The Disaster Artist

The Disaster Artist (2017), USA
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Biographie / Komödie / Drama
Kinostart Deutschland: - Verleih: Warner Bros.

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The Disaster Artist Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

THE DISASTER ARTIST ist die wahre Geschichte des ambitionierten Filmemachers und berüchtigten Hollywood-Außenseiters Tommy Wiseau – eines Künstlers, der mit großer Leidenschaft zu Werke ging, dabei aber fragwürdige Methoden anwandte. Regisseur James Franco („As I Lay Dying“, „Child of God“) verwandelte die tragikomische Story in ein Loblied auf Freundschaft, künstlerische Selbstverwirklichung und Träume, die trotz unüberwindlicher Hürden Realität werden. Als Vorlage diente Greg Sesteros Enthüllungsbestseller über die Dreharbeiten zu Tommys Kult-Klassiker und „Desaster-Stück“ namens „The Room“ („der beste schlechte Film aller Zeiten“). THE DISASTER ARTIST erinnert uns auf urkomische Weise und sehr zeitgemäß daran, dass es durchaus verschiedene Wege gibt, um zur Legende zu werden: Was jemand erreichen kann, ist in dem Moment keinerlei Einschränkungen unterworfen, wenn er selbst absolut keine Ahnung von dem hat, was er da treibt.

James Franco, Dave Franco und Seth Rogen | mehr Cast & Crew


The Disaster Artist - Trailer




DVD und Blu-ray | The Disaster Artist

DVD
The Disaster Artist The Disaster Artist
DVD Start:
14.06.2018
FSK: 12 - Laufzeit: 99 min.

Filmkritik The Disaster Artist

Filmwertung: | 9/10


„The Room“ ist ein Film, der so einzigartig schlecht ist, dass man ihn einfach gesehen haben muss. Der 2003 veröffentlichte Film ist derart inkompetent von seinem mysteriösen Macher und Hauptdarsteller Tommy Wiseau gemacht, dass herkömmliche Worte kaum ausreichen, um ihn gebührend zu beschreiben. Das aus diesem Grund gerne als „Citizen Kane“ der schlechten Filme bezeichnete Beziehungsdrama darf gerne waschechter Kultfilm genannt werden, denn auch 15 Jahre nach seiner Entstehung finden weltweit Screenings mit sehr aktivem und teils sogar verkleidetem und mit Requisiten ausgestattetem Publikum statt, das jedes Wort mitsprechen kann. Mindestens genauso verblüffend absurd wie der hemmungslos schlecht gespielte und inszenierte Film ist jedoch auch seine wahnwitzige Entstehungsgeschichte, die von Co-Hauptdarsteller Greg Sestero und Journalist Tom Bissell erfolgreich in Sachbuchform unter dem Namen „The Disaster Artist“ verpackt wurde. Dieses Buch lieferte nun die Grundlage für James Francos gleichnamige Adaption, bei der er selbst in einer denkwürdigen und mit einem Golden Globe ausgezeichneten Performance in die Rolle des geheimnisvollen und sonderbaren Exzentrikers Tommy Wiseau schlüpft.

Sandy (Seth Rogen)
Sandy (Seth Rogen) © Warner Bros. Pictures
San Francisco, 1998: Greg Sestero (Dave Franco) ist ein 19-jähriger mit einem großen Traum: Er will die große Schauspielerkarriere machen. Echtes Talent konnte man noch nicht wirklich bei seinen teils kläglichen Bemühungen erkennen, jedoch arbeitet er hart an seinen bescheidenen Fähigkeiten. An der Schauspielschule trifft er auf den mit langer schwarzer Mähne, sonderbarem Kleidungsstil und noch eigenartigerem Akzent ausgestatteten Tommy Wiseau (James Franco), der ihn mit seiner überaus engagierten und furchtlosen One-Man-Show tief beeindruckt. Fortan entwickelt sich eine merkwürdige Freundschaft zwischen Sestero und dem sichtbar weit älteren Sonderling, dessen Geschwurbel nicht nur wegen seines kaum zuordnungsbaren Akzents nur schwierig zu verstehen ist. Seine Herkunft gibt Wiseau nicht preis, er behauptet nur absurderweise aus New Orleans zu stammen. Die beiden ungleichen Freunde entscheiden sich schließlich, ihr Glück in die Hand zu nehmen und in Los Angeles anzusiedeln, um zum großen Erfolg zu kommen – zu Sesteros Überraschung hat Wiseau nämlich auch dort schon jahrelang ein Appartement angemietet.

