Triple 9

Triple 9 (2016), USA
Laufzeit: - FSK: 16 - Genre: Thriller / Krimi
Kinostart Deutschland: - Verleih: Wild Bunch

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Triple 9 Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

Mit öffentlichen Hinrichtungen, Straßenschlachten und brutaler Folter halten rivalisierende Gangs und die übermächtige Russenmafia Atlanta in ihrem tödlichen Griff. Frischling Chris (CASEY AFFLECK) bekommt durch seinen Onkel, Sergeant Detective Jeffrey Allen (WOODY HARRELSON), einen Job im gefährlichsten Viertel. Sein blauäugiger Idealismus bringt ihn nicht nur bei den gesetzlosen Gangstern in Gefahr, sondern auch in die Schusslinie seines neuen Partners Marcus Atwood (ANTHONY MACKIE). Atwood gehört zu einer Gruppe von korrupten Bullen, die für die mächtige Russenmafia-Chefin Irina Vlaslov (KATE WINSLET) Banken ausrauben. Als Irina den Druck auf die Cops erhöht und einen unmöglich erscheinenden Raubzug verlangt, fassen die abgebrühten Männer einen wahnwitzigen Plan: sie wollen den Polizeicode „999“ auslösen, um im anschließenden Chaos unbehelligt von den Kollegen, ihr Ding durchziehen zu können: einzig dafür muss ein Polizist im Dienst sterben. Chris scheint das perfekte Opfer zu sein.

Casey Affleck, Woody Harrelson und Kate Winslet | mehr Cast & Crew


Triple 9 - Trailer




DVD und Blu-ray | Triple 9

Blu-ray
Triple 9 Triple 9
Blu-ray Start:
16.09.2016
FSK: 16 - Laufzeit: 115 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Triple 9 Triple 9
DVD Start:
16.09.2016
FSK: 16 - Laufzeit: 111 min.

Filmkritik Triple 9

Filmwertung: | 8/10


Das Heist- und Cop-Thriller-Subgenre ist eine der wohl meistbesuchten Spielarten des Kriminalkinos. Mit „Triple 9“ fügt der Australier John Hillcoat („The Proposition“, „The Road“, „Lawless“) nun einen weiteren starken Vertreter hinzu, der dem Genre und seinen Konventionen zwar nicht besonders viel Neues abgewinnt, aber dafür als gut geölte Thriller-Maschine bestens funktioniert. Triple 9 SzenenbildWer Filme wie „Heat“, „The Town“, „End of Watch“, „Training Day“ oder auch „The Departed“ mag, wird in Hillcoats Film vermutlich viel wiedererkennen und sicher auch seinen Spaß haben. Hier wird eine Welt präsentiert, in der kein moralisches Zentrum existiert, in der Cops genauso korrupt und eiskalt sind wie die Gangster, die sie bekämpfen sollen. Schlimmer noch, die taktisch präzise durchgeführten Überfälle gehen sogar aus den Reihen der Polizei hervor. In „Triple 9“ geht es also um gewohnte Korruption, es gibt jede Menge Macho-Gespräche, schmutzige Gewalt und moralische Konflikte und Ambivalenz. Hillcoat, der sich mit seinen brutalen und nihilistischen Filmen als potentieller moderner Nachfolger von Sam Peckinpah entwickelt hat, inszeniert den Film mit ständig nach vorne preschendem Momentum und viel düsterer, ironiefreier Atmosphäre, die langsam aber sicher einen echten Sog aufbaut. Das ist trotz mancher Klischees letztlich sehr spannend gemacht und überzeugt vor allem dank packend inszenierter Actionsequenzen. Darüber hinaus profitiert der Film auch von seiner großartigen Darstellerriege um Casey Affleck, Chiwetel Ejiofor, Woody Harrelson, Aaron Paul, Norman Reedus und Kate Winslet in einer ungewohnten und effektiven Rolle als unbarmherziger russisch-jüdischer Mafiaboss.

