The Lodge

The Lodge (2019), Großbritannien / Frankreich / USA
Laufzeit: - FSK: 16 - Genre: Horror / Thriller
Kinostart Deutschland: - Verleih: SquareOne Entertainment / 24 Bilder

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The Lodge Filmplakat -> zur Filmkritik

Inhalt

Der Journalist Richard beschließt, die Weihnachtsferien mit seinen beiden Kindern Mia und Aidan sowie seiner neuen Freundin Grace in seiner gemütlichen, verschneiten Waldhütte in den Bergen zu verbringen. Doch seine Kinder sind davon alles andere als begeistert: Sie trauen ihrer „zukünftigen Stiefmutter“ nicht über den Weg – und lassen sie das auch bei jeder Gelegenheit spüren. Als Richard beruflich für ein paar Tage in die Stadt fahren muss und seine Familie alleine in den Bergen zurücklässt, passieren jeden Tag neue, unheimliche Ereignisse, die Mia und Aidan in ihrer Meinung bestärken, dass mit Grace irgendetwas nicht stimmt. Und als die Geschwister dann auch noch äußerst grausamen Details aus Graces Kindheit auf die Spur kommen, beginnt ein zunehmend eskalierendes Katz-und-Maus-Spiel, das die Drei an die Grenzen des Wahnsinns – und hindurch – führt…

Richard Armitage, Riley Keough und Alicia Silverstone | mehr Cast & Crew


The Lodge - Trailer




Filmkritik The Lodge

Filmwertung: | 7/10


Richard (Richard Armitage) hat seine Frau Laura (Alicia Silverstone) für eine jüngere Freundin namens Grace (Riley Keough) verlassen. Die beiden Kinder aus erster Ehe Mia (Lia McHugh) und Aidan (Jaeden Martell) sind nicht überzeugt von der neuen Frau an der Seite ihres Vaters und bestrafen sie mit Nichtbeachtung. Um das Verhältnis aufzubessern, fahren sie über Weihnachten in eine abgelegene Hütte. Jedoch muss Richard vor den Feiertagen nochmal arbeiten, weshalb Grace mit den Kindern alleine in der Hütte ist. Eigentlich eine perfekte Zeit, um das Eis zu brechen, doch mysteriöse Dinge passieren und die dunkle Vergangenheit von Grace offenbart große Probleme.

Severin Fiala und Veronika Franz haben 2014 mit ihrem Spielfilmdebüt „Ich seh ich seh“ für Furore gesorgt. Der österreichische Film konnte vor allem mit gruseligen Zwillingen, harten Folterszenen und einem überraschenden Plot Twist glänzen. Nachdem die beiden Regisseure 2018 an einem Anthologie-Horrorfilm mitgearbeitet haben, der aber nicht gut von der Kritik aufgenommen wurde, möchten sie dieses Jahr wieder die Kritik und das Publikum in Ekstase versetzen. Dafür setzen sie vor allem auf junge aufstrebende Schauspieler in den Hauptrollen.

Grace (Riley Keough) wird mit ihrem früheren Leben konfrontiert
Grace (Riley Keough) wird mit ihrem früheren Leben konfrontiert © SquareOne Entertainment
Der bekannteste Name ist sicherlich Riley Keough, welche man durch „The House That Jack Built“ oder „It Comes at Night“ kennen könnte. Letzter ist auch ein kleinerer Horrorfilm, der in einer abgelegenen Hütte spielt. In „The Lodge“ steht ihre Rolle im Vordergrund. Grace ist eine normale junge Frau, die durch ein tragisches Ereignis in ihrer Kindheit immer noch nicht ohne Probleme im Leben stehen kann. Diese Rolle spielt Keough so gut, dass sie alle Schauspieler mitzieht. Insbesondere natürlich die beiden Kinderdarsteller Lia McHugh und Jaeden Martell. Lia McHugh offenbart sich als eine der Neuentdeckungen des Jahres. Wir können schon sehr gespannt sein, wie sie in dem Ende des Jahres erscheinenden „The Eternals“ aufspielen wird. In „The Lodge“ zeigt sie, dass in ihr großes Potential schlummert, welches vor allem in melancholischen Szenen immer wieder aufleuchtet. Jaeden Martell hingegen werden die meisten als Bill Denbrough aus „Es: Kapitel 1“ kennen. Auch in diesem Horrorfilm zeigt er wieder, dass er bereit ist für größere Rollen. Dies hat er auch schon Anfang des Jahres in „Knives Out“ bewiesen. Der restliche Cast fällt bei diesen drei grandiosen Hauptdarstellern etwas in den Hintergrund. Richard Armitage spielt die Rolle des Vaters durchaus gut, ebenso wie Alicia Silverstone die Rolle der Mutter. Jedoch besitzen beide zu wenig Screentime, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

