Snowden

Snowden (2015), Deutschland / USA
Laufzeit: - FSK: 6 - Genre: Biographie / Drama / Thriller
Kinostart Deutschland: - Verleih: Universum Film

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Snowden Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

Der Meister des politischen amerikanischen Kinos, Oliver Stone („Nixon“, „JFK – Tatort Dallas“, „Geboren am 4. Juli“, „Platoon“) verfilmt die Geschichte Edward Snowdens, der eine der brisantesten gegenwärtigen politischen Affären ins Rollen brachte und trotz Lebensgefahr auf das Ausmaß der Überwachung unserer Gesellschaft aufmerksam machte. Die Titelrolle spielt Joseph Gordon-Levitt („The Dark Night Rises“, „Inception“). An seiner Seite agieren so hochkarätige Darsteller, wie Shailene Woodley („Die Bestimmung - Divergent“, „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“, „The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten“), die Oscar©-Preisträger Melissa Leo („Prisoners“, „The Fighter“) und Nicolas Cage („Leaving Las Vegas“, „World Trade Center“,), Zachary Quinto („Star Trek: Into Darkness“, „Margin Call“), Tom Wilkinson („Michael Clayton“, „Batman Begins“, „Vergiss mein nicht!“), Rhys Ifans („The Amazing Spider-Man“, „Notting Hill“), Joely Richardson („Verblendung”, „Der Patriot”) und Timothy Olyphant („Stirb langsam 4.0“, „Hitman – Jeder stirbt alleine“). Für das Drehbuch, basierend auf den Büchern „The Snowden Files: The Inside Story of the World’s Most Wanted Man“ von Luke Harding und „Time of the Octopus“ von Snowdens russischen Anwalt Anatoly Kucherena, zeichnet Oliver Stone zusammen mit Kieran Fitzgerald („The Homesman“) verantwortlich.

Joseph Gordon-Levitt, Shailene Woodley und Nicolas Cage | mehr Cast & Crew


Snowden - Trailer




DVD und Blu-ray | Snowden

Blu-ray
Snowden Snowden
Blu-ray Start:
07.04.2017
FSK: 12 - Laufzeit: 135 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Snowden Snowden
DVD Start:
07.04.2017
FSK: 12 - Laufzeit: 130 min.

Filmkritik Snowden

Filmwertung: | 9/10


Kaum eine Persönlichkeit hat in den letzten Jahren für vergleichbare Aufruhr gesorgt wie Edward Snowden, der als ehemaliger CIA-Mitarbeiter mit seinen schockierenden Enthüllungen über die totale Überwachung des Volkes unter dem Vorwand der Terrorabwehr durch US-Geheimdienste die Welt aufrüttelte. Snowden SzenenbildEr brachte ein überaus wichtiges und komplexes Thema in die öffentliche Diskussion, das jeden betrifft, sein mutiges Handeln offenbarte die innere Wirkungsweise der CIA und NSA, machte ihn für seine Befürworter zum Helden und für seine Gegner zum Landesverräter. Die Dokumentarfilmerin Laura Poitras gehörte zu denjenigen, an die sich Snowden vor drei Jahren wandte, um seine Enthüllungen publik zu machen, Resultat war der brillante und Oscar-gekrönte Dokumentarfilm „Citizenfour“, der ein spannendes Portrait eines außergewöhnlichen Mannes in Form eines unter die Haut gehenden realen Spionage-Thrillers zeigte. Als bedeutendster cineastischer Chronist der amerikanischen Zeitgeschichte ließ es sich Oliver Stone nicht nehmen, sich ebenfalls mit der Thematik Snowden und den fragwürdigen Praktiken der US-Geheimdienste zu befassen. Wer befürchtet hat, dass Stone dem Dokumentarfilm nicht viel hinzuzufügen hat, könnte nicht falscher liegen: „Snowden“ ist ein herausragender Film, der zwar weitestgehend konventionell, aber überaus spannend, packend und einsichtsreich erzählt ist, wobei er „Citizenfour“ nicht nur menschlich vertieft, sondern auch einen faszinierenden, bestechend recherchierten und letztlich erschütternden Einblick in die Wirkungsweise hinter den Kulissen der US-Geheimdienste wirft.

