The Report

The Report (2019), USA
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Drama
Kinostart Deutschland: - Verleih: Amazon Studios

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The Report Filmplakat -> zur Filmkritik

Inhalt

Senatsmitarbeiter Daniel Jones (Adam Driver) erhält die entmutigende Aufgabe von seiner Vorgesetzten, Senatorin Dianne Feinstein (Annette Benning), Hintergrundinformationen über das geheime Detention and Interrogation Program der CIA zu recherchieren. Im Rahmen seiner Arbeit erhält er Einblick in die „erweiterten Verho?rtechniken“ der CIA, die nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 angewendet wurden, obwohl sie sich als brutal, unmoralisch und ineffektiv erwiesen haben. Wa?hrend Jones und der Senat versuchen die Ergebnisse der Untersuchung zu veröffentlichen, tun die CIA und das Weiße Haus alles, damit die Wahrheit nicht ans Licht kommen. | mehr Wissenswertes zum Film

Adam Driver, Annette Benning und Ted Levine | mehr Cast & Crew


The Report - Trailer




Filmkritik The Report

Filmwertung: | 8/10


2014 veröffentlichte der Geheimdienstausschuss des US-Senats nach jahrelanger Arbeit einen Untersuchungsbericht über die Foltermethoden der CIA, die in Folge der Terroranschläge des 11. September an Terrorverdächtigen angewandt wurden. Dieser 6.700 Seiten umfassende Bericht offenbarte, was die meisten politischen Beobachter wohl schon länger vermuteten: Dass unmenschliche Foltermethoden möglicherweise nicht effektiv sind und keine wesentlichen Ergebnisse hervorbringen. Doch darüber hinaus entlarvte der von Senatorin Dianne Feinstein beauftragte Bericht ein fehlerhaftes politisches System, das bis zur höchsten politischen Ebene Informationen verheimlichte oder gar verfälschte. Entsprechend aussagekräftig und wichtig war dieser beispiellose Bericht über politisches Missmanagement, der nun in „The Report“ packend dramatisiert wurde.

Der Film folgt dem jungen Senatsmitglied Daniel J. Jones (Adam Driver), der von Senatorin Dianne Feinstein (Annette Bening) zum Chef-Ermittler in der Untersuchung von über sechs Millionen CIA-Dokumenten ernannt wird, die deren jahrelange Inhaftierungs- und Verhörmethoden offenbaren. Bei seiner Analyse des Beweismaterials arbeitet er sich an zahlreichen Fällen der Anwendung von „erweiterten Befragungstechniken“ an festgenommenen Terrorverdächtigen ab, die aus Foltermethoden wie Waterboarding, Schlaf- und Essentzug, Hypothermie, Stresspositionen oder handgreifliche Gewalt in verschiedenen Formen bestanden. Dass für die Durchführung dieser Methoden zwei Psychologen einer externen Vertragsfirma verpflichtet wurden, die nur theoretische Erfahrung mit derartigen Maßnahmen hatten, ist nur eine der bemerkenswerten Enthüllungen von Jones. Dass sogar Präsident Bush ganz konkret angelogen wurde, eine weitere.

The Report - Adam Driver
The Report - Adam Driver © ATSUSHI NISHIJIMA
„The Report“ erweist sich zunächst als sehr didaktisch, kühl und trocken in seiner Erzählweise, baut dann aber einen packenden Sog auf, der bis zum Ende nicht loslässt. Burns nimmt den Zuschauer nicht an die Hand und konfrontiert ihn stattdessen mit dichten Dialogen und etwas unübersichtlichen Zeitsprüngen, auf die man sich erst mal einlassen muss. Sind die Figuren gerade so etabliert, spärlich umrissen und der Erzählrhythmus gefunden, offenbart sich die doch letztlich klare Struktur des Films. Burns gelingt es, die Recherchearbeit von Jones Team trotz (oder gerade wegen) aller nüchternen Authentizität spannend zu gestalten, jede neue Erkenntnis gebannt zu verfolgen. So konfrontiert er den Zuschauer mit einer Rückblendenstruktur, bei der sehr anschaulich gezeigt wird, mit welchen fragwürdigen Methoden man Erkenntnisse bei Verdächtigen gewinnen wollte. Bemerkenswert ist hier etwa eine Szene, die die ganz banal wirkende Powerpoint-Präsentation, anhand der die beiden Psychologen James Mitchell (James Hodge) und Bruce Jessen (T. Ryder Smith) ihre angeblich wissenschaftlich fundierten Befragungstechniken den CIA-Offiziellen präsentieren. Die Naivität und eventuelle Überforderung, die durch die nie dagewesene Dimension des Terrorismus bei den Verantwortlichen der US-Regierung ausgelöst wurde, kommt nicht nur hier anschaulich zum Vorschein.

