Sicario

Sicario (2015), USA
Laufzeit: - FSK: 16 - Genre: Thriller
Kinostart Deutschland: - Verleih: StudioCanal

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Sicario Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

Der Drogenkrieg beherrscht seit Jahren das Grenzgebiet zwischen Arizona und Mexiko. Nach einem Mordanschlag wird die junge FBI-Agentin Kate Macy von einer internationalen Task Force rekrutiert und trifft dabei auf den mysteriösen Söldner Alejandro. Doch schon bald ist sie sich nicht mehr sicher, wer auf welcher Seite steht…

Nach seinem aufwühlenden und hochgelobten US-Debut „Prisoners“ inszeniert Regisseur Dennis Villeneuve mit SICARIO erneut einen ebenso brillanten wie intensiven Thriller voller Hochspannung. Mit seinem Star-Ensemble bestehend aus Emily Blunt („Der Teufel trägt Prada“), Oscar-Preisträger Benicio del Toro („Traffic“) und Josh Brolin („Sin City 2“) taucht er ein in eine Welt voller Korruption und Gewalt, in der Moral schon längst keine Kategorie mehr ist. SICARIO wird seine Weltpremiere im Wettbewerb der 68. Filmfestspiele in Cannes feiern.


Emily Blunt, Benicio Del Toro und Josh Brolin | mehr Cast & Crew


Sicario - Trailer


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DVD und Blu-ray | Sicario

Blu-ray
Sicario Sicario
Blu-ray Start:
04.02.2016
FSK: 16 - Laufzeit: 121 min.

zur Blu-ray Kritik
Sicario (Steel Edition) Sicario (Steel Edition)
Blu-ray Start:
04.02.2016
FSK: 16 - Laufzeit: 121 min.
Sicario (4K Ultra HD) Sicario (4K Ultra HD)
Blu-ray Start:
07.09.2017
FSK: 16 - Laufzeit: 122 min.
DVD
Sicario Sicario
DVD Start:
04.02.2016
FSK: 16 - Laufzeit: 117 min.

Filmkritik Sicario

Filmwertung: | 10/10


Denis Villeneuves furchterregender und moralisch komplexer Kartell-Thriller „Sicario“ reiht sich sofort zu den besten Filmen des Jahres 2015. Von der ersten bis zur letzten Sekunde ist hier ein filmisches Werk zu bewundern, dass an purer, kompromisslos überwältigender Intensität nicht zu überbieten ist. Ohne übertreiben zu wollen - „Sicario“ ist ein Meisterwerk viszeralen Adrenalin-Herzschlag-Kinos, das permanent den Atem stocken lässt. Villeneuve inszeniert gemeinsam mit Kamera-Virtuose Roger Deakins präzise und mit klarem Blick komponierte Bilder, die in ihrer Schnörkellosigkeit ein bemerkenswert muskulöses Selbstbewusstsein ausstrahlen. Nach dem Oscar-nominierten „Incendies“, seinem englischsprachigen Debüt „Prisoners“, das in ähnlich düstere Gefilde eingetaucht ist, und seinem kryptischen, traumartigen Filmpuzzle „Enemy“ manifestiert sich der Franko-Kanadier Villeneuve mit „Sicario“ nun zu den aufregendsten Filmemachern der Gegenwart. Zu der handwerklichen Perfektion und einem markerschütternd donnernd-pulsierenden Score von Jóhann Jóhannsson kommt eine Riege von exzellenten Darstellern, angeführt von der überragenden Emily Blunt, einem gewohnt coolen Josh Brolin und Benicio Del Toro, der hier eine Meisterklasse an unter die Haut gehendem schauspielerischem Understatement abliefert. „Sicario“ wagt einen albtraumhaften Blick in die Hölle der mexikanischen Kartelle, den Drogenkriegen im amerikanisch-mexikanischen Grenzgebiet und seinem undurchsichtigen Netz aus Korruption und moralischen Grauzonen.

