The Call - Leg nicht auf!

The Call (2013), USA
Laufzeit: - FSK: 16 - Genre: Thriller
Kinostart Deutschland: - Verleih: SquareOne Entertainment / Universum Film

The Call - Leg nicht auf! Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf 4K UHD, Blu-ray und DVD

Inhalt

Jordan Turner (Halle Berry) arbeitet als Operator bei der Polizeinotrufnummer 911 von Los Angeles. Eines Tages führt ein fataler Fehler von Jordan dazu, dass ein Mädchen während seines Notrufs von einem Einbrecher getötet wird. Sechs Monate nach dem Vorfall versucht Jordan noch immer, diese grausame Erfahrung zu verarbeiten, als sie erneut vor eine ähnliche Situation gestellt wird. Die junge Casey (Abigail Breslin) ruft aus dem Kofferraum eines Autos an, nachdem sie von einem Unbekannten entführt wurde. Zahlreiche Versuche Jordans, dem Teenager am Telefon zu helfen, schlagen fehl. Als ihre Kollegen auch noch die Spur des Fluchtfahrzeugs verlieren, muss Jordan handeln. Denn mit jeder Sekunde, die verstreicht, sinkt die Wahrscheinlichkeit, Casey lebend retten zu können. Jordan beschließt, ihren Platz am Telefon zu verlassen und auf eigene Faust zu ermitteln. Sie ahnt nicht, in welche Gefahr sie sich damit begibt…

Halle Berry, Abigail Breslin und Michael Eklund | mehr Cast & Crew


DVD und Blu-ray | The Call - Leg nicht auf!

Blu-ray
The Call - Leg nicht auf! The Call - Leg nicht auf!
Blu-ray Start:
06.12.2013
FSK: 16 - Laufzeit: 94 min.
DVD
The Call - Leg nicht auf! The Call - Leg nicht auf!
DVD Start:
06.12.2013
FSK: 16 - Laufzeit: 90 min.

zur DVD Kritik

Filmkritik The Call - Leg nicht auf!

Filmwertung: | 4/10


Bis dato war Halle Berry in ihrer Schauspielkarriere ausgesprochen konsequent: In den zahlreichen solide gemachten Produktionen, in denen sie bis zum heutigen Tage mitgewirkt hat, spielte sie stets mit der gebotenen Solidität; in wahrhaft guten Filmen wie „Monster’s Ball“ oder „Eine neue Chance“ (OT: „Things We Lost in the Fire“) waren ihre Auftritte wiederum zu jeder Zeit von adäquater Großartigkeit, während ihre Vorstellungen in den gänzlich missratenen Werken, die sich in ihrer bisherigen Filmografie finden, auch immer entsprechend hysterisch-verunglückt ausfielen – so etwa in der grotesken Trash-Orgie „Catwoman“ oder im abstrusen Psychothriller „Verführung einer Fremden“ (OT: „Perfect Stranger“). Es schien, als passe die (zweifelsohne begabte) Mimin ihr Spielniveau beständig dem Niveau ihres jeweiligen Projekts an. In ihrer aktuellen Kinoarbeit „The Call – Leg nicht auf!“ bricht Berry allerdings mit dieser Gewohnheit – denn ihre Performance ist weitaus besser, als es der Film eigentlich verdient hätte.

