The Killing of a Sacred Deer

The Killing of a Sacred Deer (2017), Großbritannien / Irland
Laufzeit: - FSK: 16 - Genre: Mysterie / Thriller
Kinostart Deutschland: - Verleih: Alamode

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The Killing of a Sacred Deer Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

Steven (Colin Farrell) ist ein erfolgreicher Herzchirurg und verheiratet mit der Augenärztin Anna (Nicole Kidman). Mit ihren beiden Kindern Bob und Kim leben sie in einem schönen Haus in einem idyllischen Vorort – eine perfekte Familie. Doch unter der makellosen Oberfläche beginnt es zu brodeln, als der 16-jährige Halbwaise Martin (Barry Keoghan) auftaucht. Der Teenager aus einfachen Verhältnissen freundet sich mit Steven an und versucht ihn mit seiner Mutter zu verkuppeln. Als sein Plan scheitert, belegt er Stevens Familie mit einem Fluch.

Colin Farrell, Nicole Kidman und Barry Keoghan | mehr Cast & Crew


The Killing of a Sacred Deer - Trailer




DVD und Blu-ray | The Killing of a Sacred Deer

Blu-ray
The Killing of a Sacred Deer The Killing of a Sacred Deer
Blu-ray Start:
04.05.2018
FSK: 16 - Laufzeit: 121 min.
The Killing of a Sacred Deer (Limited Edition Mediabook) The Killing of a Sacred Deer (Limited Edition Mediabook)
Blu-ray Start:
04.05.2018
FSK: 16 - Laufzeit: 121 min.
DVD
The Killing of a Sacred Deer The Killing of a Sacred Deer
DVD Start:
04.05.2018
FSK: 16 - Laufzeit: 116 min.

Filmkritik The Killing of a Sacred Deer

Filmwertung: | 4/10


Der 1973 in Athen geborene Filmregisseur Yorgos Lanthimos erlangte mit seinen rasch hintereinander gedrehten Filmen Dogtooth (2009) und Alpen (2011) schnell internationale Anerkennung auf den Filmfestivals und noch viel mehr unter den Filmkritikern. Jedoch erst mit dem vier Jahre später abgedrehten Werk The Lobster (2015) lieferte Lanthimos seinen ersten wahrhaft inszenatorisch ausgefeilten und würdigen Film ab, der zurecht auch auf den Internationalen Filmfestspielen von Cannes 2015 mit dem Preis der Jury ausgezeichnet wurde. Mit dem folgenden, nun vorliegenden The Killing of a Sacred Deer, eine Adaption der antiken Euripides-Tragödie Iphigenie in Aulis, erntete der griechische Kritikerliebling seit dessen Premiere in Cannes im Mai diesen Jahres bereits abermals und ausnahmslos die überschwänglichsten Lobeshymnen weltweit ein. Anders als noch The Lobster zeichnet sich dieser Film jedoch deutlich durch eine aufgesetzt und zusammengewürfelt wirkende Stilistik aus, die lediglich den Eindruck der Innovation zu erwecken sucht. Es ist deshalb schlichtweg auch nicht gerechtfertigt, Lanthimos zu den gegenwärtigen innovativen Größen des europäischen Autorenkinos zu zählen.

Nicole Kidman und Colin Farrell in The Killing of a Sacred Deer
Nicole Kidman und Colin Farrell in The Killing of a Sacred Deer © Alamode Film
Das Ehepaar Steven und Anna Murphy (Colin Farrell und Nicole Kidman) lebt mit den gemeinsamen Kindern Kim und Bob das gewöhnliche idyllische Spießbürgerleben in einer kleinen US-amerikanischen Vorstadt. Dem Luxus, den sich die Eltern als Ärzte leisten können, steht die bittere Armut des 16-jährigen Halbwaisen Martin und dessen Mutter gegenüber. Deren Vater und Ehemann kam während eines Eingriffs am Herzen ums Leben, als Steven ihn insgeheim in alkoholisiertem Zustande operierte. Steven freundet sich mit Martin an – vermutlich um seine Schuldgefühle zu neutralisieren – und bindet ihn in seine Familie ein. Martins zunächst nur manipulativen Fähigkeiten, die Murphys für sich zu vereinnahmen, steigern sich mit der Zeit zu paranormalen Kräften, die den kleinen Bob und später auch Kim der körperlichen Lähmung und dem Siechtum zuführen. Der Nemesis-Teenager verlangt schließlich von Familienvater Steven als Ausgleich für den verschuldeten Tod seines eigenen Vaters, ein Familienmitglied zu töten.

