Hüter der Erinnerung - The Giver

The Giver (2014), USA
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Science-Fiction / Fantasy
Kinostart Deutschland: - Verleih: StudioCanal

Hüter der Erinnerung - The Giver Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf 4K UHD, Blu-ray und DVD

Inhalt

In einer scheinbar perfekten Welt leben die Menschen ohne Schmerzen, Leiden oder Krieg – alle Menschen sind gleich. Alles ist vorherbestimmt – von der Geburt über die Wahl des Berufs und des Partners bis hin zum Tod. Falsche Entscheidungen können nicht getroffen werden. Aber die Bewohner haben auch keine Erinnerungen und Gefühle. Eines Tages wird der 16-jährige Jonas auserwählt, um das höchste Amt der Gemeinschaft einzunehmen: der „Hüter der Erinnerung“. Angeleitet wird er dabei von seinem Vorgänger, der sein langjähriges Wissen an Jonas weitergibt. Jonas erfährt, was sonst niemand weiß, und erlebt zum ersten Mal wahre Freude und Liebe aber auch Trauer und Schmerzen. Er soll stellvertretend für alle Menschen die Erinnerung an ein früheres Leben bewahren. Doch je mehr er erkennt, welch hohen Preis die Menschheit für ihre perfekte Welt zahlen muss, desto klarer wird ihm, dass es nur eine Möglichkeit gibt, sie zu retten…

Jeff Bridges, Meryl Streep und Brenton Thwaites | mehr Cast & Crew


DVD und Blu-ray | Hüter der Erinnerung - The Giver

Blu-ray
Hüter der Erinnerung - The Giver Hüter der Erinnerung - The Giver
Blu-ray Start:
05.02.2015
FSK: 12 - Laufzeit: 87 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Hüter der Erinnerung - The Giver Hüter der Erinnerung - The Giver
DVD Start:
05.02.2015
FSK: 12 - Laufzeit: 93 min.

Filmkritik Hüter der Erinnerung - The Giver

Filmwertung: | 6/10


Die Vorstellung von einem Leben ohne Leid und Qual, kommt einem Wunschtraum gleich. Doch ist der Verlust der Erinnerungen ein solches Leben wert? Lois Lowry lässt diesen Traum in ihrem Fantasy-Roman „Hüter der Erinnerung“ wahr werden. Seit dem Erscheinen 1993 verkaufte sich das Buch weltweit mehr als zehn Millionen Mal. In Amerika und Deutschland als Lektüre für die Mittelstufe empfohlen, hat das Buch eine große Fangemeinde gewonnen. Anders als „The Hunger Games“ oder „Divergent“ wird eine idealisierte Welt skizziert, in der ein friedliches Miteinander als oberstes Gebot gilt: Gewalt und Aggressionen sind der Bevölkerung fremd.

