The Program - Um jeden Preis

The Program - Um jeden Preis (2015), Großbritannien / Frankreich
Laufzeit: - FSK: 0 - Genre: Biographie / Drama / Sport
Kinostart Deutschland: - Verleih: StudioCanal

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The Program - Um jeden Preis Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

Sie lügen alle – dessen ist sich David Walsh sicher. 1999 begleitet er für die Sunday Times die Tour de France. Ein einfacher Journalist, der nur seinen Job machen will. Doch von Anfang an ist er davon überzeugt, dass das, was er sieht, nicht mit rechten Dingen zugehen kann. Radrennprofi Lance Armstrong, der gerade den Krebs erfolgreich besiegt hat, gewinnt eine Etappe nach der anderen und wird zur Ikone für Millionen. Ein ebenso charismatischer wie skrupelloser Sportler, der bereit ist, alles für den Sieg zu tun. Doch was mit einem einfachen Verdacht beginnt, wird bald zu einem mehr als bedrohlichen Unterfangen für Walsh. Denn wie stellt man sich als Einzelner einem übermächtigen Programm? Hinter einer Mauer aus Schweigen schafft er es, ein gigantisches Netzwerk aus Betrug und Vertuschung aufzudecken: Er bringt nicht nur die Wahrheit über einen der größten Sporthelden unserer Zeit ans Licht, sondern entlarvt ein perfides System, das so lange Sieger erschaffen hat , bis es von der Realität eingeholt wurde...

Ben Foster, Lee Pace und Dustin Hoffman | mehr Cast & Crew


The Program - Um jeden Preis - Trailer


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DVD und Blu-ray | The Program - Um jeden Preis

Blu-ray
The Program - Um jeden Preis The Program - Um jeden Preis
Blu-ray Start:
18.02.2016
FSK: 6 - Laufzeit: 103 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
The Program - Um jeden Preis The Program - Um jeden Preis
DVD Start:
18.02.2016
FSK: 6 - Laufzeit: 99 min.

Filmkritik The Program - Um jeden Preis

Filmwertung: | 9/10


Der Biopic-Experte Stephen Frears (Die Queen, Philomena, Immer Drama um Tamara) hat für „The Program“ eine Zeitspanne von 1993 an bis 2012 gewählt. 1993 begann die internationale Karriere von Lance Armstrong (Ben Foster), der in diesem Jahr erstmals bei der Tour de France mitfuhr. Der Film beginnt damit, dass Armstrong vom Zeitungsjournalisten David Walsh (Chris O´Dowd) bei einem gemeinsamen Tischfußball-Spiel interviewt wird. Schon dort zeichnet sich ab, dass er sehr charismatisch und wortgewandt ist und das Zeug zum Star hat. Doch für einen Tour-Sieg hat er nicht die Klasse, wie auch Walsh weiß. Ein Tagessieg, mehr wird der damals 21-jährige Armstrong nicht erreichen. Genauso kommt es. Doch Armstrong lernte früh, niemals aufzugeben. So will er alles dafür tun, um erfolgreich zu sein. Er besucht den Doping-Spezialisten Michele Ferrari (Guillaume Canet). Der empfiehlt ihm zuerst, seinen Körper besser zu definieren. Als es soweit ist, nimmt auch Armstrong leistungssteigernde Mittel wie EPO unter der genauen Überwachung von Ferrari. Dann erkrankt er jedoch an Hodenkrebs und muss um sein Leben kämpfen.