In L.A. angekommen dauert es tatsächlich nicht lange, bis Sestero eine Agentur gefunden hat, jedoch bleiben Jobs eher dünn gesät. Für Wiseau läuft es noch schlechter, denn sein vampirartiges Erscheinungsbild und sein sonderbarer Akzent machen ihn nicht gerade zum Besetzertraum. Frustriert treffen die beiden Glücklosen die Entscheidung dann eben ihren eigenen Film zu machen. Wiseau klemmt sich hinter die Schreibmaschine, bis er schließlich sein Opus Magnum „The Room“ vollendet hat. Herkömmliche Produktionswege spielen für den ahnungslosen Wiseau keine Rolle, anstatt Equipment zu mieten, kauft er gleich alles aus eigener Tasche – woher das Geld herkommt, ist genauso geheimnisvoll wie alles andere um Wiseaus Person. Nach einer Reihe absurder Casting-Sessions kann es schließlich losgehen und die mehr als turbulente Produktion des besten schlechten Films aller Zeiten beginnt…

Greg Sestero (Dave Franco) und Tommy Wiseau (James Franco)
Greg Sestero (Dave Franco) und Tommy Wiseau (James Franco) © Warner Bros. Pictures
Wenn man sich „The Room“ ansieht, muss man sich ständig die Frage stellen, wie es am laufenden Band zu derartig inkompetenten Inszenierungs-Entscheidungen, unfreiwillig urkomischen Dialogen und lachhaft amateurhaften Darstellungen kommen kann. Fast hat man das Gefühl, einem Außerirdischen zuzusehen, so sonderbar ist Wiseaus unerklärliche und seltsam magnetische Präsenz. Doch wie es auch schon einst bei Ed Wood der Fall war, man spürt jederzeit Wiseaus brennende Leidenschaft und seinen uneingeschränkten Glauben an seine eigene Großartigkeit. Genau das erkennt James Franco, der in einer herausragenden Performance Wiseau präzise kanalisiert und ohne herablassend zu wirken einen schreiend komischen Moment an den nächsten reiht. Natürlich hilft es, die reale Vorlage zu kennen, wenn man „The Disaster Artist“ sieht. Betrachtet man Francos Film ohne Vorkenntnisse könnte man nämlich meinen, dass er zu dick aufträgt, doch tatsächlich trifft Franco Wiseaus eigenartige Manierismen und besondere Sprechweise auf den Punkt.

Im Grunde handelt „The Disaster Artist“ zunächst von nichts anderem als von Träumern, die mit aller Leidenschaft groß rauskommen wollen. Anders als in herkömmlichen Erfolgsgeschichten ist der Witz hier natürlich, dass seine beiden Protagonisten völlig talentfrei sind. Franco inszeniert das unglaublich unterhaltsam, voller Erzählfreude und grandiosem, präzise beobachtetem Humor. Besonders für Kenner von „The Room“ und Wiseau ist „The Disaster Artist“ so ein echter Genuss, der von der ersten bis zur letzten Sekunde riesigen Spaß macht und immer wieder für sehr große Lacher sorgt. Doch auch für alle anderen Zuschauer sollte „The Disaster Artist“ als unglaubliche wahre Geschichte gut funktionieren. Das liegt nicht nur an seiner fabelhaften Situationskomik, sondern auch an der Tatsache, dass Franco seinen Film und auch die von ihm portraitierte Hauptfigur mit der richtigen Portion Herz und menschlicher Dimension ausstattet. So ist sein Wiseau nicht einfach nur eine anziehende und urkomische, sondern auch überraschend liebenswerte Präsenz.

Greg (Dave Franco)
Greg (Dave Franco) © Warner Bros. Pictures
Im Grunde erzählen Franco und seine Drehbuchautoren Scott Neustadter und Michael H. Weber diese Geschichte präzise nach, ohne je überheblich zu wirken oder gar zur Parodie auszuholen. Damit bewegt sich „The Disaster Artist“ in einer ähnlichen Liga wie Tim Burtons Meisterwerk „Ed Wood“, der die komischen Eigenarten seiner Hauptfigur versteht, aber sich nie über sie lustig macht. Letztlich handelt der Film eben auch von dem künstlerischen Akt bzw. dem kreative Prozess, ungeachtet dessen, wie schlecht das Endergebnis dieser Mühen auch sein mag. Der Film erreicht immer wieder eine nahezu dokumentarische Qualität, wenn er präzise und authentisch das unglaubliche Hinter-den-Kulissen-Material darstellt. Dass Franco und seine beiden Autoren zugleich aber auch die ungewöhnliche Freundschaft zwischen Wiseau und Sestero mit feinen zwischenmenschlichen Tönen in den Mittelpunkt rückt, gibt diesem überraschend facettenreichen Film eine weitere besondere Note. So ist „The Disaster Artist“ vordergründig ein sehr, sehr lustiger und unterhaltsamer, aber eben auch überraschend einsichtsreicher, subtil berührender und, ja sogar inspirierender Film geworden. Denn man mag über „The Room“ sagen was man will, aber Wiseau hat sich spätestens jetzt unsterblich gemacht und es damit weiter gebracht wie viele andere Träumer.


Fazit:
„The Disaster Artist“ erweist sich als enorm komische, aber auch geist- und facettenreiche Entstehungsgesichte zu einem der schlechtesten Filme aller Zeiten. Als Regisseur gelingt Franco so ein herrlich unterhaltsamer und spritziger Film, der eine feine Balance zwischen der gezeigten Absurdität und unterschwelliger Menschlichkeit findet. Als Darsteller brilliert Franco zudem mit einer denkwürdig magnetischen, empathischen und sehr, sehr lustigen Darstellung als titelgebender „Disaster Artist“ Tommy Wiseau.
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Bilder © Warner Bros.