Song to Song

Song to Song (2017), USA
Laufzeit: - FSK: 6 - Genre: Drama / Musik / Romanze
Kinostart Deutschland: - Verleih: StudioCanal

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Song to Song Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

Abseits des Rampenlichts der Musikszene von Austin spielen sich zwei ineinander übergehende und miteinander verwobene Dreiecksgeschichten ab: Die Protagonisten lassen sich zwischen Liebe, Betrug und Sinnlichkeit treiben.

Ryan Gosling, Rooney Mara und Natalie Portman | mehr Cast & Crew


Song to Song - Trailer




DVD und Blu-ray | Song to Song

Blu-ray
Song to Song Song to Song
Blu-ray Start:
02.11.2017
FSK: 12 - Laufzeit: 130 min.
DVD
Song to Song Song to Song
DVD Start:
02.11.2017
FSK: 12 - Laufzeit: 124 min.

Filmkritik Song to Song

Filmwertung: | 7/10


Bis zum Jahr 2005 hatte Filmpoet Terrence Malick nach vier Jahrzehnten erst vier Filme gedreht, seitdem kamen in nur 12 Jahren weitere vier dazu. Der nun achte Film in der faszinierenden Schaffensphase des mysteriösen Texaners, der einst fast 20 Jahre von der Kino-Bildfläche verschwunden war, heißt „Song to Song“ und wurde bereits 2012 in seiner Heimatstadt Austin gedreht. Song to Song SzenenbildWer Malicks freifließenden, assoziativen Erzählstil kennt, der wird auch mit seinem neuesten Werk auf vertraute Bilder treffen, die sich mittlerweile schon längst oft nahe an der Grenze zum Klischee bewegen und eigentlich kaum Neues bieten. Acht Stunden hat sein erster Cut auf die Uhr gebracht, schließlich hat er sein neuestes abstrakt-experimentelles Filmkunstwerk auf immerhin 130 Minuten heruntergebrochen. Ein richtiges Drehbuch gab es wie auch schon bei „Knight of Cups“ nicht, tatsächlich wussten die Akteure um Ryan Gosling, Rooney Mara, Michael Fassbender und Natalie Portman letztlich selbst nicht genau, wie das Endprodukt aussehen würde. Wie bei Malick üblich, wurden auch zahlreiche mitwirkende hochkarätige Darsteller wie Christian Bale, Benicio del Toro, Haley Bennett oder Boyd Holbrook schließlich komplett aus dem Film entfernt.

„Song to Song“ folgt wie auch seine letzten Filme keiner Handlung im traditionellen Sinne, eine erzählerische Struktur ist kaum erkennbar. Viel mehr ist der ursprünglich passenderweise „Weightless“ betitelte Film ein collagenartiges audiovisuelles Gedicht, ein Strom aus Gedanken und Erinnerungen, der wie Malicks beste Werke im besten Falle eine fast schon meditative und traumartige Wirkung aufbaut, die lange nachwirkt und den Zuschauer die Welt danach erst mal mit anderen Augen sehen lässt. „Song to Song“ mag nun Malicks vielleicht romantischster und gefühlvollster Film sein, der sich kurz heruntergebrochen dem zeitlosen Thema Liebe in all seiner verwirrenden, belebenden und oft auch emotional brutal zerstörerischen Komplexität nähert. Auch dieser Film wird ohne Zweifel stark polarisieren, der eine Zuschauer mag aufgesogen werden von diesem kunstvollen und meist völlig improvisiert wirkenden Bilderstrom (der tatsächlich auch gut als Video-Installation funktionieren würde), der andere wird perplex auf der Strecke bleiben und den Film als prätentiös abtun.

Song to Song Szenenbild Im Grunde ist „Song to Song“ ein Film, der sich von erzählerischen Konventionen völlig losreißt und Begriffe wie „Plot“ oder „Erzählstruktur“ außen vor lässt. Der Film ist größtenteils in Austin, Texas aber auch an einigen Schauplätzen der Region Yucatán in Mexiko entstanden und bietet dank unzähliger vielfältiger Drehorte enormen visuellen Abwechslungsreichtum. „Song to Song“ folgt hier primär dem jungen ambitionierten Musikerpaar BV (Ryan Gosling) und Faye (Rooney Mara) und ihrem Mentor und Freund, dem faustischen Musik-Mogul Cook (Michael Fassbender), die als Art unausgesprochenes Liebesdreieck von Ort zu Ort ziehen. Früh wird deutlich, dass zwischen BV und Faye eine tiefe romantische Liebe und intensive Anziehungskraft besteht, jedoch nähert sich Faye auch immer wieder dem verführerischen und raubtierartigen Cook an. Später bewegen sich die Wege der Figuren auch auseinander, so kommt die Kellnerin Rhonda (Natalie Portman) ins Spiel, die eine Beziehung mit Cook startet, der sich scheinbar auch zunehmend von seinem Protegé BV entfremdet. Dieser beginnt wiederum eine Affäre mit Amanda (Cate Blanchett), während Faye eine leidenschaftliche Beziehung mit Zoey (Bérénice Marlohe) startet. Immer wieder treffen die Figuren auch auf bekannte Musiker, die in interessanten Monologen vom Leben und der Liebe sinnieren, etwa Iggy Pop, Flea oder in besonders eindrücklichen Momenten Patti Smith, aber auch Schauspieler wie Val Kilmer oder Holly Hunter streifen gelegentlich durchs Bild. Gerade Kilmer gehören wohl einige der denkwürdigsten Szenen des Films, deren bizarrer und überlebensgroßer Inhalt hier nicht verraten werden soll. Trotz zahlreicher Songs und Konzertmomente ist der Film tatsächlich kaum interessiert an der Musikszene und ihren Mechanismen, wer den Film aus diesem Grund sieht, wird so sicher enttäuscht werden.