Um den Film überhaupt auf diesem Niveau realisieren zu können, wurden Stone viele Steine in den Weg gelegt. Nicht ein US-Studio erklärte sich bereit, den Film zu produzieren, weshalb er sich letztlich an unabhängige Produktionsfirmen und ausländische Finanziers wenden musste und den Film schließlich zu großen Teilen in München, Hawaii und Hongkong drehte und nur ein kleiner Teil auf amerikanischem Festland entstand. Um den Film so wahrheitsgetreu wie möglich zu gestalten, trafen Oliver Stone und Hauptdarsteller Joseph Gordon-Levitt („Inception“, „Looper“) den zunächst skeptischen Edward Snowden mehrfach zu Gesprächen in seinem russischen Exil.

Snowden Szenenbild In struktureller Hinsicht ist „Snowden“ ein recht konventionelles Biopic, das Edward Snowden von seiner Zeit bei den US-Special Forces im Jahr 2003 bis zu den Enthüllungen im Jahr 2013 und seinen Nachwirkungen folgt. Als erzählerischer Rahmen fungiert das Treffen von Snowden mit den Guardian-Journalisten Glenn Greenwald (Zachary Quinto, „Star Trek“, „Der große Crash – Margin Call“) und Ewen MacAskill (Tom Wilkinson, „In the Bedroom“, „Batman Begins“, „Selma“) sowie der Dokumentarfilmerin Laura Poitras (Melissa Leo, „Flight“, „The Fighter“, „Frozen River“) im Mira Hotel in Hongkong. Nach seiner erfolglosen Zeit im Boot Camp zeigt der Film Snowdens Aufenthalt bei seiner ersten Station als IT-Techniker bei der CIA, wo er sich schnell als Wunderkind herauskristallisiert und damit die Aufmerksamkeit seines Ausbilders und Mentors Corbin O’Brian (Rhys Ifans, „The Amazing Spider-Man“, „Anonymus“, „Notting Hill“) gewinnt. Schon hier werden erste Zweifel an den Maßnahmen der CIA zur Informationsgewinnung bei Snowden wach, die sich schließlich bei seiner Tätigkeit für die CIA in Genf verschärfen, wo er als Spion fungiert und potentielle Terror-Unterstützer mit moralisch fragwürdigen Mitteln ausmachen soll. Snowden macht hier erste Bekanntschaft mit den machtvollen Suchmaschinen XKeyscore und PRISM, die dazu in der Lage sind, jede Aktivität jedes einzelnen Bürgers im Internet zu überwachen – ein verheerender Eingriff in die Privatsphäre, der nicht in das ethische Weltbild Snowdens passt. Snowden kündigt die Arbeit bei der CIA und zieht nach Japan, wo er für Dell in einer NSA-Niederlassung arbeitet, jedoch wird ihm mehr und mehr bewusst, wie allumfassend die Überwachung der Geheimdienste ist, wie sehr die Privatsphäre der Menschen in Gefahr ist und seine eigene Paranoia steigt.

Schon früh im Film lernt Snowden Lindsay Mills (Shailene Woodley, „“Das Schicksal ist ein mieser Verräter“, „Die Bestimmung – Divergent“) kennen, mit er schließlich zusammen kommt. Hier bietet der Film einen zweiten, ganz wesentlichen Erzählstrang, der die komplizierte Beziehung des Paares schildert. Snowden SzenenbildHier wird die Schwierigkeit verdeutlicht, eine Beziehung zu führen, in der der Partner nicht nur über längere Zeit abwesend ist, sondern nicht mal über seine Arbeit sprechen darf, da sie streng vertraulich ist und die nationale Sicherheit gefährden kann. Der Film präsentiert diese Beziehung erstaunlich ausgewogen: Er stellt die ausgeklammerte Perspektive von Lindsey dar, die ihren Freund quasi nur bedingt kennt und unter seiner zunehmenden inneren Zerrissenheit leidet, die er aber nicht nach außen treten lassen darf. Die Problematik von Snowden selbst, der mehr und mehr mit der Last der immer erschreckenderen Offenbarungen, die ihm bei seiner Arbeit begegnen, nicht fertig wird, verdeutlicht der Film ebenso empathisch und nachvollziehbar.

