Spieltrieb

Spieltrieb (2012), Deutschland
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Drama
Kinostart Deutschland: - Verleih: Concorde Filmverleih GmbH

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Spieltrieb Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf 4K UHD, Blu-ray und DVD

Inhalt

Die hochbegabte Ada (MICHELLE BARTHEL) ist Einzelgängerin an ihrer Schule. Als der unnahbare, fast dämonisch wirkende Alev (JANNIK SCHÜMANN) der Klasse als neuer Mitschüler vorgestellt wird, ist Ada von seiner selbstbewussten und kühlen Art fasziniert. Sie fühlt sich auch körperlich stark von ihm angezogen, obwohl dieser angibt, keine Liebesbeziehung eingehen zu können. Die beiden kommen sich näher und bald schildert Alev ihr seine Theorie vom Spieltrieb, die besagt, dass alle Handlungen des Menschen Spielhandlungen sind. Sein Ziel ist es, die Menschen wie Spielfiguren zu steuern und zu manipulieren. Bald reift in Alev ein Plan für ein perfides Spiel, das außer Kontrolle gerät...

Maximilian Brückner, Sophie von Kessel und Richy Müller | mehr Cast & Crew


Spieltrieb - Trailer


SPIELTRIEB Trailer deutsch


DVD und Blu-ray | Spieltrieb

Blu-ray
Spieltrieb Spieltrieb
Blu-ray Start:
30.04.2014
FSK: 12 - Laufzeit: 100 min.
DVD
Spieltrieb Spieltrieb
DVD Start:
30.04.2014
FSK: 12 - Laufzeit: 96 min.

Filmkritik Spieltrieb

Filmwertung: | 8/10


"Spieltrieb" ist ein 2004 veröffentlichter Roman der in Bonn geborenen Schriftstellerin Juli Zeh und dürfte weder explizit Literaturinteressierten noch dem allgemein herumzappendem Talkshow-Zuschauer unbekannt sein. Entsprechend der großen öffentlichen Wahrnehmung wurde der internationale Bestseller auch für das Theater adaptiert und als Bühnenfassung 2006 am Hamburger Schauspielhaus uraufgeführt. Fast folgerichtig wurde Zehs Romanvorlage nun auch verfilmt, womit man Regisseur Gregor Schnitzler betraut hat.

Im Mittelpunkt der, dem Lokalkolorit von Juli Zeh entsprechend in einem Bonner Nobelviertel angesiedelten Handlung, steht die intellektuell frühreife Außenseiterin Ada (Michelle Barthel), die an ihrem Privatgymnasium auf den nahezu diabolisch charismatischen Alev (Jannik Schümann) trifft und sich sofort stark zu ihm hingezogen fühlt. Die beiden kommen sich nach einiger Zeit näher und Alev erklärt ihr seine Theorie vom Spieltrieb, wonach alle menschlichen Handlungen als Spielhandlungen anzusehen sind. Gefesselt von der Vorstellung, Menschen wie Spielfiguren steuern und manipulieren zu können, wird Ada bald in ein brisantes Dreiecksverhältnis mit Alev und einem Lehrer ihres Gymnasiums manövriert.

Regisseur Gregor Schnitzler, der schon bei Filmen wie "Soloalbum", "Die Wolke" und "Resturlaub" bewiesen hat, dass er einen Stoff für ein breites Publikum umsetzen kann, hat nun die hohe Bürde auf sich genommen, die außerordentlich erfolgreiche Romanvorlage in einen adäquaten Kinoerfolg zu verwandeln. Den Roman formten Kathrin Richter und Jürgen Schlagenhof zu einem Drehbuch und die Hauptrollen sind mit den beiden Newcomern Michelle Barthel und Jannik Schümann bestens besetzt, wobei Maximilian Brückner, Sophie von Kessel, Richy Müller und Ulrike Folkerts das Team komplettieren. Der personelle Rahmen sollte also dem Gelingen dieser Mischung aus Drama und Thriller, welche die Tradition der deutschen Schülertragödie auf den Kopf stellt, weil nicht mehr die Lehrer die Bestien sind, sondern die Schüler, nicht im Wege stehen.

Eine atemberaubende Geschichte um eine obsessive Liebe, die in einem abgründigen Spiel um Leidenschaft, Erpressung und Macht mündet, ist wohl der Traum eines jeden Privatschülers, der sein sonst so öde sorgenfreies Leben in einem vor Bravheit und Langeweile triefenden Wolkenkuckucksheim von Kleinstadt verbringt. Die ruhige intelligente Ada weiß zwar schon, dass sie nicht mit den anderen Wohlstandsbarbies spielen will, weiß aber ihre Subversivität noch nicht so recht zu kanalisieren. Da kommt der ebenfalls schlaue abseitige Alev gerade recht, um etwas wirklich nachhaltig Perfides auf die Beine zu stellen. Die Lehrer des Gymnasiums machen in der Story keine gute Figur, allen voran der von Maximilian Brückner gespielte Sportlehrer Smutek, dem schon bei der ersten erotischen Bewegung Adas die Unterlippe zittert und der mit der Affäre natürlich in größtmöglicher pädagogischer Unprofessionalität sein Leben nachhaltig in Trümmern legt. Im ersten Drittel des Filmes droht die von Ada und Alev vornehmlich via literarischer Zitate forcierte angestrengte Bedeutungsschwangerschaft zu einer cineastischen Fehlgeburt zu führen, was sich glücklicherweise aber allmählich in der Handlung auflöst, wie eine Brausetablette im Wasserglas. Mit zunehmender Dauer genießt man es aber immer mehr, Adas und Alevs spannendes manipulatives Spiel zu verfolgen. Ada traf Alev und dieser Mensch "schlägt einen gewissen Ton in ihr an" und sie spielen ihr Spiel scheinbar "miteinander", wie es ein Liebespaar tun würde. Am Ende sei aber die Frage gestattet, wer denn schon gerne ein Spiel spielt, bei dem es gänzlich nur Verlierer und Besiegte gibt. Einzig Ada kommt aus dem Spiel zumindest ohne nachhaltigen Schaden heraus. Aber als Gewinnerin?

Dem Drama "Spieltrieb" gelingt die filmische Umsetzung der erfolgreichen Romanvorlage, nicht zuletzt dank Michelle Barthel und Jannik Schümann. Wie viel Inspiration man letztendlich aus der Handlung mit nach Hause nimmt, wird jeder Kinobesucher selbst entscheiden müssen. Nicht wenige werden aber dankbar sein, selbst nur ein langweiliges Leben führen zu dürfen.
by André Scheede

Bilder © Concorde Filmverleih GmbH