Steve Jobs

Steve Jobs (2015), USA
Laufzeit: - FSK: 6 - Genre: Biographie
Kinostart Deutschland: - Verleih: Universal Pictures Intl.

-> Trailer anschauen

Steve Jobs Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

Seine Vision veränderte die Welt und trieb ihn fast in den Ruin: der Entwurf und Bau eines Computers für jedermann. Über die ersten Anfänge, die Entwicklung des legendären, alles revolutionierenden Macintosh, bis hin zum Neuanfang mit dem iMac im Jahr 1998, nimmt uns STEVE JOBS mit ins Epizentrum der digitalen Revolution und zeichnet zugleich das vielschichtige Portrait eines ihrer brillantesten Köpfe.

Michael Fassbender, Kate Winslet und Seth Rogen | mehr Cast & Crew


Steve Jobs - Trailer


Steve Jobs - Trailer


DVD und Blu-ray | Steve Jobs

Blu-ray
Steve Jobs Steve Jobs
Blu-ray Start:
24.03.2016
FSK: 6 - Laufzeit: 122 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Steve Jobs Steve Jobs
DVD Start:
24.03.2016
FSK: 6 - Laufzeit: 117 min.

Filmkritik Steve Jobs

Filmwertung: | 9/10


Es darf diskutiert werden, dass keine historische Persönlichkeit der letzten 30 Jahre unser tägliches Leben so entscheidend beeinflusst hat wie Steve Jobs. Man kann durchaus annehmen, dass ohne Jobs solch mittlerweile profanen Dinge wie Computer, MP3-Player, Musikdownloads und natürlich Smartphones heute unseren Alltag nicht so prägen, vielleicht nicht mal in dieser Ausprägung existieren würden. Sogar Pixar darf man zu großen Teilen Jobs Engagement verdanken. Von vielen Anhängern auf oft nahezu kultische Weise verehrt, gilt Jobs als moderner Leonardo Da Vinci, als brillanter Innovator, scharfsinniger Geschäftsmann, aber auch rücksichtsloser, egoistischer, kalkulierter und letztlich gefürchteter Anführer, der zur Umsetzung seiner Visionen über Leichen ging. Jobs war vor allem eins: Ein Marketing-Genie, das so gut wie kaum ein anderer einen Mythos aufbauen konnte, teilweise bestehende Technologien nutzte und so geschickt verpacken und optimieren ließ, dass sie massenkompatibel wurden. Man kann von ihm und dem beängstigenden Apple-Hype halten was man will, doch der Apple-Gründer war zweifelsohne eine faszinierende und komplexe Persönlichkeit. Das bietet natürlich reichhaltigen Stoff für ein starkes Charakterdrama, wie es Danny Boyle und Autor Aaron Sorkin hier präsentieren. Ausgestattet mit einer Weltklasse-Besetzung um den großartigen Michael Fassbender, ist „Steve Jobs“ ungemein vitales, intelligentes und packendes Schauspielerkino, das wunderbar auch auf filmischer Ebene funktioniert.

Wie schon in „The Social Network“ beleuchtet Autorengenie Aaron Sorkin hier einen narzisstischen Einzelgänger und Querdenker, einen Visionär, der auf dem ihm vorbestimmten Weg zur Größe sein direktes Umfeld von sich entfremdet. Die Parallelen zu David Finchers Meisterwerk über die Gründung des größtes sozialen Netzwerks sind so in der Tat stark spürbar (Fincher war übrigens die erste Wahl bei der Regie-Besetzung), doch „Steve Jobs“ grenzt sich besonders durch seine ungewöhnliche Struktur von „The Social Network“ und herkömmlichen Biopics ab (wobei „The Social Network“ natürlich kein typisches Biopic ist). „Steve Jobs“ ist letztlich alles andere als eine traditionelle Filmbiografie, sondern viel mehr ein Profil des Apple-Gründers. Der Film spielt sich in drei Einzelszenen ab, die jeweils einen Akt einnehmen: Jeder dieser Akte spielt unmittelbar vor einschneidenden Produktvorstellungen von Jobs, verteilt über einen Zeitraum von 14 Jahren (1984 Macintosh, 1988 NeXT, 1998 iMac) . Das ist eine unorthodoxe und gewagte Herangehensweise, das Endresultat könnte jedoch nicht magnetischer und elektrisierender sein. Sorkin, der ohne Zweifel zu den allerfeinsten Drehbuchautoren der Gegenwart gehört, hat hier eine weitere meisterhafte Vorlage geschaffen, die Boyle makellos umgesetzt hat.

