The Square

The Square (2017), Schweden / Deutschland / Deutschland / Dänemark
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Komödie / Drama
Kinostart Deutschland: - Verleih: Alamode

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The Square Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

Christian (Claes Bang) ist der smarte Kurator eines der größten Museen in Stockholm. Die nächste spektakuläre Ausstellung, die er vorbereitet, ist „The Square“. Es handelt sich um einen Platz, der als moralische Schutzzone fungieren und das schwindende Vertrauen in die Gemeinschaft hinterfragen soll. Doch wie bei den meisten modernen Menschen ist es auch bei Christian nicht weit hin mit diesem Vertrauen - auch er verriegelt die Tür seines stylischen Apartments und würde seinen Tesla nicht unbeaufsichtigt in einer zwielichtigen Gegend parken. Als Christian ausgeraubt wird und ihm kurz darauf die provokante Mediakampagne zu „The Square“ um die Ohren fliegt, geraten seine Selbst- und Gesellschaftsbilder schwer ins Wanken.

Claes Bang, Elisabeth Moss und Dominic West | mehr Cast & Crew


The Square - Trailer




DVD und Blu-ray | The Square

Blu-ray
The Square The Square
Blu-ray Start:
23.02.2018
FSK: 12 - Laufzeit: 145 min.
DVD
The Square The Square
DVD Start:
23.02.2018
FSK: 12 - Laufzeit: 141 min.

Filmkritik The Square

Filmwertung: | 2/10


Als im Mai diesen Jahres die Goldene Palme der Filmfestspiele Cannes statt an den wahren Gewinner des Wettbewerbs 2017, Robin Campillos 120 Battements par Minute (stattdessen ausgezeichnet mit dem Großen Preis der Jury), an den schwedischen Film The Square von Ruben Östlund ging, war die Überraschung nicht gerade gering. Zwar wurde Östlund in gewissen Kreisen vor Ort durchaus als Geheimfavorit gehandelt, doch ging man letzten Endes davon aus, dass der Film seine Sujets dann doch eine Nummer zu ulkig, zu fanatisch und zu platt verhandelt, um den künstlerisch wichtigsten Filmpreis der Welt zu gewinnen.

Szene aus The Square
Szene aus The Square © Alamode Film
The Square handelt vom erfolgreichen und angesehenen Kunstmuseumskuratoren Christian, der in Stockholm für das X-Royal-Museum an der titelgebenden Installation The Square arbeitet, einem partizipativen Gesellschaftsprojekt, das den Menschen die Porosität der Grundfesten ihres sozialen Miteinanders vor Augen führen soll. Beruf und Privatleben verweben sich zusehends, als Christian auf offener Straße einem Trickdiebstahl zum Opfer fällt und daraufhin die Diebe – ganz entgegen den hehren Zielen der Installation – ebenso kriminell erpresst, um sein Hab und Gut zurückzuerhalten. Es entspinnt sich ein beinahe dreistündiges Katz-und-Maus-Spiel über Themen der Moral, Hypokrisie, Toleranz, Kunst und dergleichen mehr.

Dabei gestaltet es sich in höchstem Maße schwierig, dem Film auch nur eine positive Qualität abzugewinnen. Östlund, der sich nach eigener Aussage mehr als Soziologe denn als Filmregisseur versteht, liegt erst gar nicht viel daran, sein Werk mit filmischen Mitteln auszugestalten. So ist The Square am Ende mehr eine psychosoziologische Abhandlung, bei der man den Eindruck gewinnt, rein zufällig wurde das Medium Film für sie ausgewählt.

Szene aus The Square
Szene aus The Square © Alamode Film
Denn unter keinem einzigen künstlerischen Gesichtpunkt vermag das mit 142 Minuten und dabei immer noch extrem gekürzte und zusammengeschnittene Werk zu überzeugen. Das Spiel Claes Bangs, der den Christian mimt, kann allenfalls noch als solide eingestuft werden, das Elisabeth Moss' als Anne, mit der Christian kurzzeitig sexuellen Kontakt unterhält, bereits als nicht mehr brauchbar. Den Regisseur interessiert weder eine echte narrative Dramaturgie noch eine Entwicklung der Figuren. Diese sind vielmehr Schablonen seines soziologischen Versuchsaufbaus, was er auch freiheraus zugibt. Viel zu spät im Film und vollkommen unmotiviert werden urplötzlich Christians beide Töchter in die Handlung implementiert. Das Ende ist so unausgereift wie nichtssagend. Man muss ganz ernsthaft davon ausgehen, dass Östlund schlichtweg nichts Besseres mehr eingefallen ist. Billige bildliche Metaphern wie ein vermeintlich künstlerisch inszeniertes spiralförmiges Aufsteigen eines Treppenhauses, das wohl als Sinnbild für den Plot des Films und zugleich das Leben stehen soll, fallen dabei ebenso negativ ins Gewicht wie der unvermittelt intermittierende Score: ein unidentifizierbares und störendes Gejodel.

Auch und namentlich in seiner Grundprämisse, Themen wie Scheinheiligkeit in Kunst und Gesellschaft, falsches Mitleid, die Eigendynamik des social networking und vieles mehr zu verhandeln und damit dem Zuschauer einen Spiegel vorhalten zu wollen, misslingt. Nicht nur komprimiert Östlund viel zu viel von alledem auf einmal und überstrapaziert damit Dramaturgie und Aufmerksamkeitswillen des Zuschauers, schlimmer noch: Er nimmt keines seiner Themen selbst wirklich ernst oder führt sie künstlerischen oder narrativen Innovationen zu. So werden zum Beispiel völlig unmotiviert und en passant die Krankheit des Tourette-Syndroms und der gesellschaftliche Umgang mit ihr auf zynische Weise ins Lächerliche gezogen oder auch die inzwischen bereits angestaubte Anekdote um Joseph Beuys' Fettecke variiert aufgegriffen. Neu ist dies alles nicht.

Szene aus The Square
Szene aus The Square © Alamode Film
Das größte Problem von The Square ist allerdings sein Grundgestus, den Zuschauer mit jedem flotten Spruch und jeder, aber auch jeder einzigen Geste der Figuren zum Lachen zu animieren. Die so bereits nach den ersten Minuten des Films sich einspielende Exuberanz an kläglicher Komik auf Knopfdruck macht den Film zu einen der größten Reinfälle der jüngeren Kinogeschichte, der zahlreiche Kinobesucher insbesondere angesichts seiner Prämierung mit der Goldenen Palme schockiert im Kinosaal zurücklassen wird. Man fragt sich einfach nur noch unentwegt: Wer soll so etwas lustig finden?


Fazit:
The Square bietet auf künstlerisch unausgereifte und inhaltlich innovationslose Weise Abspulkomik auf Knopfdruck. Auch als Medien- und Gesellschaftssatire kann der diesjährige Gewinner der Goldenen Palme aufgrund seines äußerst plakativen Grundgestus nicht überzeugen.
by

Bilder © Alamode