The Sisters Brothers

The Sisters Brothers (2018), Frankreich / Spanien / USA
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Abenteuer / Komödie
Kinostart Deutschland: - Verleih: Wild Bunch

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Inhalt

Oregon, 1851: Sie sind berühmt-berüchtigt, die Sisters Brothers. Eli, der Ältere, und Charlie, der Jüngere (JOHN C. REILLY und JOAQUIN PHOENIX), der eine ruhig und überlegt, der andere ein kampflustiger Trinker. Skrupellose Auftragskiller im Dienst eines ominösen „Commodore“. Leichen pflastern ihren Weg. An ihren Händen klebt Blut, nicht nur von Kriminellen, auch von Unschuldigen. Für ein großes Sümmchen sollen sie einen gewissen Hermann Warm (RIZ AHMED) töten, der eine Wunderformel zum einfachen Goldwaschen erfunden hat: Eine Flüssigkeit macht die Goldnuggets im Wasser sichtbar. Ein Wissen, das dem „Commodore“ ein Vermögen einbringen kann. Dem Genie ebenfalls auf den Fersen ist ihr Kontaktmann Jim Morris (JAKE GYLLENHAAL). Während die Brüder von den Bergen Oregons bis nach Kalifornien reiten und eine mörderische Spur hinter sich lassen, ist Morris ihnen einige Tage voraus und trifft in einem Trek den gesuchten Chemiker. Statt ihn an die Sisters Brothers auszuliefern, verfolgt er ganz eigene Ziele. Als die vier Männer aufeinander stoßen, geht es erst einmal um Leben oder Tod. Aber das Gold lockt...

John C. Reilly, Joaquin Phoenix und Jake Gyllenhaal | mehr Cast & Crew


The Sisters Brothers - Trailer




Filmkritik The Sisters Brothers

Filmwertung: | 7/10


Am Donnerstag dem 07.03.2018 startete ein neuer Western namens „The Sisters Brothers“ in den deutschen Kinos. Dieser kommt mit einer Starbesetzung daher, die sich sehen lässt. In den Hauptrollen werden die beiden Brüder von John C. Reilly und Joaquin Phoenix verkörpert. Das Nebendarstellerduo wird von Jake Gyllenhaal und Riz Ahmed gespielt, welche bereits in Nightcrawler gemeinsam vor der Kamera standen. Regie führt hier Jacques Audiard, der mit Filmen wie „Der Prophet“ oder „Der Geschmack von Rost und Knochen“ auch außerhalb Frankreichs größere Bekanntheit erlangte. Dies ist sein erster englischsprachiger Film und zugleich sein sperrigster, aber auch interessantester Streifen. Denn ist letztlich ein Genre-Mix eingebettet im Western, der mit einem merkwürdigen Erzähltempo, einer nicht geradlinigen Erzählweise und vielen ruhigen Momenten daher kommt, die den Film sehenswert und zugleich etwas anstrengend machen. Es ist sicherlich kein Film für Jedermann und auch wenn er prinzipiell gut bewertet ist, gibt es eine gewisse Diskrepanz zwischen den Kritiken und den Zuschauerbewertungen, die einen nicht verwundert, wenn man sich den Film angeschaut hat. Einen klassischen Western darf man hier nicht erwarten. Vielmehr bekommt man hier eine Charakterstudie über bestimmte Charaktere der damaligen Zeit (Mitte 19. Jahrhundert), die durchaus gelungen ist und seine tollen Momente hat. Leider sprang jedoch nicht gänzlich der Funke über, weswegen ein guter, aber kein herausragender Film am Ende herauskam.

