Silence

Silence (2016), USA / Taiwan
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Drama / Historienfilm
Kinostart Deutschland: - Verleih: Concorde Filmverleih GmbH

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Silence Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

1638 brechen Pater Sebastião Rodrigues (Andrew Garfield) und Pater Francisco Garrpe (Adam Driver) von Portugal ins für die westliche Welt völlig abgeschottete Japan auf, um der Wahrheit hinter den undenkbaren Gerüchten nachzugehen, dass ihr berühmter Lehrer Cristóvão Ferreira (Liam Neeson) seinem Glauben abgeschworen habe. Nach ihrer Ankunft erleben sie die brutale und unmenschliche Verfolgung der Christen durch die japanischen Machthaber. Angesichts der Ereignisse in einer Gesellschaft, die keine Toleranz kennt und in der der Tod an der Tagesordnung ist, stellt sich Sebastião auf seiner Reise durch das von der Gewaltherrschaft der Shogune zerrissene Land die immerwährende Frage: Wie kann Gott zu all dem schweigen?

Liam Neeson, Andrew Garfield und Adam Driver | mehr Cast & Crew


Silence - Trailer




DVD und Blu-ray | Silence

Blu-ray
Silence Silence
Blu-ray Start:
07.09.2017
FSK: 12 - Laufzeit: 161 min.
DVD
Silence Silence
DVD Start:
07.09.2017
FSK: 12 - Laufzeit: 156 min.

zur DVD Kritik

Filmkritik Silence

Filmwertung: | 8/10


“Silence” ist das Herzensprojekt von Star-Regisseur Martin Scorsese, das nach jahrzehntelangem Ringene endlich auf der Leinwand erscheint. Ruhig, religiös, aber mit knapp drei Studen Laufzeit ebenso ausschweifend wie andere seiner Filme kommt dieser Film daher und lässt einen nachdenklich zurück.
Silence SzenenbildJahrelang hat Scorsese sich zwischen zahllosen anderen Projekten mit der literarischen Vorlage von Shusako Endo aus dem Jahr 1966 über die Verfolgung der Christen in Japan auseinandergesetzt und den komplexen Stoff in ein schweres, meisterhaft besetztes Drama übersetzt.

Scorsese versetzt uns ins 17. Jahrhundert, als die christiche Missionierungsarbeit noch im vollen Gange ist. Die Jesuiten Rodrigues (Andrew Garfield) und Garupe (Adam Driver) machen sich auf den weiten Weg von Portugal nach Japan, um Vater Ferreira (Liam Neeson) zu finden, der vom Glauben abgefallen sein soll. In Japan leiden Christen unter Verfolgung und Folter und müssen im Untergrund leben, um nicht enttarnt zu werden.
Voller Motivation und Glauben in Gott machen sich Rodriuges und Garupe auf die lange Reise, um den abtrünnigen Ferreira ausfindig zu machen.
Die Realität, die Rodrigues und Garupe erwartet, ist grausam. Ungeschönt zeigt Scorsese die Folterszenen, Menschen werden in Stroh gewickelt und lebendig verbrannt oder ertränkt. Schutz finden sie zunächst bei heimlichen Christen, die ihnen Unterschlupf gewähren, bis die Kenntnis von ihrer Ankunft die Runde macht. Von Dorf zu Dorf ziehen die Priester weiter und treffen auf weitere “Kakure Kirishitan”, verborgene Christen. Die Grausamkeiten, unter denen die japanischen Christen zu leiden haben, geschehen auf Verheiß des Inquisitors Inoue (Issey Ogata), der mit seinen Hasenzähnen und der schmeichelnden Stimme wirkt wie eine Karikatur. Er erinntert an ironische Schurken, wie sie von Christoph Waltz oder Gary Oldman porträtiert werden.
Silence SzenenbildDie japanischen Charaktere, die Scorsese hier zeichnet, wirken überzogen, grob. Herzlos, grausam erscheint das Volk hier, dass sich der christlichen Beeinflussung entledigen wollen.

Scorsese zwingt den Protagonisten eine quälende Entscheidung auf: Entweder sie leben und schwören von ihrem Glauben ab, oder sie sterben. Die Inquisition fordert von Christen, sich auf das Kreuz zu setzen und den Glauben zu leugnen. In Ferreira, Garupe und Rodrigues zeigen sich verschiedene Wege, zur Religiosität und dem Leben zu stehen. Der junge Rodrigues kam mit der idealistischen Vorstellung nach Japan, einen Märtyrertod zu sterben. Vor die Wahl gestellt, seinen Glauben zu leugnen oder die Ursache für das Leiden anderer Christen zu sein, beugt er sich. Anders als Garupe, der seinem Glauben bis zum Ende treu bleibt.
Hier geht es nicht um die Idealisierung des einen oder anderen Glaubens, sondern vielmehr um Treue und die Fähigkeit, sich anzupassen. Was ist recht, was ist moralisch? Diese Frage vermag der Film nicht zu beantworten, lässt einen jedoch nachdenklich zurück.

Scorsese arbeitet viel mit religiöser Symbolik. So ist es nicht wunderlich, dass Rodrigues in sich selbst Jesus sieht, im Unklaren über seine wahre Mission: muss er den Christen helfen oder für sie leiden?
Mit Kichijiro (Yosuke Kubozuka) wird Rodrigues auch ein Judas, ein Weggefährte und Bewunderer zur Seite gestellt. Trotz aller Widrigkeiten verliert Rodrigues nie seine Hoffnung in Gott und hört nicht auf, nach ihm zu rufen. Silence SzenenbildAuch wenn die einzige Antwort die vollkommene Stille ist, die den ganzen Film erdrückt.Andrew Garfield als Priester Rodrigues hingegen bricht aus der Stille um ihn seit Spider-Man-Zeiten hervor und liefert eine herausragenden schauspielerische Leistung, den den emotionalen Großteil des Films trägt.

“Silence” verlangt vom Zuschauer viel ab und auch Scorsese-Fans werden vor eine neue Herausforderung gestellt. Teilweise unterträglich zäh zieht sich der Film hin, stellt Grausamkeit, Leid, Folter und immer wieder die Stille sehr authentisch dar. Dennoch ist es manchmal erschreckend, wie kalt manche Szenen den Zuschauer lassen. Es scheint Scorsese weniger um das Schicksal der Helden zu gehen, als vielmehr um das größere Ganze, die künstlerische Auseinandersetzung mit Glauben und Gerechtigkeit.


Fazit:
Scorsese hat einen Film geschaffen, der sich nur schwer in bisherige Klassiker und Blockbuster wie “Goodfellas”, “Taxi Driver” oder “The Wolf of Wall Street” einordnen lässt. Scorsese agiert hier weder auf Gefühls- noch auf Unterhaltungsbene. “Silence” ist eine schwere Kost, die man erst hinterher in ihrer Gesamtheit zu schätzen weiß.
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Bilder © Concorde Filmverleih GmbH