Southpaw

Southpaw (2015), USA
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Drama / Sport
Kinostart Deutschland: - Verleih: Tobis Film

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Southpaw Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

Billy Hope (Jake Gyllenhaal) hat alles, wovon ein Mann träumt: sportlichen Erfolg, Reichtum und eine wunderbare Familie. Als „Southpaw“ (Linkshänder) wird der Boxprofi von seinen Fans gefeiert – bis seine Frau (Rachel McAdams) tödlich verunglückt und das Leben des Champions aus den Fugen gerät. Erst als der ehemalige Boxer Tick (Forest Whitaker) in sein Leben tritt, ist Billy bereit, den Kampf gegen seinen härtesten Gegner aufzunehmen – sich selbst…

Nach einer Story von "Sons Of Anarchy"-Erfinder Kurt Sutter erzählt Regisseur Antoine Fuqua ("Training Day", "The Equalizer") in einer explosiven Mischung aus Action und Emotion von einem sportlichen und persönlichen Comeback. Mehr als fünf Monate bereitete sich Hauptdarsteller Jake Gyllenhaal mit intensivstem Training vor und fasziniert nicht nur mit einer unglaublichen körperlichen Verwandlung und boxerischem Talent, sondern auch durch sein sensibles und zugleich starkes Spiel in dieser facettenreichen Rolle. An seiner Seite glänzen Oscar-Preisträger Forest Whitaker, Rachel McAdams sowie Naomie Harris, Rita Ora und Curtis "50 Cent" Jackson. Den pulsierenden, musikalischen Sound des Trailers liefert niemand Geringeres als US-Rapper EMINEM.


Jake Gyllenhaal, Rachel McAdams und Forest Whitaker | mehr Cast & Crew


Southpaw - Trailer


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DVD und Blu-ray | Southpaw

Blu-ray
Southpaw Southpaw
Blu-ray Start:
08.01.2016
FSK: 16 - Laufzeit: 125 min.

zur Blu-ray Kritik
Southpaw (Steelbook) Southpaw (Steelbook)
Blu-ray Start:
08.01.2016
FSK: 16 - Laufzeit: 125 min.
DVD
Southpaw Southpaw
DVD Start:
08.01.2016
FSK: 16 - Laufzeit: 120 min.

Filmkritik Southpaw

Filmwertung: | 7/10


Der neue Film von Kult-Regisseur Antoine Fuqua (Training Day, Tränen der Sonne, King Arthur, Shooter, Gesetz der Straße, Olympus Has Fallen) der zuletzt mit „The Equalizer“ einen der besten Thriller der letzten Jahre in die Kinos gebracht hatte, gilt als großer „Oscar“ – Anwärter. Ob Southpaw“ die hohen Erwartungen erfüllen kann oder nicht, sagt euch unsere Kritik.

Der 30 Millionen Dollar teure Film handelt von Billy „The Great“ Hope (Jake Gyllenhaal). Dieser kämpft Madison Square Garden, New York, um die Weltmeisterschaft im Halbschwergewicht und ist dank seines aggressiven Boxstiles der beste Kämpfer seiner Gewichtsklasse. Auch diesmal verteidigt er seinen Titel. Allerdings kassiert er viele Schläge und braucht lange für die Regeneration. Das Wort Verteidigung existiert in seinem Wortschatz nicht. Deshalb ist seine Frau Maureen (Rachel McAdams) stets besorgt um ihn. Das Ehepaar hat einen langen Weg hinter sich. Beide waren Waisenkinder, wuchsen in Heimen auf und kämpften sich nach ganz oben. Ihre Tochter Leila (Oona Laurence) wächst in einem Herrscherhaus auf, auch die Freunde der Familie werden reich beschenkt. Maureen bittet Billy, sich eine Auszeit zu nehmen und ist damit komplett anderer Meinung als dessen Manager Jordan Mains (Curtis „50 Cent“ Jackson). Als Miguel „Magic“ Escobar (Miguel Gómez) in einer Hotelempfangshalle Maureen beschimpft, kann Billy nicht an sich halten und schlägt ihn nieder. Ein Schuss von einem der Leibwächter löst sich – und trifft Maureen, die noch an Ort und Stelle stirbt. Für Billy bricht seine Welt zusammen.

