Dort inszeniert Mann weitere atemberaubende, brutale Nahkämpfe, die einen interessanten analogen Kontrast zum digitalen Hintergrund des Films bieten. Aber auch abgesehen von den Actionmomenten ist „Blackhat“ in der zweiten Hälfte interessanter, auch wegen einer subtil entwickelten Romanze zwischen Hathaway und Chen Lien. Ihre Beziehung wird primär nicht durch Dialoge erklärt, sondern durch intime Momente, durch Blicke, subtilen Gesten und Berührungen, die Mann mit großer Sensibilität inszeniert und dem Film dadurch ein gefühlvolles Element bietet, das allerdings nie kitschig oder aufdrängend wirkt.

Konsequent geprägt ist „Blackhat“ von Manns zahlreicher Nutzung realer, einzigartiger und exotischer Drehorte. Mann fängt diese wie schon in seinen letzten Filmen mit einer einzigartigen digitalen Ästhetik ein, die aufregend zwischen dokumentarischer Realität und impressionistischer Stilisierung schwankt. So fängt Mann eine faszinierende Textur aus atmosphärischen, kaleidoskopartigen Bildern von neondurchfluteten, überbevölkerten Städten, Häfen, Privatjets und dramatischen Wolkenformationen ein, die nicht nur toll aussehen, sondern auch subtil durch visuelle Metaphern das Innere der Charaktere reflektieren. Unterstützt wird das noch entscheidend durch einen eklektischen Soundteppich aus elektronischer Musik von mehreren Komponisten.

Thematisch scheint Mann nur oberflächlich an dem Aufhänger Cyber-Kriminalität interessiert zu sein. Die Portraitierung der Charaktere und des Milieus ist zwar wie bei Mann üblich tiefgehend recherchiert und daher sehr authentisch, die Erzählabsichten von „Blackhat“ scheinen aber weit abstrakter zu sein, als einfach die Ermittlungen einer Cyber-Attacke und dem Katz-und-Maus-Spiel zwischen Hathaway und dem Terroristen. Viel mehr ist Mann am Existentialismus seines einsamen Helden interessiert, der im Kontrast zu einer globalisierten, hektischen, technisierten Welt steht. Das kann für Zuschauer, die einen konventionellen Thriller erwarten, frustrierend und uninteressant sein, denn wie erwähnt erlauben die Charaktere nicht unbedingt ein leichtes Identifizieren. Rein durch die dünne Erzählung und den Thriller-Aspekt ist „Blackhat“ daher nicht wirklich packend. Wer Michael Mann kennt und auch schon zuvor unter die Oberfläche seiner aufregenden Filme geblickt hat, sollte aber hier trotzdem etwas Besonderes entdecken, das sich mit keinem anderen Film vergleichen lässt. Hierfür muss man aber aktiv sein, denn „Blackhat“ ist Manns bisher definitiv experimentellster und schwierigster Film. So existiert der Film quasi fast ausschließlich zwischen den Zeilen, im Subtext, in der Deutung und Wirkung der aufgeladenen Bilder, weshalb es schwerfällt, den Film objektiv einzuschätzen. „Blackhat“ ist zweifelsohne voller interessanter Ideen, visueller Raffinesse und Eigenständigkeit, doch Manns experimentelle und abstrakte Herangehensweise macht es fast unmöglich, den Film als wirklich gelungen zu bezeichnen. Dadurch, dass „Blackhat“ zudem ein finanzieller Flop ist, bleibt zu hoffen, dass die aufwändigen Filme von Michael Mann überhaupt weiter finanziert werden können. Trotz aller erzählerischer Schwächen ist „Blackhat“ ein waghalsiger und einzigartiger Film, der allerdings nicht mit den Wünschen eines Massenpublikums harmoniert.

