Stereo

Stereo (2013), Deutschland
Laufzeit: - FSK: 16 - Genre: Thriller
Kinostart Deutschland: - Verleih: Wild Bunch

Stereo Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf 4K UHD, Blu-ray und DVD

Inhalt

Nach seinem Rückzug ins ländliche Idyll will ERIK (Jürgen Vogel) einfach nur runter kommen und sich um seine Motorradwerkstatt kümmern. Seine freie Zeit verbringt er mit seiner neuen Freundin Julia (Petra Schmidt-Schaller) und deren kleiner Tochter. Alles könnte so friedlich sein. Doch diese scheinbar heile Welt findet ein jähes Ende, als der schräge Unbekannte HENRY (Moritz Bleibtreu) in Eriks Leben eindringt - wie ein Parasit lässt er sich nicht mehr abschütteln, provoziert und treibt Erik mit seiner zynischen Art an den Rand des Wahnsinns. Als dann auch noch weitere zwielichtige Gestalten auftauchen, die ihm entweder an den Kragen gehen oder ihn zu dunklen Machenschaften zwingen wollen, droht Eriks Leben komplett aus den Fugen zu geraten. In die Ecke gedrängt, scheinbar ohne Ausweg, bleibt ihm schließlich nichts anderes übrig, als sich doch auf den geheimnisvollen Henry einzulassen. Aber kann man Henry trauen?

Jürgen Vogel, Moritz Bleibtreu und Petra Schmidt-Schaller | mehr Cast & Crew


DVD und Blu-ray | Stereo

Blu-ray
Stereo Stereo
Blu-ray Start:
20.11.2014
FSK: 16 - Laufzeit: 98 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Stereo Stereo
DVD Start:
20.11.2014
FSK: 16 - Laufzeit: 94 min.

Filmkritik Stereo

Filmwertung: | 8/10


Erik, gespielt von Jürgen Vogel (Die Welle, Keinohrhasen), lebt zurückgezogen auf dem Land mit Freundin Julia (Petra Schmidt-Schaller) und deren Tochter. Doch Erik plagen Halluzinationen eines Mannes, der ihm immer näher kommt und ihn letztlich auf Schritt und Tritt verfolgt. Seine Welt gerät aus den Fugen und er versteht einfach nicht warum.

Regisseur und Drehbuchautor Maximilian Erlenwein, der bereits für sein Kinodebüt "Schwerkraft" (2009) unter anderem mit dem Max-Ophüls-Preis und dem First Steps Award ausgezeichnet wurde, versteht sein Handwerk. Nicht nur dass er die eigentlich ideale Besetzung für "Stereo" gewinnen konnte, auch das Bild hat er dank Kamermann Ngo The Chau, der mit dem Deutschen Kamerapreis ausgezeichnet wurde, großartig in Szene gesetzt. Denn die Wirkung des "nackten" Bildes - ohne Musik, ohne Text - erzeugt hier eine Stimmung, bei der die Nerven fast bis zum Reißen gespannt werden. Man erwartet stets eine Aktion oder ein Bild, das den Zuschauer aus dieser Anspannung herausholt und genau diese Situationen sind es, mit denen Erlenwein versteht, auf eine eindrucksvolle Weise zu spielen und den Zuschauer 95 Minuten lang zu fesseln. Stille als Stilmittel - und es funktioniert. Ein Thriller muss schließlich nicht mit Krawall und Hektik gespickt serviert werden. Die Stille ist es auch, die "Stereo" mitunter so düster macht und irgendwie etwas bizarr wirken lässt. In dieser Atmosphäre ist der komplette Film aufgebaut und das steht ihm verdammt gut. Daneben ist das Drehbuch schlau ausgeklügelt, denn man wird als Zuschauer anfänglich immer mehr verwirrt und im Unwissen gelassen bis man erst in der zweiten Film-Hälfte nach und nach ans Licht geführt wird und schlussendlich dann "die Bombe platzt". Schade eigentlich, dass der Höhepunkt der Geschichte so schnell wieder abfällt und leider an Kreativität etwas zu wünschen übrig lässt.
Teilweise driftet die Geschichte ein wenig in das Abstruse ab, was man als Zuschauer eventuell auch als irritierend empfinden könnte. Doch dieser Hauch von Verrücktheit macht den Film eigentlich noch interessanter und mystischer. Eine Mischung, die hier an und für sich sehr gut funktioniert, wobei dies letztlich doch Geschmackssache bleibt. Dabei bekommt der durch und durch düstere Charakter von "Stereo" sogar einen Touch von Humor mit an die Hand aufgrund von Protagonisten wie Julia oder auch Keitel, gespielt von Georg Friedrich (Die Vermessung der Welt, Sommer in Orange). Keitel als Anführer einer Gruppe von Verbrechern und Betrügern ist allein von der Optik her schon finster und unberechenbar. Doch sobald er spricht, kommt man irgendwie ins Schmunzeln. Seine Art, die etwas einfältig daherkommt, und sein starker Wiener Akzent sorgen dafür, dass man in einigen Situationen trotz der starken Anspannung zum Lachen motiviert wird. Durch diesen Charakter gewinnt "Stereo" zusätzlich an Unterhaltungswert. Nicht zuletzt brillieren natürlich die beiden Hauptfiguren in ihren Rollen. Vogel als Erik und Moritz Bleibtreu (Inside Wikileaks, World War Z) als Henry und ständiger Begleiter von Erik sind nicht nur ein grandioses Team, sondern zeigen sich ebenfalls extrem facettenreich. Vor allem Jürgen Vogel zeigt sich hier besonders wandlungsfähig und im Zuge dessen sowohl liebevoll als auch skrupellos und brutal.
Von der Bildgestaltung über die Story bis zur Besetzung ist "Stereo" wirklich ein gelungener Kinofilm. Lobend zu erwähnen ist daneben noch die Musik, die - wenn sie denn eingesetzt wird - immer auf den Punkt passt.

"Stereo" schafft es, sich aus den Fängen des deutschen Kino-Genre-Vorurteils zu befreien und tatsächlich ein Kontra zu bilden zum Schweiger/Schweighöfer-Imperium.
Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Und mit "Stereo" ist Maximilian Erlenwein ein Wagnis eingegangen, für das er sich nicht schämen muss. Ganz im Gegenteil: Dramatik und Nervenkitzel erwarten den Zuschauer. Endlich mal ein deutscher Thriller, der sich wirklich sehen lassen kann. Wer "Stereo" bewusst probiert, wird bestimmt nicht enttäuscht - auch, wenn der Film einen leichten bitteren Nachgeschmack hinterlässt.

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Bilder © Wild Bunch