Charlie Sisters (JOAQUIN PHOENIX) und Eli Sisters (JOHN C. REILLY) sind sich mal wieder uneinig, wo es lang gehen soll. (Magali Bragard 10)
Charlie Sisters (JOAQUIN PHOENIX) und Eli Sisters (JOHN C. REILLY) sind sich mal wieder uneinig, wo es lang gehen soll. (Magali Bragard 10) © Wild Bunch Germany
Die Story entfaltet sich langsam, aber beständig. Worum es hier wirklich geht, welche Charaktere eine Rolle spielen, in welcher Verbindung sie zueinander stehen und was das gemeinsame Ziel ist, wird einem Stück für Stück in den ersten 25 Minuten des Films näher gebracht. So erfährt man einiges über die Charaktere, sieht sie im Zusammenspiel und wird ein Stückchen in die dortige Welt miteingezogen. Dabei sind die Bilder und die Kulissen toll. Es wirkt alles greifbar, nicht aufgesetzt und schlichtweg natürlich. Es gibt hier kaum CGI, und wenn, dann ist es hervorragend eingesetzt. Zudem gibt es viele ruhige Momente, worin der Film auch seine Stärken hat. So gehören ein spannender Dialog zwischen den Brüdern in einer Bar sowie ein ruhiges emotionales Gespräch zwischen Riz Ahmeds Charakter mit Eli Sisters, gespielt von John C. Reilly, sicherlich zu den Höhepunkten des Films. Der Film ist überwiegend eine Tragikomödie. So gibt es einige witzige Szenen, sowie eher triste, aber auch spannende und actionreiche Szenen. Hier fehlt jedoch etwas die Balance sowohl im Erzähltempo als auch von der Tonalität des Films. So fiebert man wenig mit und beobachtet interessiert, wie das Ganze 2 Stunden lang vor sich hinplätschert. Das letzte Drittel ist der stärkste Teil des Films. Nichtsdestotrotz zieht sich der Streifen im zweiten Drittel, weswegen 20 Minuten kürzer den Film gut getan hätten.

Vorübergehender Waffenstillstand: Hermann Kermit Warm (RIZ AHMED), John Morris (JAKE GYLLENHAAL), Charlie Sisters (JOAQUIN PHOENIX) und Eli Sisters (JOHN C. REILLY) diskutieren am Lagerfeuer. (Magali Bragard 2)
Vorübergehender Waffenstillstand: Hermann Kermit Warm (RIZ AHMED), John Morris (JAKE GYLLENHAAL), Charlie Sisters (JOAQUIN PHOENIX) und Eli Sisters (JOHN C. REILLY) diskutieren am Lagerfeuer. (Magali Bragard 2) © Wild Bunch Germany
Die Darsteller sind sicherlich das Prunkstück des Films. Gyllenhaal spielt hier famos auf und zeigt seine wieder einmal eine hervorragende schauspielerische Leistung. Als verbissener und zielstrebiger Charakter, der seine eigenen Ziele verfolgt, bleibt Gyllenhaal über den ganzen Film hinweg sehr überzeugend. Es macht ohnehin viel Spaß solch einen Cast beim Zusammenspiel zu sehen. So bieten die Szenen zwischen Phoenix und Gyllenhaal sowie zwischen Phoenix und Reilly große Kinounterhaltung. Auch Joaquin Phoenix zeigt ein weiteres Mal seine facettenreichen Schauspielfähigkeiten auf der Kinoleinwand. Der lustige Trinker, eiskalte Mörder und kleine Bruder wird von ihm glaubhaft verkörpert. Phoenix spielt dies wieder einmal mit sehr viel Ausstrahlung und Charisma und zieht den Zuschauer in seinen Bann. Der heimliche Star des Films ist jedoch John C. Reilly. Meist in Komödien zu sehen und oft an der Seite von Will Ferrell, trumpft er hier in diesem Starensemble nun ganz groß auf. Der ältere, besonnene und erfahrene Bruder namens Charlie Sisters wird von John C. Reilly einfach großartig gespielt. Er passt einfach wie die Faust aufs Auge zu dieser Figur. Riz Ahmed komplettiert letztlich gelungen diesen herausragenden Cast. So sind es die Schauspieler und Charaktere, die die Handlung des Films auf den Schultern tragen. Denn hier geht es viel weniger um klassische Konflikte des Westerns, sondern überwiegend um die Charaktere und Probleme zu dieser Zeit. Angefangen vom Kapitalismus, dem Goldrausch sowie brutalen Auftragsmördern, aber auch Probleme wie schwierige Kindheit, ein strenger Vater und die Folgen davon, spielen eine Rolle in diesem Film. So ist The Sisters Brothers ein unausgewogener Film, der vielleicht in seiner Unausgewogenheit seine eigene Stärke wiederfindet. Ob man das wiederum mag und einen eher dysfunktionalen Film, was die Erzählweise der Geschichte angeht, schauen möchte, ist jedem selbst überlassen. Übrig bleibt am Ende definitiv ein sehenswerter Streifen.


Fazit:
The Sisters Brothers ist kein einfacher Film, der einem kurzweilige Abendunterhaltung bietet. Hier braucht man Sitzfleisch, Interesse an den Charakteren und ein Faible für untypisches Storytelling. Mit grandiosen Darstellern, tollem Set-Design und starken Bildern, aber einer zäh erzählten Handlung, bietet The Sisters Brothers gute Kinounterhaltung, die jedoch nicht einen vom Hocker reißt.
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Bilder © Wild Bunch