Spectre

Spectre (2014), USA / Großbritannien
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Action / Thriller
Kinostart Deutschland: - Verleih: Sony Pictures

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Spectre Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

Eine mysteriöse Nachricht aus Bonds Vergangenheit setzt ihn auf die Fährte einer zwielichtigen Organisation, die er aufzudecken versucht. Während M damit beschäftigt ist, politische Mächte zu bekämpfen, um den Secret Service am Leben zu erhalten, kann Bond eine Täuschung nach der anderen ans Licht bringen, um die schreckliche Wahrheit zu enthüllen, die sich hinter SPECTRE verbirgt.

Daniel Craig, Christoph Waltz und Monica Bellucci | mehr Cast & Crew


Spectre - Trailer


Spectre - Trailer


DVD und Blu-ray | Spectre

Blu-ray
Spectre Spectre
Blu-ray Start:
03.03.2016
FSK: 12 - Laufzeit: 148 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Spectre Spectre
DVD Start:
03.03.2016
FSK: 12 - Laufzeit: 142 min.

Filmkritik Spectre

Filmwertung: | 7/10


Als Daniel Craig den Roten Teppich im Sony Center erreichte und aus seinem Auto stieg, kannten die aufgeregten Freudenschreie der Fans keine Grenzen mehr. Immerhin 5000 Interessierte hatten sich am Potsdamer Platz in Berlin versammelt, um der Deutschlandpremiere von „James Bond: Spectre“ beizuwohnen. Sie durften sich neben James-Bond-Darsteller Craig auch über Bond-Schurken Christoph Waltz und die in einem bezaubernden Kleid auftretende Naomie Harris freuen. Steven Gätjen führte gewohnt souverän durch den Abend. Dabei wurde die Show ein wenig übertrieben, vor allem die stellenweise argen Beschönigungen von „Spectre“ des Guten etwas zu viel waren. Die Erwartungen der Fans wurden dadurch allerdings noch geschürt. In Verbindung mit dem genialen ersten Trailer stiegen sie nahezu ins Unermessliche. Ohnehin zeugten alle Trailer von Klasse. Hier konnte man das laut Medienberichten unfassbare hohe Budget von mehr als 300 Millionen Dollar bereits erkennen. Zweifelsfrei wurde diese horrende Summe erst durch den großen finanziellen Erfolg von „Skyfall“ möglich, der weltweit 1.108.561.013 Milliarden US-Dollar einspielte und damit der erfolgreichste Bond-Film aller Zeiten war. Wenn es nach den Machern geht, soll „Spectre“ diese Marke übertrumpfen. Der Weg dahin ist lang, doch der Anfang ist gut. Denn in Großbritannien, wo der Film bereits letzten Donnerstag startete, spielte er dort bereits mehr als 30 Millionen Dollar wieder ein.
Doch kann der Film die hohen Erwartungen erfüllen?

„Spectre“ startet in Mexiko City, wo James Bond (Daniel Craig) und Estrella (Stephanie Sigman) maskiert beim Fest der Toten sind, das die ganze Stadt in Atem hält. Doch 007 entspannt hier keinesfalls bei seinem Date. Im Gegenteil. Er jagt und verfolgt den Schurken Marco Sciarra (Alessandro Cremona) und kann diesen erst nach einem spektakulären Kampf besiegen. Doch was sind Bonds Motive für diese Tat? Das fragt sich auch sein neuer Chef M (Ralph Fiennes), der nichts von der Aktion wusste und sich nun dem arroganten Emporkömmling Max Denbigh (Andrew Scott) erklären muss. 007 zieht nur Eve Moneypenny (Naomie Harris) und Q (Ben Whishaw) ins Vertrauen, die ihm helfen, nach Rom auf Marcos Beerdigung zu gehen. Dort bandelt er mit dessen Witwe Lucia (Monica Bellucci) an, die ihm wichtige – und vor allem weitreichende Informationen gibt, die die bisherige Agentenwelt für immer verändern werden.

