Die wilde Zeit

Après mai / Something in the Air (2012), Frankreich
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Drama
Kinostart Deutschland: - Verleih: NFP

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Die wilde Zeit Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf 4K UHD, Blu-ray und DVD

Inhalt

Zu Beginn der 1970er Jahre lässt sich der Pariser Student Gilles (Clément Métayer) von der politisch aufgeladenen Stimmung seiner Zeit mitreißen. Sein eigentlicher Traum aber ist es zu malen und Filme zu machen - sehr zum Unverständnis seiner Freunde und seiner Freundin, denen Politik und der politische Kampf alles bedeutet. Doch mit der Zeit spürt Gilles immer mehr, dass sein eigener Weg für ihn der richtige ist.

Lola Créton, Clément Métayer und Félix Armand | mehr Cast & Crew


Die wilde Zeit - Trailer


DIE WILDE ZEIT - Trailer deutsch


DVD und Blu-ray | Die wilde Zeit

Blu-ray
Die wilde Zeit Die wilde Zeit
Blu-ray Start:
12.12.2013
FSK: 12 - Laufzeit: 122 min.
DVD
Die wilde Zeit Die wilde Zeit
DVD Start:
12.12.2013
FSK: 12 - Laufzeit: 117 min.

Filmkritik Die wilde Zeit

Filmwertung: | 5/10


In seinem letzten Film „Carlos – Der Schakal“ (2010) begab sich der Regisseur Olivier Assayas bereits in die 70er Jahre in Frankreich zurück. Diese Zeit fasziniert ihn besonders, weil die Menschen von damals, das Gefühl hatten, als ob alles möglich wäre. "Die wilde Zeit" (Originaltitel: "Après mai") betrachtet der Regisseur selbst als eine Art Verlängerung seines Films „L’eau froide“ (1994) und erzählt eine Geschichte von der Generation der Nach-68er. Zusätzlich ist der Film teils autobiographisch: Die Hauptfigur besitzt viele Parallelen zu Assayas selbst.

Gilles (Clément Métayer) ist Abiturient in den frühen 70er Jahren in Paris und sucht seinen Platz im Leben. Auf der einen Seite entdeckt er das Künstlerische für sich und besitzt eine Muse namens Laure (Carole Combes), die für ihn auch die ideale Liebe symbolisiert. Auf der anderen Seite schließt er sich zusammen mit seinen Freunden Alain (Félix Armand) und Jean-Pierre (Hugo Conzelmann) einer politisch-linken Gruppierung an, um eine neue Gesellschaftsordnung herbeizuführen. Christine (Lola Creton), eine Mitstreiterin dieser Bewegung, wird zu seiner neuen Geliebten, nachdem Laure fortgegangen ist. Ab diesem Zeitpunkt sucht jeder nach dem richtigen Platz im Leben. Dabei gehen manche den radikalen Weg, andere entscheiden sich für die Kunst oder die Liebe und wieder andere verlieren sich bei der Suche.

Olivier Assayas ist bei diesem Film nicht nur Regisseur, sondern auch der Drehbuchautor. Für das Skript wurde er mit einem Preis von den Internationalen Filmfestspielen in Venedig 2012 ausgezeichnet. Die Figur des Gilles beruht auf seinen persönlichen Erfahrungen als Jugendlicher in dieser turbulenten Zeit. Dabei greift er auf ein kleines, von ihm geschriebenes Buch „Une adolescence dans l’après-mai“ („Jugend in der Zeit nach dem Mai“) von 2005, zurück. Doch wollte er in „Die wilde Zeit“ nicht nur seine autobiographische Sinnsuche erzählen, sondern ein ganzheitliches Portrait der Jugendbewegung dieser Zeit schaffen. Den Anfang zur Entwicklung dieser Geschichte machte sein eigener Film „L’eau froide“. Es hat ihm die Tür zum autobiographischen Film geöffnet und zeigte aber gleichzeitig, was er in seinen neusten Film unbedingt noch eingebaut haben wollte. So wurde die “Die wilde Zeit“ mit politischen Themen, der richtigen Musik, der Anziehungskraft des Osten und der Untergrundbewegung der 1970er bereichert. Zusätzlich behandelt er noch alle wichtigen Themen der Zeit: Drogen, Selbstfindung, die Auseinandersetzung mit den spießigen Eltern, Abtreibung und Liebe. Dadurch, dass sich der Film von 122 Minuten Länge mit all diesen Themen und Aspekten auseinandersetzt, verliert er an Struktur. Wie die Protagonisten selbst weiß der Zuschauer nicht, wo ihn die Wege hinführen, aber im Gegensatz zu den Charakteren empfindet der Betrachter die Reise nicht als spannend. Immer wieder verlaufen sich diverse Strömungen und Lebensarten im Sand. Keine der Figuren scheint jemals richtig anzukommen und so zieht sich der Film merklich in die Länge. Dem Regisseur Assayas ging es darum die Welt mit einer gewissen Naivität oder Offenheit durch die Augen von Jugendlichen zu betrachten, doch fehlt es dem Film leider an einem neuen Blick oder neuen Themen und damit auch Fesslungsvermögen. Die große Stärke des Films liegt in seinem Zeitkolorit. Die 70er in Frankreich und in den anderen Ländern wurden in allen Facetten authentisch und detailverliebt eingefangen und versetzen den Betrachter zurück in diese Zeit. Auch, dass der Musik so viel Platz im Film eingeräumt wurde und die meisten Lieder in voller Länge zu hören sind, trägt viel zur Stimmung bei. Die Darsteller wurden ebenfalls gut besetzt. Die meisten standen hierbei zum ersten Mal vor der Kamera und verleihen dadurch dem Film ebenfalls Authentizität.

Fazit: „Die wilde Zeit“ von Olivier Assayas portraitiert stimmungsvoll eine Generation auf der Suche nach ihrem Platz im Leben. Dabei fängt er das Zeitkolorit und die Atmosphäre realistisch und überzeugend ein. Doch leider zerfasert die Geschichte zu sehr, um für die Schicksale der einzelnen Protagonisten durchgehendes Interesse zu hegen.

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Bilder © NFP