Wir sind was wir sind

Somos lo que hay (2010), Mexiko
Laufzeit: - FSK: 18 - Genre: Horror / Drama
Kinostart Deutschland: - Verleih: Alamode

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Wir sind was wir sind Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf 4K UHD, Blu-ray und DVD

Inhalt

Nach dem plötzlichen Tod des Vaters müssen sich die Mutter und ihre drei Teenager-Kinder um den Familienunterhalt kümmern. Dass sie Kannibalen sind und ohne menschliches Fleisch nicht leben können, macht die Sache nicht gerade einfacher. Keiner der älteren Brüder fühlt sich bereit, den Platz des Vaters einzunehmen. Doch einer muss die Verantwortung tragen, sonst droht der Familie der sichere Hungertod. So enthüllen die aufkommenden Aggressionen und Rivalitäten nicht nur eine aus der Balance geratene Familienstruktur, sondern auch die Verzweiflung gesellschaftlicher Außenseiter, die nun mal sind was sie sind.

Adrian Aguirre, Miriam Balderas und Francisco Barreiro | mehr Cast & Crew


Wir sind was wir sind - Trailer




DVD und Blu-ray | Wir sind was wir sind

Blu-ray
Wir sind was wir sind Wir sind was wir sind
Blu-ray Start:
28.10.2011
FSK: 18 - Laufzeit: 93 min.
Wir sind was wir sind Wir sind was wir sind
Blu-ray Start:
30.01.2015
FSK: 18 - Laufzeit: 105 min.
DVD
Wir sind was wir sind Wir sind was wir sind
DVD Start:
28.10.2011
FSK: 18 - Laufzeit: 90 min.

zur DVD Kritik
Wir sind was wir sind Wir sind was wir sind
DVD Start:
30.01.2015
FSK: 18 - Laufzeit: 102 min.

Filmkritik Wir sind was wir sind

Filmwertung: | 7/10


Eine kurze Warnung vorab: Wer noch nichts über „Wir sind was wir sind“ gehört oder gelesen hat, der sollte einfach ins Kino gehen, ohne sich den folgenden Text durchzulesen. Umso weniger man über den Film weiß, umso intensiver wird man ihn erleben können. Wer aber bereits Trailer gesehen oder Inhaltsangaben gelesen hat, kann bedenkenlos fortfahren, denn inhaltlich wird auch hier nicht noch (!) mehr verraten.

Ein Mann mittleren Alters irrt langsam durch die Passagen eines Einkaufszentrum in Mexico-City. Der Mann scheint verwirrt, niemand beachtet ihn, niemand hilft ihm. Auch dann nicht, als er zusammenbricht und sich die schwarze Galle, die er spuckt, über den glatten Fußboden verbreitet. Aus der Vogelperspektive sehen wir die Leiche für eine kurze Zeit dort liegen. Dann tauchen plötzlich drei Personen auf, die scheinbar zu einer Putzfirma gehören. Zwei der Männer tragen die Leiche weg, der Dritte beseitigt die schwarzen Flecken. Das Treiben im Einkaufszentrum geht weiter seinen gewohnten Gang, als wäre nie etwas geschehen.
Mit dieser beeindruckenden Sequenz beginnt der Debütfilm des 38jährigen mexikanischen Regisseurs Jorge Michel Grau. Sie trägt bereits alle Themen, die die folgenden 90 Minuten verhandeln in sich: Hilflosigkeit, Ausgeschlossenheit, Verachtung, Tod.

Schnell wird klar, dass der Mann das Oberhaupt einer fünfköpfigen Familie war, die in der mexikanischen Hauptstadt um ihr Überleben kämpft. Wie in so vielen anderen Familien war es der Vater, der die Existenz seiner Angehörigen gesichert hat. In diesem Fall aber nicht allein durch die Ausübung eines Berufs, der das nötige Einkommen einbrachte, sondern ebenfalls durch die konkrete Nahrungssicherung in Form von Menschenfleisch. Ohne dieses können die Mitglieder seiner Familie nicht überleben.

Dass es sich bei den Protagonisten von „Wir sind was wir sind“ um Kannibalen handelt, wird lange nur angedeutet und erst in der zweiten Hälfte des Films konkretisiert. Hier hat man sich mit der Bewerbung des Films als „Kannibalenfilm“ eben keinen Gefallen getan (siehe Warnung oben), denn das Wissen über das Schicksal der Figuren schmälert leider etwas die Spannung, die in der ersten Hälfte des Films rund um deren Geheimnis aufgebaut wird. Trotzdem funktioniert „Wir sind was wir sind“ auch so als hervorragender Psychothriller im Arthouse-Stil, da der Kannibalismus dem Film nur als Aufhänger für eine spannende Familiengeschichte sowie eine Gesellschaftskritik rund um die mörderische Großstadt Mexiko-City dient. Alfredo (Francisco Barreiro), der älteste Sohn des Verstorbenen, wird dazu auserkoren, das neue Familienoberhaupt zu sein, auch wenn auf den ersten Blick sein Bruder Julián (Alan Chávaz) geeigneter für diesen Job scheint. Im Gegensatz zu Alfredo neigt Julián zur Gewalttätigkeit und zeigt keine Skrupel auf der Jagd nach neuen Opfer, die den beiden Brüdern sowie der Mutter Patricia (Carmen Beato) und der jüngeren Schwester Sabina (Paulina Gaitán) das Überleben sichern sollen. Während in Alfredo die Zweifel an den mörderischen Ritualen seiner Sippe wachsen, ist besonders Sabina darauf erpicht, dass jeder seine zugewiesene Rolle annimmt und die damit verbundenen Pflichten erfüllt.

So entwickelt sich ein brutaler Machtkampf innerhalb der Familie, der das eigentliche Zentrum des Films ist. Gleichzeitig ist „Wir sind was wir sind“ aber auch eine filmische Allegorie auf das Zusammenleben in einer modernen Großstadt, in der nach und nach jegliche Empathie der Menschen füreinander verschwunden zu sein scheint. Regisseur Grau ist nicht der Erste, der versucht aus dieser mörderischen Stadt Mexico-City schlau zu werden. Immer wieder thematisieren Künstler diesen modernen Moloch, der zeitweise ausschließlich aus Gewalt, Drogen und Prostitution zu bestehen scheint. Der Frage, ob man in einer solche lebensfeindlichen Umgebung von Geburt an einen festen Platz zugewiesen bekommt, oder einen erst die Peripherie zu dem macht, was man ist, versucht Grau mit diesem Film nachzugehen. Dabei verzichtet er bewusst auf plakative Splattereffekte. Wird es brutal, verhindern meist die Unschärfe der Kamera oder verschiedene Requisiten den direkten Blick auf das Geschehen. Die Geräuschkulisse wirkt dagegen äußerst explizit und lässt den Zuschauer ein ums andere Mal erschaudern, genau wie der Blick von Paulina Gaitán („Sin Nombre“), die Sabina mit einer enormen Intensität spielt.

Mit „Wir sind was wir sind“ bekommt der schwedische Vampirfilm „Let the right one in“ einen nicht ganz ebenbürtigen, aber doch sehr sehenswerten Gegenspieler im Arthouse-Horror Genre.
by Thomas Zimmer

Bilder © Alamode