Underdog

Fehér Isten (2014), Ungarn / Deutschland / Schweden
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Drama
Kinostart Deutschland: - Verleih: Delphi

Underdog Filmplakat -> zur Filmkritik

Inhalt

In der einfachen Geschichte eines Hundes, der den Weg zu seiner Besitzerin zurückfinden will, spiegelt sich der Zustand der Welt. So wie überall, wo Ausbeutung und Ungerechtigkeit dazu führen, dass sich die geschundenen Massen auflehnen, zetteln jetzt die gequälten Haustiere einen Aufstand gegen ihre Unterdrücker an. Nur ein kleines Mädchen kann mit ihrer Freundschaft und ihrem Verständnis den unerbittlichen Krieg zwischen Hund und Mensch noch verhindern. Sie ist die Einzige, die instinktiv spürt, dass dieser Konflikt nicht durch Gewalt zu lösen ist.

Der erste Film, in dem 250 Hunde ganz ohne Computer-Unterstützung ganz real zu Schauspielern werden. Für die enorme Vielfalt des Gefühlsausdrucks wurde auf dem Festival in Cannes die „Hunde-Palme“ ins Leben gerufen.


Zsófia Psotta, Sándor Zsótér und Lili Horváth | mehr Cast & Crew


Filmkritik Underdog

Filmwertung: | 7/10


Der ungarische Film „Underdog“ (Originaltitel: „White God – Fehér isten“, HU/DE/SE, 2014), der bereits mit mehreren Preisen auch in Cannes ausgezeichnet wurde, wählt eine untypische Art von Filmerzählung. In dem Drama verlassen die Kamera und damit auch die Zuschauer oft die menschliche Heldin der Geschichte und begleiten ihren Hund Hagen, die eigentliche Hauptperson der Geschichte, auf seinem Leidensweg durch Budapest.

Die 12-jährige Lili (Zsófia Psotta) muss, nachdem ihre Mutter ins Ausland geht, für einige Zeit zu ihrem getrennt von der Familie lebenden Vater (Sándor Zsótér) ziehen. Dabei wird sie von ihren geliebten Hund Hagen begleitet. Doch der Vater, der keine Steuern für den Mischling zahlen will, setzt Hagen in Budapest aus. Während Lili ihren Hund überall in der Stadt sucht, schlägt sich Hagen als Streuner durch, wird misshandelt, verkauft und zu einem Kampfhund ausgebildet. Doch nach dieser Vielzahl von Strapazen beginnt Hagen sich zu wehren und Rache auszuüben und nur Lili scheint die Fähigkeit zu haben ihn wieder beruhigen zu können.

Der Regisseur Kornél Mundruczó, der auch zusammen mit Viktória Petrányi und Kata Wéber am Drehbuch mitschrieb, schuf einen bewegenden und eindringlichen Film über die Straßenhunde Budapests. Dabei wählt er die ungewöhnliche Perspektive des Hundes. Animalische Sichtweisen kamen bisher eher im Komödienfach zum Einsatz. Zwar wandert die Geschichte auch immer wieder zu Lili, doch der Fokus des Dramas liegt auf dem Überlebenskampf Hagens. Authentisch und bewegend wird das meist grausame Schicksal von streunenden Hunden geschildert, dabei wird kein Detail ausgelassen und ist dadurch vor allem für Tier- und Hundefreunde schwer verdaulich. Auch die Bestätigung der Filmemacher, dass alles nur Spielerei für die Hunde war und kein Tier verletzt wurde, nimmt nichts von der Wirkung. Dabei haben die Hundetrainer ganze Arbeit geleistet und sowas gibt es nur noch selten in Zeiten von GC. Der Film ist durch seine ergreifende Authentizität ein Appell an die Menschen, Tiere besser zu behandeln, da auch der angeblich humane Umgang mit den Tieren viele Grausamkeiten in sich birgt. Gleichzeitig ging es dem Regisseur Mundruczó auch darum eine Minderheit zu portraitieren und deren Aufstand am Ende zu erproben. Doch gerade diese Parabel ist ungünstig gewählt, da sie Tiere und racheerfüllte Menschen auf eine Stufe stellt. Das Tier selbst hegt solche Gedanken nicht und wird hier leider als reine Metapher verwendet. Ungeachtet dieser Wendung ist der Film sehr ergreifend und besticht mit der Erzählweise, die so gut wie ohne Dialoge auskommt. Es wurde versucht, ein modernes Märchen zu schaffen, weswegen es eine starke Überspitzung am Ende gibt. Zeitweise wirkt der Film dabei fast apokalyptisch und endzeitlich. Diese Mischung aus einem realitätsnahen Portrait und dem fantastischen Ende passen nur mäßig zusammen. Dazu wurde die Musik, wie für einen Thriller gestaltet, und unterstützt so die fiktive Ebene. Die Kamera dagegen versucht das Authentische und Animalische zu unterstreichen, indem vor allem Handkameras zum Einsatz kamen. Doch leider sind die Filmaufnahmen dabei teilweise sehr unangenehm, da auch die Szenen mit Lili alleine meist stark verwackelt sind. Im Gesamten ist den Filmemachern ein außergewöhnlicher, zum Nachdenken anregender und ergreifender Film gelungen, der vermutlich nicht viel Resonanz in Deutschland haben wird, da er bereits von den meisten Medien sträflich missachtet wird.


Fazit:
Die Geschichte, die in dem Film „Underdog“ erzählt wird, ist ergreifend und eindringlich. Mit einem genauen Blick auf Hagen und sein Schicksal liefert der Film ein starkes Portrait und fesselt den Zuschauer. Einzig allein im letzten Drittel verliert der Film an Schwung, da das Tier als Metapher für unterdrückte Minderheiten missbraucht wird.
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Bilder © Delphi