So entlarvt „The Report“ nach und nach die lange nur bruchstückhaft über die Nachrichtenmedien vermittelten Foltermethoden mit distanzierter Klarheit, macht ein scheinbar undurchsichtiges politisches System auf enorm packende Weise nachvollziehbar. Burns zeigt ein herausragendes Gespür für die nahezu dokumentarische Schilderung der politischen wie investigativen Prozedere, wobei auf dramaturgische und reißerische Überhöhung völlig verzichtet wird. Das mag manchem Zuschauer eventuell zu trocken sein, jedoch ist es gerade diese eigentlich unfilmische Wahrhaftigkeit und völlige Klischeebefreitheit, die „The Report“ so besonders machen.

Senator Dianne Feinstein (Annette Bening)
Senator Dianne Feinstein (Annette Bening) © DCM
Dass Jones zunehmend auch von CIA-Offiziellen unterdrückt und verunglimpft wird, ergibt Potential zu formelhaften Paranoia-Thriller-Momenten, jedoch verzichtet Burns auf derartige Verkünstelung und lässt die Realität für sich sprechen. Auf Emotionalisierung oder Ergründung des Privatlebens seiner Hauptfigur verzichtet der Film dankbarerweise, wodurch sein erzählerischer Fokus stets unbetrübt bleibt. Gefühlsausbrüche oder explosive Auseinandersetzungen sucht man hier ebenfalls vergebens. Diese Herangehensweise hebt sich in ihrer Intelligenz deutlich vom Durchschnitt ab und sorgt letztlich für ein absolutes Hoch. Ein Vergleich mit Filmen wie „Spotlight“ liegt nahe, in jedem Fall erreicht Burns mit seinem Thriller ähnliches Niveau.

Ebenso zurückhaltend und auf den Punkt genau wie die Erzählung und Inszenierung sind auch die Darsteller. Adam Driver unterstreicht erneut mit großer Glaubwürdigkeit und Zurückhaltung seinen Status als neuer Ausnahmedarsteller, währen Annette Bening mit ihrer präzisen, nuancierten und schlicht perfekten Darstellung von Dianne Feinstein ihre nächste Oscar-Nominierung sicher haben sollte. Ein Highlight des Films ist auch die fabelhafte Dynamik zwischen den beiden Akteuren, bei der unausgesprochener gegenseitiger Respekt wirkungsvoll, aber subtil zur Geltung kommt.

The Report - Jon Hamm
The Report - Jon Hamm © ATSUSHI NISHIJIMA
Es ist bewundernswert, mit welcher kühlen Klarheit Scott Z. Burns bei „The Report“ vorgeht. Seine sich auf Fakten berufende und somit selbst journalistische Erzählung erweist sich als genau richtige Herangehensweise bei dieser Art von Film. Anders als die Beschuldigten agiert der Film nämlich nicht aus einer wütenden Emotion heraus, sondern mit der nüchternen Besonnenheit und wohlbedachten Zurückhaltung, die man sich auch in der Politik oftmals wünschen würde. Die Emotion überlässt Burns dann dem aufgeschlossenen Zuschauer, der angesichts dieser haarsträubenden Offenbarungen eigentlich nur wütend und ungläubig reagieren kann. „The Report“ ist so ein immens kraftvoller, hochintelligenter und entlarvender Film, der angesichts der gegenwärtigen politischen Situation kaum wichtiger sein könnte. Aber der Film ist auch allgemeingültig, denn er legt die wahre Komplexität politischer Machenschaften mit entwaffnender Glaubwürdigkeit bloß, zeigt, dass es in der realen Welt keine Schwarz-Weiß-Malerei gibt, nicht gab und niemals geben wird.


Fazit:
„The Report“ erweist sich als nüchtern, scharfsinnig und präzise beobachteter Bericht über politisches Missmanagement, der sich gerade durch seine realistische Klarheit enorm packend gestaltet. Regisseur und Autor Scott Z. Burns gelingt so ein enorm relevanter und zeitgemäßer Film, der mit seinen Enthüllungen schockiert und so zum filmischen Pflichtprogramm wird.
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Bilder © Amazon Studios


Info und Wissenswertes zum Film

THE REPORT, basiert auf dem im Dezember 2014 veröffentlichten, mehr als 500 seitigen Bericht des US-Senat Select Intelligence Committees, der ausführlich über die nach dem 11. September angewandeten Verhörungstaktiken der Häftlinge berichtete. Daniel Jones, ehemaliger FBI-Mitarbeiter und leitender Mitarbeiter des US-amerikanischen Senatsausschusses für Nachrichtendienste, enthüllte in seinem auf 6.700 Seiten langen Bericht die Foltermethoden der CIA, darunter Waterboarding, Hypothermie, verlängerte Isolation, sensorische Deprivation und „rektale Rehydration“.