Im Mittelpunkt steht der überragende Michael Fassbender, der Steve Jobs beängstigend gut verkörpert. Im Vorfeld wurde viel über die mangelnde Ähnlichkeit von Fassbender zu seiner realen Vorlage geschrieben und in der Tat tut man sich schwer, Jobs in dem Deutsch-Iren rein optisch zu sehen. Doch das ist letztlich nebensächlich, denn Fassbender verschwindet in seiner Rolle, wird eins mit ihm. Das ist ganz große Schauspielkunst und sicher eine der besten Darstellungen 2015. Eine Oscar-Nominierung sollte Fassbender nicht zu nehmen sein, ein Gewinn der Trophäe ist sogar nicht unwahrscheinlich. Er ist das magnetische Zentrum des Films, man kann seine Augen nicht von ihm nehmen, so lebhaft in Gestik und Mimik ist er. Man kauft ihm ab, dass in ihm ein für Außenstehende nur schwer verständlicher genialer Verstand tickt, der anderen einfach meilenweit voraus ist. Sorkins einzigartige Sprache beherrscht er nicht nur problemlos, er meistert sie scheinbar mühelos. Sein Jobs ist hochkomplex gezeichnet, nach außen hin ist er meistens ein egomanisches Monster, in Fassbenders Augen erkennt man aber immer wieder eine grundlegende Menschlichkeit und ein unterdrücktes Gefühlsleben, Eigenschaften, die meistens jedoch unterdrückt scheinen. Hinzu kreiert er natürlich eine geistreiche, charmante und oft sehr trockene, humorvolle Präsenz, die verständlich macht, warum man Jobs so blind gefolgt ist. Seine grausame und einschüchternde Art bringt Fassbender ebenso glaubhaft rüber. Spätestens im dritten Akt, wenn er Jobs ikonisches Aussehen inklusive schwarzem Rollkragenpullover, runder Brille und grauen Haaren annimmt, glaubt man fast den echten Jobs zu sehen. Bei Fassbenders nun sehr beeindruckender Filmografie fällt es schwer, eine beste Darstellung hervorzuheben, man denke nur an „Shame“, „12 Years a Slave“, „Macbeth“ oder sein kleiner, aber sehr feiner Auftritt in „Inglourious Basterds“, doch sein Steve Jobs könnte seine bisherige Meisterleistung darstellen.
Unterstützt wird Fassbender von einer bestechenden Riege sehr unterschiedlicher Top-Darsteller. Da wäre zum einen die fabelhafte Kate Winslet als Joanna Hoffman, Jobs Marketing-Chefin und Vertraute. Sie ist so etwas wie seine rechte Hand, die ihn wie niemand anderes kennt und alles versucht, ihn auf dem rechten Pfad zu halten, ihm auch mal ihre Meinung sagt. Winslet gibt ihrer Darstellung eine glaubhafte Professionalität und Stärke, die aber ganz entscheidend durch subtile Emotionalität unterstrichen wird. Ebenso beeindruckend, da für viele sicher überraschend ist der primär auf Komikerrollen abonnierte Seth Rogen. Er spielt Steve Wozniak, der mit Jobs quasi die Basis für das Unternehmen Apple bildete. Er war das technische Genie hinter dem Erfolg des Unternehmens, sein Apple II Computer war für viele Jahre Apples Verkaufsschlager und einer der entscheidenden Wegbereiter moderner PCs. Die Grundlage für den Streit zwischen den beiden Männern war die unterschiedliche Philosophie: Jobs wollte einen geschlossen Computer, der nicht erweiterbar war, Wozniak glaubte an offene Computer-Bauweise. Seine Beziehung zu Jobs ist einer der Fokuspunkte in „Steve Jobs“. Vor jeder Präsentation fordert „Woz“ Jobs auf, das Team um Apple II in seiner Vorstellung zu würdigen, womit er jedoch auf Granit zu beißen scheint, denn für Jobs steht nur die eigene Selbstdarstellung und sein visionäres neues Produkt im Mittelpunkt. Die Diskussionen zwischen Jobs und Wozniak geben dem Film viel Feuer und Energie, Rogen spielt mit viel Herz und bildet so den emotionalen Gegenpol zu dem scheinbar kalten Jobs. Rogen ist so gut, dass man sehr gerne noch mehr von ihm sehen will, er ist hundert Prozent glaubwürdig, seine verletzte Darstellung berührt. Ganz großartig ist auch der immer verlässliche Allrounder Jeff Daniels, der Apples ehemaligen CEO John Sculley spielt. Sculley war von 1983 bis 1993 Vorstand von Apple, die zunehmende Gegensätzlichkeit in ihren Ansichten und der Flop des Macintosh führten dazu, dass er Jobs 1985 entlassen musste. Ihre Konversationen und besonders hitzigen Diskussionen sind meisterhaft gespielt und inszeniert (Boyle nutzt eine besonders effektive Rückblendentechnik). Sie deuten eine sehr komplexe Beziehung der beiden Männer an. Sculley, ein anerkanntes Marketing-Genie und ehemaliger Chef von Pepsi-Cola, galt als das geerdete Fundament bei Apple und keiner könnte eine solche Figur wohl besser darstellen als der wunderbar nuancierte Daniels. Ihr Zerwürfnis bietet viel dramatisches Potential und bildet neben dem Wozniak-Strang die stärksten Momente des Films. Daniels und Fassbender sind großartig darin, den unterschwelligen gegenseitigen Respekt und eigentliche Freundschaft trotz aller Differenzen spürbar zu machen. Dass Sculley und Jobs in der Realität nach der Entlassung nie wieder miteinander sprachen, ist in der Realität des Films letztlich nebensächlich. Auch Michael Stuhlbarg, der Andy Hertzfeld, ein weiterer Computer-Magier im Hintergrund von Apple spielt, hinterlässt einen starken Eindruck.