Im Zentrum des Films steht eine Gruppe von professionellen Räubern, die aus aktiven und ehemaligen Cops und Militärs besteht, die von der russischen Mafia unter Führung der eiskalten Irina Vlaslov (Kate Winslet) erpresst werden, groß angelegte Raubüberfälle durchzuführen. In der taktisch hervorragend ausgebildeten Crew ragt vor allem Ex-Army-Soldat Michael Atwood (Chiwetel Ejiofor) hervor, der mit Irinas Schwester Elena (Gal Gadot) ein Kind hat, mit dem er immer wieder zu weiteren Raubzügen erpresst wird. Atwoods rechte Hand, Polizist Marcus Atwood (Anthony Mackie) kriegt derweil mit Chris Allen (Casey Affleck) eher wiederwillig einen neuen und noch unerfahreneren Partner zur Seite gestellt, der aus einem weniger harten Teil Atlantas zugeteilt wurde. Allens Onkel ist der pompös auftretende Detective Jeffrey Allen (Woody Harrelson), der passenderweise die Ermittlungen in einem von Atwoods Crew durchgeführten Banküberfall leitet. Vlaslov zwingt die Truppe um Atwood mit seinem Sohn als Druckmittel zum nächsten riskanten Auftrag, der nur durchgeführt werden kann, wenn sich die Räuber genug Zeit verschaffen können, bis die Polizei am Tatort eintrifft. Die einzige Möglichkeit hierfür ist die Ermordung eines Polizisten (der titelgebende Polizei-Code 999), der die Aufmerksamkeit aller Cops in der Stadt für eine gewisse Zeit auf sich ziehen würde. Triple 9 SzenenbildHierfür wird Chris Allen auserkoren…

Mit seinen vorherigen Filmen hat John Hillcoat ein exzellentes Händchen für stark und atmosphärisch inszenierte Stoffe gezeigt, die ihr Potential aber nie zur Gänze erreicht haben. In seinem Werk zeigt sich eine eigene Handschrift und eine Weltsicht, die eher Hässlichkeit sieht als das Gute im Menschen und damit immer mindestens unter die Haut geht. „Triple 9“ ist bei all den genannten Punkten keine Ausnahme. Matt Cooks Vorlage, die 2010 auf der Blacklist für die besten unproduzierten Drehbücher stand, ist letztlich tief in Genre-Konventionen verwurzelt, wodurch auch der finale Film keine tiefgründigen Einsichten in die Figuren liefert. Sobald einem das nach spätestens dem ersten Drittel klar ist, kann man den Film als das genießen, was er ist, nämlich kein charakterorientiertes Cops- und Gangsterepos wie „Heat“, sondern schlichtweg ein viszeraler und stellenweise sehr intensiver Thriller, der das Adrenalin und den Puls immer wieder hochzujagen weiß. Das liegt dann letzten Endes vor allem an Hillcoats selbstbewusster Regie und interessant inszenierten Actionsequenzen. Wie gewinnt man Banküberfällen oder Verfolgungsjagden nach so vielen herausragenden Beispielen auch noch etwas Frisches ab? Hier sind es letzten Endes die faszinierenden Details, die Hillcoat immer wieder diesen Momenten zufügt. Neben dem furiosen Banküberfall und der folgenden Hochgeschwindigkeitsflucht zu Beginn des Films ist es vor allem eine taktische Infiltrationsszene zur Mitte von „Triple 9“, in der die Wohnung eines Latino-Gangsters hochgenommen wird, die besonders heraussticht. In dieser fiebrig packenden Sequenz zieht die Polizei-Einheit in einer Schlange unter Führung von Chris Allen durch die engen Korridore des Wohnkomplexes und der Wohnung des Gangsters, bis die Verfolgung schließlich wieder nach draußen verlagert wird. In diesem Ghetto ist letztlich Kriegsgebiet, in dem die mittlerweile auch von Panzerwagen unterstützten Cops ständig ins Kreuzfeuer von anderen Gangstern geraten.