Sicario ist der spanische Begriff für Auftragsmörder. Auf wen sich der Titel bezieht, bleibt jedoch lange unklar – wie so vieles in dem Film. Villeneuve und Drehbuchautor Taylor Sheridan wollen hier keine klaren Antworten liefern, in „Sicario“ existiert Schwarz und Weiß nicht. Das muss die auf Entführungsfälle spezialisierte FBI-Agentin Kate Macer (Emily Blunt) auf ihrer Reise in die Dunkelheit am eigenen Leib erfahren. Nach einem von ihr angeführten Spezialeinsatz auf ein Kartellhaus in Arizona, das zu einer schrecklichen Entdeckung führt, wird sie von dem US-Geheimagenten Matt Graver (Josh Brolin) angeheuert, um als Teil einer verdeckten Sondereinheit Jagd auf die Drahtzieher des Sonora-Kartells zu machen. Neben Graver wird die Gruppe von dem mysteriösen kolumbianischen Söldner Alejandro (Benicio Del Toro) angeführt, ein ehemaliger Staatsanwalt, der eine persönliche Vergangenheit mit mexikanischen Kartellen hat. Kate findet sich in einer Welt wieder, deren Regeln sie nicht versteht. Bei den Feldzügen gegen die Urheber all der grenzenlosen Gewalt im amerikanisch- mexikanischen Grenzgebiet wird der idealistischen Agentin immer klarer, dass sie sich in einer Grauzone befindet, bei der Gut und Böse nicht mehr leicht auseinanderzuhalten sind.

In den letzten Jahren haben sich schon so manche mehr oder minder hochkarätige Filme mit dem Thema der mexikanischen Drogenkartelle befasst: Steven Soderberghs realistisches Panoptikum „Traffic“ (für das Del Toro 2001 einen Oscar gewonnen hat) ist da zu nennen, aber auch Oliver Stones „Savages“ und Ridley Scotts „The Counsellor“ sind eher polarisierende Beispiele von filmischen Auseinandersetzungen über das Chaos der Drogenkriege. „Sicario“ ist ein weiteres herausragendes Werk über dieses leider immer relevanter werdende geopolitische Thema. Was den Film so besonders macht, ist zu einem großen Teil die Tatsache, dass er als fast körperlich spürbare Erfahrung funktioniert. Wir sehen den Film durch die Augen der jungen Agentin, fühlen eine latente Anspannung, eine echte Furcht, dass jederzeit etwas Schreckliches passieren kann. Der Film baut vom ersten Bild an eine sogartige, immersive Wirkung auf, als man umgehend Teil einer Razzia auf ein Kartellhaus wird. Die unerbittlich grimmige Filmmusik von Jóhann Jóhannsson hat daran sicher einen großen Anteil, ebenso das trommelfellerschütternde Sounddesign, aber auch die Klarheit der Bildkomposition und des brillanten Auges für Details. Die Intensität, die Villeneuve hier direkt in den ersten Sekunden und Minuten aufbaut, sucht ihres gleichen, bemerkenswerterweise lässt der Film nie nach. Villeneuve nimmt den Zuschauer in seine Hand, drückt fest zu und lässt nicht mehr los. Ein Meisterstück und eine der herausragenden Sequenzen des Films ist Kates erster Einsatz mit der Task Force, die nach Juarez führt, wo der Bruder eines Sonora-Bosses gefangen und über die Grenze überführt werden soll. Hier baut „Sicario“ eine nahezu unerträgliche Spannung auf, wenn der riesige Konvoi aus schwarzen SUVs zunächst über die Bridge of the Americas die amerikanisch-mexikanische Grenze überquert und anschließend durch die gefährlichste Stadt der Welt brettert, wo an jeder Ecke Lebensgefahr droht. Die Spannung steigt kontinuierlich an, ein Gefühl der allgegenwärtigen Paranoia entsteht.