Die Geschichte ist solide umgesetzt. Insgesamt überwiegt nach dem Ende des 148 Minuten langen Filmes aber vor allem ein Gefühl: Enttäuschung. Denn „Spectre“ ist leider einer der schwächeren Bond-Filme. Viele Dinge, die beim Vorgänger noch in grandioser Art und Weise funktionierten, klappen hier nur noch bedingt oder sind einfach schlechter umgesetzt. Sam Mendes, der so starke Filme wie „American Beauty“, „Road to Perdition“ und natürlich „Skyfall“ ablieferte, zeigt hier sein zweites Gesicht. Zwar ist „Spectre“ lange nicht so schwach wie „Jarhead“ und „Zeiten des Aufruhrs“, aber wie bei diesen beiden Filmen gelingt es dem „Oscar“-Gewinner nicht, den Zuschauern einen guten Zugang zu den Figuren zu ermöglichen. Und das, obwohl man die Charaktere dank der 23 anderen Bond-Filme gut kennt. Vielleicht liegt genau hier das Problem? Denn wirklichen Mehrwert oder eine glaubwürdige Entwicklung der Figuren findet leider nicht statt. Stattdessen bleiben die meisten Charaktere oberflächlich, was vor allem für Moneypenny, Lucia und auch Oberhauser gilt. Den Bond-Film auf eine neue, tiefgründigere Ebene zu heben, wie es in „Skyfall“ so grandios gelang, klappt in „Spectre“ nicht. Schon der Beginn in Mexiko ist äußerst schleppend geraten und mag den Zuschauer nicht in den Film katapultieren.
Dabei hat der Film auch seine starken Momente. Fans der Reihe werden viele Anspielungen auf frühere Bond-Filme entdecken. Hier ist die Liebe zum Detail, die den Figuren fehlt, zu erkennen. Diese Szenen werten das Geschehen immer wieder gekonnt auf. Dennoch bleibt der Eindruck haften, dass Mendes und die Beteiligten hinsichtlich des Drehbuches und der Umsetzung etwas uninspiriert waren und es dem Film deshalb nur bedingt gelingt, einen weiteren Schritt in eine neue Zeitrechnung zu machen. Zudem wird auch das Budget nicht immer perfekt eingesetzt. Denn einige Greenscreen-Effekte sind klar als solche zu erkennen. Während der Hubschrauberkampfszene erkennt man darüber hinaus eindeutig, dass Bond animiert wurde. Das sind nur Detailfehler, doch diese summieren sich und kosten Atmosphäre. Und das waren noch nicht alle Schwachpunkte. Auch der Schnitt ist nur mäßig, da die Dramaturgie stellenweise hakt und Szenen nur mittelmäßig aufgelöst wurden. Hier mangelt es an der richtigen Balance. Es gibt überraschend vielen Längen und dann wiederum ausgewalzte und irgendwann auch ausgelutschte, harte Kampf- und Folterszenen. Dazu kommen Stunts, die im Gegensatz zu den meisten anderen Teilen der Reihe nicht einer halbwegs glaubwürdigen Logik folgen, sondern stellenweise total unrealistisch daherkommen – was in Ordnung wäre, wenn sich der Film in diesen Sequenzen nicht so ernst nehmen würde. Des Weiteren muss man eine in seltenem Ausmaß gesehene Produktplatzierung über sich ergehen lassen, die immer wieder grenzwertig ist. Schade ist außerdem, dass das weltberühmte und atmosphärisch dichte Bond-Theme nur zweimal eingesetzt wird. Die restliche Musikuntermalung mag zudem nicht begeistern. Im Gegenteil, sie ist immer wieder unpassend und überbordend, sodass eher Atmosphäre verloren geht, als dass welche generiert wird.

Das alles hört sich nun sehr negativ an. Dabei ist „Spectre“ ein grundsolider Action-Film, der einfach nicht das Niveau seines herausragenden Vorgängers erreicht. Dennoch hat „Spectre“ seine starken Momente. Der Bond-typische Vorspann gehört mit zu den besten und aufwendigsten der gesamten Reihe und erreicht dank des hervorragend passenden Titelsong „Writing's On The Wall“ von Sam Smith absolute Weltklasse.
In Ansätzen überzeugt auch die Storyline. Denn das universelle und sich immer stärker aufdrängende Thema der totalen Überwachung bietet eine hervorragende Ausgangslage und liefert einige nachdenkliche, gut überlegte und bedeutsam inszenierte Momente. Auch die überragende Kameraführung vom in der Schweiz geborenen Niederländer Hoyte Van Hoytema (Interstellar, Her, The Fighter) weiß mit herrlich-weiten Einstellungen und überwältigender Ästhetik zu begeistern. Dank ihr wirken die malerischen Landschaften noch schöner. Die Locations in Mexiko-City, London, Rom, Ausseerland (Salzkammergut), Sölden, Obertilliach (Osttirol; die drei letztgenannten alle in den österreichischen Alpen) und Tanger sind überdies vielfältig und abwechslungsreich ausgesucht. Die bildgewaltigsten Szenen entstehen in den schneebedeckten Alpen. Diese Sequenzen erreichen höchstes Kino-Niveau. Dazu kommen immer wieder auflockernde Sprüche, die zwar nicht immer zünden, aber zumindest für das ein oder andere Schmunzeln sorgen. Umso stärker sind die geschliffenen, scharfzüngigen Dialoge, in denen die Klasse, die der Film hätte erreichen können, ersichtlich wird. Hier entwickelt jeder wichtige Charakter seine eigene Sprache. Zudem können sich Autofans auf großartige Verfolgungsjagden freuen. Eine Zahl belegt dies. In „Spectre“ werden Autos im Wert von 32 Millionen Dollar geschrottet.

