Zweite Chance

En chance til (2014), Dänemark
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Drama
Kinostart Deutschland: - Verleih: Prokino Filmverleih GmbH

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Zweite Chance Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

Andreas und Simon sind Polizei-Kollegen und beste Freunde. Neben allen Gemeinsamkeiten führen sie Leben, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Andreas hat sich mit seiner Frau und ihrem neugeborenen Sohn niedergelassen. Simon ist frisch geschieden und verbringt seine Freizeit meist betrunken in Strip-Clubs. Alles ändert sich schlagartig, als sie bei einem Einsatz auf ein Junkie-Paar treffen. Zuerst sieht es nach reiner Routine aus, aber dann findet Andreas deren verwahrlostes Baby im Badezimmer. Die Welt des sonst so gefassten Andreas wird im Kern erschüttert. Langsam verliert er den Glauben an Recht und Gerechtigkeit. Ausgerechnet Simon findet sich auf einmal in der Rolle wieder, seinen Freund daran zu erinnern, was richtig und was falsch ist…

ZWEITE CHANCE ist ein packender Thriller über Menschen, die vor eine unzumutbare Entscheidung gestellt werden. Susanne Bier, die für ihr Drama „In einer besseren Welt“ mit dem Oscar® geehrt wurde, lotet einmal mehr die Untiefen zwischenmenschlicher Beziehungen aus. Dafür vereint sie internationale Stars wie Nikolaj Coster-Waldau („Game of Thrones“) und Ulrich Thomsen („The International“) vor der Kamera. Lykke May Andersen, internationales dänisches Top-Model, gibt in ZWEITE CHANCE ihr beeindruckendes Leinwanddebüt. Das Drehbuch stammt aus der Feder von Susanne Bier und Anders Thomas Jensen, mit dem sie bereits „Love is all you need“, „In einer besseren Welt“ und „Nach der Hochzeit“ schrieb. Seine umjubelte Weltpremiere feierte ZWEITE CHANCE vergangenes Jahr auf dem International Film Festival Toronto. In Dänemark stieg ZWEITE CHANCE gleich in der ersten Woche auf Platz 1 der Kinocharts ein.


Nikolaj Coster-Waldau, Maria Bonnevie und Ulrich Thomsen | mehr Cast & Crew


Zweite Chance - Trailer


Zweite Chance - Trailer


DVD und Blu-ray | Zweite Chance

Blu-ray
Zweite Chance Zweite Chance
Blu-ray Start:
17.09.2015
FSK: 12 - Laufzeit: 103 min.
DVD
Zweite Chance Zweite Chance
DVD Start:
17.09.2015
FSK: 12 - Laufzeit: 98 min.

Filmkritik Zweite Chance

Filmwertung: | 6/10


Das Drama von „Oscar“-Preisträgern Susanne Bier (In einer besseren Welt, Things We Lost in the Fire, Nach der Hochzeit) ist der erneute Versuch der 54-Jährigen, an ihre alte Klasse anzuknüpfen. Nach ihrem durchschnittlichen letzten Film „Serena“, mit Jennifer Lawrence und Bradley Cooper starbesetzt, kehrte Bier für „Zweite Chance“ in ihr Heimatland Dänemark zurück. Mit einem Budget von 4,7 Millionen Euro wurde an Locations vor Ort gedreht.

Andreas (Nikolaj Coster-Waldau) und Simon (Ulrich Thomsen) sind befreundete Polizisten. Sie werden zu einer Sozialwohnung gerufen. Schon von draußen hören sie einen lautstarken Streit. Sie klopfen mehrfach und laut. Der tätowierte, muskulöse Tristan (Nikolaj Lie Kaas) öffnet die Tür. Die beiden kennen den asozialen Junkie, der sie beschimpft, da Andreas ihn bereits einmal ins Gefängnis brachte. Dieser entdeckt in einem Kleiderschrank ein völlig verwahrlostes Baby, das in seinen Exkrementen liegt und kalt ist. Andreas, selber Vater eines gleichaltrigen Sohnes, ist entsetzt. Die Mutter des Babys ist Sanne (Lykke May Andersen), die weint, weil sie sich gegen Tristan nicht behaupten kann. Sie ist ebenfalls drogenabhängig. Nach diesem harten Arbeitstag kehrt Andreas zurück in sein perfekt erscheinendes Leben mit seiner Frau Anna (Maria Bonnevie), dem gemeinsamen Sohn und ihrem großen Haus. Doch die Idylle trügt.

