The Promise - Die Erinnerung bleibt

The Promise (2016), USA
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Drama / Historienfilm
Kinostart Deutschland: - Verleih: Capelight

-> Trailer anschauen

The Promise - Die Erinnerung bleibt Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

Konstantinopel kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914: Die einst so lebendige und multikulturelle Hauptstadt des Osmanischen Reiches droht im Chaos zu versinken – und mit ihr der begabte Medizinstudent Michael (Oscar Isaac). Als die attraktive Künstlerin Ana (Charlotte Le Bon) an der Seite ihres Geliebten, dem amerikanischen Fotojournalisten Chris Myers (Christian Bale), aus Paris eintrifft, verliebt er sich Hals über Kopf in sie. Verbunden durch ihre gemeinsamen armenischen Wurzeln entfacht zwischen Ana und Michael eine unbeschreibliche Anziehungskraft, der Beginn einer leidenschaftlichen Liebe. Doch schnell werden sie von der harten Realität des eskalierenden Krieges eingeholt und müssen aufgrund eines drohenden Genozids auf der Flucht bald nicht nur füreinander, sondern auch ums nackte Überleben kämpfen.

Oscar Isaac, Christian Bale und Charlotte Le Bon | mehr Cast & Crew


The Promise - Die Erinnerung bleibt - Trailer




DVD und Blu-ray | The Promise - Die Erinnerung bleibt

Blu-ray
The Promise - Die Erinnerung bleibt The Promise - Die Erinnerung bleibt
Blu-ray Start:
18.12.2017
FSK: 12 - Laufzeit: 133 min.
DVD
The Promise - Die Erinnerung bleibt The Promise - Die Erinnerung bleibt
DVD Start:
18.12.2017
FSK: 12 - Laufzeit: 127 min.

Filmkritik The Promise - Die Erinnerung bleibt

Filmwertung: | 8/10


Zwischen den Jahren 1915 und 1923 ereignete sich einer der ersten systematischen Völkermorde, der jedoch in vielen Teilen der Welt auch heute noch kaum bekannt ist oder sogar schlichtweg abgestritten wird. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs orderte die neugegründete jungtürkische vom „Komitee für Einheit und Fortschritt“ gebildete Regierung des Osmanischen Reichs das systematische Auslöschen des gesamten armenischen Volkes an – unter dem Deckmantel ihrer angeblichen Umsiedlung. The Promise - Die Erinnerung bleibt SzenenbildDas geschah in Folge schwerer militärischer Niederlagen des Osmanischen Reichs im Ersten Weltkrieg, als die jungtürkische Regierung christliche Minderheiten des Hochverrats bezichtigte, da diese angeblich den Kriegsgegner Russland in Form von Spionage und vorbereiteten Aufständen unterstützten. Eine dieser christlichen Minderheiten des Osmanischen Reichs waren damals die Armenier, die das Hauptziel der Kollektivanklage des Komitees für Einheit und Fortschritt darstellten. So begannen erste Deportationen des armenischen Volkes in die syrische Wüste, wo bereits ein Großteil der ihrer Heimat entrissenen Menschen verdurstete, verhungerte oder schlicht ermordet wurde. Intellektuelle oder vermeintliche Führungspersönlichkeiten wurden oft direkt hingerichtet oder teilweise zum Militärdienst einbezogen. Am Ende mussten nach unterschiedlichen Schätzungen zwischen 600.000 und 1,5 Millionen getötete Armenier beklagt werden – ein grausamer Völkermord, der bis heute nicht von der türkischen Regierung anerkannt wird.

Auch in Spielfilmen wurde das Massaker am armenischen Volk bislang weitestgehend nicht thematisiert. Lediglich Atom Egoyans „Ararat“ und vor allem Fatih Akins „The Cut“ sorgten dafür, dass Licht auf die Gräueltaten der damaligen türkischen Regierung geworfen wurde. Nun ist es jedoch unbestreitbar das 90 Millionen Dollar-Großprojekt „The Promise“, das weltweit für große Aufmerksamkeit sorgte, auch wenn bislang nur ein sehr geringes Einspiel von gut 10 Millionen Dollar zu Buche steht. Der Nordire Terry George, der bereits mit dem großartigen „Hotel Ruanda“ den Genozid an der ruandischen Tutsi-Minderheit kraftvoll schilderte, zeigte sich hier verantwortlich und liefert ein klassisch erzähltes und inszeniertes Epos im Stile eines David Lean, das nicht ohne Schwächen ist, aber dennoch zu den besseren Filmen dieses Kinojahres gezählt werden darf.

The Promise - Die Erinnerung bleibt Szenenbild Im Mittelpunkt steht der Apotheker Mikael (Oscar Isaac), der im armenischen Dorf Sirun ein gutes Leben lebt, aber von einem Medizinstudium träumt. Als er sich mit Maral (Angela Sarafyan), der Tochter eines reichen Nachbarn, verlobt, wird ihm die Erfüllung dieses Traums ermöglicht, denn dieser finanziert sein Studium in Konstantinopel. Bei besagtem Studium lernt er den Kommilitonen Emre Ogan (Marwan Kenzari) kennen, der dank seines hochrangigen Vaters über viele einflussreiche Kontakte verfügt. Einer dieser Kontakte ist der amerikanische Journalist Chris Meyers (Christian Bale), der mit der in Frankreich aufgewachsenen Armenierin Ana (Charlotte le Bon) liiert ist. Mikael beginnt ein freundschaftliches Verhältnis zu dem Paar und verliebt sich schließlich in Ana. Die geheime Liebe wird jedoch gestört, als es mit Beginn des Ersten Weltkriegs zu Unruhen kommt und Mikael im Zuge der heimtückischen Maßnahmen der Regierung in ein Gefangenenlager deportiert wird. Es beginnt ein langer und turbulenter Überlebenskampf für Mikael, der zugleich auch versucht seine eigene Familie aufzufinden und zu schützen, aber auch einen Weg zurück zu Ana finden will. Diese versucht derweil gemeinsam mit Chris, der verzweifelt und aufopferungsvoll versucht von den türkischen Grausamkeiten zu berichten, mit Hilfe des Roten Kreuzes Armenier sicher aus dem Land zu befördern.

