Was bleibt

Was bleibt (2012), Deutschland
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Drama
Kinostart Deutschland: - Verleih: Pandora

Was bleibt Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf 4K UHD, Blu-ray und DVD

Inhalt

Auf Wunsch seiner Mutter Gitte fährt Marko (Lars Eidinger), der seit Jahren in Berlin lebt, zu seinen Eltern (Corinna Harfouch, Ernst Stötzner) aufs Land. Seine Hoffnung auf ein ruhiges Wochenende im Kreis der Familie erfüllt sich nicht. Unerwartet für alle offenbart Gitte, dass es ihr nach langer psychischer Krankheit wieder gut geht. Als einziger entspricht Marko ihrer Bitte, sie von nun an als vollwertiges Mitglied der Familie zu behandeln, und bringt damit nicht nur die vermeintlich gut eingespielte Beziehung seiner Eltern aus dem Gleichgewicht.

Lars Eidinger, Corinna Harfouch und Sebastian Zimmler | mehr Cast & Crew


DVD und Blu-ray | Was bleibt

Blu-ray
Was bleibt Was bleibt
Blu-ray Start:
15.03.2013
FSK: 12 - Laufzeit: 85 min.
DVD
Was bleibt Was bleibt
DVD Start:
15.03.2013
FSK: 12 - Laufzeit: 85 min.

zur DVD Kritik
Was bleibt (Limited Edition) (DVD + Buch) Was bleibt (Limited Edition) (DVD + Buch)
DVD Start:
05.04.2013
FSK: 12 - Laufzeit: 85 min.

Filmkritik Was bleibt

Filmwertung: | 6/10


In Familien, die erfolgreich wie ein Unternehmen funktionieren und wirklich alle Parameter des Glückes einbeziehen, gibt es unter den Elternteilen häufig Gewinner und Verlierer, was meist erst dann deutlich wird, wenn die Kinder aus dem Haus sind. Nach der klassischen Rollenverteilung, wie man sie aus dem früheren Westdeutschland kennt, hat meist der Vater das Geld verdient und die Mutter daheim Haus und Kinder betreut. Gemessen an der heutigen modernen Gesellschaft entstand eine Frauengeneration, die diesen totalen Verlust der Selbstverwirklichung zugunsten der Familie im späteren Leben bereuen könnte.

Marko (Lars Eidinger) kommt dem Wunsch seiner Mutter Gitte (Corinna Harfouch) nach und besucht sie und seinen Vater (Ernst Stötzner) auf dem Land. Er ist Mitte dreißig, hat gerade sein erstes Buch veröffentlicht und lebt seit seinem Studium in Berlin. Seine Eltern besucht er nur ein, zwei Mal im Jahr, damit sie ihren Enkel auch mal zu Gesicht bekommen. Er hofft auf ein entspanntes Wochenende im Kreise der Familie, doch diese Hoffnung erlischt, als seine seit langem psychisch kranke Mutter Gitte kurz nach der Ankunft verkündet, dass sie sich wieder genesen fühlt, ihre Tabletten abgesetzt hat und wieder als vollwertiges Familienmitglied behandelt werden möchte.

Keiner außer Marko kann sich jedoch mit dieser veränderten Situation anfreunden und nur er versucht nun, Gittes Willen zu erfüllen. Dadurch droht die scheinbar gut funktionierende Beziehung seiner Eltern aus dem Gleichgewicht zu geraten und die gesamte Familie muss an diesem Wochenende lernen, wieder zueinander zu finden. Als Markos Bruder Jakob (Sebastian Zimmler) dann auch noch durchblicken lässt, dass er sich mit seiner Niederlassung als Arzt und dem Bau eines Hauses völlig überschuldet hat, gerät das vermeintlich gute Familiengefüge endgültig ins Wanken.

Hans-Christian Schmid, der zu den talentiertesten deutschen Regisseuren zu zählen ist, legt nach seinen Erfolgen "Lichter", "Requiem" und "Sturm" in seinem neuen Film "Was bleibt" eine kleine stark figurenbezogene Familientragödie vor, die schon bei der diesjährigen 62.Berlinale im Wettbewerb lief. Ihm schwebte bei der Gestaltung des Filmstoffes der Mythos Heimfahrtwochenenden vor, der viele Menschen beschäftigt und selten reibungslos verläuft. Ebenso geht es um unterschiedliche Lebensentwürfe bei Eltern und Kindern und die Unabhängigkeit vom Elternhaus. Der eindeutige Katalysator der Geschichte ist aber die Depression der Mutter.

Nun ist es immer schwierig die Probleme und das Leid dieser Welt gegeneinander zu gewichten. Trotzdem verlangt es dem Zuschauer einiges an Verständnis ab, wenn er diese schrecklich kaputte Familie hinter der Glasfront ihres Architektenbungalows auf ihren 600-Euro Eames Chairs vor sich hin vegetieren sieht. Die Mutter Gitte hat eine, so kommt es einem vor, äußerst exotische Volkskrankheit namens Depressionen, was sie zur totalen Außenseiterin unter ihren Lieben macht. Schmid überlegte allerdings, ob er Gittes Krankheit überhaupt benennen soll, weil ihre Figur eher ein Bild dafür sein soll, dass Frauen in Beziehungen oft den Kürzeren ziehen und ein unerfülltes Leben haben, spätestens wenn die Kinder aus dem Haus sind. Insofern war die explizite Nennung der Krankheit und die damit einhergehende Isolation vielleicht nicht die glücklichste Lösung für den Filmstoff. Doch trotz diverser Details, die dem Zuschauer im Verlaufe des Filmes bitter aufstoßen müssen, reißt er das Ruder in der letzten halben Stunde noch herum, denn durch das Verschwinden der Mutter werden Verhaltensweisen vorher im Abgleich zu denen danach schlüssiger.

"Was bleibt" ist ein teilweise gelungenes Experiment einer Familientragödie, dem etwas die Dekadenz einer nicht repräsentativ für alle stehenden gut situierten Familie anhaftet, das aber durch das situativ brillante psychologische Kurzpassspiel seiner Hauptfiguren, allem voran Corinna Harfouch als Gitte, auch großartige Momente hat.

by

Bilder © Pandora