Die Ähnlichkeiten zu „The Social Network“ sind wie schon erwähnt nicht von der Hand zu weisen. Nicht nur thematisch erinnert der Film an den Facebook-Film, auch stilistisch fühlt sich „Steve Jobs“ ähnlich an, nicht unentscheidend natürlich wegen der besonderen Sorkin-Sprache. Doch wo bei Fincher eine düstere und gewohnt trockene Wolke über allem schwebt, setzt Danny Boyle einen betonten Fokus auf die menschlichen Elemente des Materials. Das ganz offensichtliche Herz des Films ist so Jobs Beziehung zu seiner Tochter Lisa, die er zunächst trotz positivem Vaterschaftstest nicht als sein Kind akzeptiert hat. Auch mit ihr gibt es vor jeder Präsentation ein Aufeinandertreffen. In diesen Momenten offenbart sich am ehesten Jobs Menschlichkeit, hier wird ein erzählerischer Bogen gespannt, der in einem wunderbaren und subtil bewegenden Ende mündet. Danny Boyle, der als besonders verspielter und sehr visueller und energetischer Filmemacher bekannt ist, nimmt sich in „Steve Jobs“ auffallend zurück. Seine Inszenierung ist fast ganz und gar auf Aaron Sorkins Drehbuch und seine Schauspieler fokussiert, die er glänzend in Szene setzt. Boyles Handschrift ist zum ersten Mal in seiner Karriere kaum zu erkennen, zum ersten Mal führte er auch interessanterweise Regie bei einem Projekt, das er nicht selbst von Beginn an mitentwickelt hat. Das ist spürbar, aber auch kein Kritikpunkt, denn „Steve Jobs“ wirkt so zwar filmisch ein klein wenig anonym, ist aber ein weiterer Schritt in Boyles Reifeprozess. Seine spielerische Ader kommt primär dadurch hervor, dass er die drei Akte in unterschiedlichen Filmformaten aufgezeichnet hat. So ist der 84er Teil auf grobkörnigem 16mm-Film gedreht und hat eine betont handgemachte und ungeschliffene Art, das 88er Segment ist auf schönem 35mm-Material aufgenommen und der finale 1998er Akt auf der digitalen Arri Alexa gedreht. Der visuelle Unterschied von 88 zu 98 wird vermutlich nur Kennern auffallen, doch besonders die 16mm-Optik erweist sich als sehr auffällig. Auch musikalisch sind die Akte unterschiedlich gestaltet. Daniel Pembertons sehr gelungener Score erinnert gerade im ersten Teil mit seiner elektronischen und verspielten Art an Trent Reznors und Atticus Ross geniale Filmmusik in „The Social Network“, treibt aber hier in den ersten Momenten den Film mitentscheidend voran, gibt ihm einen treibenden Puls. Später wird die Musik ruhiger und symphonischer, wirkt klassischer.

Ohne Zweifel ist es Danny Boyles gewohnte Energie, die den Film letztlich weit mehr als reines Schauspielerkino und gefilmtes Theater macht. „Steve Jobs“ ist elektrisierendes Kino, das einen von der ersten Sekunde an packt und nicht mehr loslässt, die zwei Stunden Laufzeit könnten sich nicht kürzer anfühlen. Hier liegt einer der besten Filme des Jahres vor, der, obwohl er wohl nicht die Größe von „The Social Network“ erreicht, ganz große Chancen bei den Oscars haben sollte. „Steve Jobs“ ist ein brillanter und enorm unterhaltsamer Film über einen brillanten Mann, exzellent in Szene gesetzt und gespielt, scharfsinnig geschrieben.


Fazit:
Formal gewagt, fesselnd, elektrisierend, beißend intelligent und exzellent gespielt. „Steve Jobs“ ist einer der besten Filme des Jahres 2015. Michael Fassbender fasziniert in einer magnetischen Performance als Apple-Visionär Steve Jobs und Boyle macht aus Sorkins geistreichem Skript einen rasanten Thriller. Große Klasse.
by

Bilder © Universal Pictures Intl.