Taxi Teheran

Taxi Teheran (2015), Iran
Laufzeit: - FSK: 0 - Genre: Drama / Komödie / Dokumentation
Kinostart Deutschland: - Verleih: Weltkino Filmverleih GmbH

Taxi Teheran Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

Ein Taxi fährt durch die lebhaften Straßen Teherans. Die wechselnden Fahrgäste erzählen freimütig, was sie umtreibt: ein Filmschmuggler vertickt die neueste Staffel von „The Walking Dead“ und Filme von Woody Allen, zwei alte Frauen wollen Goldfische in einer Quelle aussetzen und ein vorlautes kleines Mädchen erklärt ihren Anspruch auf Frappuccino und ihre Nöte beim Verwirklichen eines Kurzfilmprojekts für die Schule. Am Steuer sitzt der Regisseur selbst, der 2010 wegen „Propaganda gegen das System“ zu einem 20-jährigen Berufsverbot verurteilt wurde, und nun geheimnisvoll lächelnd einen neuen Film kreiert. Denn eine auf dem Armaturenbrett versteckte Kamera hält alles fest...

Mit viel Herz und Humor zeichnet Jafar Panahi ein liebevolles Porträt der Menschen in seiner Heimat und schafft damit einen hoffnungsvollen Kontrast zu den üblichen negativen Nachrichtenmeldungen. Dabei verbindet er mit Leichtigkeit Gesellschaftskritik und Komödie und denkt nebenbei geschickt über die Möglichkeiten des Kinos nach. Der Gewinner der diesjährigen Berlinale ist intelligent und unterhaltsam zugleich und zeigt, was Kino selbst unter ärgsten Restriktionen zu sein vermag.


Jafar Panahi, | mehr Cast & Crew


DVD und Blu-ray | Taxi Teheran

Blu-ray
Taxi Teheran Taxi Teheran
Blu-ray Start:
29.01.2016
FSK: 12 - Laufzeit: 82 min.
DVD
Taxi Teheran Taxi Teheran
DVD Start:
29.01.2016
FSK: 12 - Laufzeit: 79 min.
Taxi Teheran (Special Edition) Taxi Teheran (Special Edition)
DVD Start:
29.01.2016
FSK: 12 - Laufzeit: 79 min.

Filmkritik Taxi Teheran

Filmwertung: | 8/10


Das Wort „mutig“ wird häufig viel zu leichtfertig verliehen, um Filmemacher zu loben. In dem Kontext meint man normalerweise Filme, die etwa Konventionen und gängige Regeln sprengen. Was Jafar Panahi mit seinem neuen Film „Taxi Teheran“ geschaffen hat, übersteigt das übliche Verständnis dieses Begriffs „mutig“ aber bei weitem: Dem neben Abbas Kiarostami wohl bekanntesten iranischen Filmemacher ist es seit einigen Jahren aufgrund in und außerhalb seiner Filme offen ausgesprochenen Kritik an dem totalitären Gottesstaat Iran verboten seinem Beruf nachzugehen und das Land zu verlassen. Nach weltweiten Protesten gegen diese Entscheidung und einem Hungerstreik Panahis hat der Regisseur sich mit größtmöglicher Macht widersetzt und „Taxi Teheran“ geheim gedreht und den Film auf einem USB-Stick zur Berlinale geschickt. Der Lohn: Der goldene Bär für den besten Film, eine Ehre, die Panahi aber nicht persönlich entgegennehmen konnte. So setzte die Jury um Darren Aronofsky natürlich ein unmissverständliches politisches Statement, doch wer bei „Taxi“ einen schwerfälligen Themen-Film erwartet, wird angenehm überrascht sein.

Panahi gelingt tatsächlich ein in seiner filmischen Form besonderes Werk, das nicht allein durch die Umstände seiner Entstehung und gesellschaftlich relevante Thematik außergewöhnlich ist. Der Film spielt sich ausschließlich im Innern eines Taxis ab, das sich durch die lebendigen Straßen Teherans bewegt. Am Steuer des Taxis sitzt niemand geringeres als Jafar Panahi selbst, der auf seiner Odyssee die unterschiedlichsten Fahrgäste mitnimmt, die den Facettenreichtum der iranischen Bevölkerung personifizieren. Es steigen Fremde, Freunde und Verwandte ins Auto, teilweise sind das Laienschauspieler, aber auch Menschen, die Panahi persönlich kennt und sich selbst spielen. Aufgezeichnet wird das alles mit handelsüblichen Kleinstkameras, die an nur wenigen Stellen im Taxi installiert sind, teilweise kommen sogar Handykameras oder Digitalkameras der Passagiere zum Einsatz.