Ein weiteres Highlight ist der zweite Überfall des Films, der sich in einer Zweigstelle der Homeland Security abspielt. Triple 9 SzenenbildDieser resultiert in einer Hochgeschwindigkeitsverfolgungsjagd durch ganz Atlanta, denn parallel spielt sich auch eine hochspannende Szene in einem leerstehenden Sozialbaukomplex ab, bei der es sich um den versuchten Mord an einem Polizisten dreht. Hillcoat dreht die Spannungsschrauben bis zum Schluss immer weiter an, sodass der Film den Zuschauer nicht mehr loslässt. Hervorragend unterstützt werden die intensiven Bilder von Kameramann Nicolas Karakatsanis („Bullhead“, „The Drop“) vom treibenden und lauten elektronischen Soundtrack von Oscar-Preisträger Atticus Ross („The Social Network“).

Während „Triple 9“ inszenatorisch nicht viel zu wünschen übrig lässt, leidet er etwas unter seinen eher wenig tiefgründig gezeichneten Figuren. Am ehesten ist sicher Chris Allen der Mittelpunkt des Films, der auch als einziger Charakter durchweg über echte moralische Integrität verfügt. Casey Affleck ist ein natürlich intensiver Schauspieler und er zieht so genügend Aufmerksamkeit auf sich, um dem Film wichtige emotionale Spannung zu verleihen. Nicht weniger wichtig hierfür ist der tragische Erzählstrang von Michael Atwood, der letztlich nur bei seinem Sohn sein will, dafür aber immer wieder Grenzen überschreiten muss. Dank Ejiofor ist diese gerade ausreichend gezeichnete Figur trotzdem interessant und durch sein ausdrucksstarkes Spiel erhält die Rolle Gewicht und sein moralischer Konflikt ist nachvollziehbar. Hinzu kommt Anthony Mackies Figur, die ebenfalls in einen Konflikt gerät, denn er baut zunehmend eine positive Beziehung zu seinem Partner auf, der nun auf der Abschussliste steht. Viel mehr bietet sein Part aber auch nicht, interessanter ist da wohl Aaron Pauls Ex-Cop-Charakter Gabe Welch, der schon in „Breaking Bad“ bewiesen hat, dass er Hin- und Hergerissenheit und emotionale Fragilität so überzeugend darstellen kann wie kaum ein anderer. Clifton Collins Jr. und Norman Reedus, die beiden anderen Mitglieder der Gang, bleiben jedoch völlig eindimensional und bauen in ihrer Performance lediglich auf ihre zweifelsohne vorhandenes Charisma.

Schauspielerisch am auffälligsten ist zweifelsohne Woody Harrelson, der seinen flamboyanten alkohol- und drogensüchtigen Detective mit größter Inbrunst und sichtbarem Genuss spielt. Triple 9 SzenenbildEr frisst alles um sich herum auf und wird dabei sicher auch von seinen exzentrischen USA-Flaggen-Krawatten und einem falschen Gebiss unterstützt, wodurch er praktisch jede Szene stiehlt und mit seinem überdramatischen Verhalten und coolen und galligen Sprüchen auch immer wieder für kleine Lacher in einem sehr ernsten Film sorgt. Durchaus faszinierend, aber weit subtiler in ihrer Herangehensweise ist Kate Winslet, die hier in einer sehr ungewohnten Rolle zu sehen ist. Sie ist eine Eiskönigin mit leeren Augen, deren Figur aber primär deshalb interessant ist, da sie eine Frau ist. Ansonsten ist hier der klischeehafte erbarmungslose Gangsterboss zu sehen, die sinnbildlich für den ganzen Film steht: Gewohnte Kost, kompetent aufbereitet und mit kleinen, individuellen Ticks versehen, die das Ganze interessant machen.


Fazit:
„Triple 9“ ist ein intensiver und packend inszenierter Thriller, der dem Subgenre des Korrupter Cop- und Heist-Thrillers nicht viel Neues abgewinnt. Ein bestechender Cast, dichte Atmosphäre, intensive Spannung und wuchtige Actionsequenzen heben den Film jedoch über den Durchschnitt und sollte Thriller-Fans befriedigen.
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Bilder © Wild Bunch