Der Aufwand, der für die Produktion von „The Promise“ betrieben wurde, macht sich in jedem der opulenten Bilder des spanischen Kamera-Routiniers Javier Aguirresarobe unmissverständlich bemerkbar. Gemeinsam mit Gabriel Yareds klassischer Filmmusik evoziert Georges Film Erinnerungen an vergangene Hollywood-Epen, die einen romantischen Erzählkern in einen großen historischen Hintergrund betten. „The Promise“ ist packend und mitreißend erzählt, die Figuren gehen einem nahe und die zugrunde liegende Geschichte könnte nicht wichtiger und kraftvoller sein. Passend zu seinen altmodischen Vorbildern ist der Film auch oft nahe am Kitsch, jedoch wird dieser immer wieder durch die aufrichtige Inszenierung und die spürbare Ernsthaftigkeit der historischen Begebenheiten ausbalanciert.

The Promise - Die Erinnerung bleibt Szenenbild Es hilft natürlich, dass so starke und überaus charismatische Darsteller wie Oscar Isaac und Christian Bale die Hauptrollen spielen, denn diese sorgen mit ihrer unbestreitbaren magnetischen Ausstrahlung und immenser Leinwandpräsenz dafür, dass man seine Augen nicht von ihnen nehmen kann. Isaac spielt seinen aufrichtigen Mediziner Mikael mit leidenschaftlicher Intensität und kraftvollem Gefühl, das im Angesicht des schmerzhaften Grauens um ihn herum zu gelegentlichen vulkanartigen Ausbrüchen führt. Vergleiche zu einem jungen Al Pacino dürfen bei diesem Ausnahmeschauspieler somit auch weiter gezogen werden. Bale agiert ebenfalls mit der von ihm gewohnten Intensität, er agiert viel mit seinen Augen und ist vollkommen glaubwürdig als etwas unnahbarer, aber zutiefst humanistischer und getriebener Journalist mit ausgeprägtem Gerechtigkeitsgefühl. Aber auch Charlotte le Bon agiert stark als wichtiger sensibler Kontrast im Liebesdreieck zwischen diesen beiden starken Männerfiguren.

Eine tiefe emotionale Bindung zu diesen Figuren besteht somit schnell, wodurch sich der weitere Verlauf dieses starken Films so packend gestaltet. Wir erleben den Horror dieser Geschichte aus ihren Augen, spüren ansatzweise dank Isaacs emotionalem Spiel, was es bedeutet, wenn geliebte Angehörige gnadenlos entrissen werden. Der brutale Überlebenskampf beginnt sehr plötzlich für die Figuren, ab dann prescht dieser hochdramatische und oft auch durchaus melodramatische Film immer weiter voran, ohne wirkliche Pausen zuzulassen. Ein Gefühl von Sicherheit kommt hier nie auf, Gefangene werden nicht gemacht, wodurch eine latente Ungewissheit für unruhige Spannung sorgt. The Promise - Die Erinnerung bleibt SzenenbildGeorge gelingen hier immer wieder ganz große und oft sehr kraftvolle Bilder, die das Potential haben, sich lange Zeit im Gedächtnis des Zuschauers einzubrennen.

Zugegeben, die Erzählung ist durchaus oft holprig, gerade dann, wenn manche Handlungselemente unglaubwürdig und weit hergeholt wirken. So macht hier manche erzählerische Entwicklung auch einen aufgesetzten und nicht gerade natürlichen Eindruck, was in der Regel jedoch auch immer wieder umgehend von dem starken Erzählrhythmus, der spannenden Geschichte und den grandiosen Darstellern aufgefangen wird. Was natürlich hier über allem thront, ist die unzweifelhafte Wichtigkeit dieser historischen Hintergründe, über die man sprechen muss. Ein spürbar von Leidenschaft getriebener Film wie „The Promise“ sollte jedoch die Kraft haben, Gespräche anzuregen, sodass das Schicksal der vielerorts in Vergessenheit geratenen Opfer endlich in den verdienten Mittelpunkt gebracht wird.


Fazit:
Ein immens wichtiger Film, der ein in Vergessenheit geratenes Massaker kraftvoll und gewichtig beleuchtet. „The Promise“ ist mit sichtbarem Aufwand für die große Leinwand produziert und begeistert mit seiner angenehm altmodischen Inszenierung, die an alte Klassiker erinnert. Isaac, Bale und le Bon agieren stark und machen den packenden und mitreißenden Film zu einem Ereignis, das man trotz mancher dramaturgischer Schwächen nicht verpassen sollte.
by

Bilder © Capelight