Trance - Gefährliche Erinnerung

Trance (2013), Großbritannien
Laufzeit: - FSK: 16 - Genre: Thriller
Kinostart Deutschland: - Verleih: 20th Century Fox

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Trance - Gefährliche Erinnerung Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf 4K UHD, Blu-ray und DVD

Inhalt

Simon (James McAvoy), ein Kunstauktionator, verbündet sich mit einer Bande von Kriminellen, um ein millionenschweres Kunstwerk zu stehlen. Nachdem er bei dem Raub einen Schlag auf den Kopf erlitten hat, entdeckt er nach dem Aufwachen, dass er sich nicht daran erinnern kann, wo er das Gemälde versteckt hat.

Als Drohungen und Folter ohne Erfolg bleiben, heuert der Anführer der Bande (Vincent Cassel) eine Hypno-Therapeutin (Rosario Dawson) an, um in den dunkelsten Untiefen von Simons Psyche zu wühlen.

Als sie tiefer in sein angeschlagenes Unterbewusstsein eindringt, wird das Spiel immer gefährlicher, und die Grenzen zwischen Begehren, Realität und hypnotischer Suggestion verwischen.


James McAvoy, Rosario Dawson und Vincent Cassel | mehr Cast & Crew


Trance - Gefährliche Erinnerung - Trailer


TRANCE - GEFHRLICHE ERINNERUNG - Trailer (Full-HD)


DVD und Blu-ray | Trance - Gefährliche Erinnerung

Blu-ray
Trance - Gefährliche Erinnerung Trance - Gefährliche Erinnerung
Blu-ray Start:
06.12.2013
FSK: 16 - Laufzeit: 101 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Trance - Gefährliche Erinnerung Trance - Gefährliche Erinnerung
DVD Start:
06.12.2013
FSK: 16 - Laufzeit: 97 min.

Filmkritik Trance - Gefährliche Erinnerung

Filmwertung: | 6/10


Kein Kunstobjekt ist ein menschliches Leben wert. Einem Credo gleich wurde dies Simon (James McAvoy) während seiner Ausbildung zum Kunstauktionator beigebracht. Als der Ernstfall eintritt und eine von Simon geleitete Auktion überfallen wird, verstößt er nicht nur gegen die erste Regel, sondern auch gegen die zweite: Sei niemals ein Held. Simon greift den Dieb Franck (Vincent Cassel) an, wird von diesem jedoch überwältigt und erleidet eine schwere Kopfverletzung. Zwar konnte Simon das begehrte Goya-Gemälde vor Franck verstecken, nur leider hat er durch den Schlag auf den Kopf eine Amnesie erlitten, wodurch er sich nicht mehr erinnern kann, wo er das 25 Millionen Pfund teure Kunstwerk verborgen hat.

Nach diesem furiosen Anfang im neuen Werk vom britischen Regisseur Danny Boyle („Slumdog Millionär“), folgt die erste von vielen überraschenden Wendungen: Simon und Franck haben den Raub gemeinsam geplant. Der Gangsterboss Franck glaubt nun natürlich, dass Simon ihn hintergangen hat, um sich selbst an dem Gemälde zu bereichern. Die Geschichte mit der Amnesie wirkt da selbstverständlich leicht unglaubwürdig, weshalb erst eine Folterszene, die im wahrsten Sinne unter die Nägel geht, herhalten muss, um Franck und seine Handlanger von Simons Unwissenheit zu überzeugen. Um das verlorene Gedächtnis zurückzuerlangen, wird die Psychologin Elizabeth (Rosario Dawson) kontaktiert, die mit Hilfe von Hypnose Simons Erinnerungen zutage fördern soll. Doch die Therapeutin scheint dabei ihre eigenen Ziele zu verfolgen. Bald entwickelt sich ein erbarmungsloses Verwirrspiel, welches nicht nur Simon an seine innersten Abgründe führt.

Nach seinem letzten Erfolg „127 Hours“ scheint Danny Boyle Gefallen daran gefunden zu haben, in die Traumwelten seiner Protagonisten einzutauchen. War dies bei der Biographie-Verfilmung des Bergsteigers Aron Ralston noch ein zusätzliches Element, um den Zuschauern die Gedanken und Emotionen seiner im Grand Canyon verunglückten Hauptfigur näherzubringen, so ist diese Option der Handlungsdarstellung in seinem neuen Werk der wesentliche Bestandteil. Denn vor allem im ersten Teil des Films finden wir uns, dank der hypnotischen Fähigkeiten von Elizabeth, wiederholt in den Gedanken von Simon wieder. Fast scheint man in diesen Szenen auch zu spüren, wie viel Spaß der Regisseur beim Entwickeln dieser Sequenzen hatte. Wenn die Handlungen in die hypnotischen Träume von Simon abdriften, variieren die Kameraeinstellungen, die Farbgebungen, die Settings. Viele kleine, nette Ideen, zum Beispiel bei der Etablierung des Soundtracks in einzelnen Szenen, runden das Ganze ab; ebenfalls auch einige witzige Einfälle im Bereich der Situationskomik, die die vermeintlich ernste Thematik angenehm auflockern. Ruft man sich allerdings in Erinnerung, was das große Filmpendant auf dem Gebiet der Träume und Gedanken, „Inception“ von Christopher Nolan, alles in einer solchen Umgebung ohne Grenzen gezeigt hat, so wirkt die Version von Danny Boyle geerdeter, ja beinahe konventionell. Ein wenig mehr Kreativität und Mut bei der Inszenierung wären hier wünschenswert gewesen, um das Publikum mehr zu packen.