Martin (Barry Keoghan) und Kim (Raffey Cassidy)
Martin (Barry Keoghan) und Kim (Raffey Cassidy) © Alamode Film
Lanthimos reichert diese sehr simple Geschichte inszenatorisch mit diversen technischen und stilistischen Mitteln an, die in ihrem Zusammenspiel und im Gesamtergebnis problematisch sind. Das sich durch monumental wirkende Wände, Säulen und Fenster auszeichnende Setdesign schafft mit der kameratechnischen Unterstützung einer immer wiederkehrenden Froschperspektive und der vielen Totalen namentlich in den Innenräumen eine an das attische Theater erinnernde Dimension des Exuberanten und Gigantesken. The Killing of a Sacred Deer verhandelt somit nicht nur dramaturgisch, sondern auch stilistisch seine griechisch-antiken Wurzeln. Während jedoch bei vielen anderen Teilnehmern am diesjährigen Wettbewerb in Cannes – vor allem bei Andrey Zvyagintsev oder Robin Campillo – die stilistische Untermalung ihres Sujets den Eindruck der Sicherheit und Motiviertheit auf beeindruckende Weise einimpfte, sieht es bei Lanthimos leider so aus, als hätte sich ein obzwar begabter Regisseur mit einem Kameramann, Setdesigner und Filmkomponisten lediglich auf einem Spielplatz ausgetobt. Stilistische Aufgesetztheit und Überreizung sind hierfür der Preis, der es über weite Strecken des Films äußerst schwierig macht, dem Geschehen konzentriert und gespannt zu folgen.

Die Tatsache, dass The Killing of a Sacred Deer keinem bestimmten Genre, hierbei allenfalls noch dem Horrorthriller, zuordenbar ist, doch durch seine durchaus vorhandene und angenehme subtile Komik auch diese Lokalisierung wieder zerstört, ist eher abträglich als bereichernd. Letztlich zementiert sich nämlich der Eindruck, dass es nur um die Realisierung eines gewissen inszenatorischen Übergewichts des Regisseurs Lanthimos ging. Hiermit und um das Labeling Autorenkino begnügt sich der Film dann aber auch.

Steven (Colin Farrell) und Anna Murphy (Nicole Kidman)
Steven (Colin Farrell) und Anna Murphy (Nicole Kidman) © Alamode Film
Positiv zu würdigen ist an The Killing of a Sacred Deer das äußerst solide Schauspiel Colin Farrels und Nicole Kidmans. Steril und emotionslos werden die Dialoge der beiden Ärzte von den beiden Hollywoodstars aufgesagt, was wohl die allgemeine Kälte des Films und der porträtierten Welt unterstreichen soll. Auch das Spiel Barry Keroghans als Martin gelingt gut, wenn auch die ästhetische Inszenierung – namentlich das Make-Up – und die andauernde monotone Sprechweise der Figur über die lange Spielzeit von 121 Minuten eher anstrengend und nervtötend ist. Der insgesamt stark eigenwillige Stil des Films spiegelt sich somit auch und symptomatisch in dieser Figur wider, mit der das gesamte Werk im Grunde steht und fällt. Auch der Versuch, den besagten Iphigenie-Stoff in die heutige moderne Welt zu transportieren, ist durchaus löblich, ergibt für den Gesamteindruck des Films aber absolut kein Plus. Schlussendlich ist The Killing of a Sacred Deer ein Werbeprojekt für seinen Regisseur und Cast – ein weiterer ziemlich belangloser Film in der Vita des vermeintlichen Autorenfilmers Yorgos Lanthimos.


Fazit:
Stilistisch äußerst eigenwilliger und gewöhnungsbedürftiger Horrorthriller, der mit subtiler Komik und gutem Schauspiel zu überzeugen weiß, dessen pseudo-innovativer Gestus jedoch schnell entlarvt ist.
by

Bilder © Alamode