„Taxi Teheran“ ist ein ruhiger, unaufgeregter, erstaunlich leichtfüßiger und gelegentlich humorvoller Film, der ohne herkömmliche Drei-Akt-Struktur und große dramatischen Momente auskommt. Umso beachtlicher ist die Tatsache, dass Panahi in der ziemlich kurzen Laufzeit von 82 Minuten auf meist subtile Weise und mit bemerkenswerter Leichtigkeit einen kaleidoskopartigen und überaus menschlichen Blick auf das moderne iranische Leben wirft. Die Leute erzählen und diskutieren, Panahi beobachtet, hört zu und bleibt als Charakter eher passiv. Die Passagiere fungieren quasi als Spiegel für Panahi und seinen kritischen Blick auf das Land. Es ergibt sich ein vielschichtiges und komplexes Portrait einer Bevölkerung zwischen Tradition und Moderne, Jung und Alt, Rationalität und Irrationalität.

So entfacht sich unter den ersten Fahrgästen eine Debatte über die erschreckende Leichtfertigkeit, mit der im Iran die Todesstrafe für Bagatelldelikte ausgesprochen wird. Ein weiterer Passagier ist Raubkopierer und sieht seine große Aufgabe darin, verbotene ausländische Filme und Serien, etwa „The Big Bang Theory“ oder „The Walking Dead“ oder Woody Allen-Filme, unter dem Volk zu verteilen. Zwei abergläubische ältere Damen müssen unbedingt um Punkt 12 eine bestimmte Quelle erreichen, um dort zwei Goldfische ins Wasser zu lassen, die sie dort vor genau einem Jahr aufgenommen haben. Bemerkenswert ist die Episode mit Panahis junger Nichte, die für ein Schulprojekt einen Kurzfilm drehen muss. Sie berichtet von den im Iran vorherrschenden Zensurrichtlinien, die den Schülern vorgegeben werden, um einen Film zeigen zu können: „Keine Gewalt, keine Schwarzmalerei, keine Berührung zwischen Mann und Frau, keine politischen und wirtschaftlichen Themen, der islamische Schleier muss getragen werden, die Guten dürfen keine Krawatten und keine persischen Namen tragen.“ Hier wird eine Ideologie vorgegeben, die für westliche Zuschauer in ihrer Absurdität kaum zu glauben ist. Später steigt die bekannte Regimekritikerin und Anwältin Nasrin Sotudeh ins Taxi und erzählt im vielleicht bewegendsten Moment des Films von ihrem und Panahis Kampf gegen die von ihrem Heimatland ausgeübte Unterdrückung.

Panahi zeigt also eine große Breite an konfliktreichen Themen und es gelingt ihm meisterlich, den Film leichtfüßig und unaufdringlich zu gestalten. Er präsentiert die gegenwärtige Situation sachlich, ohne erhobenen Zeigefinger und erzwungen wirkende Aussage. Viel mehr lässt er den Film als solcher wirken, ohne Konflikte künstlich lösen zu wollen. Da „Taxi Teheran“ keinerlei Konventionen folgt, mit immer neuen Passagieren und damit Themen aufwartet und stets in Bewegung bleibt, ist der Film durchgehend unterhaltsam, abwechslungsreich und völlig unvorhersehbar. Mit einem subtilen und sehr besonderen Schlusspunkt und persönlichem Statement lässt Panahi den Zuschauer schließlich nachdenklich und sprachlos zurück.

Der Dokudrama-Realismus geht vielleicht nicht immer ganz auf, da die Situationen und Konversationen nur selten ungestellt wirken. Besonders eine Episode mit einem schwer verletzten Fahrgast wirkt übertrieben gezeichnet und bringt den Zuschauer daher etwas aus dem zuvor sehr glaubwürdigen und dokumentarisch wirkenden Geschehen. Das rührt auch daher, dass die Themen der Unterhaltungen auch sehr unmissverständlich immer jeweils eine Aussage verfolgen. Doch hier muss man einfach die Umstände des Films und von Panahi in Erwägung ziehen. Der Film fasziniert fast alleine schon durch die Tatsache, dass er existiert, da kann man einen Mangel an Dramatik und kleine filmische Schwächen leicht verschmerzen. Dafür ist der Film zu vital, geistreich, intelligent und humorvoll. Und er eröffnet dem westlichen Zuschauer einen leicht zugänglichen Blick auf ein überraschend weniger fremdartiges und damit menschliches Iran als vielleicht erwartet. Ein unbedingt sehenswerter, schlichtweg außergewöhnlicher Film eines wirklich mutigen Mannes.


Fazit:
Der Berlinale-Gewinner „Taxi Teheran“ ist weit mehr als ein Film und auch mehr als ein reiner politischer Film. Mit beachtlicher Leichtigkeit und Menschlichkeit zerlegt Jafar Panahi die Missstände des iranischen Unterdrücker-Regimes in einem formal außergewöhnlichen Werk
by

Bilder © Weltkino Filmverleih GmbH


Cast und Crew

Darsteller:
Jafar Panahi

Regisseur:
Jafar Panahi

Produzent:
Jafar Panahi

Drehbuch:
Jafar Panahi