Titane

Titane (2021), Frankreich / Belgien
Laufzeit: - FSK: 16 - Genre: Fantasy / Drama
Kinostart Deutschland: - Verleih: Koch Media

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Inhalt

Ein Junge verschwindet. 10 Jahre später führt ihn eine Serie unaufgeklärter Verbrechen zurück zu seinem Vater. TITANE: Ein Element von größter Widerstandskraft. Unerschütterlich, unzerstörbar, feuerfest.

Agathe Rousselle, Vincent Lindon und Garance Marillier | mehr Cast & Crew


Titane - Trailer




Filmkritik Titane

Filmwertung: | 7/10


Titane erzählt eine berührende, streckenweise äußerst komische und übertriebene, dann aber auch wieder biss-schwarzhumorige, an einigen Stellen abartige und irgendwie auch wieder herzliche Geschichte über Familie, Einsamkeit, Selbstfindung, Verlust und Liebe. Und während der heuere Gewinner in Cannes durchaus all diese Themen in sich clever vereinen kann, fällt er bei dem Balanceakt der verschiedenen tonalen Ausrichtung etwas flach. Da gibt es dann tolle Needle Drops (wenn nicht für den Film komponierte Musik verwendet wird), die in ihrer Atmosphäre und Emotionen im Moment einfach nur verzaubern, doch folgt darauf ein Akt unmenschlicher und kaum zu greifender Gewalt, die mir die Figuren wieder entreißen.

Szene aus Titane
Szene aus Titane © Koch Films
Hier arbeitet der hohe Gewaltfaktor tatsächlich etwas gegen die Figuren. Klar sagt sie uns etwas über die Hauptfigur aus, hat durchaus einen gewissen narrativen Sinn und sorgt doch dafür, dass ich nie mit der Protagonistin fühlen kann. Und das sage ich als, jemand der alles andere als zart besaitet ist und Anti-Helden normalerweise sehr liebt.

Die Kamera fängt diese Akte von entfesselter Brutalität oft in unaufgeregten und distanzierten, aber irgendwie auch wunderschönen Bildern ein, entfernt sich dabei clever von dem Handeln unserer „Heldin“, sorgt aber auch nicht für eine tiefere Verbindung zu ihr.

Dabei erzählt Titane viel in Symbolik und Metaphern. Die Einsamkeit und geistige Isolation der Figur ist offensichtlich, auch weil Agathe Rousselle in der Rolle der Protagonistin Alexia sich dabei wirklich die Seele aus dem Leib spielt, und einer sonst schwer zu greifende Figur eine dringend benötigte Verletzlichkeit verleiht, die dann doch immer wieder dafür sorgt, dass ich mit ihr fühlen, leiden und lachen kann.

Szene aus Titane
Szene aus Titane © Koch Films
Leider gerät die Handlung dabei immer wieder etwas zu platt und arbeitet für meinen Geschmack viele der Aussage etwas zu offensichtlich heraus. Dabei muss der Zuschauer auch durchaus einige Plot-Points im Hinblick auf das Handeln einiger Figuren einfach schlucken. Man muss sich eben dazu entscheiden mit dem Film mitzugehen. Doch erwartet einen dann doch ein beinahe hypnotischer Rausch aus Bildern, Farben und Musik (die mir aber auch gerade mit dem Gesang immer wieder zu drüber war) mit einer klaren und faszinierenden künstlerischen Vision. Und nur weil ich nie so ganz in den Film gefunden habe, heißt das ja nicht, dass es jedem so gehen muss. Denn das versammelte Können vor und hinter der Kamera ist unbestreitbar.

Fazit:
Ich verstehe, was der Film sagen will (denn so komplex ist das nicht), stimme aber nur bedingt mit dem überein, wie er dahin kommt. Dennoch eine klare Sehempfehlung für jeden, der außergewöhnliches und brutales Arthouse-Kino liebt. Denn Titane ist mutig, frisch und innovativ.
by Sebastian Stegbauer

Bilder © Koch Media


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