Der Beginn von „The Call“ ist durchaus vielverheißend: Die Credit-Sequenz setzt sehr präzise eine Stimmung steter Bedrohung und Eskalationsgefahr, indem die bestechend schönen Aufnahmen des nächtlichen Los Angeles mit einem Gewirr von zum Teil panischen Stimmen und mit dem mitreißenden Electro-Score von John Debney unterlegt werden. Bei besagten Stimmen handelt es sich um Notrufe, die in der Telefonzentrale des L.A. Police Departments eingehen. Dort ist auch die von Berry verkörperte Jordan Turner als „operator“ tätig. Die Art und Weise, in welcher der Regisseur Brad Anderson die Aktivitäten und Prozesse der großstädtischen Zentrale ins Bild setzt, ist bemerkenswert – zumal da der „911-operator“ eine bislang kaum ausgeleuchtete Figur des Kinos ist. Hier wird diese Figur nun ins Zentrum der Erzählung gerückt: Im „hive“ („Bienenstock“) – wie der 911-Center intern genannt wird – sitzt Jordan an ihrer Station, nimmt via Headset die Anrufe entgegen, schaut auf Monitore, gibt Daten ein und lenkt die Rettungskräfte. Der Film gewährt Einblick in die Arbeitsbedingungen der Notrufabteilung und illustriert die hohen Anforderungen, die der Beruf stellt: In sämtlichen Extremsituationen gilt es, ruhig und flexibel zu handeln und dem Anrufer nach Möglichkeit zu helfen – gleichwohl ist es wichtig, sich niemals emotional auf dessen Notsituation einzulassen, um jegliche eigene Unsicherheit und Panik zu vermeiden.
Als Jordan in ihrer Funktion als „911-operator“ ein Fehler unterläuft, der zum Tod einer Jugendlichen führt, beschränkt sie sich in den Folgemonaten auf die Ausbildung neuer Mitarbeiter. Eines Tages jedoch werden ihre Fähigkeiten am Headset abermals benötigt: Die junge Casey meldet sich via Mobiltelefon aus dem Kofferraum eines fahrenden Wagens; sie wurde von einem Unbekannten angegriffen und entführt. Da sich das Handy des Mädchens nicht genau lokalisieren lässt, gibt Jordan Casey Instruktionen, wie sie andere Verkehrsteilnehmer auf ihre Lage aufmerksam machen kann. Durch Parallelmontage erzeugen der Regisseur und sein Team Dynamik; ferner wird eine spezielle Kameralinse zum Einsatz gebracht, um die Situation der im Kofferraum eingesperrten Casey filmisch zu vermitteln. Während diese Strategien äußerst effektiv darin sind, für einen emotionalen Mitvollzug zu sorgen, nehmen sich andere Methoden der Spannungssteigerung – etwa die eingestreuten Freeze Frames – doch ein wenig prätentiös aus. Bemängeln ließe sich außerdem, dass einige Nebenfiguren im Verlauf der Handlung allzu ungeschickt agieren. Geradezu ärgerlich ist, wie der Film die Backstorywound des Entführers – also dessen tragisch-traumatisierende Hintergrundgeschichte – einfängt: Die übereindeutigen Bilder, die Anderson und sein Kameramann Thomas Yatsko im Zuge der polizeilichen Ermittlungen generieren, lassen den Zuschauer erahnen, dass sich das eingangs fesselnde Kinowerk in einen kruden Killer-Thriller mit Horrorelementen und allen erdenklichen Psycho-Klischees wandeln wird. Und so geschieht es. Als die Verbindung mit Casey abbricht und die Polizei die Spur verliert, beschließt Jordan, die Notrufzentrale zu verlassen und das Mädchen im Alleingang zu retten. Alsbald schon geht sie hinab in einen dreckig-düsteren Folterkeller – wofür es zuvor so manche dramaturgische Kühnheit zu tolerieren gilt. Die Wendung hin zum Serienkiller-Streifen ist problematisch, da sie die fehlende Sorgfalt bei der Entwicklung des Drehbuchs von Richard D’Ovidio erkennbar macht: Das anfängliche Verhalten des Kidnappers ist angesichts der späteren Enthüllungen völlig unplausibel. Hinzu kommt noch, dass der Film im letzten Drittel, in welchem er sich aufs blutige Horror-Terrain begibt, inszenatorisch jeder Originalität entbehrt. Im Endeffekt dürfte das Werk nicht nur all jenen missfallen, die drastischem Grusel generell abgeneigt sind, sondern es dürfte auch für Genre-Fans reizlos sein: Anderson recycelt die Bilder des Horrorfilms – u.a. Motive aus Hollywood-Mainstream wie „Das Schweigen der Lämmer“, aus Underground-Streifen wie „Maniac“ und aus dem Torturkino in „Hostel“-Manier –, ohne diesen Bildern etwas Eigenes hinzufügen zu können. Was bleibt, ist gewissermaßen ein Worst-of der von Fans geschätzten Genreklassiker. Trotz aller unfreiwilligen Komik entwickelt „The Call“ noch nicht einmal B-Movie-Charme – obgleich man sich durch das unfassbar reaktionäre Ende fast schon in einem Achtzigerjahre-Videotheken-Reißer (mit überqualifizierter Besetzung) wähnt.

Halle Berry ist als „911-operator“ ganz und gar glaubhaft; sie wirkt kompetent, macht aber zugleich die Selbstzweifel Jordans durch Mimik und Gestik sichtbar. Als Horror-Heroine zeigt Berry im Finale ein schauspielerisches Engagement, das (wie bereits erwähnt) in einem auffälligen Missverhältnis zum fragwürdigen Drehbuch und zur einfallslosen Inszenierung steht. Ebenso demonstriert Abigail Breslin („Little Miss Sunshine“) mit ihrer intensiven Darstellung des Entführungsopfers ein hohes Maß an Kraft und Können; dem jungen Talent gebührt uneingeschränkter Respekt. In ihrer Rolle des All-American Girl – im fröhlich-bunten Outfit, mit frühreifer bester Freundin und übervorsorglicher Mutter – steckt viel Sympathie- und Identifikationspotenzial; die jüngere Zielgruppe dürfte ihr rasch zugetan sein, und auch als Zuschauer jenseits des Teenageralters schließt man Casey ins Herz – spätestens, wenn sie die herrlich hemmungslose Komödie „Brautalarm“ als ihren Lieblingsfilm angibt (statt etwas Erwartbares im Sinne von „Harry Hobbit und die Tribute von Twilight“ zu nennen). Während man in den ersten zwei Dritteln des Werks Anteil am Schicksal der Figur nimmt, gilt das Mitgefühl im dritten Akt hingegen eher der Schauspielerin, da diese den Showdown grotesk geschminkt und leicht bekleidet zu bestreiten hat. Michael Eklund („Watchmen“) kommt wiederum über die gesamte Filmlaufzeit eine undankbare Aufgabe zu, da der von ihm zu interpretierende Serienkiller von Anfang bis Ende eindimensional gezeichnet ist. Der Wahnsinn des Charakters, den Eklund mit maßlosem Overacting auszudrücken versucht, rutscht aufgrund der plakativen und unzulänglich durchdachten Zeichnung leider ins Lächerliche ab.

Fazit: „The Call“ mutet zunächst wie ein atmosphärisch dichter urbaner Thriller an, erweist sich letztlich aber als mangelhaft konstruierter, wenig origineller Schocker. Dies ist umso unerfreulicher, weil das Werk über zwei eindrucksvoll aufspielende Hauptdarstellerinnen verfügt, denen man einen deutlich besseren Filmstoff gewünscht hätte.

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Bilder © SquareOne Entertainment / Universum Film