Die Geschichte ist gut umgesetzt. Nach all den Ankündigungen überwiegt am Ende aber vor allem ein Gefühl: Enttäuschung. Denn „Southpaw“ besitzt überraschend viele Detailfehler. Das beginnt bereits in der ersten Sequenz. Die Boxkämpfe wirken unrealistisch. Das ist für einen Spielfilm an sich nichts Ungewöhnliches. Doch wenn das Studio mit dem großen Realismus und der Authentizität dieser Szenen wirbt, sollte erwähnt werden, dass kein Boxer auch nur annähernd so viele Treffer kassieren könnte ohne zu Boden zu gehen, wie hier mehrfach gesehen. Schlagwechsel wie diese gibt es in der Realität nicht.
Ernüchternd ist zudem, dass es Fuqua im Gegensatz zu seinen anderen Filmen nur selten gelingt, dem Film subtile Töne zu verleihen. Damit beraubt der so talentierte Regisseur „Southpaw“ seiner größtmöglichen Stärke. Denn hätte er den Film nicht so boulevardesk angesetzt, wäre er um Längen besser geworden. So ist beinahe jede Szene von übertriebenen Emotionen belastet und endet mit einem Ausraster. Durch die Häufigkeit dieser emotionalen Höhepunkte verfehlen diese Szenen ihre Wirkung. Dadurch bedingt reißt der Film den Zuschauer auch nur bedingt mit. Der erhoffte Überflieger ist es also nicht geworden, obwohl viel Potenzial in der Geschichte steckt. Doch an die Klasse von Genrefilmen wie „Million Dollar Baby“, „Rocky“, „Das Comeback“, „Wie ein wilder Stier – Raging Bull“ oder „The Fighter“ kommt „Southpaw“ nicht heran. Dabei ist Fuquas Werk trotz aller Schwächen spannend, interessant und fesselnd. Zudem ist er durchweg aufwühlend und ein sehr intensives Erlebnis, was durch die düstere Stimmung, die heruntergekommenen Charaktere und die starke Familiengeschichte noch verstärkt wird. Auch eine gewisse Authentizität ist „Southpaw“ nicht abzusprechen. Denn der Film wurde von Mitte Juni bis Mitte August 2014 in Pittsburgh und Indiana, Pennsylvania gedreht, vor allem aber im realen Madison Square Garden und im Caesar´s Palace in Las Vegas. Die Auswahl der Locations ist also weltklasse und erzeugt in einigen Momenten Gänsehaut-Atmosphäre. Dies gilt vor allem in Verbindung mit der herausragenden Musikuntermalung. Der letzte große Score des am 22. Juni 2015 verstorbenen James Horner kann vor allem dank der Songs von Rapper Eminem überzeugen. Dieser war lange Zeit auch für die Hauptrolle des Filmes im Gespräch, entschied sich dann aber dafür, sich auf die Musik zu konzentrieren. Das ist eine weise Entscheidung gewesen. Denn sein Song „Phenomenal“ ist ein Geniestreich und unterstreicht die Gefühlsbandbreite in der Szene, wo er eingesetzt wird, exzellent. Zudem kann auch der Abspannsong „Kings Never Die“, performt von Eminem und Gwen Stefani, weitere Atmosphäre generieren und ist ebenfalls ein herausragendes Lied. Auch die anderen Hip-Hop-Songs sind stark und für Freunde dieser Musikrichtung ein Genuss.
Leider hat „Southpaw“ noch eine weitere Schwäche, die sogar noch schwerer wiegt, als die emotionalen Übertreibungen. Die rucklige, nervtötende Kameraführung kostet oftmals viel Atmosphäre. Um die Kämpfe angemessen einzufangen, verpflichtete Fuqua die HBO-Crew, die sonst für das US-amerikanische Fernsehen die großen Boxkämpfe filmt. Leider sieht man durch einige unglückliche Einstellungen bei einigen Schlägen, dass den Gegner nicht treffen. Das ist ein weiterer Detailfehler. Mag die unruhige Führung in einigen Kampfszenen noch angebracht oder zumindest nachvollziehbar sein, stört sie an ruhigen Stellen sehr. Zumal das Bild den gesamten Film über wackelt, selbst, wenn von einer Anhöhe einfach nur ein Grab gezeigt wird. Warum diese unrealistische Art immer wieder als realistische Art der Kameraführung verkauft wird, erschließt sich dem Zuschauer nicht. Denn wie bitteschön soll man den Film genießen, wenn durch das Geruckel durchgehend Hektik aufkommt?
Da ist man von Mauro Fiore (Avatar – Aufbruch nach Pandora, Die Insel, The Equalizer) deutlich besseres gewohnt.

Dafür können die Spezialeffekte und die Kampfchoreographien überzeugen. Diese sind packend und intensiv und generieren zumindest etwas Atmosphäre. Die schauspielerischen Leistungen sind sehr gut. Jake Gyllenhaal (Nightcrawler, End of Watch, Brokeback Mountain) stellt erneut seine Ausnahmestellung heraus und spielt überragend. Dabei ist seine Rolle nicht perfekt ausgeschrieben. Viele der Ausraster wirken deshalb zu dick aufgetragen, zu aufgesetzt, was aber nicht an Gyllenhaal selbst, sondern eher am Drehbuch liegt. Gyllenhaal musste sich sechs Monate intensiv auf seine Rolle vorbereiten. Er speckte zudem auf knapp unter 80 Kilogramm, also gut sieben Kilo, für seine Rolle als Billy Hope ab. Zudem kannte sich der 34-Jährige mit Boxen nicht aus. Erst Fuqua, der selbst ein leidenschaftlicher Boxer ist und täglich trainiert, konnte ihn überzeugen. So ist es erstaunlich, wie realistisch Gyllenhaals Haltung beim Boxen ist. Seine Rolle kauft man ihm zu jeder Zeit ab. Ebenso stark wie Gyllenhaal spielt „Oscar“-Preisträger Forest Whitaker (Der letzte König von Schottland, Der Butler, Street Kings) als zurückgezogener Boxtrainer mit eigenen Problemen. Whitaker verleiht seinem Charakter und damit seinen Szenen eine bemerkenswerte Tiefe und agiert durchgehend energiegeladen. Rachel McAdams (Alles eine Frage der Zeit, Wie ein einziger Tag, State of Play) und Naomie Harris (James Bond Skyfall, Mandela – Der lange Weg zur Freiheit, Fluch der Karibik 2+3) sind hingegen nur schmückendes Beiwerk. Curtis „50 Cent“ Jackson (Get Rich or Die Tryin’, Home of the Brave, Twelve) agiert in seiner Rolle als windiger Manager hingegen sehr gut und glaubwürdig. Es wirkt, als würde er sich selbst spielen.


Fazit:
Guter, packender Film mit starken männlichen Schauspielern, einem interessanten Ansatz, aber auch einer völlig überzogenen emotionalen Darstellung und einer durchgehend extrem störenden Ruckelkamera, die viel Atmosphäre kostet. So wird aus einem großen „Oscar“-Kandidaten ein solider Film. Nicht mehr und nicht weniger.
by

Bilder © Tobis Film