Verschwörung

The Girl in the Spider's Web (2018), Großbritannien / Deutschland / Deutschland / Kanada
Laufzeit: - FSK: 16 - Genre: Thriller / Krimi
Kinostart Deutschland: - Verleih: Sony Pictures

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Inhalt

The Girl in the Spider’s Web wird der erste Teil der Bestseller-Reihe sein, der gleich bei seiner ersten Filmadaption in englischer Sprache produziert wird. Die vorhergehenden Bücher der Reihe wurden zu Filmen in Schwedisch adaptiert. The Girl with the Dragon Tattoo (Verblendung) war ein Remake des schwedischen Films, wurde ein weltweiter Erfolg für Columbia Pictures und hat insgesamt über 230 Million Dollar eingespielt.

Claire Foy, Sylvia Hoeks und Vicky Krieps | mehr Cast & Crew


Verschwörung - Trailer




Filmkritik Verschwörung

Filmwertung: | 6/10


2011 ließ David Fincher mit seiner eigenen Verfilmung des ersten Romans von Stieg Larssons Millenium-Trilogie viele kritische Fans der schwedischen Adaptionen angesichts einer US-Version von „Verblendung“ verstummen. Fünf Oscar-Nominierungen, u.a. für die zunächst umstrittene Rooney Mara in der von Noomi Rapace ikonisch gemachten Rolle der Hackerin Lisbeth Salander, und eine positive Resonanz seitens der Kritik sprachen für Finchers großangelegten Thriller. Kreative Differenzen mit Fincher und ein eher enttäuschendes weltweites Einspielergebnis von 232 Millionen Dollar ließen die geplante Trilogie lange auf Eis liegen, bis man sich schließlich überraschend dazu entschied, den 2015 erschienenen vierten Millennium-Roman zu verfilmen. Dieser, genannt „The Girl in the Spider’s Web“ bzw. „Verschwörung“, wurde nicht von dem 2004 verstorbenen Larsson, sondern dem Journalisten und Autor David Lagercrantz verfasst. Das gesamte Kreativteam hinter „Verblendung“ wurde ausgetauscht, kein David Fincher, keine Rooney Mara, kein Daniel Craig als Journalist Mikael Blomkvist. An ihre Stelle rücken der uruguayische „Evil Dead“ und „Don’t Breathe“-Regisseur Fede Alvarez, die derzeit allgegenwärtige Claire Foy als Salander und Björn Borg-Darsteller Sverrir Gudnason als Blomkvist.  

Lisbeth Salander (CLAIRE FOY)
Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH © Lisbeth Salander (CLAIRE FOY)
Fede Alvarez war insbesondere nach seinem fiesen Thriller-Highlight „Don’t Breathe“ eine naheliegende Wahl für die Fortführung der Millenium-Saga. Nicht nur erinnert seine düster-unterkühlt-kontrollierte Ästhetik an Fincher selbst, auch sein Umgang mit komplexen, von vergangenen Traumata belasteten weiblichen Hauptfiguren sprechen für den Uruguayer. Und tatsächlich gefällt der stylische Look von „Verschwörung“, der größtenteils in Berlin bzw. Babelsberg gedreht wurde. Allzu fern liegt der Film in ästhetischer Hinsicht nicht von Finchers Version entfernt, was auch schon der ähnlich geartete Vorspann andeutet. Doch bereits hier spürt man: Es fehlt etwas. „Verschwörung“ ist lediglich ein grundsolider, aber seelenloser Thriller geworden, der spürbar bemüht ist, etwas Besonderes zu sein. Doch es mangelt dem Film in fast allen Bereichen an Raffinesse und der besonderen Note, die Finchers Film so stark gemacht und ihn über reines Pulp-Niveau gehoben haben. 

Im Mittelpunkt von „Verschwörung“ steht ganz klar Lisbeth Salander. Der Film macht sich zunächst auf, die komplexe Kindheitsgeschichte der schwer traumatisierten Frau zu thematisieren. Hier steht die Beziehung zu ihrer Schwester Camilla (Carlotta von Falkenhayn) im Mittelpunkt. Ein Prolog zeigt, wie die junge Lisbeth (Beau Gadsdon) gerade so vor dem geplanten Missbrauch ihres Vaters fliehen kann, dabei ihre Schwester jedoch zurücklässt. Diesen Erzählstrang greift der Film dann zu einem späteren Zeitpunkt wieder auf, zuvor wird Salander von dem ehemaligen NSA-Informatiker Frans Balder (Stephen Merchant) kontaktiert, der die Hackerin bittet sein eigens erschaffenes Computer-Programm „Firefall“ von seinem Ex-Arbeitgeber wiederzugewinnen. Diese für den US-Geheimdienst kreierte Software ermöglicht ein globales Abrufen von Nuklearcodes, was für den reuevollen Balder mittlerweile eine zu große Gefahr für die Weltsicherheit darstellt. Mit dem erfolgreichen Beschaffen der Software zieht Salander nicht nur die Aufmerksamkeit des NSA-Agenten Edwin Needham (LaKeith Stanfield) und des schwedischen Geheimdienstes SAPO auf sich, sondern auch von brutalen Angreifern, die ebenfalls „Firefall“ für sich gewinnen wollen. 
Mikael Blomkvist (SVERRIR GUDNASON)
Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH © Mikael Blomkvist (SVERRIR GUDNASON)


