Suicide Tourist

Selvmordsturisten (2019), Dänemark / Norwegen / Deutschland
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Mysterie / Drama
Kinostart Deutschland: - Verleih: DCM

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Suicide Tourist Filmplakat -> zur Filmkritik

Inhalt

Versicherungsmakler Max (Nikolaj Coster-Waldau) erhält einen überraschenden Anruf seiner früheren Kundin Alice (Sonja Richter), die den Tod ihres Mannes Arthur aufdecken möchte, um endlich seine Lebensversicherung in Anspruch nehmen zu können. Bei seiner Recherche stößt Max auf das mysteriöse „Aurora“ Hotel, mit dem Arthur anscheinend Kontakt hatte. Ein Hotel, das sich auf geplante und betreute Suizide spezialisiert hat. Max, der mitten in einer Existenzkrise steckt, beginnt seine eigene Wahrnehmung der Wirklichkeit in Frage zu stellen. Ist der Tod der einzige Weg raus aus dem Hotel?

Nikolaj Coster-Waldau, Tuva Novotny und Sonja Richter | mehr Cast & Crew


Suicide Tourist - Trailer




Filmkritik Suicide Tourist

Filmwertung: | 8/10


Die Kinos eröffnen endlich wieder und bringen am heutigen 02. Juli einen dänischen Film auf die Leinwand. In „Suicide Tourist“ geht es um einen Versicherungsvertreter, dessen Tumor im Kopf immer größer wird. Nachdem er ein paar mal versucht hat sich selbst das Leben zu nehmen, kommt er über eine Klientin an ein Sterbehilfeprogramm. Er beschließt sich dort anzumelden, jedoch ist die oberste Regel: Wer einmal unterschrieben hat, bleibt auch dort im Suizidhotel. Max nimmt uns mit auf seine letzte Reise.

Der 89 Minuten lange Film nimmt den Zuschauer mit auf eine langsame, sinnlich inszenierte Geschichte, die zwangsläufig auf ein finales Atmen hinausläuft. Die atemberaubenden Bilder der dänischen Wildnis und der graue, dunkle Stil des Films schaffen es, die Melancholie widerzuspiegeln und auf den Zuschauer zu übertragen. Auch wenn die Hauptfigur Max ein sehr schweigsamer Alleingänger ist, schafft es der Film dennoch die Empathie ganz oben zu halten und einer Mischung aus Trauer und Erleichterung Freiraum zu geben. Dieser Streifen ist sicherlich kein Feel-Good-Movie, aber auch nicht ganz so bedrückend, wie zum Beispiel „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“.

Max (Nikolaj Coster-Waldau)
Max (Nikolaj Coster-Waldau) © Andreas Schlieter / DCM
Dabei wird der Film von einem Schauspieler getragen, der sich vor allem in der dänischen Kinolandschaft etablieren konnte: Nikolaj Coster-Waldau. Dieser dürfte der Allgemeinheit wohl am besten als Jamie Lannister aus der HBO-Erfolgsserie „Game of Thrones“ bekannt sein. Für Seriendarsteller ist es immer schwer sich im Kino zu etablieren und es heißt immer salopp, dass George Clooney der Einzige sei, der das jemals erfolgreich geschafft habe. Coster-Waldau hat diesen Sprung jedoch ebenfalls mit einem kleinen Trick absolviert. Er spielt hauptsächlich in dänischen Produktionen mit und tastet sich so langsam wieder vor. Dabei ist er mittlerweile einer der größten dänischen Filmstars. Sein Schauspiel trägt den Film und kann das auch. Mit meistens wenigen, kleinen Nuancen im Gesicht reichen vollkommen aus, um den Charakter zu definieren.

Die dänische Kinolandschaft ist ohnehin eine, die es sich zu merken lohnt. Vor allem in den letzten Jahren ist diese vielseitig und mit einigen sehr guten Filmen ausgestattet. Vor allem im Genre der Tragödie kann das kleine Land punkten. Hier kann sich die deutsche Filmbranche noch so einiges abschneiden. Die Thematik der Sterbehilfe wird in den letzten Jahren in Deutschland häufiger diskutiert, wodurch dem Film eine weitere, gänzlich neue Ebene verliehen wird.

Max (Nikolaj Coster-Waldau) & Laerke (Tuva Novotny) im Restaurant
Max (Nikolaj Coster-Waldau) & Laerke (Tuva Novotny) im Restaurant © Andreas Schlieter / DCM
Bei all dem Lob, welches der Film bis jetzt von mir bekommen hat, muss man aber auch das Negative ansprechen. Der Film scheint einen Plot Twist haben zu müssen. Denn während die ersten 70 Minuten eine faszinierende Achterbahnfahrt der Gefühle ist, wirkt der Plot Twist aufgedrückt und absolut unnötig. Das Ende hinterlässt einen dadurch auch unbefriedigt und verwirrt, was dem Ganzen wirklich nicht zuträglich ist. Regisseur Jonas Alexander Arnby, der 2014 bereits mit dem Film „When Animals Dream“ überzeugen konnte, scheint eine Art Genrebruch herbeirufen zu wollen, was in meinen Augen absolut nicht funktioniert. Dennoch sind die ersten 70 Minuten ein wirklicher Genuss.

Fazit:
Alles in allem ist „Suicide Tourist“ eine spannende Abwandlung der Blaupause für eine melancholische Sterbetragödie. Mit faszinierender Farbgebung und wunderbaren, nordischen Kulissen ist er eine Augenweide für den Zuschauer. Nikolai Coster-Waldau weiß wie man mit kleinen Gesten und minimaler Mimik einen ganzen Film tragen kann, der vom Schauspiel lebt. Trotz der ruhigen Art des Protagonisten bekommt der Zuschauer ein Wechselbad der Gefühle geliefert und einen Film, der vor allem in der aktuellen Sterbehilfedebatte in Deutschland wichtig ist. Ein Film, den man sich unbedingt anschauen sollte, der aber definitiv nichts zur stumpfen Unterhaltung ist.
by Jan Welsch

Bilder © DCM