Die Geschichte ist zwiespältig umgesetzt. Das bisherige Tabuthema der Babymisshandlung wird hier ausführlich behandelt. Die Verwahrlosung und Gewalt werden nicht nur angedeutet, sondern in voller Brutalität gezeigt. Das macht „Zweite Chance“ zu einem schwer zu verdauenden Film, den nur hartgesottene Menschen ertragen können. Folgerichtig stellt sich natürlich die Frage, warum man sich diesen Film freiwillig anschauen und auch noch Geld dafür bezahlen sollte. Wirklich beantworten kann man diese Frage nicht. Allerdings steckt hinter all den abartigen Verbrechen auch ein anderes, großes und interessantes Thema. Denn laut Regisseurin Bier geht es vor allem um alle möglichen Arten von Moral. Diese wird anhand von sehr verschiedenen Charakteren mit unterschiedlichen Vorstellungen der Welt dargestellt. Allerdings hätte man, um diesen Kernpunkt zu verdeutlichen, auch ein anderes Thema wählen können oder zumindest die Grausamkeit etwas dezenter einsetzen können. Denn bereits in der Anfangssequenz, als Andreas und Simon zu Tristan in die Wohnung eindringen, ist man als Zuschauer über den Zustand des Babys entsetzt. Wer hier noch hofft, dass dies die schlimmste Szene im Film war, hat sich getäuscht. Denn es gibt viele Szenen, die noch schonungsloser und schockierender sind. Dem Zuschauer wird also sehr viel zugemutet. Und obwohl die Storyline von Beginn an Spannung und Intensität erzeugt, einige gute Wendungen zu bieten hat, ist sie aufgrund der genannten Gründe nicht perfekt ausbalanciert und zu düster geraten, um wirklich viele Menschen ansprechen d ins Kino locken zu können. Das liegt auch daran, dass einige Charaktere moralisch nachvollziehbar (Andreas, Sanne, Simon) gezeichnet sind, andere wiederum eine klare Schwarz-Weiß-Darstellung (Tristan, Anna) verpasst bekommen haben. Vor allem Anna ist als Figur sehr nervtötend geraten und nur schwer erträglich.
Zugutehalten muss man „Zweite Chance“ aber, dass er zum Nachdenken anregt und neben der Moral auch andere wichtige Themen zu bieten hat. Etwa die Macht der Entscheidungen, die eine gut durchdachte Ereigniskette in Gang bringen können, die Probleme vom Kontrollverlust und der damit einhergehenden Verrohung einzelner Menschen, die dann moralisch bedenklich handeln, obwohl sie selbst vom Gegenteil überzeugt sind und was es bedeutet, ein Mensch zu sein, der mit einem mal alles zu verlieren droht. Diese Themen verhindern auch, dass der Film schlecht ist. Doch aufgrund der Härte der Storyline kann es auch keine herausragende Wertung geben.

Die Schauspieler sind erstklassig. Nikolaj Coster-Waldau (Jaime Lannister in „Game of Thrones“, Oblivion, Mama) zeigt eine starke, differenzierte und vielschichtige Leistung, Ulrich Thomsen (Mortdecai - Der Teilzeitgauner, In einer besseren Welt, Centurion) bleibt in seiner guten Nebenrolle im Gedächtnis haften und Nikolaj Lie Kaas (Erbarmen, Whistleblower - In gefährlicher Mission, Illuminati) nimmt man den bedrohlichen und aufbrausenden Bösewicht zu jeder Zeit ab. Gerade, wenn man seine vorangegangenen Rollen kennt, ist seine Leistung umso bemerkenswerter. Auch Lykke May Andersen zeigt eine gute Performance. Maria Bonnevie gelingt dies nicht. Das liegt sowohl an ihrem schlechten Spiel, als auch an ihrer äußerst nervigen, nur bedingt nachvollziehbaren Rolle.


Fazit:
Solider, aber schwer zu verdauender Film, der sich in die tiefsten Abgründe der menschlichen Seele begibt, spannend und intensiv ist, lange im Gedächtnis haften bleibt, aber nicht perfekt ausbalanciert ist. Ein Horrorfilm für werdende oder junge Eltern.
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Bilder © Prokino Filmverleih GmbH