Alvarez destilliert die pulpigen Elemente des nicht allzu gelungenen Romans heraus und erschafft einen Thriller, der erstaunlicherweise fast ohne echte Spannung bleibt. Die große Frage, ob Claire Foy erfolgreich in die großen Fußstapfen von Noomi Rapace und Rooney Mara treten kann, sei jedoch weitestgehend mit einem vorsichtigen Ja beantwortet. Foy gibt ihrer Rolle allein mit subtilem Spiel Seele, jedoch bleibt ihr Part überraschend dünn charakterisiert und verlässt sich zu sehr auf die vorangegangenen Filme. „Verschwörung“ versucht zwar Salanders Vergangenheit weiter zu beleuchten und den Erzählstrang mit ihrer später von Sylvia Hoeks portraitierten Schwester zu Ende zu bringen, dennoch bleibt der Film merkwürdig flach und lässt einen unberührt. Die groß angelegte, mit diversen soliden, aber überraschend fehlplatzierten Action-Momenten garnierte Spionage-Thriller-Geschichte wirkt darüber hinaus viel zu konstruiert, gelegentlich verwirrend und schlichtweg unglaubwürdig und banal. „Verschwörung“ fehlt der hintergründige Facettenreichtum, die Erdung und die perfide Offenbarung des Bösen, das unter der Oberfläche lauert und die bisher erschienen Larson-Verfilmungen so verstörend gemacht hat. Letzten Endes ist man erzählerisch nicht weit vom Niveau eines gewöhnlichen TV-Krimis angesiedelt. 

Lisbeth Salander (CLAIRE FOY) in VERSCHWÖRUNG
Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH © Lisbeth Salander (CLAIRE FOY) in VERSCHWÖRUNG
So ist Salander trotz aller Mühen von Foy gefühlt oft nur noch in Ansätzen eine Heldin aus Fleisch und Blut, sondern eine von Dämonen der Vergangenheit geplagte Superheldin à la Batman, die auf ihrem Feldzug für Gerechtigkeit böse Menschen einer misogynistischen Gesellschaft bestraft. Alvarez gelingt zwar erwartungsgemäß das Erschaffen einer passend düsteren Welt voller Abgründe in edlen Hochglanzbildern, dennoch wirkt hier alles etwas zu gewollt und nicht organisch wie etwa in Finchers bedeutend nuancierter und atmosphärischer Version. Die Tonalität ist überhöhter und von comicartigen Bösewichtern wie dem Albino-Killer Jan Holtser (völlig verschwendet: Claes Bang aus „The Square”) und Salanders mysteriöse Albino-Schwester Camilla. Eine der größten Versäumnisse des Films ist dann sicherlich die Figur von Mikael Blomkvist, der nur wenig Chemie mit Foy aufbaut und überhaupt kaum eine Rolle spielt. Er wird zum blassen Stichwortgeber gemacht, der nicht ansatzweise mit Michael Nyqvist oder Daniel Craig konkurrieren kann – weder das Drehbuch von Steven Knight und die Inszenierung von Alvarez geben Gudnason aber auch eine Chance, wirklich Eindruck in der Rolle zu machen. Ebenso wenig Eindruck kann die wunderbare Vicky Krieps machen, die Robin Wright in der viel zu oberflächlich charakterisierten Rolle der Chefredakteurin Erika Berger ersetzt.  

So bleibt hier ein enttäuschtes Gefühl zurück, denn angesichts der hochkarätigen Besetzung vor und hinter der Kamera war hier einfach mehr zu erwarten. Das Potential für eine Thriller-Reihe für Erwachsene ist angesichts des Materials absolut vorhanden, jedoch hätte man das Projekt am besten direkt nach Finchers Film beendet oder eben mit ihm fortgesetzt.  


Fazit:
“Verschwörung” erweist sich als mittelgroße Enttäuschung. Fede Alvarez Fortführung der Millennium-Reihe bewegt sich erzählerisch auf TV-Krimi-Niveau, der komplexe Nuancen- und Facettenreichtum eines David Fincher weicht weitestgehend plumpen Thrills und seelenloser Action, die auf Dauer erstaunlich kalt lässt. Eine vertane Chance, denn Claire Foy zeigt durchaus Potential in der ikonischen Rolle von Lisbeth Salander, die hier trotz mancher Ansätze jedoch zur etwas abgestumpften Actionheldin degradiert ist.
by

Bilder © Sony Pictures