Señor Kaplan

Señor Kaplan (2015), Uruguay
Laufzeit: - FSK: 0 - Genre: Komödie
Kinostart Deutschland: - Verleih: Neue Visionen

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Señor Kaplan Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

Jacob Kaplan (Héctor Noguera) ist 76 Jahre alt, lebt in Montevideo und hat noch immer keine Heldentat vollbracht. Wenig unterscheidet ihn von seinen alten Freunden in der jüdischen Gemeinde, die einen sonnenverwöhnten, aber schrecklich gewöhnlichen Lebensabend verbringen. Doch in Jacob grummelt der Ärger darüber, dass er sein Leben einfach so verstreichen ließ, ohne dass die Welt durch ihn eine bessere wurde. Hinzu kommt die leidige Sehschwäche, die Jacob unerbittlich daran erinnert, dass die Uhr tickt. Aber als in der Gemeinde das Gerücht kursiert, ein deutscher Nazi halte sich seit Jahren an der Küste Uruguays versteckt, klopft die Gelegenheit an. Jacob verpflichtet den chaotischen und chronisch abgebrannten Ex-Polizisten Wilson, mit ihm auf Nazijagd zu gehen. Gemeinsam entdecken sie vielsagende Spuren, die der Deutsche (Rolf Becker) über die Jahre beinahe erfolgreich verwischt hat, um ihn am Ende, so hofft Jacob Kaplan, den israelischen Behörden zu übergeben. Doch die internationale Operation, die die beiden anzetteln, ist gefährlicher als sie denken. Denn gerade als ihr ausgeklügelter Entführungsplan zwischen Tiefkühlfisch und Sinnsuche so richtig Fahrt aufnimmt, kommt der Deutsche ihnen auf die Schliche.

Héctor Noguera, Néstor Guzzini und Rolf Becker | mehr Cast & Crew


Señor Kaplan - Trailer


Señor Kaplan - Trailer


DVD und Blu-ray | Señor Kaplan

DVD
Señor Kaplan Señor Kaplan
DVD Start:
22.01.2016
FSK: 0 - Laufzeit: 94 min.

Filmkritik Señor Kaplan

Filmwertung: | 6/10


Spätestens seit dem Fall Adolf Eichmann, der sich in Argentinien versteckt hatte, ist die Öffentlichkeit für das Thema – Nazi-Verbrecher, die in Südamerika untergetaucht sind – sensibilisiert. Die Rezeption dessen in den Medien ist vielseitig. Die Spannweite reicht dabei von ernsthaften journalistischen Aufsätzen bis hin zu spaßigen Songs wie „SS in Uruguay“ von Serge Gainsbourg. Der uruguayanische Film „Señor Kaplan“ (Originaltitel: „Mr. Kaplan“, UY, 2014) versucht einen Mittelweg zu wählen, indem er sich zwischen Drama und Komödie einordnen möchte.

Jacobo Kaplan (Héctor Noguera) ist als Kind während des Zweiten Weltkriegs aus Europa geflohen und hat sich, wie viele andere Juden auch, ein Leben in Südamerika aufgebaut. Mittlerweile ist er 76 Jahre alt, hat seine festen Gewohnheiten und Verhältnisse und lebt in Montevideo, der Hauptstadt Uruguays. Aber immer mehr nagen die Zweifel an ihm, ob er sein Leben richtig genutzt hat. Als seine Enkelin ihm von einem Deutschen (Rolf Becker) erzählt, der am Strand eine Bar betreibt, ist sein Interesse geweckt. Er stiftet den ehemaligen Polizisten Wilson Contreras (Néstor Guzzini) dazu an, diesen gemeinsam zu observieren und wenn sich der Verdacht erhärtet, dass das ein geflohener Nazi ist, die Sache wie im Fall Eichmann selbst in die Hand zu nehmen.

Der uruguayanische Regisseur Álvardo Brechner, wurde 1976 in Montevideo geboren. Doch sein Großvater stammt wie Mr. Kaplan aus Polen und ist im Jahr 1938 nach Südamerika geflüchtet. Der Regisseur, der bereits drei Kurzfilme und einen Langfilm gedreht hatte, hegte schon immer ein großes Interesse für die Geschichte von NS-Verbrechern in Südamerika. Besonders der Fall Adolf Eichmann hatte ihn gefesselt. Aus den jahrelangen Recherchen zu dem Thema und den persönlichen Erfahrungen seines Großvaters heraus, entstand die Idee zum Film. Das Drehbuch dafür verfasste er selbst und dabei lag ihm eine spezielle Tonalität am Herzen. Der Film sollte zwischen Drama und Komödie angesiedelt sein, so wie für ihn auch das Leben niemals nur das Eine oder Andere ist. Zudem sollte sich die Geschichte nicht nur um NS-Verbrecher drehen, sondern auch die menschliche Natur einfangen, die im Leben etwas bewirkt haben möchte und in ihrem ganzen Sein widersprüchlich und tragisch-komisch ist. Dies ist dem Filmemacher nur in Grundzügen gelungen. Zwar kann man dem Film zu Gute halten, dass er sich unerwartet entwickelt, doch scheint ihm der richtige Fokus zu fehlen. Anfänglich ist ein leichter Humor noch vorhanden und der Zuschauer wird hier und da zum Schmunzeln gebracht, doch nach und nach nimmt nicht das Tragische den Platz sein, sondern das Peinliche und Blamable. Die Figur des Señor Kaplan bringt den Betrachter immer wieder dazu sich fremdzuschämen, statt mit dessen tollkühnen Plänen mitzufiebern oder Sympathien für die Figur aufzubauen. Es scheint als habe hier Altersweisheit keine Chance gegenüber einer starken Geltungssucht. Diese Fakten machen unklar, was der Film betonen möchte und auch was er gern sein möchte. So passiert es, dass die Erwartungen im humoristischen Bereich, die zum Beispiel mit dem Trailer geweckt werden, nicht erfüllt werden können, aber auch der Spannungsbogen nicht aufrecht gehalten werden kann. Formal gesehen ist der Film dagegen stimmig. Der Gegensatz zwischen paradiesisch wirkender, südamerikanischer Welt und den Schatten, die darauf liegen, wird gut eingefangen, auch wenn der Film oft nach purem Urlaubsvergnügen aussieht. Auch die heutige Gesellschaft und bestimmte Gruppen werden gut porträtiert. Zudem spielen die Darsteller alle überzeugend und runden damit das Bild ab.


Fazit:
Der Film „Señor Kaplan“ erzählt vor historischen Hintergründen von den Tücken des Alterns und der Suche nach Bedeutsamkeit. Dabei versucht er sich zwischen Komödie und Drama zu bewegen, doch ist in dem meisten Momenten mehr tragisch als komisch und kann dadurch die Zuschauer nicht überzeugend unterhalten und erst recht nicht die Spannung über die gesamte Länge aufrechterhalten.
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Bilder © Neue Visionen


Cast und Crew

Darsteller:
Héctor Noguera, Néstor Guzzini, Rolf Becker

Regisseur:
Alvaro Brechner