„Sicario“ bietet eine Vielzahl an schweißtreibenden Hochspannungssequenzen, die Villeneuve meisterhaft orchestriert. Doch es ist natürlich das menschliche Element, ohne das der Film nicht ansatzweise so effektiv sein würde. Ein erfrischender Ansatz ist die Wahl einer weiblichen Hauptfigur, die in einem primär maskulinen Bereich operiert und hierfür eine regelrecht teflonartige Hülle aufbauen muss, um zu bestehen. Emily Blunt, die sich in den letzten Jahren zu einer der besten Darstellerinnen etabliert hat, liefert hier vielleicht ihre erinnerungswürdigste Leistung. Ihre Kate ist eine faszinierende Figur, die nicht einfach nur eine toughe Kämpferin ist, sondern unter deren Oberfläche ein immer spürbares menschliches Herz, eine ungeschönte Verletzlichkeit pocht. Was Blunt vor allem mühelos rein mit stillem Spiel und ihren expressiven Augen vermittelt, ist eine bestechende Intelligenz und eine Determination, Gerechtigkeit und moralische Aufrichtigkeit zu erreichen. Sie kommt in einen Strudel moralischer Ambivalenz, gerät häufig in gefährliche und desorientierende Situationen, die ihr Wissen und Training übersteigen und muss mit Professionalität bestehen. Blunt erinnert in ihrem präzisen, von Blicken und Körpersprache geprägten Spiel an ähnliche fokussierte, kompetente und starke Frauenfiguren in von Männern dominerten Kreisen wie etwa Jessica Chastain in „Zero Dark Thirty“ oder Clarice Starling in „Das Schweigen der Lämmer“. Dabei übertrifft sie genannte Rollen vielleicht teilweise sogar mit einer scheinbar mühelosen Natürlichkeit und Glaubwürdigkeit fernab jeder Klischees. Zugleich funktioniert sie als wichtiger Sympathieträger und moralischer Kompass in dieser ethisch und moralisch dubiosen Welt. Hiermit sollte Blunt ihre erste Oscar-Nominierung kaum zu nehmen sein.

Ein weiteres schauspielerisches Highlight ist Benicio Del Toro, der mit Alejandro eine weitere faszinierende Figur verkörpern darf. Anders als Macer ist Alejandro nur schwer zu lesen, er ist ein Mann voller Geheimnisse und Gegensätze, die sich nur nach und nach offenbaren. Del Toro gelingt es wie Blunt mit Körpersprache und vor allem mit den Augen, hinter denen so viel Schmerz zu liegen scheint, auszudrücken. Viel mehr braucht er nicht, um eine enorm facettenreiche Figur zu erschaffen. Die interessante Dynamik in der Beziehung, die er mit Kate aufbaut, gehört mit zu den Herzstücken des Films.

Mit „Sicario“ erweist sich Denis Villeneuve als Ausnahmeregisseur, der Aufbau von dichter Atmosphäre, unerträglicher Intensität und Schauspielerführung meisterhaft beherrscht. Er kreiert mit Roger Deakins einen faszinierenden, sehr markanten naturalistischen visuellen Stil, der nie bewusst Aufmerksamkeit auf sich lenken will, Schönheit in der Dunkelheit findet. „Sicario“ ist konsequent düster, regelrecht furchterregend, zeigt Gewalt mit klarem und unerbittlichem Auge. Seine Aussagen über moralische Grauzonen im scheinbar aussichtslosen Kampf gegen die Kartelle, bei dem letztlich nur das Motto „Das Ende rechtfertigt die Mittel“ zählt, bieten nachdenklich machenden Tiefgang. Auch wenn die Darstellung dieser schrecklichen Welt letztlich nicht wirklich neue Erkenntnisse liefert, ist „Sicario“ einfach in allen Bereichen zu gut gemacht, dass das ein Kritikpunkt sein kann. Denis Villeneuve ist hier ein Meisterwerk geglückt, das hoffentlich bei den Oscars verdiente Berücksichtigung finden wird, mindestens für Emily Blunt und Benicio Del Toro. Das lässt mit großer Erwartungshaltung in Villeneuves Zukunft blicken, sein nächster Film „Story of Your Life“ ist bereits in Produktion, dann wagt er sich an die Fortsetzung von „Blade Runner“. Wenn man dieses Unterfangen aktuell jemandem zutrauen möchte, dann diesem großartigen Filmemacher.


Fazit:
Denis Villeneuves grimmiger Kartell-Thriller „Sicario“ ist ein Meisterwerk des kompromisslosen Intensitäts-Kinos. Von der ersten bis zur letzten Sekunde atemberaubend spannend, zeigt der Film einen Abstieg in die brutale Hölle des Drogenkrieges im amerikanisch-mexikanischen Grenzgebiet. Hierbei offenbaren Villeneuve und Drehbuchautor Taylor Sheridan moralische Grauzonen, denen sich die brillante Emily Blunt als idealistische FBI-Agentin gegenüber stellen muss. Einer der filmischen Höhepunkte des Jahres, nach dem man händezitternd aus dem Kino taumelt.
by

Bilder © StudioCanal