Wir wollten aufs Meer

Niemandsland (2012), Deutschland
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Drama
Kinostart Deutschland: - Verleih: Wild Bunch

Wir wollten aufs Meer Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf 4K UHD, Blu-ray und DVD

Inhalt

Rostock 1984 - Als die beiden Freunde Cornelis (ALEXANDER FEHLING) und Andreas (AUGUST DIEHL) im Rostocker Hafen ankommen, haben sie nur ein großes Ziel: Sie wollen auf’s Meer, als Matrosen der Handelsmarine der DDR in die weite Welt fahren. Ihr Ziel scheint zum Greifen nah. – Jahre später – Die beiden Freunde arbeiten immer noch an Land. Stillstand. Um doch noch das lang erhoffte Ziel zu erreichen, überredet Andreas Cornelis zur Zusammenarbeit mit der Stasi. Sie sollen einen Freund, den Vorarbeiter Matze (RONALD ZEHRFELD), aushorchen. Die Stasi hat erfahren, dass er Fluchtpläne hat. Matze, der Cornelis vertraut, offenbart arglos sein Geheimnis mit allen Details. Andreas ist begeistert und überzeugt, dass diese Information ihnen endlich den heiß ersehnten Job als Matrosen ermöglicht. Doch Cornelis macht im letzten Moment einen Rückzieher. Als Matze am nächsten Tag beim Fluchtversuch von der Stasi dennoch festgenommen wird, weiß Cornelis, wer den Freund verraten hat und nichts ist mehr wie es war…

Alexander Fehling, August Diehl und Ronald Zehrfeld | mehr Cast & Crew


DVD und Blu-ray | Wir wollten aufs Meer

Blu-ray
Wir wollten aufs Meer Wir wollten aufs Meer
Blu-ray Start:
17.04.2013
FSK: 12 - Laufzeit: 116 min.
DVD
Wir wollten aufs Meer Wir wollten aufs Meer
DVD Start:
17.04.2013
FSK: 12 - Laufzeit: 112 min.

Filmkritik Wir wollten aufs Meer

Filmwertung: | 7/10


Genauso tief, atmosphärisch und intensiv wie ein Ausflug aufs Meer - „Wir wollten aufs Meer“ ist alles andere als ein trocken geschichtsdeskriptiver DDR-Film mit stur strengem Fokus auf das repressive System der Stasi. Statt geschichtlichen Trockendaten fokussiert das wirkungsintensive Drama auf höchst emotionale Weise eine der universalsten und wechselseitigsten Grunddynamiken des menschlichen Lebens: die der Freundschaft. Was sich währenddessen subtil vor den milieubeschreibenden Hintergrund grau beengter Hoffnungslosigkeit schiebt, ist die hoffnungsschimmernde Energie mutiger Willensstärke und freiheitskämpfenden Glaubens.

Durch das sensibel arrangierte Setting in höchst katarchetischer Szenerie baut Regisseur Toke Constantin Hebbeln zwischen landschaftlich grenzenloser Weite, horizontlosem Meer und absoluter Gefangenschaft ein psychisch wirkungsvolles Spannungsgefühl auf, welches den Zuschauer genauso weit in die Enge treibt, wie es ihm sehnsüchtige Hoffnung vermittelt. Kann man fast sagen, „Wir wollten aufs Meer“ beengt uns emotional wie eine Gefängniszelle, doch lässt das Drama unseren Blick dabei stets aus dem Zellenfenster schweifen, durch das wir allgegenwärtig die Chance auf Freiheit wittern können. Von der expositorischen Freiheit in Sicht, über den Klimax absolut fremdkontrollierter Beengung löst Hebbeln den thematischen Rahmen seines cineastischen Werks schließlich in die vollkommene Befreiung des Protagonisten auf, die dessen gesamtes Milieu durch das geschichtliche Eckdatum des Mauerfalls zurückspiegelt. Umgeben von genau jener Atmosphäre portraitiert „Wir wollten aufs Meer“ schlussendlich vor allem eins: das Einzelschicksal eines Mannes, der zwischen verbotener Liebe und verratener Freundschaft willensstarken Mut und genauso kraftvolle wie entschlossene Hoffnung auf eine Zukunft findet.

Was dem Zuschauer währenddessen genauso viel Hoffnung auf eine Zukunft des deutschen Kinos geben sollte: Alexander Fehlings emotional ausdrucksstarke Interpretation von Hauptcharakter Cornelis. In Kontrasten von Zweifel und Glaube, Zurückhaltung und Offensive, fragiler Verletzlichkeit und kraftvoller Stärke beweist Fehling sich als höchst feinfühliger Meister der Darstellung grundmenschlichen Konflikts. Authentisch und stets situationsspiegelnd präzisiert er seine Ausdruckskraft bis auf den Punkt, während es seinen höchst renommierten Kollegen August Diehl und Ronald Zehrfeld stellenweise schwer zu fallen scheint, den schmalen Grad zwischen theaterähnlich übersteigerter und emotional undurchsichtiger Darstellung zu beschreiten.

Bei allem Lob bleibt letztendlich noch eine Sache zu kritisieren - so wirft „Wir wollten aufs Meer“ eine Vielzahl durchaus interessanter und höchst vielschichtiger Themenkomplexe auf, die sich schließlich nicht fließend ineinander fügen und, einmal angerissen, etwas zu schnell verklingen. Freundschaft, Verrat, Liebe, Kampf, Glaube, Paranoia, Gefangenschaft, Befreiung – auch in einem 2-stündigen Film lässt sich nicht alles verstauen. So will das Drama vielleicht einen Hauch zu viel und mag den durchschnittlichen Zuschauer leicht überfordern. Daneben verliert der grundsätzlich so universale und universell greifende Charakter der zwischenmenschlichen Vordergrundthematik durch seine Entrückung auf das Extremsystem der ehemaligen DDR womöglich ein wenig an Boden, wenn zumindest der heutigen, europäischen Jugend das tatsächliche Ausmaß der deutschen Stasi Vergangenheit kaum mehr greifbar und damit schnell realitätsfremd erscheinen mag.

Wird sich die Zielgruppe des Films als Resultat dessen im schlechtesten Falle auch auf ein rein erwachsenes Publikum verschieben, bleibt „Wir wollten aufs Meer“ doch immer noch eine thematisch ungewöhnliche und mutig arrangierte Filmerfahrung, die zumindest alle die erreichen, überraschen und bewegen wird, die sich vorurteilsfrei und aufmerksam auf die emotionale Ausdruckskraft von Drama und Protagonisten einlassen.

Fazit: Ungewöhnlich mutig arrangierte Filmerfahrung, die alle die erreichen, überraschen und bewegen wird, die sich vorurteilsfrei und aufmerksam auf die emotionale Ausdruckskraft von Drama und Hauptdarsteller einlassen.
by Sima Moussavian

Bilder © Wild Bunch