The Cut

The Cut (2014), Deutschland
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Drama / Abenteuer
Kinostart Deutschland: - Verleih: Pandora

The Cut Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

Mardin, 1915: Eines Nachts treibt die türkische Gendarmerie alle armenischen Männer zusammen. Auch der junge Schmied Nazaret Manoogian (Tahar Rahim) wird von seiner Familie getrennt. Nachdem es ihm gelingt, den Horror des Völkermordes zu überleben, erreicht ihn Jahre später die Nachricht, dass auch seine Zwillingstöchter am Leben sind. Besessen von dem Gedanken, sie wiederzufinden, folgt er ihren Spuren. Sie führen ihn von den Wüsten Mesopotamiens über Havanna bis in die kargen, einsamen Prärien North Dakotas. Auf seiner Odyssee begegnet er den unterschiedlichsten Menschen: engelsgleichen und gütigen Charakteren, aber auch dem Teufel in Menschengestalt.

Mit THE CUT vollendet Fatih Akin seine Trilogie von „Liebe, Tod und Teufel“. Ging es in „Gegen die Wand“ (2004) um den unbedingten Lebenswillen einer jungen Deutschtürkin, die erleben muss, dass zwischen Schmerz und Liebe oft nur eine Haaresbreite liegt, so erzählte „Auf der anderen Seite“ (2007) die Geschichte von sechs Menschen, deren Wege sich kreuzen, ohne sich zu berühren. Erst der Tod führt sie zusammen. THE CUT widmet sich nun dem „Teufel“. Der Film handelt vom Bösen im Menschen, davon, was wir anderen Menschen antun. Unbewusst oder willentlich, denn die Grenze zwischen Gut und Böse ist oft fließend. Auch der letzte Teil der Trilogie ist geprägt von Fatih Akins Sicht auf die Welt: „THE CUT ist ein sehr persönlicher Film geworden, der sich inhaltlich mit meinem Gewissen und formal mit meiner Liebe zum Kino auseinandersetzt“.


Tahar Rahim, Simon Abkarian und Makram Khoury | mehr Cast & Crew


DVD und Blu-ray | The Cut

Blu-ray
The Cut The Cut
Blu-ray Start:
30.04.2015
FSK: 12 - Laufzeit: 138 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
The Cut The Cut
DVD Start:
30.04.2015
FSK: 12 - Laufzeit: 133 min.

Filmkritik The Cut

Filmwertung: | 8/10


Das neue Kriegsdrama von Regisseur Fatih Akin (Im Juli, Soul Kitchen, Solino) behandelt ein viele Jahrzehnte in der Türkei totgeschwiegenes Thema: den Völkermord der Türken an den Armeniern (bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs). In Mardin lebt Nazaret Manoogian (Tahar Rahim) 1915 mit seiner Familie. Der Schmied wäre gerne etwas reicher, doch ansonsten ist er glücklich. Bis der Krieg ausbricht und bald auch Mardin erreicht. Die armenischen Männer werden eines Nachts von türkischen Soldaten mit Nachdruck abgeholt und in die Wüste gebracht, wo sie für den Krieg unter schlimmen Bedingungen arbeiten müssen. Nicht wenige sterben an Kraftlosigkeit. Als sie nicht mehr gebraucht werden, fesseln die Soldaten sie und bringen sie tiefer in die Wüste, wo sie alle an die Felsen stellen und mit Messern töten, da keine Kugeln verschwendet werden sollen. Mehmet (Bartu Küçükçağlayan) soll Nazaret die Kehle durchschneiden, bringt es aber nicht über sich und verletzt ihn nur. Anschließend hilft er Nazaret bei der Flucht. Dessen Stimmbänder wurden durch den Stich von Mehmet übel in Mitleidenschaft gezogen und fortan ist Nazaret stumm Ein Kampf ums Überleben beginnt.

Die Geschichte ist wahrlich nichts für Zartbesaitete. So wie Akin sie darstellt erst recht nicht. Die Atmosphäre ist durchgängig bedrückend, es werden schreckliche Dinge getan und unbeschönigt gezeigt. Es gibt einige schwer zu ertragende Sequenzen wie etwa die Szene im Flüchtlingslager. Akin mutet dem Zuschauer viel zu. Aber gerade daraus bezieht The Cut seine Stärke. Denn obwohl der Film düster ist, bleibt der doch durchweg nachvollziehbar und auf eine gewisse Art und Weise auch menschlich. Dank der exzellenten Darstellung von Tahar Rahim (Le passe – Das Vergangene, Black Gold, Ein Prophet) fesselt The Cut, ist überdies spannend und weist den Zuschauer auf viele Probleme hin. Denn die Geschichte mag zwar fast 100 Jahre alt sein, ist bei all den Krisenherden auf der Welt aber dennoch aktuell und brisant. Hier werden die dunklen Seiten des Menschen den gesamten Film über behandelt. The Cut ist dabei auch realistisch und zeigt auf, wie wenig Menschen von vorangegangenen Generationen lernen. Es zerrt an den Nerven, Nazaret auf seiner langen Suche zu folgen und die Dinge zu ertragen, die er miterleben muss.

The Cut ist auch gleichzeitig der Abschluss von Akins Trilogie Liebe, Tod und Teufel. 2004 ging es mit Gegen die Wand los, 2007 mit Auf der anderen Seite weiter und The Cut bietet sieben Jahre nach dem letzten Teil den Abschluss.

Akin schrieb die erste Version des Drehbuches selbst. Dann wandte er sich an den armenischstämmigen US-Amerikaner Mardik Martin, der 34 Jahre kein Skript mehr verfasst hatte. Davor allerdings schrieb Martin für niemand geringeren als Martin Scorsese. Die Drehbücher zu Wie ein wilder Stier, New York, New York und Hexenkessel stammen allesamt von Martin. Diese Qualität sieht man an einigen Stellen auch in The Cut.

Neben dem starken Rahim überzeugen in weiteren Rollen auch Simon Abkarian (Machtlos, Zero Dark Thirty, James Bond: Casino Royale), Makram Khoury (München, House of Saddam, The Body), die Sängerin Hindi Zahra, Kevork Malikyan (96 Hours – Taken 2, Indiana Jones und der letzte Kreuzzug, Der Flug des Phoenix) und mit Trine Dyrholm (Who Am I, In einer besseren Welt, Die Königin und der Leibarzt) und vor allem Moritz Bleibtreu (Die vierte Macht, Der Baader Meinhof-Komplex, Stereo) auch zwei internationale Stars.

Die dynamische Kameraführung ist solide. Aufgrund des engen Drehplans und der vielen Drehorte konnte nur das nötigste gedreht werden, was ab und an auch ersichtlich wird, wenn das Bild nicht überall scharf gestellt ist. Dafür punktet The Cut aber mit den herrlichen, eingängigen und abwechslungsreichen Landschaften. Die Musikuntermalung ist teilweise atmosphärisch und stimmig, an einigen Stellen steht sie aber zu sehr im Vordergrund und ist auch nicht immer passend ausgewählt. Dafür überzeugt der packende Schnitt, die 138 Minuten Laufzeit sind genau richtig. Außerdem können Ausstattung, Kostüme und Spezialeffekte überzeugen.

Hartes, bedrückendes, atmosphärisches Kriegsdrama von Fatih Akin, das viele Diskussionen auslösen wird.

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Bilder © Pandora