Vorhang auf für Cyrano

Edmond (2018), Frankreich / Belgien
Laufzeit: - FSK: 0 - Genre: Komödie / Drama / Historienfilm
Kinostart Deutschland: - Verleih: Prokino Filmverleih GmbH

Vorhang auf für Cyrano Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf 4K UHD, Blu-ray und DVD

Inhalt

1897, Paris: Der junge Edmond Rostand (Thomas Solivérès) ist als Bühnenautor ein potenzielles Genie. Leider jedoch war jedes seiner bisherigen Stücke ein Flop. Darunter leidet inzwischen nicht nur seine Inspiration, sondern auch die Familienkasse. Doch dann soll sich das Blatt zu Edmonds Gunsten wenden – eine berühmte Freundin stellt ihn dem größten Komödianten seiner Zeit vor: Constant Coquelin (Olivier Gourmet). Zu Edmonds großer Überraschung besteht dieser darauf, eine Rolle in seinem neuen Stück zu spielen. Das einzige Problem: In drei Wochen soll Premiere sein und Edmond hat noch kein Wort geschrieben. Bisher weiß er nur den Titel: „Cyrano de Bergerac“…

Thomas Solivérès, Olivier Gourmet und Mathilde Seigner | mehr Cast & Crew


DVD und Blu-ray | Vorhang auf für Cyrano

DVD
Vorhang auf für Cyrano Vorhang auf für Cyrano
DVD Start:
22.08.2019
FSK: 0 - Laufzeit: 109 min.

Filmkritik Vorhang auf für Cyrano

Filmwertung: | 7/10


„Vorhang auf für Cyrano“ ist 110 Minuten lang und startet am 21. März 2019 in den deutschen Kinos. Im französischen Film geht es um den Autor Edmond Rostand um das Jahr 1895. Dieser ist Ende Zwanzig und hat bereits eine Familie. Da sein letztes Werk ein katastrophaler Misserfolg war und er seit einiger Zeit nicht mehr von der Muse geküsst wurde, steckt er tief in Geldproblemen. Eines Tages meldet sich der berühmte Schauspieler Constant Coquelin, denn Edmond soll ihm ein neues Stück unterbreiten. In einer Schreibblockade steckend stellt dieser ein Stück vor von dem nur der Name existiert: Cyrano de Bergerac. Das Historiendrama geht um die Entstehung des wohl bekanntesten französischen Theaterstücks.

Der Mann, der für seine große Nase berühmt werden wird - Constant Coquelin (Oliver Gourmet) gibt den Cyrano.
Der Mann, der für seine große Nase berühmt werden wird - Constant Coquelin (Oliver Gourmet) gibt den Cyrano. © PROKINO Filmverleih GmbH
Regisseur Alexis Michalik nagt damit am Zahn der Zeit. Nachdem im letzten Jahr „Charles Dickens: Der Mann der Weihnachten erfand“, „Colette“ und „Mary Shelley“ im Kino liefen, reiht sich dieser Streifen in die vielen Verfilmungen des Entstehungsprozesses eines Monumentalwerks ein. Außerdem war letztes Jahr in Deutschland der Film „Das schönste Mädchen der Welt“, welcher ebenfalls auf dem Cyrano de Bergerac basiert, ein Überraschungshit.

Kameramann Giovanni Fiore Coltellacci schafft es einen schönen Stil zu etablieren. Dieser definiert sich jedoch anfangs stark durch computergenerierte Straßenzüge. Er zeichnet das Bild eines sauberen, mit frohen Farben bemalten Paris. Besonders wurde in der Kameraarbeit auf die zahlreichen Szenen während der Aufführung wert gelegt. So tänzelt die Kamera förmlich um die Spielenden herum. Eine solche Art der Darstellung sah man auch 2018 während der Bühnenperformances in „A Star Is Born“. Während die Theaterszenen wirklich eine Augenweide sind, fällt Coltellacci ansonsten leider einige Male aus dem etablierten Stil.

Die Garderobiere Jeanne (Lucie Boujenah) befeuert Edmonds Inspiration.
Die Garderobiere Jeanne (Lucie Boujenah) befeuert Edmonds Inspiration. © PROKINO Filmverleih GmbH
In der Umsetzung gleicht die französische Produktion stark den oben genannten Filmen. Dies ist wenig verwunderlich, da das Themengebiet mittlerweile nicht mehr viel herzugeben scheint. Außerdem gibt es im Stil einen sehr, sehr deutlichen Bruch gegen Ende des Films. Jener ist wirklich gewöhnungsbedürftig und dürfte nicht jedem gefallen. Außerdem wirft es den Zuschauer geradezu aus der Geschichte heraus und verzichtet auf den gelungenen Teil der Kameraarbeit.

Ohne das Ende verraten zu wollen, stößt es bitter auf, dass sich Figuren absolut irrational verhalten. Jene treffen häufig komplett unschlüssige Entscheidungen, was den Streifen leider nicht mit Ruhm bekleckert. Es befinden sich jedoch auch interessante Easter-Eggs im Historiendrama. So wird in einer Filmvorstellung eines der ersten Bewegtbilder „La Sortie de l'Usine Lumière à Lyon“ von Louis Lumière gezeigt. Außerdem hat auch ein Anton Tschechow einen kurzen Auftritt.

Ein Mann mit einer Vision (Thomas Solivérès) und die skeptischen Geldgeber (Simone Abkarian und Marc Andreoni).
Ein Mann mit einer Vision (Thomas Solivérès) und die skeptischen Geldgeber (Simone Abkarian und Marc Andreoni). © PROKINO Filmverleih GmbH
Des Weiteren gibt „Edmond“ - wie der Film in Frankreich heißt – einige Denkanstöße, die dann leider ins Nichts verlaufen. So gibt es beispielsweise einen Dialog über das Verdrängen des Theaters durch das in dieser Zeit aufkommende Bewegtbild, was stark an „Sunset Boulevard“ von Billy Wilder erinnert. Hauptdarsteller Thomas Solivérès, den man bereits aus einer kleinen Rolle in „Ziemlich beste Freunde“ kennt, schafft es nicht ganz diesen Film zu tragen. Er zeigt das richtige schauspielerische Talent, ist aber noch nicht ganz reif genug eine solche Hauptrolle zu spielen. Tom Leeb, welcher im Film Edmonds Freund Leo Volny spielt, erinnert an eine abgeschwächte Version von Armie Hammer.


Fazit:
Alles in allem hat der Film wirklich schöne Momente, aber auch einige Probleme. So ist es die typisch französische Art des Filmemachens, was diesem Film nicht gut tut. Pointiert gute Kameraführung und ein sauberer Stil versuchen die narrative Leere des Streifens zu verschleiern. Es handelt sich um ein Werk, welches sich vor allem wegen der zum Teil visuellen Stärke durchaus lohnt anzuschauen. Einen großen Punkt muss man diesem Historiendrama jedoch vollends zugestehen: Er weckt ein großes Interesse am Theaterstück „Cyrano de Bergerac“.
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Bilder © Prokino Filmverleih GmbH