Smashed

Smashed (2012), USA
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Komödie / Drama
Kinostart Deutschland: - Verleih: Sony Pictures

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Smashed Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf 4K UHD, Blu-ray und DVD

Inhalt

Kate und Charlie sind ein junges Ehepaar, dessen Verbindung auf der Liebe zu Musik, Spaß und insbesondere Trinken beruht. Als Kates Trinksucht sie in gefährliche Situationen bringt und sie zudem ihren Job als Lehrerin riskiert, entscheidet sie sich den Anonymen Alkoholikern beizutreten, um trocken zu werden. Mit der Hilfe ihrer Freundin und Gruppen-Mentorin Jenny sowie dem stellvertretenden Rektor ihrer Schule, dem ungeschickten, aber wohlwollenden Mr. Davies, macht Kate gesundheitliche Fortschritte und ist auf einem guten Weg, ihr Leben wieder in den Griff zu kriegen. Allerdings hatte Kate nicht damit gerechnet, dass das Nüchternsein seine ganz eigenen Probleme mit sich bringt. Ihr neues „trockenes“ Leben bringt das problematische Verhältnis zu ihrer Mutter ans Tageslicht und konfrontiert sie mit den Lügen, die sie ihrem Arbeitgeber gegenüber erzählte. Letztlich muss sie sich die Frage stellen, ob ihre Beziehung zu Charlie auf Liebe beruht oder auf der gemeinsamen Suche nach berauschter Abwechslung vom Erwachsensein.

Mary Elizabeth Winstead, Aaron Paul und Octavia Spencer | mehr Cast & Crew


Smashed - Trailer




DVD und Blu-ray | Smashed

Blu-ray
Smashed Smashed
Blu-ray Start:
12.09.2013
FSK: 12 - Laufzeit: 81 min.
DVD
Smashed Smashed
DVD Start:
12.09.2013
FSK: 12 - Laufzeit: 78 min.

Filmkritik Smashed

Filmwertung: | 8/10


Kate Hannah ist ein spaßig-charmantes Partygirl, dem man nach einer herrlich schrägen Karaoke-Performance begeistert applaudieren möchte. Und zugleich ist sie eine verantwortungslose Trinkerin, die in alkoholisiertem Zustand Auto fährt, sich von einer Unbekannten zum Crackrauchen verleiten lässt und mehr als einmal völlig verwirrt irgendwo im Freien erwacht – sodass man meint, mitleidig über ihre Eskapaden den Kopf schütteln zu müssen. Sie ist eine bezaubernde junge Lehrerin, die ihre Klasse mit so viel Frohsinn und Hingabe zum Lernen animiert, dass man sich direkt selbst in die Grundschulzeit zurücksehnt – und in gleichem Maße ist sie eine fragwürdige Pädagogin, die man sich angesichts der Lügen, in die sie sich gegenüber ihren Schülern, Kollegen und Vorgesetzten verstrickt, eher nicht in der Nähe der eigenen Kinder wünschen würde.
Diese Ambivalenz macht Kate zu einer hochinteressanten Protagonistin. Mit ihrem erfrischenden Mangel an Modebewusstsein (durchaus ungewöhnlich für eine „Heldin“ des von Hipstern bevölkerten Indie-Kinos!) ist sie eine liebenswürdige Erscheinung – und so ist man schnell bereit, sie auf ihrem Weg zu begleiten, den sie in ihrem Hauptsache-praktisch-und-bequem-Schuhwerk beschreiten will: Kate fasst den Entschluss, ihre Alkoholsucht zu bekämpfen. Die Tatsache, dass sie diesen Entschluss in einer Billard-Bar kundgibt – mit einem großen Glas Bier in der Hand –, lässt jedoch bereits erahnen, dass jener Weg ein holpriger sein wird. Der Regisseur James Ponsoldt, welcher zusammen mit Susan Burke auch das Drehbuch verfasste, wählt für sein Low-Budget-Werk eine tragikomische Herangehensweise an das filmisch schon verschiedentlich verarbeitete Alkoholismus-Motiv. Trefflich führt er dieses in der ersten Filmsequenz ein, indem er zeigt, wie Kate nach einem betont unglamourösen morgendlichen Erwachen bereits unter der Dusche zur Bierflasche greift – und wenig später, kurz vor Arbeitsbeginn, einen kräftigen Schluck Whiskey aus ihrem Flachmann nimmt. Es folgen sowohl komödiantische und furiose Szenen (die doch niemals zu Klamauk-Nummern werden!) als auch ernsthafte, traurige Passagen, die „Smashed“ aber keineswegs zu einem tristen Problemfilm oder einem moralischen Lehrstück machen. Großartig ist, wie die Handkamera, der Schnitt und nicht zuletzt die in Teilen schwungvolle Musik eingesetzt werden, um das Berauschtsein kinematografisch erfahrbar zu machen.
Das Motiv der Trunksucht ist hier mit einem Ehekonflikt gekoppelt: Kate und ihr Gatte Charlie – ein von zu Hause aus arbeitender Musikkritiker, der von seiner Familie finanziell unterstützt wird – teilen den Hang zum übermäßigen Alkoholkonsum. Als Kate beschließt, dem Alkohol zu entsagen, hat dies daher unweigerlich Auswirkungen auf das gemeinsame Leben des jungen Paares.
Es gehört zu den zahlreichen Stärken dieses Films, dass er am Schluss ein gutes Gefühl zulässt, ohne hierfür ein realitätsfernes, Hollywood-typisches Rundum-glücklich-Ende für Kate zu bemühen. Ponsoldt findet exakt den richtigen Zeitpunkt, um den Zuschauer als Teilnehmer dieser (Anti-)Heldinnenreise zu verabschieden. Äußerst schade sind hingegen die Auslassungen, zu denen es im Verlauf der Geschichte kommt: Eine zusammenfassende Montagesequenz im Mittelteil sowie ein Zeitsprung an späterer Stelle enthalten etliche Momente vor, deren filmische Erkundung sich wohl gelohnt hätte.

