The Tree Of Life

The Tree Of Life (2011), USA
Genre: Drama / Fantasy
Kinostart Deutschland: - Verleih: Concorde Filmverleih GmbH

The Tree Of Life Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf 4K UHD, Blu-ray und DVD

Inhalt

Jack wächst in den 60er-Jahren im mittleren Westen der USA als ältester von drei Brüdern auf. Vordergründig scheint die Welt in Ordnung. Alles geht seinen gewohnten Gang, jeder hat seinen Platz in der Gesellschaft. Der sonntägliche Kirchgang gehört ebenso zum festen Ritual wie die gemeinsamen Mahlzeiten im Kreis der Familie. Aber der kleine Jack sieht die Risse in der Fassade. Wie seine Mutter (Jessica Chastain) hat er die Fähigkeit, mit der Seele zu sehen und dadurch Liebe und Empathie zu entwickeln. Sein Vater (Brad Pitt) hingegen predigt dem Kind, unnachgiebig für die eigenen Interessen zu kämpfen. Er will ihn stärken für das "richtige, feindliche Leben". Jack ist hin- und hergerissen zwischen seinen Eltern und ihren Idealen. Als er im Laufe seiner Kindheit mit Krankheit, Leid und Tod konfrontiert wird, verdüstert sich seine heile Kinderwelt und erscheint ihm immer mehr als undurchdringliches Labyrinth. In der modernen Welt fühlt sich der erwachsene Jack (Sean Penn) als verlorene Seele, ständig auf der Suche nach dem großen Plan, der im Wandel der Zeit unveränderbar bleibt und in dem jeder seinen festen Platz hat. Ein tiefgreifendes Ereignis führt ihn schließlich zu einer wunderbaren Erkenntnis...

Brad Pitt, Sean Penn und Jessica Chastain | mehr Cast & Crew


DVD und Blu-ray | The Tree Of Life

Blu-ray
The Tree of Life The Tree of Life
Blu-ray Start:
10.11.2011
FSK: 12 - Laufzeit: 133 min.
DVD
The Tree of Life The Tree of Life
DVD Start:
10.11.2011
FSK: 12 - Laufzeit: 133 min.

zur DVD Kritik

Filmkritik The Tree Of Life

Filmwertung: | 9/10


Warum sind wir hier? Wie entstand das Universum? Gibt es einen Gott? Was ist der Sinn des Lebens? Fragen, die sich die Menschheit seit Jahrhunderten stellt. Fragen, die selbst die größten Philosophen in Erklärungsnöte gebracht haben. Mit seinem neuesten Film „The Tree of Life“ versucht Regisseur Terrence Malick eben diesen Fragen nachzugehen. Die Antworten kennt auch er nicht. Woher auch? Und doch gelingt Malick ein visuell wie erzählerisch beeindruckender Film, wobei besonders das Thema Kindheit selten so treffend und gleichzeitig berührend auf die Leinwand gebracht wurde, wie im diesjährigen Gewinner der Palme d'Or in Cannes.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Jack O'Brien (Hunter McCracken/Sean Penn) und dessen zwiegespaltenes Verhältnis zu seinen Eltern und gleichzeitig zur Welt. Als der Älteste von drei Brüdern wächst Jack in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts im mittleren Westen der USA auf. Sein Vater (Brad Pitt), selbst ein Jäger verlorener Träume, überträgt die Enttäuschung über sein Leben offensichtlich auf die eigenen Erziehungsmethoden. Ohne dabei explizit gewalttätig zu werden, lehrt er seinen Kindern Disziplin und Stärke, wobei er predigt, dass nur eben diese Eigenschaften sie im Leben voran bringen werden. Die Liebe, die sie im Umgang mit ihrem Vater nur selten erfahren, suchen die drei Jungs folglich umso mehr bei ihrer Mutter (Jessica Chastain), eine Frau, die in ihrer Person Anmut und Grazie in Reinform verkörpert. Somit sieht sich Jack eingekeilt zwischen zwei Lebensansichten: einer Darwin'schen Vorstellung vom Überleben des Stärkeren und einer Vorstellung des Lebens geprägt von göttlicher Liebe. Auch knapp 50 Jahre später ist es Jack noch nicht gelungen, diesen inneren Kampf für sich zu beenden.