So füllt „Snowden“ in vielerlei Hinsicht die Lücken von „Citizenfour“, sowohl in menschlicher Hinsicht bezüglich Snowdens persönlichen Motive, seiner inneren Beschaffenheit und Beziehung zu Lindsay Mills, als auch als faszinierende Schilderung der Beschaffenheit der US-Geheimdienste. Hier bietet der Film zahlreiche einsichtsreiche Blicke hinter die Kulissen, die dank Snowdens beratender Zusammenarbeit mit den Filmemachern wohl als durchaus vertrauenswürdig erachtet werden können. Es gelingt Stone und Co-Drehbuchautor Kieran Fitzgerald („The Homesman“) auf meisterhafte Weise, die Geschichte ausbalanciert zu erzählen, den Film konstant spannend zu halten, die Paranoia im Stile eines politischen Thrillers zu steigern und dabei auch bei 134 Minuten Laufzeit kein Gramm überschüssiges erzählerisches Fett zu erzeugen. Auch ganz entscheidenden Anteil am Erfolg des Films hat Joseph Gordon-Levitt, der zum einen sowohl optisch als auch stimmlich seinem Vorbild extrem nahe kommt. Zum anderen gelingt es ihm aber, voll und ganz in der Rolle zu verschwinden und in einer überaus menschlichen, aber zugleich auch bemerkenswert kontrollierten Performance seine inneren moralischen Konflikte, seine Ängste und den enormen Intellekt seiner Figur glaubhaft nach außen zu transportieren. Er zeigt hier die Art von Darstellung, die so wenig Aufmerksamkeit auf sich selbst lenkt, dass man fast vergessen möchte, hier einen Schauspieler und nicht den echten Snowden zu sehen. Snowden SzenenbildHerausragende Unterstützung erhält er auch von Shailene Woodley, die ihrer Figur ebenfalls eine große menschliche Dimension gibt und damit als wichtige außenstehende Figur fungiert, die einen wesentlichen Bestandteil von Snowden darstellt, ihm seine Menschlichkeit miterhält. Ihre Chemie untereinander ist greifbar und ist einer der wichtigen Punkte, der „Snowden“ so gut funktionieren lässt.

„Snowden“ ist wohl der beste, aber auch ganz sicher der wichtigste Film, den Oliver Stone seit einiger Zeit gemacht hat. Erzählerisch erweist sich der Film als überaus vital und energiegeladen, man spürt hier wie auch Stones besten Filmen an, wie sehr ihn das Thema beschäftigt. Auch visuell zeigt sich Stone belebt, zum ersten Mal arbeitet er mit Anthony Dod Mantle („28 Days Later“, „Slumdog Millionaire“, „Rush“) zusammen, dessen digitale (gelegentlich an Michael Manns „Blackhat“ erinnernde) Ästhetik die Thematik auf visueller Ebene in interessanten Kompositionen und unter gelegentlichem Einsatz von unterschiedlichen Kameras (darunter auch Action Cams) aufgreift. Immer wieder wird hier mehr oder weniger subtil eine Überwachungskamera-Ästhetik aufgegriffen, Augen spielen als visuelles Motiv eine große Rolle, die Beziehung zwischen Mensch und Technik wird bildlich verbunden und es werden sogar in einer Videochat-Sitzung mit O’Brian deutliche Anleihen zu Ridley Scotts ikonischem Apple Spot „1984“ erkenntlich. Der Film ist so auf inhaltlicher und visueller Ebene komplex, aber mit klarer Verständlichkeit und großer Menschlichkeit erzählt, wodurch „Snowden“ letztlich ein sehr zugänglicher Film ist, der nochmal ein Ausrufezeichen für das Bewusstsein der Menschen bezüglich ihrer Gewohnheiten setzen sollte.


Fazit:
Oliver Stone gelang mit seinem Snowden-Biopic ein wichtiger und mitreißender Film, der nicht nur menschliches Portrait des Whistleblowers, sondern auch faszinierender Blick in die Mechanismen der US-Geheimdienste ist. Auch wenn „Snowden“ konventionell erzählt ist, liefert Stone hier ein vitales Stück Kino und seinen besten Film seit vielen Jahren.
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Bilder © Universum Film