The Homesman

The Homesman (2014), USA
Laufzeit: - FSK: 16 - Genre: Drama / Western
Kinostart Deutschland: - Verleih: Universum Film

The Homesman Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf 4K UHD, Blu-ray und DVD

Inhalt

Nebraska, Mitte des 19. Jahrhunderts. Mary Bee Cuddy (Hilary Swank) lebt gottesfürchtig und allein in einer kleinen Grenzstadt in den endlosen Weiten des Wilden Westens. Der Kampf gegen die unerbittliche Natur und die Einsamkeit ist für die Frauen der Pioniere hart. Als die drei Farmersfrauen Arabella (Grace Gummer), Theoline (Miranda Otto) und Gro (Sonja Richter) aus unterschiedlichen Gründen den Verstand verlieren, beauftragt die ärmliche Gemeinde Mary, die drei Frauen zurück in die Zivilisation im Osten zu begleiten, wo sich eine Methodistengemeinde um sie kümmern kann. Gleich zu Beginn ihrer Reise trifft sie auf den Gesetzlosen Briggs (Tommy Lee Jones), dem sie das Leben rettet und gegen Geld das Versprechen abnimmt, sie den kompletten Weg zu begleiten und zu beschützen. Auf dem entbehrungsreichen Treck gen Osten trotzen sie Stürmen und lebensgefährlichen Begegnungen mit Siedlern und Indianern und beginnen langsam sich einander anzunähern. Obwohl Briggs Mary davon überzeugen will, dass er ein bindungsloser, schlechter Mensch ist, sprechen seine Taten eine andere Sprache. Als Mary ihm schließlich die Ehe anbietet, muss er eine folgenschwere Entscheidung treffen…

Tommy Lee Jones, Hilary Swank und Hailee Steinfeld | mehr Cast & Crew


DVD und Blu-ray | The Homesman

Blu-ray
The Homesman The Homesman
Blu-ray Start:
17.04.2015
FSK: 16 - Laufzeit: 123 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
The Homesman The Homesman
DVD Start:
17.04.2015
FSK: 16 - Laufzeit: 118 min.

Filmkritik The Homesman

Filmwertung: | 7/10


Ladys and Gentlemen, die Oscarsaison steht zum Anpfiff bereit und ich bin mir sicher, dass Tommy Lee Jones' zweite Regiearbeit nach „Three Burials - Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada““als Kandidat bei der Vorauswahl für die wichtigen Awardverleihungen 2015 nicht unbe(ob)achtet bleibt. Eine Mischung aus Drama und Western soll's möglich machen. And the Oscar goes to „The Homesman“ - vielleicht.

Nebraska, USA,1850: Die robuste, alleinstehende Mary Bee Cuddy (Hilary Swank) nimmt einen schier unmöglichen Auftrag ihrer Stadt entgegen: drei verheiratete Bürgerinnen haben in ihrer Isolation und unter Missbrauch ihren Verstand verloren und sollen nach Iowa transportiert werden, um dort in einer Kirche Versorgung zu genießen. Das Schicksal bringt sie und George Briggs (Tommy Lee Jones) zusammen, welchen sie vor der tödlichen Schlinge rettete und der sie nun fortan zu begleiten und zu unterstützen hat. Die von Grund auf unterschiedlichen Personen fangen nach einiger zeit an sich auf charakterlichen Ebene näher zu kommen. Als Cuddy die Fragen aller Fragen stellt, ahnt Griggs nicht die bevorstehende Tragödie.