Die Geschichte ist hervorragend umgesetzt. Es ist bemerkenswert, wie gut es den Verantwortlichen gelungen ist, die wichtigsten Ereignisse aus Armstrongs Leben komprimiert auf 104 Minuten Länge - oder besser Kürze - zusammenzufassen. Dabei konzentriert sich Frears vor allem auf die Hintergründe, eben jene Dinge, die den Zuschauern nicht bekannt waren, da sie hinter den Kulissen des Radsports abliefen. Es wird dabei schnell ersichtlich, dass Armstrong mit der Zeit nahezu den gesamten Radsport unter seiner Kontrolle hatte, weil er ihn zu einem globalen Ereignis machte. Dabei werden auch die Tricks gezeigt, die es ihm und vielen anderen Radfahrern lange ermöglichten, ungestört zu dopen und nie erwischt zu werden. Gerade dieser spannende Blick hinter die schöne Fassade des Sports macht „The Program“ zu einem sehenswerten Erlebnis. Die brisante Storyline trägt ihren Teil zur dichten Atmosphäre bei. Dabei gibt es beim Schnitt ein paar Kleinigkeiten zu bemängeln. Mehrfach stellt sich der Zuschauer die Frage, warum so wenige Radsport-Sequenzen gezeigt werden. Schade ist dabei insbesondere, dass der große Konkurrenzkampf von Armstrong mit Jan Ullrich, Andreas Klöden, Alexander Winokurow und Ivan Basso nicht mal erwähnt wird. Diese sind nur für ein paar Sekunden neben Armstrong auf dem Siegertreppchen zu sehen. Die Gegner des US-Amerikaners werden ohnehin nicht gewürdigt. Durch den Schnitt wirkt es für Zuschauer, die die Tour de France damals nicht verfolgt haben so, als hätte Armstring das komplette Feld in Grund und Boden gefahren, was aber nur teilweise der Fall war. In diesen Szenen wirkt es trotz aller Anschuldigungen, als würde der heute 43-Jährige heroisiert werden. Zudem wird das Privatleben nahezu komplett ausgespart. Es hätte sicher keinen am Stoff interessierten Zuschauer von einem Kinobesuch abgehalten, wenn der Film eine halbe Stunde länger geworden wäre. Trotz dieser kleineren Mängel ist „The Program“ ein herausragender Film. Denn die Weltanschauung von Armstrong wird ebenso deutlich, wie sein besondere Ausstrahlung, seine Eloquenz und seine Liebe, im Rampenlicht zu stehen. Wer seinen Werten nicht folgte und über das Doping zu Journalisten zu plaudern begann, wurde gemobbt. All die Details sind hervorragend recherchiert und fesselnd umgesetzt.
Einen großen Anteil an der glaubwürdigen Darstellung Armstrongs hat Ben Foster (The Messenger, Hostage – Entführt, Lone Survivor). Der 34-Jährige spielt Armstrong so überzeugend, dass er auf der Leinwand zur ehemaligen Radsport-Ikone wird, ja geradezu mit ihr verschmilzt. Er strahlt den gesamten Film über die spezielle Aura Armstrongs aus und beeindruckt mit einer bemerkenswerten Vielschichtigkeit. Sein Spiel geht unter die Haut und ist ohne Zweifel seine mit Abstand beste und tiefgründigste Karriere-Leistung. Für seine überragende Performance sollte er einige Filmpreise erhalten. Denn auch in den Radsport-Szenen erkennt man Armstrongs unverkennbaren Stil wieder. Im Zusammenschnitt mit den Archivaufnahmen wirkt das lebendig, eindringlich, packend und realitätsnah. Dank der in diesen Sequenzen exzellenten Kameraführung und der schnellen Schnittfolgen erkennt man den Unterschied zwischen dem realen Armstrong und dem Foster-Armstrong zu keiner Zeit. Die One-Man-Show von Foster wird durch die sehr guten Kostüme, das aufwendige Make-up, die passende Frisur und die gelungene Ausstattung exzellent unterstützt. Auch die stimmige Musikuntermalung und die schönen Locations tragen ihren Teil zur intensiven Atmosphäre bei.
Großartig ist außerdem, wie der Film das EPO-Doping erläutert und wie er die Lügen und die PR von Armstrong und dessen Vertrauten entlarvt. Sprechen sie intern noch ganz offen über ihre Doping-Methoden, verkündet Armstrong extern mit dem ihm eigenen Gewinner-Lächeln etwas völlig anderes – durch den hier starken Schnitt entstehen dabei einige sehr amüsante Szenen. Auch als Armstrong und seine Teamkollegen über den geplanten Hollywood-Film über die damalige Radsport-Ikone sprechen, gibt es einige Lacher. Zudem wurden die Handlungsstränge von Armstrong und Walsh, dessen Buch „Seven Deadly Sins: My Pursuit of Lance Armstrong“ die Grundlage für diesen Film ist, gut zusammengefügt.

Die Leistung von Foster wird tatkräftig vom exzellenten Jesse Plemons (The Homesman, Paul - Ein Alien auf der Flucht, Shopping-Center King) als dessen Teamkollege Floyd Landis, dem der Glamour-Faktor völlig abhanden geht und den die Lügen immer stärker belasten, dem kernigen Denis Ménochet (Robin Hood, Inglourious Basterds, Special Forces) als Armstrongs sportlichem Leiter und Vertrauten Johan Bruyneel, dem guten Lee Pace (Der Hobbit-Trilogie, Guardians of the Galaxy, Lincoln) als Generalmanager Bill Stapleton, dem extrovertierten Guillaume Canet (Last Night, Merry Christmas, Jappeloup - Eine Legende) als Michele Ferrari und einem schönen Gastauftritt von „Oscar“-Preisträger Dustin Hoffman (Rain Man, Kramer gegen Kramer, Tootsie) als Risikomanager und Bridge-Champion Bob Hamman unterstützt.


Fazit:
Herausragendes, hochinteressantes, spannendes und brisantes Biopic über Lance Armstrong, der von Ben Foster so überragend verkörpert wird, dass ihm wohl einige Filmpreise sicher sein dürften. Schade ist nur, dass der Film das Beziehungsleben von Armstrong fast komplett ausspart und auch die Gegner nicht gewürdigt werden. Eine halbe Stunde länger hätte der Film gut und gerne sein können. Doch das ist Meckern auf hohem Niveau. Denn auch so fesselt „The Program“, reißt mit und ist ein intensives, sehenswertes Erlebnis, da hinter die Fassade der schönen Sportwelt geschaut wird und sich dabei große Abgründe auftun. Eine Filmperle.
by

Bilder © StudioCanal