Smoking Gun - Nicht jede Frau will gerettet werden

Damsel (2018), USA
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Western / Drama
Verleih: Universal Pictures Intl.

Smoking Gun - Nicht jede Frau will gerettet werden Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf 4K UHD, Blu-ray und DVD

Inhalt

Samuel Alabaster (Robert Pattinson) reist quer durch Amerika in den Wilden Westen, um die Liebe seines Lebens, Penelope (Mia Wasikowska), zu heiraten. Als er erfährt, dass sie entführt wurde, beschließt er, sie heldenhaft zu retten! Ein chaotisches Abenteuer beginnt, das schnell die Frage aufwirft: Will die junge Dame überhaupt gerettet werden? Ein selbstironischer Western, der auf unterhaltsame Weise mit den Klischees um starke Männer und hilflose Frauen aufräumt. Mit Robert Pattinson und Mia Wasikowska in den Hauptrollen!

Robert Pattinson, Mia Wasikowska und David Zellner | mehr Cast & Crew


DVD und Blu-ray | Smoking Gun - Nicht jede Frau will gerettet werden

Blu-ray
Smoking Gun - Nicht jede Frau will gerettet werden Smoking Gun - Nicht jede Frau will gerettet werden
Blu-ray Start:
23.05.2019
FSK: 12 - Laufzeit: 113 min.
DVD
Smoking Gun - Nicht jede Frau will gerettet werden Smoking Gun - Nicht jede Frau will gerettet werden
DVD Start:
23.05.2019
FSK: 12 - Laufzeit: 109 min.

Filmkritik Smoking Gun - Nicht jede Frau will gerettet werden

Filmwertung: | 7/10


Der männliche Revolverheld rettet die damsel in distress. Dieses uralte Western-Klischee ist wohl jedem bekannt. Die klare Rollenverteilung aus übermaskulinem Protagonisten, dem abscheulichem Entführer sowie der zauberhaften, wenn auch hilflosen Frau ist so unzeitgemäß, wie es im Kino tief verwurzelt ist. Während gerade im Blockbustersegment noch immer viele Drehbuchautoren aus Unfähigkeit daran festhalten, lassen sich gerade im Indie-Bereich Filmschaffende finden, die bewusst mit Konventionen und so der Erwartungshaltung des Zuschauers spielen, wodurch ein Maß an Unvorhersehbarkeit erreicht wird, das im Mainstreamkino zu oft vermisst wird. Gerade wenn mit überholten Klischees gespielt wird, ist auch die Kritik generell eher wohlgestimmt. Doch treten viele Filme so in die Falle, ihre Geschichte rein darum zu konstruieren, wodurch sich weniger bewanderte Zuschauer gelangweilt und irritiert fühlen können, während der wissende Cineast überrascht und gefesselt wird. So ist es kein Wunder, dass die Meinungen von Kritikern und dem Publikum „Smoking Gun“ zum Teil weit auseinander gehen. Als großer Western-Fan aber fasziniert der Film, wie in diesem durch und durch maskulinen Genre systematisch genau diese gefährliche Männlichkeit dekonstruiert wird, kommt aber gleichzeitig mit seinen ganz eigenen Problemen daher.

Robert Pattinson in Smoking Gun
Robert Pattinson in Smoking Gun © Universal Pictures
Schwer verliebt macht sich der Geschäftsmann Samuel Alabaster (Robert Pattinson) 1870 auf den Weg seine Angebetete Penelope (Mia Wasikowska) aus den Händen ihrer Entführer, den Brüdern Cornell (Nathan Zellner und Gabe Gasdorph), zu retten. Unterstützt wird er auf seiner heldenhaften Reise durch den versoffenen Pfarrer Henry (David Zellner), der mit seinen ganz eigenen Dämonen zu kämpfen hat. So macht sich dieses ungleiche Duo auf einen Weg, dessen Ende vielleicht ganz anders aussieht als erwartet…

So arbeitet das gesamte Drehbuch von Anfang an auf einen Twist hin, der tragischerweise im Marketing etwas vorweggenommen wird. An seiner Wirkung muss er dennoch nicht einbüßen. Leider wird allerdings etwas zu wenig über den Hintergrund dessen verraten, wobei er dennoch wunderbar funktioniert. Bevor er in endlosen Dialogen der dümmlichen Exposition übergenau erklärt wird, ist das vorhandene dennoch Endprodukt zu bevorzugen. Zudem lässt er die Hauptfigur rückwirkend in einem anderen Licht erscheinen, ohne aber vollkommen out-of-character zu wirken. Ein Markenzeichen eines guten Twists.

Mia Wasikowska in Smoking Gun
Mia Wasikowska in Smoking Gun © Universal Pictures
So ist eben als Western-Fan gerade die Hauptfigur von einer gewissen Faszination umgeben. Schnell wird etabliert, dass es sich keinesfalls um einen übermännlichen, eiskalten Revolverhelden handelt, sondern vielmehr um einen verliebten Grünschnabel, der sich auf eine Mission begibt, die eher für ersteren geeignet ist. So erhält die Figur eine Menschlichkeit, die den Zuschauer sofort an ihn bindet. Leider erfährt sie zu wenig, was man tatsächlich als Charakterisierung bezeichnen kann. Sie lebt darüber hinaus vor allem von Pattinsons großartigem Schauspiel. Der ehemalige „Twilight“-Star beweis immer und immer wieder, was für ein fantastischer Darsteller in ihm steckt. Wer nach der Nachricht, dass Pattinson fortan als Batman auf der großen Leinwand zu sehen ist, die „Twilight“-Filme und Pattisons Image als Teenie-Vampir aus seinem Gedächtnis löschen möchte, dem sei „Smoking Gun“ sehr ans Herz gelegt.

Mia Wasikowska und Robert Pattinson in Smoking Gun
Mia Wasikowska und Robert Pattinson in Smoking Gun © Universal Pictures
Doch weiß der Film auch mit seiner Inszenierung vollkommen zu beeindrucken. Das Set-design verschlägt einen direkt in den Wilden Westen. Die atmosphärische Musik haucht dieser harten Welt ein vollkommen neues Leben ein, während die Kamera in atemberaubenden Aufnahmen, das Publikum förmlich in das Geschehen zieht und immer wieder mit wunderbar kreativen Bewegungen (Stichwort: Absturz) besticht.

So wird der Film in Akt eins und zwei zu einem höchst interessanten Erlebnis. Nach den einschneidenden Geschehnissen am Ende von letzterem macht der Film seine eigentliche Aussage aber zu deutlich. Auch wirkt das Drehbuch hier etwas ziellos, wodurch sich der gesamte letzte Akt etwas in die Länge zieht. Den intensivsten und mitreißendsten Moment hat der Film hier bereits lange überschritten, weshalb sich die späteren Geschehnisse in der bis dato wunderbaren Dramaturgie angehängt fühlen und so die Aufmerksamkeit des Zuschauers ein bisschen, aber nie ganz, verlieren.


Fazit:
Trotz einem schwächeren dritten Akt, der die Aussage über toxische Maskulinität etwas überstrapaziert, entstand hier ein toll gefilmter, intelligenter Western, der subtil mit Genre-Konventionen spielt und so stets unvorhersehbar bleibt. Ein groß aufspielender Robert Pattinson erledigt den Rest.
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Bilder © Universal Pictures Intl.