Ein figurenzentriertes Werk wie dieses ist natürlich in hohem Maße auf überzeugende Akteure angewiesen. Hauptdarstellerin Mary Elizabeth Winstead fiel bereits als sympathisch-schlagfertige Filmtochter von Bruce Willis in den letzten beiden Teilen der „Stirb langsam“-Reihe sowie als punkiges Objekt der Begierde in „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ positiv auf; hier vollbringt sie – das kann ohne Übertreibung gesagt und geschrieben werden – eine Bravourleistung. Winstead spielt Kate nicht als zerbrechliches Wesen in misslicher Lage, nicht als Opfer der Umstände – sondern verleiht ihrer Figur viel Witz sowie eine eindrucksvolle Tapferkeit und Stärke. In den Sequenzen, in welchen Kate alkoholisiert ist, verfällt die Schauspielerin niemals in die üblichen Klischees, die der Darstellung Betrunkener allzu oft anhaften: Sie verzichtet auf übertriebenes Grimassieren, heftiges Lallen oder Torkeln und findet für jede Situation den idealen Ausdruck. Die Rolle erfordert die ganze Bandbreite an Gefühlen – und Winstead wirft sich mit maximaler Intensität in diesen schwierigen Part. Gleichwohl hat man als Zuschauer nicht den Eindruck, der begabten Mimin beim Spielen, sondern vielmehr Kate beim Leben zuzusehen.
Aaron Paul (bekannt aus der Fernsehserie „Breaking Bad“) kann als Kates slackerhafter Ehemann neben Winstead bestehen; in seiner Interpretation lässt er bei aller Unbesonnenheit der Figur ausreichend Sensibilität sowie ehrliche Sorge und Liebe erkennen, um aus Charlie keine schlichte Negativfigur – kein bloßes Hindernis, das Kates Heilungsprozess bedroht – zu machen. Ferner wird Winstead von zwei Schauspielern flankiert, die für gewöhnlich eher im Comedy-Bereich tätig sind: Megan Mullally als Leiterin der Grundschule, an welcher Kate beschäftigt ist, sowie Nick Offerman („Parks and Recreation“) als freundlich-hilfsbereiter Konrektor Dave. Offerman agiert größtenteils zurückgenommen, ist zuweilen jedoch auch ungemein amüsant; ein hochbizarrer Peinlichkeitsmoment zwischen Kate und Dave wird von beiden Darstellern so hinreißend ausgespielt, dass das Fremdschämen zum Vergnügen wird. Mullally, die – ironischerweise – in der Sitcom „Will & Grace“ über acht Staffeln hinweg die Karikatur einer pillenschluckenden Dauerbetrunkenen verkörperte, zeigt wiederum als Vorgesetzte von Kate sehr präzise, in wenigen Blicken und Worten die empfundene Enttäuschung, das Unverständnis und letztlich auch die Abscheu, als Kate den Mut findet, ihr Alkoholproblem und die daraus entstandenen Lügen zu gestehen; eine Reaktion, die Suchtkranke auf dem dornigen Pfad der Besserung gewiss häufig erfahren müssen. In weiteren Rollen treten auf: Octavia Spencer als warmherzige Mentorin (die gleichwohl nicht dem Stereotyp des „rettenden Engels“ entspricht) und Mary Kay Place als verbitterte, ebenfalls trunksüchtige Mutter von Kate, die glücklicherweise nicht als „Monster“ erscheint, dem die alleinige Schuld am Zustand der Tochter zu geben ist. Bedauerlich ist, dass man von beiden Figuren zu wenig sieht.

Fazit: Ein bemerkenswertes Stück Independent-Kino – mit einer exzeptionellen Darbietung von Mary Elizabeth Winstead und durchweg guten Leistungen der Nebendarsteller. Man wünscht sich, der Film sei an manchen Stellen etwas ausführlicher, da es wohl noch viel zu erzählen gegeben hätte.

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Bilder © Sony Pictures