Winterdieb

L'enfant d'en haut (2012), Frankreich / Schweiz
Laufzeit: - Genre: Drama
Kinostart Deutschland: - Verleih: Arsenal

Winterdieb Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf 4K UHD, Blu-ray und DVD

Inhalt

Der zwölfjährige Simon fährt im Winter mit einer kleinen Seilbahn vom Industriegebiet im Tal, wo er allein mit seiner Schwester Louise lebt, in das prächtige, höher gelegene Skigebiet. Dort stiehlt er reichen Touristen Skier und Ausrüstung, um sie an die Kinder seines Wohnblocks zu verkaufen. Er erzielt damit ein bescheidenes, aber regelmäßiges Einkommen. Simons Machenschaften nehmen mit der Zeit immer größere Ausmaße an. Louise, die vor kurzem ihre Stelle verloren hat, profitiert davon und wird immer abhängiger von Simon …

Kacey Mottet Klein, Léa Seydoux und Gillian Anderson | mehr Cast & Crew


DVD und Blu-ray | Winterdieb

DVD
Winterdieb Winterdieb
DVD Start:
10.05.2013
FSK: 6 - Laufzeit: 97 min.

Filmkritik Winterdieb

Filmwertung: | 7/10


Wie auch „Home“ (FR/CH/BE 2008) ist der neue Film „Winterdieb“ (Originaltitel: „L’Enfant d’en Haut“, Frankreich/Schweiz, 2012) von Ursula Meier ebenfalls eine bewegende und interessante Familiengeschichte.

Simon (Kacey Mottet Klein) und seine Schwester Louise leben ohne ihre Eltern in einer Zwei-Zimmer-Wohnung am Fuße eines Berges, der vom Skitourismus geprägt ist. Der 12jährige Simon trägt zum Unterhalt bei, indem er auf dem Berg Skier stiehlt und sie im Tal verkauft. Nachdem Louise ihren Job verliert, ist sie von ihrem Bruder finanziell abhängig. Simon versucht mit diesem Geld ihre Liebe und Zuwendung zu erkaufen. Um dieser trostlosen Welt zu entfliehen, überschätzt er sich einerseits bei seiner illegalen Tätigkeit und andererseits versucht er die fehlende Zuneigung bei einer englischen Touristenfamilie, vor allem bei der Mutter (Gillian Anderson), zu erhalten. Zudem nähert sich das Ende des Winters und stellt das Geschwisterpaar vor eine unsichere Zukunft.

Der Film „Winterdieb“ basiert auf Ereignissen aus der Kindheit der Regisseurin Ursula Meier. Als sie zwölf Jahre alt war und sie und ihre Familie im Winter immer zum Skifahren in die Berge gefahren sind, gab es da diesen Jungen, der immer alleine war und später als Dieb bezichtigt wurde. Aus diesen Erlebnissen entstand die Idee zu „Winterdieb“.
Der Film spielt geschickt mit ausgeprägten Gegensätzen. Mit der Wahl des zweigeteilten Schauplatzes wird diese starke Polarisierung manifestiert. Das industrielle Tal ist nicht nur grau, schmutzig und nebelig und somit sehr trostlos, sondern gibt auch noch perfekt die Stimmung der Geschwister wieder, die mit ihrem öden, armen Leben unzufrieden sind und aus diesem nicht ausbrechen können. Nur Simon flüchtet sich öfters in die heile Welt der Bergstation. Die Stimmung ist dort gelöster und entspannter und auch das Wetter zeigt sich hier sonnig. Meier sagte in einem Interview, dass sie einen vertikalen Film machen wollte, „der um die beständige Bewegung zwischen unten und oben aufgebaut ist“. Dies ist der Regisseurin vortrefflich gelungen. Man spürt die große Gegensätzlichkeit dieser beiden Welten und wie durch die Fahrt mit der Seilbahn jedes Mal eine symbolische Grenze durchbrochen wird. Die befreiende Wirkung für den Hauptprotagonisten Simon ist förmlich zu spüren. So wie Simon in jeder Hinsicht nach oben streben will, so geht es mit Louise bergab. Sie verliert ihren Job, hat keine Motivation und betrinkt sich häufig. Dadurch entsteht eine Verantwortungsverschiebung. Simon muss der Erwachsene sein und für die beiden sorgen. Diese gegensätzlichen Bewegungen scheinen unaufhaltsam und geben dem Film eine gewisse Spannung und Ausweglosigkeit. Auch wenn es laut Regisseurin sich hierbei nicht um ein Sozialdrama handelt, schafft der Film es doch auch, die starken Kontraste zwischen Arm und Reich aufzuzeigen. Vor allem die trostlose Darstellung der Verhältnisse der beiden Geschwister ist authentisch gelungen. Der ganze Film ist so von einer schwermütigen Stimmung gezeichnet und lässt erst am Ende einen Hoffnungsschimmer aufleuchten. Die Wahl des Drehorts trägt viel zur Stimmung des Filmes bei. Die Kamera fängt viele ruhige Bilder, vor allem von Landschaften, ein und lässt dem Film so Zeit zum Atmen. Zudem wurden die beiden Hauptrollen mit dem Jungdarsteller Kacey Mottet Klein und der Léa Seydoux hervorragend besetzt. Die Darsteller schaffen es mit wenigen Worten die Charaktere und ihre Gefühle einzufangen. So ergeben Setting, Schauspieler und auch der Einsatz der Musik ein stimmiges Bild.

Fazit: Ursula Meier ist eine anrührende, realistisch wirkende Geschichte um ein Geschwisterpaar gelungen, welche in Erinnerung bleibt. Das komplexe Seelenleben der Protagonisten wird in passenden Bildern eingefangen und weiß mit wenigen Worten zu überzeugen.

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Bilder © Arsenal