„Song to Song“ spielt sich wie ein stetiger Erinnerungsfluss ab, eine Ansammlung von fragilen und fragmentierten Momentaufnahmen, die von Emmanuel Lubezkis stetig nervös umherschwebender Steadycam in teils überraschend rohen und dokumentarisch anmutenden Bildern in gleißendem Naturlicht eingefangen werden. Immer wieder ergötzt sich die Kamera an zarten Berührungen und bietet so eine enorm sinnliche, aber auch sich auf Dauer etwas redundant werdende Erfahrung, bei der Liebe und menschliche Anziehungskraft sehr stark zur Geltung kommt. Gerade in der ersten Stunde ist die magnetisch aufgeladene Energie und die überwältigende romantische, oft verspielte und unbeschwerte Lebensfreude zwischen Gosling und Mara förmlich greifbar, womit Malick das rauschartige Gefühl jungen Verliebtseins ausdrucksstark und stets spontan und ungestellt einfängt. Doch wenn diese unendlichen zarten Berührungen auch schließlich zwischen anderen Figuren geschehen, wirkt der Film bedeutend unromantischer, da sie so an der zuvor aufgebauten Bedeutung verlieren und damit auf gewisse Weise Platz für ein nüchterneres und letztlich brutaleres Weltbild machen. Immer wieder kommen hier verletzte Seelen zum Vorschein, die in Erinnerungen schwelgen, sich nach früheren Zeiten sehnen und ihre Fehler bereuen. Doch „Song to Song“ ist eine lange (und sich auch so anfühlende) Reise, bei der es letztlich darum geht, wie zwei Menschen schließlich doch füreinander geschaffen sind, wie Liebe körperliche Anziehungskraft doch übertrumpft und all das irrationale emotional zerstörerische Verhalten zwischen ihnen verziehen wird.

Song to Song Szenenbild Wirklich kennen lernen tut man diese Figuren letztlich nicht, weshalb es den Darstellern überlassen wird, ihre Charaktere mit Tiefe und Charisma auszustatten, die nicht ausgesprochen wird. Gerade Gosling und Mara gelingt das sehr gut und der Film ist in ihren mühelos gelassen und unbeschwert wirkenden Momenten zweifelsohne am lebendigsten, Fassbenders machthungrige und dominante Figur bleibt mysteriös und irgendwie schwer greifbar, während Nebenfiguren wie Portman, Blanchett und Marlohe zwar auch die Leinwand erstrahlen lassen, aber letztlich völlig undefiniert bleiben und eine echte Identifikation stark erschweren. Figuren tauchen auf und verschwinden oft auch ebenso schnell ohne erkennbaren Konflikt oder dramatischen Konfrontation wieder. Wie bei Malick üblich tänzeln und schwanken die Akteure verspielt umher, berühren sich, albern kindlich rum, lachen, schauen sich verliebt an, während im Hintergrund die obligatorischen Monologe laufen, die diesmal etwas weniger abstrakt und philosophisch wirken, aber immer noch unzweifelhaft Malick pur verkörpern. Das wirkt gewohnt avantgardistisch und experimentell, ohne echtes, erkennbares Konzept, aber mit dem Drang nach dem Verborgenen, dem Unverhofften, dem Zufälligen zu suchen.

Die Charaktere bleiben also wie auch schon in Malicks Vorgängerfilm „Knight of Cups“ (der quasi gleichzeitig entstanden ist) vage und entwickeln sich nicht wirklich. Es ist ein Film der Momentaufnahmen und Schnappschüsse, die einfach irgendwann ohne wirkliche Auflösung enden. Thematisch wirkt „Song to Song“ einfacher und zugänglicher, es geht her weniger um philosophische Tiefe. Dadurch wirkt der Film auch leichtgewichtiger und gewissermaßen substanzloser, wodurch man den Eindruck erhält, dass 130 Minuten schlicht zu lang sind und der Film gut noch kürzer sein könnte. Dennoch, „Song to Song“ ist eine eindringliche, intime, oft meditative Erfahrung, bei der nichts von Bestand ist, die menschliche Existenz mit all ihren Höhen und Tiefen so schmerzhaft fragil und vergänglich wirkt, wo Zeit und Erinnerungen verschwimmen und den Zuschauer mit einer Welle der Ungewissheit umspült.


Fazit:
„Song to Song“ ist der nächste zutiefst abstrakte und avantgardistische Akt in Terrence Malicks experimenteller Schaffensphase. Hier ist ein impressionistisches, freifließendes und sinnliches Filmgedicht ohne erkennbare Handlung zu bewundern, das sich versucht dem Thema Liebe zu nähern. Am Ende bleibt eine meditative und schließlich etwas ermüdende Erfahrung, die garantiert polarisiert.
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Bilder © StudioCanal