Auch wenn die berühmten Namen im Cast darauf schließen lassen könnten, handelt es sich bei „Tree of Life“ nicht um einen klassisch erzählten Hollywoodfilm. Vielmehr setzt Malick Bilder, Töne, Musik, Animationen und Off-Kommentar zu einer teils überwältigenden filmischen Symphonie zusammen, in der Zeit und Raum keine festgelegten Einheiten mehr sind. Überraschende Schnitte unterbrechen die Narration, Choräle unterlegen die teils mystisch wirkenden Bilder und über allem wabern die verschiedenen Stimmen der Filmfiguren, die abwechselnd als Sprecher fungieren dürfen. In einer Sequenz zu Anfang von „The Tree of Life“ bricht Malick sogar noch einmal radikaler mit den heutzutage als Standard betrachteten filmischen Konventionen. In knapp zwanzig Minuten beschreibt er die Entstehung des Universums und des Lebens auf der Erde in einer Kollage aus Computeranimationen und echten Naturschauspielen. Ob es diesen Einschub, als dessen größtes Vorbild wohl Kubricks „2001“ diente, bedurfte, sei dahin gestellt. Es betont allemal den allumfassenden Anspruch, den Malick an seinen Film hat. Doch diesem Anspruch muss der Film gar nicht gerecht werden, denn am stärksten ist „The Tree of Life“ in seinen „kleinen“ Szenen; wenn er nämlich die Kindheit Jacks und dessen inneren Zwiespalt darstellt. Die Freude und Anarchie des Spiels, Angst vor der Strafe des Vaters, Neid auf die jüngeren Geschwister und die gleichzeitige Liebe zu ihnen... Malick gelingt es diese Dinge mit einer Simplizität und gleichzeitiger Effektivität einzufangen, die nur schwer zu beschreiben sind. So verzeiht man ihm auch, dass einige Sequenzen durch ihre Übertriebene Romantisierung zum Kitsch neigen.

Einen erheblichen Anteil an der Wirksamkeit eines Großteils der Szenen hat aber definitiv die Kamera von Emmanuel Lubezki. Oft begleitet sie das Geschehen fast schwebend und fängt, durch ihre Nähe zu den Personen, auch deren kleinste Reaktionen ein. Gleichzeitig betonen die fast göttlichen Einstellungen aus der Vogelperspektive, die sich mit den auffällig oft eingesetzten Einstellungen von unten gen Himmel abwechseln, das Thema von Gott vs. Natur.

Dass Malick nicht beide beteiligten Hollywoodstars in den Mittelpunkt seines Werks gerückt hat (Penn ist nur für wenige der 138 Filmminuten zu sehen), tut dem Film ebenfalls gut und gibt Raum für die hervorragenden Performances von Jessica Chastain und Hunter McCracken. Mit den jungen Laiendarstellern, die die drei Brüder verkörpern, gelang Malick ein Glücksgriff und gleichzeitig untermauert ihr Spiel die naturalistische Seite seines Films. Auch Brad Pitt, der seine Rollen seit Jahren mit viel Sorgfalt zu wählen scheint, weiß als jähzorniges Familienoberhaupt wieder einmal schauspielerisch zu überzeugen. Auch wenn er durch das vorgeschobene Kinn zeitweise an seine Figur aus Tarantinos „Inglourious Basterds“ erinnert, gelingt es Pitt die Aura um seine öffentliche Person als Megastar in einer medialisierten Welt komplett aus dem Film auszuschließen. Ein Problem, welches andere Hollywoodstars, wie beispielsweise seine Frau Angelina Jolie oder auch sein männlicher Kollege Johnny Depp, nicht so leicht zu lösen wissen.

Nach „Uncle Bonmee“ hat das Festival in Cannes einen weiteren beeindruckenden Sieger hervorgebracht. Vielleicht verschaffen die bekannten Namen „The Tree of Life“ dabei ein größeres Publikum als dem Vorjahressieger von Apichatpong Weerasethakul. Zu hoffen wäre es, denn im Sommer der Fortsetzungsfilme wäre ein Erfolg von „Tree of Life“ nicht nur gut für Malick, sondern auch gut für das Kino.

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Bilder © Concorde Filmverleih GmbH