„The Homesman“ beschreibt schonungslos, wie ein Tabuthema von heute in einer Zeit vor unserer behandelt wurde und erschreckenderweise kann man nicht allzu wenig parallelen aufweisen. Die Ausgrenzung der Einwohner gegen psychische Verhaltensstörungen - egal, ob diese durch Auslöser wie zum Beispiel die im Film gezeigten Vergewaltigung - ist bis heute kaum wegzudenken. Die Dialoge und Detailliebe, wie zum Beispiel Cuddys Faible für die Musik und ihr imaginäres Teppichklavier, erschaffen Menschlichkeit in einer Lage, wo sie nicht mehr existiert. Denn ausschlaggebend für „The Homesman“ ist, dass immer wieder ein stark beklemmendes Gefühl erschaffen wird - beklommener als in manchem Horrorfilm oder Psychothriller. Dank der passenden musikalischen Untermalung (viele Dissonanzen, die mir die Haare zu Berge stehen lassen) sind die Szenen stellenweise kaum zu ertragen. Die Darstellung der alleinstehenden Frau, die eine Tat vollbringen will, die in solch gefährlichen Zeiten zurecht eher Männer zugeteilt wird und die Erleuchtung, dass Seele und Körper irgendwann anfangen krankhaft zu streiken ist gerade für sanftere Gemüter ein erbitterter Kampf mit den Nerven und für mich ein Beweis für exzellente Arbeit. Der Film rüttelt an einem und regt zum Nachdenken an. Der unerwartete Wendepunkt bringt zusätzlich ein wenig mehr Spannung in die relativ unspektakuläre Story. Basierend auf dem Roman „The Homesman - Es führt ein Weg zurück“ von Glendon Swarthouts veranschaulicht Tommy Lee Jones, der auch am Drehbuch mitschrieb und mitfeilte, dass er die Fähigkeit besitzt, ein Buch gekonnt und mit Detailliebe zu adaptieren. Wie der damals lebende Revolverheld Wyatt Earp sagen würde: Präzision ist alles. Howdy.

Zwei für mich wichtige Fakten sind aber nochmal deutlich viel versprechender: Neben der eindrucksvollen Drehorte in der Kulisse New Mexicos sind die Darsteller zum Einen exquisit ausgewählt, zum Anderen liefern sie ein paar Überraschungsauftritte. Hauptdarstellerin Hilary Swank („Million Dollar Baby“) könnte auch als Mutter Teresa durchgehen. Ihre Art zu spielen ist gekonnt, aber einen Touch und die tiefe Sorgenfalte zu wehleidig. Immer. Gegenpart Tommy Lee Jones (Dank „Men in Black“ kennt ihn jeder) spielt sie an die Wand. Seine Figur des George Briggs begegnet dem Publikum zu Anfang als verwirrter Kauz, rußschwarz im Gesicht, im Unterwäscheeinteiler kurz davor dem Strick zu verfallen. Eine Präsens, bei der man gar nicht erkennt, um wen es sich hier wirklich handelt. So haucht man einer Figur vollständig Atem ein. Die Besetzung der drei verrückten Frauen Theoline („Miranda Otto, zuletzt in „I, Frankenstein“ zu sehen gewesen), Arabella (Meryl Streeps Tochter Grace Gummer, bekannt aus „Frances Ha“) und Gro (Sonja Richters, die neben den meist skandinavischen Produktionen auch schon in unserem Tatort zu sehen war) ist vor Allem optisch gelungen. Bis auf Sonja Richter bleibt die Umsetzung der Talente in diesem Fall jedoch eher hinter den Erwartungen. Zu viel standardisiertes Geschreie, zu viel leeres Starren ohne den gewissen Ausdruck, den - wie angedeutet - nur Richter erreicht. Angenehm sind die im Vorfeld nicht groß angekündigten Auftritte von Hollywoodgöttin Meryl Streep („Die eiserne Lady“) und Hailee Steinfeld, die ihre erste Oscarnominierung einem anderen Western zu verdanken hat: „True Grit“ mit Jeff Bridges. Sehr netter Nebeneffekt zum Ende hin also.

Ob's bis zu Acadamey Award reicht, ist schwer zu beantworten. Die Konkurrenz dürfte groß werden und bei „The Homesman“ fehlt das gewisse etwas. Trotzdem ein eindrucksvoller Film mit überzeugenden Darstellern, einer guten Wendung und Anspruch.

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Bilder © Universum Film