Das Böse hat viele Gesichter
Das Böse hat viele Gesichter © SquareOne Entertainment
Einer der wichtigsten Aspekte in einem Horrorfilm ist die Atmosphäre, welche in „The Lodge“ an Ari Asters Horror-Meisterwerk „Hereditary“ erinnert. Auch „the Lodge“ behandelt Themen wie Familienprobleme und Verlust, genauso wie der Horrorfilm aus dem Jahr 2018. Weitere Parallelen kann man vor allem in den ersten Minuten des Filmes ziehen. Was in „Hereditary“ noch Miniaturen waren, ist in „The Lodge“ ein Puppenhaus.

Interessant ist im Film die Beziehung der drei Hauptfiguren dargestellt. Auf der einen Seite stehen die Geschwister Mia und Aiden, welche auf Distanz mit Grace gehen, während sie einfach nur Akzeptanz spüren möchte. Durch diese Nichtbeachtung entsteht aber ein Gefühl der Kälte und Leere. Man wird in einen Sog gezogen, der durch die geniale Kameraarbeit von Thimios Bakatakis verstärkt wird. Es entstehen nahezu hypnotische Bilder, die einem lange im Gedächtnis bleiben werden. Außerdem wird viel in Totalen gezeigt, was einen ganz eigenen Stil zustande bringt. Durch die, auf den Ohren brummende, Musik von den Komponisten Saunder Juriaans und Sylvain Lemaitre werden diese Bilder verstärkt und entfalten ihre komplette Wucht. Die ganze Cinematografie ist einfach atemberaubend.

Draußen lauert das Unbekannte
Draußen lauert das Unbekannte © SquareOne Entertainment
Während man an der Kamera, dem Schauspiel, dem ganzen Setdesign und der Musik gar nichts kritisieren kann, ist das bei dem Drehbuch nicht so. Die ganze Grundsituation an sich ist nämlich schon fragwürdig. Würde man seine Kinder mit einer labilen Frau, die offenkundig eine schwere Kindheit hatte, in einer abgelegenen Hütte irgendwo im nirgendwo alleine lassen und ausgerechnet ihr auch noch die einzige Waffe geben? Zu manchen Teilen wirkt die Geschichte leider zu konstruiert. Auch wirkt es so als, ob die Autoren auf der Jagd, nachdem nächsten großen Plot Twist waren. Als hätten sie den Twist aus „Ich seh ich seh“ übertreffen müssen, das gelingt jedoch zu keiner Sekunde. Zum Glück schafft es das Ende, diese Schwächen auszublenden, um dann doch zu funktionieren. Das Ende trifft nämlich wieder die richtige Mischung aus Brutalität, Skrupellosigkeit und Ironie.

Fazit:
„The Lodge“ ist ein unkonventioneller Horrorfilm, der mehr auf Mysteryelemente setzt als auf die immer gleichen Jumpscares. Leider schafft es der Film aber nicht frei von Logiklöchern zu sein, was aber anhand der grandiosen Darsteller und der allgemeinen Inszenierung nicht sonderlich ins Gewicht fällt. Jeder, der besonderen Arthouse-Horror mag, sollte dem Film eine Chance geben.
by Lukas Weinandy

Bilder © SquareOne Entertainment / 24 Bilder