Die schauspielerischen Leistungen sind hingegen nicht einheitlich. Daniel Craig (Verblendung, Dream House, Unbeugsam) kann in seinem vierten Auftritt als James Bond überzeugen und zeigt eine klasse Leistung, da er all die Bond-typischen Attitüden problemlos verkörpert, sodass man glaubt, er wäre auch im wahren Leben 007. Bezogen auf die Leistung gilt dies auch für Léa Seydoux (Blau ist eine warme Farbe, Midnight in Paris, Grand Budapest Hotel) als starke Frau Madeleine Swann, die ein sehr gutes Pendant zu Bond darstellt. Außerdem können Ralph Fiennes (Voldemort in „Harry Potter“, Grand Budapest Hotel, Der ewige Gärtner) als M, Andrew Scott (Pride, Sherlock, Jimmys Hall) als arroganter Denbigh, Jesper Christensen (Eine offene Rechnung, Die Dolmetscherin, Tage des Zorns) als getriebener Mr. White und Ben Whishaw (Das Parfüm, Cloud Atlas, Im Herzen der See) als witziger Q überzeugen. Die größte Enttäuschung ist leider Christoph Waltz (Inglourious Bastards, Django Unchained, Der Gott des Gemetzels). Der Österreicher schien die perfekte Wahl zu sein, nachdem er in den letzten beiden Tarantino-Filmen das Böse auf unnachahmliche Weise verkörperte und zu Recht mit Preisen überhäuft wurde. Doch der Wiener kann zu keiner Zeit an diese herausragende Leistungen seiner jüngsten Vergangenheit anknüpfen. Stattdessen bleibt er mimisch diesmal blass, obwohl dies doch seine größte Stärke ist. Der 59-Jährige legt seine Rolle zu nüchtern an und fällt so ab. Dies mitanzusehen ist die größte Enttäuschung von „Spectre“. Lag es vielleicht daran, dass er die Rolle nur ergattern konnte, weil Gary Oldman und auch Chiwetel Ejiofor sie ablehnten? Schwer vorstellbar. Auch außerhalb des Filmes scheint Waltz gerne den Bösen zu spielen. Bei der Deutschlandpremiere beantwortete er die Fragen der vielen wartenden Journalisten schnippisch, wie man es von ihm mittlerweile aber schon gewohnt ist. Am Ende des Roten Teppichs, als das Kino zum Greifen nah war, lehnte er Selfies mit dem ihm eigenen Grinsen unwirsch ab. Während all das noch als typische „Red-Carpet-Performance“ angesehen werden kann, war es doch unverständlich, dass er an seinen Fans direkt vor dem CineStar vorbeiging, obwohl diese begeistert seinen Namen riefen und teilweise seit morgens um 7 Uhr in der Kälte ausharrten, um einen kurzen Moment mit ihrem Star zu ergattern. Daraus wurde nichts. Denn Waltz winkte nicht mal und würdigte die Menschenmenge keines Blickes. Geht man so mit seinen Anhängern um?

Vor allem Craig zeigte hier deutlich mehr Gespür und winkte selbst den Fans zu, die hinter den Journalisten standen, obwohl diese von seinem Standpunkt nur schwer zu sehen waren. Außerdem erfüllte er geduldig Autogrammwünsche und machte dutzende Selfies mit den begeisterten Anhängern. Dies tat auch Naomie Harris (Mandela: Der lange Weg zur Freiheit, Fluch der Karibik 2, Southpaw).
In ihrer Filmrolle als Moneypenny konnte sie aber nur bedingt punkten. Gleiches gilt für das mit 51 Jahren älteste Bond-Girl Monica Bellucci (Der Zauber von Malena, Tränen der Sonne, Shoot 'Em Up) als Lucia. Auch Rory Kinnear (The Imitation Game, Cuban Fury, Penny Dreadful) als Tanner kann nur bedingt überzeugen. Das liegt nicht unbedingt an den dreien, sondern vielmehr daran, dass ihre Spielzeit sehr kurz ist und sie ihren Charakteren daher keine Tiefe verleihen können. Anders ist dies bei Dave Bautista (Guardians of the Galaxy, Riddick, House of the Rising Sun) als stummer Mr. Hinx. Dieser wirkt gänzlich oberflächlich und darf nur ein Wort sagen. Dadurch mutiert er zum klischeehaften Muskelprotz-Bösewicht.


Fazit:
Guter, aber letztlich doch enttäuschender Bond-Film, der die hohen Erwartungen nur szenenweise erfüllen kann. Überraschend uninspiriert spielt Christoph Waltz, der seine Figur zu nüchtern anlegt. Auch Schnitt und Storyline haben einige unübersehbare Schwächen und Längen. So reicht „Spectre“ zu keiner Zeit an „Skyfall“ heran, ist für sich genommen aber doch ein solider, unterhaltsamer Kinofilm. Aber eben nicht mehr. Und das müssen sich die Macher bei einem Budget jenseits der 300 Millionen Dollar vorwerfen lassen.
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Bilder © Sony Pictures