Schauspieler Jeff Bridges erwarb bereits 1995 die Filmrechte des Romans. Mit dem Wunsch, die Hauptrolle mit seinem Vater Llyod zu besetzen, trieb der Schauspieler als Produzent das Projekt voran. Nach dem Tod seines Vaters übernahm Jeff Bridges selbst die Hauptrolle des weisen Hüters der Erinnerung, der in dem jungen Jonas (Brenton Thwaites) seinen Nachfolger sieht. In einer blassen Schwarz-Weiß-Welt leben die Bewohner ohne jegliche Erinnerung ein ihnen vorgeschriebenes Leben. Scheinbar glücklich und zufrieden folgen sie dem routinierten Tagesablauf, der von den Oberhäuptern dirigiert wird. Weder Kriege, noch Verbrechen können das geschaffene Paradies stören. Selbst vor Krankheiten sind die Menschen gefeilt, deren Leben von der Geburt bis zum Tod den auferlegten Regeln des Ältestenrates (Meryl Streep) folgt. Nur der Hüter der Erinnerung (Jeff Bridges) weiß um das ganze Ausmaß des Lebens, das er vor seinen Mitmenschen geheim hält. Erst, als Jonas erstmals das Wissen mit dem Hüter teilt, erweitert sich sein Bewusstsein und die Welt gewinnt an Farbe. Jonas blickt hinter die Kulissen und stellt die Grenzen seines Universums in Frage. Warum in dieser kunstvoll strukturierten Welt ein einzelner Mann über das Wissen verfügt, um diese Welt zu zerstören, erschließt sich dem Zuschauer nicht. Die sorglose Gesellschaft bricht zusammen und Jonas wird zum Staatsfeind ausgerufen. Allmählich brechen die Erinnerung an ein voriges Leben über ihn zusammen, was dem Zuschauer Rätsel aufgibt. Immer wieder tauchen Bilder einer anderen Welt auf, die fast als Parallelwelt empfunden wird. Doch die Hintergründe dieser unvereinbaren Welten werden außer Acht gelassen. Die sich aufdrängenden Fragen werden wissentlich ignoriert und stellen das Publikum vor vollendete Tatsachen. Der Film erreicht seinen Höhepunkt in den letzten Minuten, bevor die Handlung unvollendet abbricht.
Drehbuchautor Philip Noyce („Salt“) regt zum Nachdenken an, wenn er eine sorglose Scheinwelt inszeniert. Doch lässt er die Bilder vollends für sich selbst sprechen, ohne dem Ganzen eine Wertung zu verleihen. Die nahezu philosophische Geschichte wird durch die sich anbahnende Liebesromanze der Teenager und der finalen Action aufgepeppt, was der Unterhaltung zu Gute kommt. Hauptdarsteller Brenton Thwaites („Maleficent“) nimmt das Kinopublikum mit auf eine ungewöhnliche Reise. Als normaler Junge gewinnt er die Sympathie der Zuschauer, die aus seiner Perspektive die sonderbare Kunstwelt erfahren. Mit Meryl Streep („Im August in Osage County“) und Jeff Bridges („Tron Legacy“) gewinnt der Film an Tiefe. Katie Holmes oder Alexander Skarsgård dienen leider nur als Randfiguren und bleiben weit hinter ihren Möglichkeiten stehen. Sängerin Taylor Swift ist nur in wenigen Filmminuten präsent und somit leider kaum eine Erwähnung wert.
Die Optik des Films ist gelungen. Die schwarzweiße Welt, die an „Pleasantville“ erinnert, gewinnt erst nach und nach an Farbe. Die daraus entstehende Atmosphäre scheint widersprüchlich, folgt jedoch einem konsequent ruhigen Ton. Erst wenn die gesamte Welt in Farbe getaucht ist, nimmt die Dynamik zu, die sich in einer wilden Verfolgungsjagd gipfelt.

Fazit: Philosophische Roman-Verfilmung über das menschliche Miteinander. Optisch gelungen weiß der Film mit seinen wunderschönen Schwarz-Weiß-Bildern zu begeistern. Nach einer ausführlichen Einleitung der Figuren endet der Film jedoch verfrüht an seinem Höhepunkt und entlässt den Zuschauer mit Fragen, die nicht einmal im Ansatz beantwortet worden sind.
by Sandy Kolbuch



20 Jahre lang mussten die amerikanischen Mitbürger darauf warten, dass das Buch ihrer einstigen Pubertät auf die große Leinwand gebracht wird. Immerhin wird der Roman "The Giver" von Lois Lowry nach wie vor in den Mittelklassen der Schulen unterrichtet. Nach 10 Jahren Produktionszeit kommt diesen Monat nun endlich "Hüter der Erinnerung - The Giver" auch in die deutschen Kinos. Leider genau passend zum Utopie/Dystopie- Trend, der für einen ungewollten Überfluss des Genres sorgt.

Die Welt hat Emotionen und sogar Farben abgeschafft. Als Ergebnis herrscht Gleichheit um die Menschheit zu schützen. Man kennt keinen Hass, keinen Neid, keinen Schmerz, aber ebenso wenig Liebe und Freude. Der 16-jährige Jonas (Newcomer Brenton Thwaites) wird dazu auserwählt, anstatt einen nomalen Beruf auszuüben ein "Hüter der Erinnerung" zu werden. Das bedeutet, dass ihm der Noch-Hüter als sein "Giver" seine Erinnerungen über die menschlichen Gefühle und Welt, die ganz allein auf dem alten Mann lasten, an Jonas übergeben soll. Der frisch erkorene Junge jedoch hält es nicht aus, diese Gedanken für sich zu behalten und möchte die Erinnerungen in seinen Mitbügern wieder freisetzen. Dieser Plan gefällt aber vor Allem dem Rat der Ältesten nicht und sie versuchen Alles, um Jonas Steine in den Weg zu legen.