Bild/Ton
Die Blu-ray-Umsetzung von „Blackhat“ muss fast nach denselben Maßstäben bewertet werden, wie der Film selbst. Die eigenwillige visuelle Ästhetik bringt die Blu-ray sicherlich akkurat rüber, nach herkömmlichen Erwartungen nach einem perfekten Bild kann man die Umsetzung aber kaum bemessen. So ist das Bild oft nicht allzu kontrastreich und sieht gewissermaßen roh und unbearbeitet aus. Schwarzwerte schwanken daher je nach Helligkeit, in hellen Szenen wirken diese oft etwas blass. Die Farben kommen folglich ebenfalls nicht allzu kraftvoll und dynamisch daher, hier wurde mehr Wert auf ungeschönten Naturalismus gelegt. Das Bild ist durchweg angemessen scharf, besonders in den zahlreichen Nahaufnahmen lassen sich aber kleinste Details haargenau erkennen. Abgesehen von wenigen Nachtmomenten, in denen leichtes Rauschen vorkommt, entspricht der Bildeindruck der Blu-ray sicherlich Manns gewünschter Ästhetik.

Die Tonspuren liegen alle in DTS 5.1 vor, mit Ausnahme von der Originalspur, die in verlustfreiem Master Audio abgemischt wurde. Diese bietet auch die Grundlage für den Test. Auch hier kommen teilweise Michael Manns eigenwillige Tendenzen zum Vorschein. Während die Tonspur weitestgehend beeindruckende Werte liefert, ist sie nicht ohne merkwürdige Schwächen. Die Abmischung ist generell sehr räumlich und dynamisch, die Surroundkanäle werden fast dauerhaft angesteuert und es gibt eine große Vielfalt zwischen leisen und lauten Momenten. In den Schießereien, bei Explosionen und bei einigen musikalischen Momenten kommt der Subwoofer durchaus mächtig und druckvoll zum Einsatz. Schwächen werden bei Dialogen offenbart, die wie schon bei „Miami Vice“ und „Public Enemies“ in oft unterschiedlicher Lautstärke, teilweise in einer Szene, abgemischt sind. So sind manche Passagen sogar schwer verständlich und wirken tweilweise roh und unbearbeitet. Bei einem detailbessesenen Perfektionisten wie Michael Mann muss es sich hierbei eigentlich um Absicht handeln, was dahinter steckt, bleibt aber unklar.

Extras
Die Blu-ray ist solide ausgestattet, das Bonusmaterial hat eine Gesamtlänge von 39:33 Minuten. Es ist aber deutlich Luft nach oben, größtenteils bleibt die Sonderausstattung an der Oberfläche. Hier die Übersicht:
-Die Cyber-Gefahr: Eine Featurette über den Cyber-Kriminalitätshintergrund des Films, bei der diverse Experten zu Wort kommen, die als Berater fungierten. Hier wird Manns tiefe Recherche und sein Wille zur detailverliebten Authentizität deutlich. (13:02 Min.)
- Drehorte überall auf der Welt: Eine Featurette, die Manns Hang zur Nutzung echter, besonderer Drehorte interessant beleuchtet. (09:30 Min.)
- Realität erschaffen: Hier wird ein weiterer Teil von Manns akribischer Herangehensweise interessant verdeutlicht, nämlich sein ultimativer Wille eine ungekünstelte, möglichst reale Arbeitsatmosphäre zu erschaffen. Unter anderem erhalten alle Schauspieler komplett ausgearbeitete Lebensbiografien, die ihre Arbeitsgrundlage bilden. (17:01 Min.)

Die drei Kurzfeaturettes sind durchweg interessant und bieten vor allem spannende Einblicke in Manns einzigartige Arbeitsweise. Ein Audiokommentar wäre hier natürlich zur Vertiefung schön gewesen, aber auch Featurettes, die sich etwa mit den einzelnen Abteilungen oder den Charakteren auseinandersetzen. So fehlt es leider insgesamt an Tiefe.


Fazit:
„Blackhat“ ist wohl Michael Manns schwächster Film, der aber trotz Schwächen im dramatischen Bereich ein faszinierender, außergewöhnlicher Big Budget-Action-Kunstfilm ist, bei dem Mann seine avantgardistischen und persönlichen Eigenarten voll ausspielt. Für aufgeschlossene Zuschauer ein Blick wert.


by Florian Hoffmann
Bilder © Universal Pictures