Schauspielerisch tritt James McAvoy („X-Men: Erste Entscheidung“) in den Vordergrund und zeigt wie gewohnt eine überzeugende Darbietung seines Könnens. Zum Glück der Zuschauer bietet seine Rolle ihm die Möglichkeit, mehrere Facetten an Emotionen darzustellen; eine Herausforderung, die der Schotte mit Bravour meistert. Seine Kollegin Rosario Dawson („Sieben Leben“) liefert ebenfalls eine abwechslungsreiche Performance ab, bei der es ihr gut gelingt, ihrem Charakter etwas Mysteriöses mitzugeben, was den Zuschauer neugierig auf ihre Absichten macht, wobei sie mit James McAvoy nicht gänzlich mithalten kann. Der Franzose Vincent Cassel („Black Swan“) erscheint hierbei wie das überflüssige fünfte Rad am Wagen, da sein Charakter als Gangsterboss für die Handlung zwar notwendig ist, jedoch von den Autoren offensichtlich nur wenig Chancen erhalten hat, zu zeigen, ob er schauspielerisch mit den beiden Hauptfiguren mithalten kann. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Wahrscheinlicher ist, dass Vincent Cassel einem Umstand zum Opfer gefallen ist, an dem das gesamte Werk etwas leidet. Folgt nach einer rasanten und vollkommen gelungenen Anfangssequenz, bei der vor allem der Soundtrack äußerst passend gewählt wurde, eine munter erzählte erste Hälfte, so kommt überraschenderweise ein Bruch in der zweiten Hälfte. Es scheint fast so, als wollten die Autoren zu viele Elemente in diesem Film unterbringen. Beginnt das Ganze noch als Heist-Film, geht es im weiteren Verlauf zügig in die Traum- und Gedankenwelten des hypnotisierten Simon über, was für einen Film bereits gereicht hätte. Anschließend wird allerdings noch eine Dreiecksbeziehung integriert, die aber konstruiert wirkt und als potentielle Problematik nicht in die Handlung involviert wird. Darüber hinaus entwickelt sich eher eine Dramageschichte, mit Elementen eines Thrillers und zu guter Letzt wird noch der philosophische Aspekt des Unbewussten thematisiert, bei dem der Schein nicht gleich dem Sein ist. Gerade bei letzterem Plotpunkt wäre die Chance da gewesen, einen packenden Film zu drehen, bei dem der Zuschauer nie sicher sein kann, ob das Dargestelle nun Realität ist oder Fiktion. Die Ansätze sind hierfür auch gegeben und die Umsetzung wird auch versucht, nur scheinen die Autoren bei der Entwicklung des Drehbuchs zu sehr auf die Elemente geachtet zu haben, die sie im Film unterbringen wollen. Die Etablierung der Charaktere scheint deswegen vernachlässigt worden zu sein, die Figuren bleiben bis zum Ende fremd, ihre Charakterentwicklungen nicht immer gänzlich nachvollziehbar. Daher gelingt es nicht, eine emotionale Beziehung aufzubauen, wodurch die ständigen Wendungen der Geschehnisse nicht die vermeintlich angestrebten Reaktionen beim Publikum hervorrufen.

Auch wird die anfängliche Thematik der Kunstauktion nicht weiter vertieft, was schade ist, da dies noch eine Chance gewesen wäre, ein bei Filmen noch relativ unbekanntes Themengebiet zu etablieren. Das eigentliche Objekt der Begierde, das Goya-Bildnis, wird zum Ende hin erneut thematisiert, nachdem es zwischenzeitlich in den Hintergrund gerückt ist. Allerdings geschieht dies bei der dramatischen Auflösung der Story eher nebensächlich und wirkt daher im Nachhinein eher wie ein erzwungenes Aufgreifen der Anfangsidee, um der Handlung einen runden Abschluss zu bescheren. Der dramatische Höhepunkt kommt wie typisches 08/15-Hollywoodkino daher. Es ist sehr actionlastig und einige gemeinhin bekannte Gesetze der Physik werden außer Kraft gesetzt. Gerade hier hätten einige fantasievollere Ideen gut getan.

Unter dem Strich lässt sich schreiben, dass der erste Teil gelungen ist, vor allem die anfänglichen zehn Minuten wissen zu überzeugen und dies zeigt, dass Danny Boyle ein Meister der visuellen Inszenierung ist. Seine beiden Hauptdarsteller James McAvoy und Rosario Dawson können mit ihrer Arbeit zufrieden sein und eine weitere gelungene Vorführung ihrer Vita hinzufügen. Allerdings muss auch erwähnt werden, dass das gesamte Stück überladen wirkt, zum Ende hin deutlich abbaut und vor allem die Konnektivität zwischen den Charakteren und den Zuschauern nicht vollkommen hergestellt werden kann, was diesen Film leider zu einer vergebenen Chance werden lässt.
by Andreas Engelhardt

Bilder © 20th Century Fox