Die Geschichte hat sich möglicherweise von dem Roman "Schöne, Neue Welt" von Aldous Huxley inspirieren lassen, denn in dieser Welt gibt es künstlich erzeugte Kinder und Drogen, die einem jegliche Emotionen rauben. Das hat aber wiederrum wenig mit der Verfilmung zu tun, die nichts Neues erfunden und jeglich kleine Veränderungen vollzogen hat (z.B. Das Alter des Protagonisten, der im Roman eigentlich 12 Jahre alt ist). Dennoch ist der Film zwar schön gemacht, aber leider auch auf Filmebene nicht (mehr) originell: Nach Verfilmungen wie "Die Tribute von Panem", "Divergent oder "The Maze Runner" entwickelt sich die Reihe an Storys über unsere Welt in er Zukunft zum neuen Hype nach Vampirfilmen á la "Twilight".

Die Arbeit mit farblich ausgedrückter Dramatik ist in diesem Film das Besondersartige, kam aber auch schon in Filmen wie "Pleasantville" (1998) vor. Dazu muss man allerdings sagen, dass wider seines Vorgängern in dieser Sache in "Hüter der Erinnerung" die Farbintensität je nach Dramatik zunimmt. Es ist keine große Kunst, sowas am Computer zu zaubern, aber zum Einen ist es wiederrum schön zu betrachten und zum Anderen regt es unterbewusst den Emotionsfluss des Zuschauers an. Der Switch zwischen Schwarzweiß und Farben sowie Sterilität und emotionalen Ausschnitten aus dem Repertoire der Erinnerungen lässt den Puls schonmal höher schlagen und nimmt den ein oder anderen Zuschauer in seiner Persönlichkeit sicher mit. Auch die Naivität der Einwohner, zu glauben, an einen Ort namens "Elsewhere" geschickt zu werden, wenn sie zum Beispiel zu alt sind oder zu schwache Gene vorweisen, erinnert schwer an einen anderen Streifen: "Die Insel" mit Scarlett Johansson und Ewan McGregor aus dem Jahre 2005.

Die Besetzung besteht meiner Meinung nach aus einem totalen Zwispalt. Hochkaräter wie Meryl Streep (Oscarpreisträgerin für "Die Eiserne Lady") und Jeff Bridges (Oscarpreisträger für "Crazy Heart") geben dem Film tiefe und übernehmen emotionsvermittelnde Rollen (Den Giver sowie die Chefin des Ältestenrats). Auch Alexander Skarsgard spielt die Rolle des naiven und unerfahrenen Vaters so authentisch, dass dieser fast wie eine Maschine erscheint. Doch die Wahl die Hauptrolle Jonas an den Australier Brenton Thwaites (bekannt aus "Maleficent") zu übergeben passt absolut nicht. Thwaites kann den Tiefgang der sich entwickelnden Persönlichkeit nicht Hundertprozentig real rüberbringen und hat nur zwei Ausdrücke drauf: Freude und Unverständnis. Alle andere kauf ich ihm leider absolut nicht ab. Auch die Rolle der Mutter wurde mit Katie Holmes ("Jack and Jill") als eine für mich nicht wandelbare Schauspielerin gecastet. Holmes wirkt immer unterkühlt, was sie auch zum Teil soll, doch die Rolle soll sich auch sorgen und gegen Ende Gefühle entwickeln. Belustigend finde ich übrigens, dass eine der erfolgreichsten Sängerinnen unserer Zeit, Taylor Swift für den Film groß angekündigt wird, dabei nur ca. 1 1/2 Minuten Gesamtzeit in dem Streifen hat. Macht sich da etwa jemand Sorgen, der Film würde sich nicht um seines Willsens von selber verkaufen?

Ein interessanter "Was wäre wenn,"-fragender Film ist "Hüter der Erinnerungen - The Giver" auf jeden Fall. Darsteller und fehlende Kreativität in der Umsetzung einer Geschichte, die nicht Einzigartig ist machen aus dem Streifen jedoch keinen Knaller, sondern einen Soliden Familienfilm. Von mir gibt es 6 Punkte.
by Jennifer Mazzero

Bilder © StudioCanal